- 300 Nennungen markieren einen neuen Rekord in der Geschichte des Bergrennens
- Emanuel Reisinger fährt im ersten Trainingslauf mit einer Yamaha YZF-R6 die schnellste Zeit aller Klassen
- Trainingsschnellster insgesamt ist Thomas Altenhuber mit 1:13,327 Minuten
Wenn sich die Landesstraße L1507 zwischen Landshaag und St. Martin im oberösterreichischen Mühlviertel einmal im Jahr in eine Rennstrecke verwandelt, beginnt für Bergrennsport-Fans die heißeste Zeit des Jahres. Am 11. und 12. April 2026 richtet der MSC Rottenegg zum 45. Mal das FUCHS Silkolene Motorradbergrennen aus, das gleichzeitig als Auftakt zur FIM Europe Bergeuropameisterschaft, zur historischen Bergeuropameisterschaft, zur österreichischen Motorrad-Bergrennsport-Staatsmeisterschaft sowie zum Supermoto Racer Pokal dient. Die 3.620 Meter lange Strecke mit 19 Kurven und rund 230 Metern Höhenunterschied gilt als das schnellste Motorrad-Bergrennen Europas. Dort, wo normalerweise Tempo 100 gilt, erreichen die schnellsten Piloten Geschwindigkeiten von über 220 km/h bereits an der Ortstafel von Landshaag und sollen laut Topspeed-Messungen im oberen Streckenbereich sogar 311 km/h erreichen.
Nennungsrekord: 300 Aktive am Start
Der MSC Rottenegg wurde in diesem Jahr regelrecht überrannt. Mit 300 gemeldeten Teilnehmern, darunter sieben Damen, wurde ein neuer Nennungsrekord aufgestellt. Im Vorjahr waren es noch 260. Das Starterfeld reicht von der 125-ccm-Klasse über Supersport, Superstock und Superbike bis hin zu Supermoto, Gespannen, Classics und Young-Timern.
Dass die Piloten aus ganz Europa lange Anreisen in Kauf nehmen, liegt auch an der Strecke selbst. Im vergangenen Jahr wurde eine neue Asphaltdecke aufgebracht, die den Fahrern noch bessere Bedingungen bieten soll. Zuvor hatten teils tiefe Spurrillen auf der viel befahrenen Landesstraße, die täglich knapp 10.000 Fahrzeugbewegungen verzeichnet, jahrelang für Gesprächsstoff im Fahrerlager gesorgt.
Reisinger überrascht die Superbike-Piloten
Am Trainingssamstag sorgte Emanuel Reisinger für die wohl größte Überraschung des Tages. Der Österreicher legte im ersten Durchgang mit seiner Yamaha YZF-R6 in der Klasse Superstock 600 eine Zeit von 1:14,142 Minuten vor, an die zunächst kein einziger Pilot mit einer stärkeren Maschine herankam. Manuel Schleindlhuber auf seiner BMW M 1000 RR verlor 237 Hundertstelsekunden auf den 600er-Piloten. Nur Markus Mitterbauer auf einer Yamaha YZF-R1 und abermals Reisinger selbst auf seiner Supersport-Yamaha blieben in diesem Lauf unter der 1:15-Minuten-Marke.
Auch im zweiten Trainingslauf legte Reisinger mit 1:13,698 Minuten zunächst wieder die Bestzeit vor. Thomas Altenhuber, der Landshaag-Gesamtsieger von 2024, unterbot diese Marke schließlich mit 1:13,327 Minuten und sicherte sich damit die Trainingsbestzeit. Der Abstand zum drittplatzierten Mitterbauer betrug lediglich 0,134 Sekunden. Neben Altenhuber und Mitterbauer gelten auch Harald und Manuel Schleindlhuber sowie Thomas Altendorfer als ernsthafte Anwärter auf den Tagessieg bei den Rennen am Sonntag. Altendorfer, der sich als potenzieller Debütant beim Manx Grand Prix angekündigt hat, absolvierte in Landshaag seinen ersten Wettkampfeinsatz auf einer 765er-Triumph.
Streckenrekordhalter Datzer ohne Siegchancen
Der große Abwesende im Kampf um die Spitze ist ausgerechnet der Streckenrekordhalter selbst. David Datzer, der im Vorjahr mit 1:08,795 Minuten (Durchschnittsgeschwindigkeit 189,43 km/h) eine Fabelzeit in den Mühlviertler Asphalt gebrannt hatte, reiste dieses Jahr mit zwei BMW Naked Bikes an. Mit diesen Maschinen ist der 34-jährige Niederbayer zwar in den Klassen Special Bikes und Naked Bikes gemeldet, kommt aber für Bestzeiten im absoluten Spitzenfeld nicht in Frage.
Datzers Rückkehr an sich ist bereits bemerkenswert. Der IRRC-Superbike-Champion, der auch bei internationalen Straßenrennen wie dem North West 200, der Tourist Trophy und dem Motorrad-Grand-Prix in Macau antritt, hatte sich im Mai 2025 beim Straßenrennen im tschechischen Staré Město schwer verletzt, als ihn das Motorrad eines gestürzten Konkurrenten traf. Nur wenige Wochen zuvor hatte er in Landshaag den seit 2016 von Andreas Gangl gehaltenen Streckenrekord (1:09,940 Minuten) gleich zweimal unterboten, zunächst mit 1:09,841 im Superstock-1000-Lauf, dann mit der finalen Bestmarke im Superbike-Rennen. Auf die Frage, ob ein neuer Streckenrekord möglich sei, antwortete Datzer vor dem Wochenende knapp: „Tat scho geh‘.“
Bekannte Namen fehlen, neue kommen dazu
Ebenfalls nicht um den Tagessieg mitkämpfen werden die Italiener Maurizio Bottalico und Stefano Bonetti. Bottalico, fünffacher Bergeuropameister in der Supersport-Klasse und Vorjahres-Zweiter in der Supersport-Wertung, und Bonetti, 2025 Vierter im Gesamtklassement, haben sich entschieden, in dieser Saison ausschließlich internationale Straßenrennen wie das North West 200, die TT und den Macau Grand Prix zu bestreiten.
In der Supersport-Klasse gilt Alexander Kastenhuber als klarer Favorit. Der junge Österreicher hatte im Vorjahr mit 1:12,897 Minuten den neun Jahre alten Supersport-Rekord des Italieners Francesco Curinga (1:13,020 aus dem Jahr 2016) gebrochen und dabei als Neuntschnellster des Tages viele 1000er-Piloten hinter sich gelassen.
Comeback nach 40 Jahren und ein 125er-Veteran in neuer Klasse
Für eine der emotionalsten Geschichten des Wochenendes sorgt Manfred Binder. Der über Österreichs Grenzen hinaus bekannte Motorsport-Pressefotograf, der mit seiner Firma „sportmediapics“ seit vielen Jahren für spektakuläre Rennbilder sorgt, legte dieses Mal die Kamera zur Seite und griff nach 40 Jahren Pause selbst wieder zum Gasgriff. In der 250er-Klasse, in der er auf die gesamte Bergsport-Elite dieser Hubraumkategorie trifft, darunter den neunfachen Bergeuropameister Guido Testoni, dessen Vater Angelo Testoni, den Schweizer Rolf Haller und den Belgier Bernard Depierreux, klassierte sich Binder im Training auf dem dritten Platz. Ein Podiumsplatz am Renntag scheint möglich.
In der Achteliterklasse wird es dagegen einen historischen Einschnitt geben. Johann Karl, 15-facher Landshaag-Klassensieger in der 125-ccm-Wertung, hat seine 125er an den Nagel gehängt und tritt nun in der Klasse bis 500 ccm an. Das hinderte ihn im Training allerdings nicht daran, auch dort mit seiner FTR die Pace vorzugeben.
Wetterbedingungen und Zeitplan
Bereits der Trainingsfreitag hatte die Organisatoren auf die Probe gestellt. Teils heftige Regenschauer und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt konnten das Aufbau-Team des MSC Rottenegg aber nicht aufhalten. Am Trainingssamstag liefen die beiden Sitzungen zwischen 12:00 und 17:00 Uhr dann reibungslos ab.
Am Rennsonntag, dem 12. April, beginnt das dritte Training um 8:30 Uhr. Die Wertungsläufe starten um 12:00 Uhr und sollen bis etwa 17:30 Uhr dauern. Die Siegerehrung ist für 19:00 Uhr angesetzt. Der Eintritt am Renntag kostet 25 Euro, das Fahrerlager ist für alle Zuschauer frei zugänglich.
Aktuelle Streckenrekorde in Landshaag
- Superbike: David Datzer, 1:08,795 (2025)
- Superstock 1000: David Datzer, 1:09,752 (2025)
- Special Bikes: Christian Zaiser, 1:10,657 (2022)
- Supersport: Alexander Kastenhuber, 1:12,897 (2025)
- Superstock 600: Emanuel Reisinger, 1:13,963 (2023)
- Naked Bikes: Stefan Kuktits, 1:16,466 (2025)
- Gespanne: Josef Sattler/Uwe Neubert, 1:18,870 (2017)
- Supermoto: Josef Frauneschuh, 1:19,851 (2016)
- Supersport 300: Daniele Stolli, 1:33,294 (2023)

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