- Neuer VI-grade DiM500 Driver-in-the-Loop-Simulator im F&E-Zentrum bei Rom in Betrieb
- Einsparung von bis zu 12.000 experimentellen Reifen pro Jahr erwartet
- Virtual Tyre Development reduziert bereits Rohstoffverbrauch und CO₂-Emissionen um bis zu 60 Prozent
Wer an Reifenentwicklung denkt, hat vermutlich Testfahrzeuge auf abgesperrten Strecken im Kopf, die Runde um Runde drehen, um neue Gummimischungen und Profile auf Herz und Nieren zu prüfen. Bei Bridgestone sieht die Zukunft anders aus. Der japanische Reifenhersteller hat in seinem Forschungs- und Entwicklungszentrum in der Nähe von Rom einen Fahrsimulator der neuesten Generation in Betrieb genommen, der die Reifenentwicklung grundlegend verändern soll.
Ein virtuelles Testlabor für die Reifenentwicklung
Bei dem neuen System handelt es sich um einen VI-grade DiM500 Driver-in-the-Loop-Simulator. Das Herzstück bildet eine große bewegliche Plattform mit einem Bewegungsradius von fünf Metern, kombiniert mit einem Cockpit aus Kohlefaser. Der Fahrer wird in eine realistische virtuelle Umgebung versetzt, die reale Fahrbedingungen nachbildet. Die Plattform kann dabei Kräfte reproduzieren, die denen bei physischen Tests entsprechen, was eine präzise Analyse des Reifenverhaltens ermöglicht.
Das Besondere am DiM500 ist die Kombination aus hochauflösenden Simulationen, subjektivem Fahrer-Feedback, historischen Daten und Künstlicher Intelligenz. Durch diesen Ansatz fließen die Rückmeldungen der Testfahrer deutlich früher in den Entwicklungsprozess ein als bisher. Bridgestone kann so eine erheblich größere Anzahl an Reifenspezifikationen bewerten als es mit herkömmlichen physischen Tests möglich wäre, und das in kürzerer Zeit.
Physische Tests bleiben, rücken aber ans Ende
Das bedeutet nicht, dass reale Tests auf der Strecke komplett entfallen. Physische Erprobungen bleiben ein wesentlicher Bestandteil im Entwicklungsprozess von Bridgestone. Allerdings kommen sie künftig erst in der letzten Phase der Reifenvalidierung zum Einsatz, wenn die grundlegenden Spezifikationen bereits virtuell festgelegt und optimiert wurden. Das soll den gesamten Entwicklungszyklus spürbar verkürzen.
Aktuell konzentriert sich der Simulator hauptsächlich auf die Bewertung des Trockenverhaltens. Bridgestone arbeitet jedoch daran, das System auf ein breiteres Spektrum an Bedingungen auszuweiten, etwa nasse Fahrbahnen oder komplexere Untergründe.
Weniger Prototypen, weniger Emissionen
Die Einführung des DiM500 hat auch eine ökologische Dimension. Nach Angaben von Bridgestone soll der Simulator die Produktion von bis zu 12.000 experimentellen Reifen pro Jahr überflüssig machen. Das bedeutet weniger Rohstoffverbrauch, weniger Produktionsaufwand und einen geringeren CO₂-Ausstoß.
Bridgestone ist nach eigener Darstellung seit über einem Jahrzehnt Vorreiter bei der digitalen Reifenentwicklung. Die bestehende Virtual Tyre Development Technologie soll den Rohstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen in der Entwicklungsphase von Erstausrüstungsreifen bereits um bis zu 60 Prozent reduzieren. Der DiM500 ergänzt dieses digitale Ökosystem um eine entscheidende Komponente.
Mattia Giustiniano, Senior Vice President R&D bei Bridgestone West, ordnet die Investition ein: „Bridgestone is already considered a pioneer in digital tyre development – leveraging Virtual Tyre Development for more than a decade. By integrating the driver into the digital development cycle, this investment adds a crucial new piece to our evolving ecosystem.“ (Auf Deutsch: Bridgestone gelte bereits als Vorreiter in der digitalen Reifenentwicklung und nutze die Virtual Tyre Development Technologie seit über einem Jahrzehnt. Die Integration des Fahrers in den digitalen Entwicklungszyklus füge dem sich stetig weiterentwickelnden Ökosystem ein entscheidendes neues Element hinzu.)
Giustiniano ergänzt, die Einführung des Simulators stelle einen bedeutenden Schritt dar, um die Effizienz und Nachhaltigkeit der Forschungs- und Entwicklungsprozesse zu verbessern und gleichzeitig neue Möglichkeiten für Innovationen zu eröffnen.
Engere Zusammenarbeit mit Fahrzeugherstellern
Ein weiterer Vorteil des DiM500 liegt in der Möglichkeit, Reifen und Fahrzeuge parallel zu entwickeln. Bisher mussten Reifenhersteller oft auf fertige oder weit fortgeschrittene Fahrzeugmodelle warten, bevor sie passende Reifen entwickeln konnten. Mit dem Simulator kann Bridgestone die Reifenentwicklung zeitgleich mit der Fahrzeugentwicklung vorantreiben und enger mit den Herstellern zusammenarbeiten. Ziel ist es, Reifen maßgeschneidert auf das jeweilige Fahrzeug abzustimmen, um dessen Leistungspotenzial optimal auszuschöpfen.
Vorerst nur für Automobile
Der DiM500 im Bridgestone-Entwicklungszentrum bei Rom dient derzeit ausschließlich der Entwicklung von Pkw-Reifen. Eine Anwendung im Zweiradbereich ist bislang nicht vorgesehen. Ob die Technologie irgendwann auch für die Entwicklung von Motorradreifen eingesetzt wird, bleibt abzuwarten. Die Möglichkeiten, die der Simulator in der Reifenentwicklung bietet, dürften aber auch für den Zweiradsektor interessant sein, wo präzises Reifenverhalten eine noch größere Rolle für die Sicherheit spielt als beim Auto.
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