- Hybridantrieb mit Verbrennungsmotor hinten und Elektromotor im Vorderrad
- Eversor Technologie zur aktiven Drehmomentverteilung und Energierückgewinnung
- Serienmotorrad Furion F1 mit geplanter Markteinführung in Kleinserie
Nach Jahren der Konzeptarbeit und mehreren Versuchsfahrzeugen treibt Furion die Entwicklung hybrider Motorräder weiter voran. Der aktuelle Prototyp M2 basiert auf der bekannten CP2 Plattform und soll zeigen, welches Potenzial in einer intelligenten Kombination aus Verbrennungs und Elektromotor steckt.

Hybridisierung als alternativer Weg zur Elektromobilität
Während sich der Automobilsektor bereits stark in Richtung lokal emissionsfreier Antriebe bewegt, tut sich der Motorradmarkt mit rein elektrischen Konzepten weiterhin schwer. Vor allem bei leistungsstärkeren Modellen gelten hohes Gewicht, begrenzte Reichweite und ein als reduziert empfundener Fahrspaß als zentrale Herausforderungen.
Hybridlösungen wurden bisher kaum umgesetzt. Serienreif ist aktuell lediglich das System von Kawasaki, das unter anderem in der Z7 Hybrid und Ninja 7 Hybrid eingesetzt wird. Furion verfolgt nun einen technisch deutlich anderen Ansatz.
Der Furion M2 und seine technische Basis
Der Prototyp M2 nutzt eine Plattform, die vielen Motorradfahrern vertraut ist: die Yamaha MT-07. Während der Zweizylinder Verbrennungsmotor weiterhin das Hinterrad antreibt, sitzt ein zusätzlicher Elektromotor in der Vorderradnabe. Damit entsteht ein Allradantrieb, der sowohl Effizienz als auch Fahrstabilität verbessern soll.
Furion ist kein Neuling auf diesem Gebiet. Das Unternehmen wurde vor rund zehn Jahren von Marc Evenisse gegründet und machte erstmals mit dem Konzept M1 auf sich aufmerksam. Dieses kombinierte einen Wankelmotor mit einem elektrischen Antrieb. 2018 folgte ein fahrbereiter Prototyp auf Basis einer Yamaha R6, später ein dreirädriges Konzept M3 auf Niken Basis.

Eversor Technologie zur intelligenten Kraftverteilung
Im Zentrum des M2 steht die sogenannte Eversor Technologie. Sie steuert die Verteilung der Antriebskraft zwischen Vorder und Hinterrad in Echtzeit und regelt gleichzeitig das anliegende Drehmoment. Ziel ist es, in jeder Fahrsituation eine möglichst hohe Traktion bereitzustellen.
Furion gibt an, dass mit diesem System beim Bremsen bis zu fünfmal mehr Energie zurückgewonnen werden soll als bei herkömmlichen Systemen mit nur einem Elektromotor. Zudem soll der Allradantrieb die Handlichkeit verbessern, insbesondere beim Beschleunigen aus Kurven oder auf wechselnden Fahrbahnbelägen.
Die Technik ist dabei nicht ausschließlich für hybride Konzepte gedacht. Laut Furion kann Eversor auch in Fahrzeugen mit zwei Elektromotoren eingesetzt werden.
Erprobung auf der Rennstrecke
Erprobt wurde der M2 unter anderem auf dem Pole Mécanique d’Alès Cévennes. Als Testfahrer war unter anderem Adrien Chareyre beteiligt. Der vierfache Supermoto Weltmeister bestätigte nach Testfahrten das grundsätzlich funktionierende Konzept aus Sicht von Traktion und Fahrbarkeit.
Diese Rückmeldungen sollen Furion dabei helfen, die Technologie weiter abzusichern und auf Serienreife zu bringen.
Serienpläne und Lizenzmodell ab 2029
Um die Eversor Technologie nicht nur als Prototyp zu präsentieren, plant Furion die Einführung eines eigenen Serienmotorrads. Unter dem Namen Furion F1 soll ein Premium Modell entstehen, das in einer Kleinserie von rund 100 Exemplaren pro Jahr gefertigt wird. Das Design stammt von Takumi Yamamoto.
Zur geplanten Technik der F1 gibt es bislang nur wenige bestätigte Details. Bekannt ist jedoch, dass Furion eine Reichweite von über 300 Kilometern pro Ladung in Aussicht stellt. Zur Finanzierung der Industrialisierung plant das Unternehmen eine Kapitalaufnahme in Höhe von 2 Millionen Euro, umgerechnet rund 2,15 Millionen US Dollar.
Parallel dazu soll die Eversor Technologie ab 2029 über Lizenzmodelle auch anderen Herstellern zur Verfügung gestellt werden. Ziel ist es, das System als Industriestandard zu etablieren.
Marc Evenisse beschreibt die Zielsetzung wie folgt:
„We have designed EVERSOR to bring back real riding sensations while solving the range equation. Our technology is now completed, track tested and protected by international patents. It is intended to become a standard for the global industry through licensing agreements.“
„Wir haben EVERSOR entwickelt, um echte Fahrgefühle zurückzubringen und gleichzeitig das Reichweitenproblem zu lösen. Unsere Technologie ist nun fertiggestellt, auf der Rennstrecke getestet und durch internationale Patente geschützt. Sie soll über Lizenzvereinbarungen zu einem Standard für die weltweite Industrie werden.“
Was das für mich als Motorradfahrer bedeutet?
Als Motorradfahrer bedeutet dieser Ansatz vor allem, dass Hybridtechnik nicht zwangsläufig mit Verzicht gleichzusetzen ist. Die Kombination aus klassischem Verbrennungsmotor und zusätzlichem Elektroantrieb könnte dabei helfen, Reichweitenangst und Gewichtsnachteile reiner Elektromotorräder zu entschärfen, ohne das vertraute Fahrgefühl vollständig aufzugeben. Besonders interessant ist der Gedanke eines angetriebenen Vorderrads, das Traktion und Stabilität in kritischen Fahrsituationen verbessern soll. Sollte die Technik wie angekündigt funktionieren, könnten sich neue Möglichkeiten beim Beschleunigen, beim Fahren auf nassem Untergrund oder beim sportlichen Einsatz ergeben, ohne dass das Motorrad seinen charakteristischen Antrieb verliert. Entscheidend bleibt jedoch, ob sich diese Vorteile später auch im Alltag, auf der Landstraße und nicht nur auf der Rennstrecke, nachvollziehbar zeigen.
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