- Marc Marquez erhält Long-Lap-Penalty für den Sonntagslauf nach Kollision mit di Giannantonio
- Pedro Acosta fällt durch Reifendruckstrafe von Platz drei auf Rang acht zurück
- Bezzecchi und Marini büßen im Qualifying je zwei Startplätze ein
Was für ein Tag auf dem Circuit of the Americas. Während Jorge Martin den Sprint mit einem Last-Lap-Manöver gegen Francesco Bagnaia für sich entschied, sorgten gleich mehrere Strafentscheidungen der FIM-Stewards für mächtig Gesprächsstoff im Fahrerlager. Vom Qualifying am Morgen bis zur nachträglichen Ergebniskorrektur am Abend zog sich ein roter Faden durch den Samstag: Regelverstöße, Zwischenfälle und Konsequenzen.

Marquez und di Giannantonio kollidieren in der ersten Runde
Das folgenschwerste Ereignis des Tages spielte sich bereits in der Eröffnungsrunde des Sprints ab. Fabio di Giannantonio war von der Pole Position ins Rennen gegangen, wurde dann aber in Kurve 1 von Pedro Acosta weit nach außen gedrängt und verlor mehrere Positionen. Der VR46-Ducati-Pilot schlug jedoch sofort zurück und überholte Marc Marquez in Kurve 7 mit einem entschlossenen Manöver.
Wenige Kurven später kam es dann zur folgenschweren Szene. Marquez fuhr auf der langen Gegengeraden im Windschatten der drei vorausfahrenden Maschinen und verschätzte sich nach eigener Aussage beim Bremspunkt. In Kurve 12 habe ich den Windschatten der drei Bikes vor mir falsch eingeschätzt“, erklärte Marquez gegenüber MotoGP.com. „Als ich zu bremsen anfing, rutschte mir einen Moment das Hinterrad weg, dann blockierte das Vorderrad.“ Er habe versucht, der Situation auszuweichen, doch ein Ausweichen nach außen sei unmöglich gewesen. Er versuchte stattdessen, nach innen einzulenken und dann nach außen wegzuziehen. Am Scheitelpunkt der Kurve verlor er jedoch die Front über einer kleinen Geländekante und stürzte, wobei sein Motorrad di Giannantonio mitriss.
Für beide Fahrer war das Rennen gelaufen. Die FIM-Stewards urteilten, Marquez habe einen Crash verursacht, an dem Fahrer Nummer 49 beteiligt war. Die Strafe: eine Long-Lap-Penalty im Sonntagsrennen. Für den amtierenden Weltmeister, der eigentlich seinen achten COTA-Sieg anvisierte, ein zusätzlicher Rückschlag.
Marquez akzeptiert die Strafe, di Giannantonio bleibt kühl
Bemerkenswert war, wie offen Marquez die Schuld übernahm. Noch bevor die offizielle Strafe verkündet wurde, hatte er bereits eingeräumt, dass eine Bestrafung gerechtfertigt sei. „Ich weiß die Strafe noch nicht, aber ich muss irgendeine Strafe bekommen, weil die Regeln so sind. Heute habe ich einen Fehler gemacht und einem anderen Fahrer das Sprintrennen zerstört“, sagte der Spanier. Er betonte dabei, dass das Manöver keine Vergeltung für di Giannantonio’s vorangegangene Überholaktion gewesen sei. „Ich wollte nicht angreifen, weil ich wusste, dass Diggia ein gutes Tempo hat, um vorne zu fahren. Ich hatte einfach keine andere Möglichkeit. Ich konnte das Motorrad im Windschatten der drei Bikes nicht gut genug abbremsen, aber der Plan war nicht, anzugreifen.“
Auf die Frage, ob er mit di Giannantonio gesprochen habe, antwortete Marquez knapp: „Ja, er ist wütend. Ich verstehe ihn, und ich kann mich nur entschuldigen.“
Di Giannantonio selbst zeigte sich betont sachlich. Statt auf den Zwischenfall einzugehen, hob er lieber sein gelungenes Überholmanöver hervor. „Ich möchte mich einfach auf mich selbst konzentrieren. Ich glaube, ich habe ein großartiges Manöver gezeigt. Es ist nicht einfach, dort zu überholen, und erst recht nicht einen so starken Fahrer wie Marc. Ich bin stolz auf mein Überholmanöver, und das war’s“, sagte der Italiener. Zur Frage, ob eine einzige Long-Lap-Strafe eine gerechte Bestrafung sei, antwortete er lediglich: „Ich bin ein Fahrer. Die Stewards sind da, um ihren Job zu machen, und ich respektiere ihre Entscheidung vollkommen.“

Qualifying-Chaos: Bezzecchi und Marini behindern Marquez
Bereits am Vormittag hatte sich Ärger um Marc Marquez zusammengebraut. Im Qualifying wurden WM-Führender Marco Bezzecchi und Hondas Luca Marini von den Stewards für eine Behinderung des amtierenden Champions bestraft. Beide waren auf der Gegengeraden langsam auf der Ideallinie unterwegs und störten Marquez in Kurve 12, also exakt an jener Stelle, an der es später im Sprint zur Kollision mit di Giannantonio kam. Marquez wurde gesehen, wie er neben Bezzecchi in der Bremszone den Kopf schüttelte und wild gestikulierte.
Die Stewards urteilten, beide Fahrer seien „langsam auf der Ideallinie fahrend beobachtet worden und hätten dabei einen anderen Fahrer, Nummer 93, in Kurve 12 gestört.“ Normalerweise sieht ein solcher Erstverstoß eine Rückversetzung um drei Startplätze vor. In diesem Fall wurde jedoch eine Milderung angewandt, weil ein weiterer Fahrer in den Vorfall verwickelt war. Die Strafe fiel daher auf je zwei Plätze.
Für Bezzecchi bedeutet das den Verlust der ersten Startreihe. Statt von Platz zwei geht er am Sonntag von Position vier ins Rennen. „Zu Marc, ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Ich habe ihn nicht gesehen“, hatte Bezzecchi noch im Parc Fermé gesagt. Marini rutscht von Startplatz neun auf elf. Profiteur ist unter anderem Francesco Bagnaia, der von Platz vier in die erste Reihe auf Position drei vorrückt, hinter di Giannantonio und Pedro Acosta.
Ein weiterer Vorfall zwischen Marquez und Enea Bastianini sowie eine mögliche Behinderung von Bagnaia durch Ai Ogura wurden von den Stewards untersucht, blieben aber ohne Konsequenzen.
Acosta verliert das Podium durch Reifendruckstrafe
Als wäre der Strafenkatalog des Tages nicht schon lang genug gewesen, traf es am Abend auch noch Pedro Acosta. Der Red-Bull-KTM-Pilot hatte den Sprint als Dritter beendet, wurde aber nachträglich mit der standardmäßigen Zeitstrafe von acht Sekunden belegt. Grund war die Unterschreitung des vorgeschriebenen Mindestreifendrucks: Acosta hatte die Vorgabe, mindestens 30 Prozent der Runden oberhalb des Mindestdrucks zu absolvieren, nicht erfüllt.
Die Strafe warf den Spanier von Rang drei auf Position acht zurück. Statt sieben WM-Punkte nahm er nur noch zwei mit. In der Gesamtwertung liegt Acosta damit 13 Zähler hinter dem neuen Führenden Jorge Martin, der nach dem Sprintsieg 57 Punkte auf dem Konto hat. Marco Bezzecchi folgt mit 56 Punkten auf Rang zwei, Acosta hält bei 44 Zählern.
Profiteur der Acosta-Strafe ist ausgerechnet dessen KTM-Markenkollege Enea Bastianini, der auf das Podium vorrückt. Für den Italiener ist es das beste Ergebnis seit dem Katalonien-Grand-Prix der vergangenen Saison. Besonders bitter ist die Situation für Joan Mir, der in der letzten Runde des Sprints auf dem vierten Platz liegend vor Bastianini gestürzt war und nun gleich doppelt leer ausgeht.

Acosta hadert mit KTMs Rückstand
Pedro Acosta machte nach dem Sprint keinen Hehl aus der schwierigen Lage von KTM im Vergleich zur Konkurrenz. „Wir leiden. Man kann sehen, dass sie schneller sind, egal mit welchem Fahrer“, sagte der Spanier mit Blick auf Aprilia und Ducati. An eine Wiederholung des Podiums am Sonntag glaubte er wenig: „Wir müssen morgen nochmal leiden und dann hoffen, dass wir in Europa konkurrenzfähiger sein können. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis KTM unsere Schwachpunkte verbessern kann. Wir brauchen einen guten Start, und dann wird es nur darum gehen, den Reifen zu managen.“
Martin übernimmt die WM-Führung
Beinahe untergegangen im ganzen Strafenwirbel ist die sportliche Geschichte des Sprints selbst. Jorge Martin nutzte den Vorteil seines Medium-Hinterreifens, um in der letzten Runde Francesco Bagnaia zu überholen und den Sieg einzufahren. Der Aprilia-Pilot übernahm damit die Führung in der Weltmeisterschaft. Teamkollege Marco Bezzecchi, der von Platz zwei aus gestartet war und zeitweise auf dem zweiten Rang lag, stürzte im Verlauf des Rennens aus und verpasste wichtige Punkte im Titelkampf.
Die Ausgangslage für den Grand Prix am Sonntag ist damit spannend wie selten: Martin führt die WM mit einem Punkt Vorsprung auf Bezzecchi, Marquez muss seine Long-Lap-Strafe absolvieren, Bezzecchi und Marini starten weiter hinten als qualifiziert, und Acosta sucht nach Antworten auf den Rückstand der RC16.


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