- Valentin Debise gewinnt auf der ZX Moto 820RR beide Supersport-Läufe in Portimão und beschert dem chinesischen Hersteller den ersten WM-Sieg überhaupt
- ZX Moto liegt nach zwei Rennwochenenden auf Platz 3 der Konstrukteurswertung, hinter Ducati und Yamaha, aber vor Triumph, Kawasaki und Honda
- Gründer Zhang Xue baute die Marke erst 2024 auf und arbeitet mit dem mehrfachen Titelgewinner Evan Bros Racing zusammen
Am Wochenende des 28. und 29. März 2026 wurde auf dem Autódromo Internacional do Algarve in Portimão Motorsportgeschichte geschrieben. Der erst 2024 gegründete chinesische Motorradhersteller ZX Moto, auch unter dem Namen ZXJC bekannt, holte sich durch den französischen Piloten Valentin Debise beide Läufe der Supersport-Weltmeisterschaft. Es war erst das zweite Rennwochenende der Saison 2026 und das dritte Rennen überhaupt für die chinesische Marke in dieser Klasse. Damit setzte sich ZX Moto gegen die gesamte etablierte Konkurrenz durch, darunter Ducati, Yamaha, Honda, Kawasaki und Triumph.

Lauf 1: Debise nutzt Öncü-Sturz eiskalt aus
Die Pole-Position für den ersten Lauf hatte sich am Freitag der Yamaha-Pilot Can Öncü gesichert. Debise qualifizierte sich als Zweiter, Lucas Mahias auf der Yamaha komplettierte die erste Reihe. Philipp Öttl auf der Ducati ging von Startplatz 5 ins Rennen über 17 Runden.
Beim Start setzte sich Öncü sofort an die Spitze und begann, sich abzusetzen. Nach dem ersten Sektor der zweiten Runde lag der Türke bereits 0,445 Sekunden vor Debise. Dann kam die Wende: In Kurve 14 der zweiten Runde stürzte Öncü aus der Führung. Debise erbte die Spitzenposition und fuhr von dort aus ein souveränes Rennen. Ab der fünften Runde legte der Franzose die schnellste Rennrunde mit einer Zeit von 1:43,634 Minuten vor und zog unaufhaltsam davon.
Im letzten Renndrittel profitierte Debise zusätzlich von den Positionskämpfen hinter ihm. Fünf Runden vor dem Ende betrug sein Vorsprung bereits drei Sekunden, am Ende waren es 3,7 Sekunden auf den Zweitplatzierten Jaume Masia auf der Ducati Panigale V2. Lucas Mahias wurde auf der Yamaha R9 Dritter. Philipp Öttl kämpfte sich auf Platz 6 nach vorn, Dominique Aegerter auf der Kawasaki blieb als 16. ohne Punkte. Teamkollege Federico Caricasulo auf der zweiten ZX Moto 820RR wurde Neunter.
Lauf 2: Debise kontert nach eigenem Fehler
Dank seiner schnellsten Rennrunde aus Lauf 1 startete Debise am Sonntag von der Pole-Position. Diesmal gewann allerdings Landsmann Lucas Mahias den Start und übernahm die Führung in der ersten Kurve. Debise reihte sich dahinter ein, während Öttl einen guten Start erwischte und sich zunächst auf Platz 4 einordnete.
In der ersten Rennhälfte fuhren Debise und Mahias mit nahezu identischen Rundenzeiten an der Spitze, während sich Albert Arenas auf der Yamaha als Dritter von der Verfolgergruppe löste. Masia arbeitete sich in der zweiten Reihe von hinten nach vorn. Debise übernahm die Führung und kontrollierte das Rennen, doch drei Runden vor Schluss verpasste er den Bremspunkt und musste eine weite Linie fahren. Mahias und Arenas schlüpften vorbei.
„Wegen des starken Winds war Wegfahren schwierig“, erklärte Debise nach dem Rennen. „Aber ich fühlte mich gut an der Spitze und konnte meine Runden abspulen. Der Fehler verursachte bei mir keinen Riesenstress.“ Zwei Runden vor dem Ende bremste sich Debise in die erste Kurve hinein an beiden Konkurrenten vorbei zurück an die Spitze. In den letzten beiden Runden konnte er sich erneut absetzen und gewann mit 0,720 Sekunden Vorsprung auf Masia. Arenas wurde Dritter, Mahias und Roberto Garcia folgten auf den Plätzen 4 und 5. Öttl wurde erneut Sechster, Aegerter blieb als 18. wieder ohne Punkte.

Ein Motorrad, das noch kein Jahr alt ist
Die ZX Moto 820RR basiert auf einem 819 ccm großen Dreizylindermotor, der laut Beobachtern im Paddock auf Anhieb gut läuft. Das Rahmenkonstrukt wird mit dem der Boscoscuro-Prototypen aus der Moto2-Klasse verglichen: Das Chassis ist aus einem massiven Aluminiumblock gefräst und verfügt über Querverbindungen mit einstellbarer Flexibilität. Kein anderer Hersteller in der Supersport-WM nutzt derzeit diese Technik, weil sie bei keiner Serienmaschine zum Einsatz kommt.
„Das Motorrad ist noch kein Jahr alt. Sie haben ein sehr gutes Gesamtpaket gebaut. Wir fahren praktisch mit einem seriennahen Motorrad, und dessen Basis ist wirklich stark“, erklärte Debise. „Seit sie das Motorrad Anfang November bekommen haben, gab es keinen einzigen freien Tag. Weihnachten, Silvester, Neujahr – sie haben jeden Tag gearbeitet. Sie haben lange kaum geschlafen. Sie verdienen diesen Erfolg mehr als ich.“
Als Neueinsteiger profitiert ZX Moto auch von den Balance-of-Performance-Regeln der Supersport-WM. Da noch keine ZX Moto 820RR an westliche Kunden verkauft wird, kann das Team jede technische Änderung homologieren lassen, mit der Zusage, dass diese Modifikation bei allen künftigen Serienmaschinen übernommen wird. Die etablierten Hersteller mit bereits länger auf dem Markt befindlichen Modellen haben diese Freiheit nicht. Allerdings steht nach der nächsten Superbike-Runde auf dem TT-Circuit in Assen bereits eine Algorithmus-Aktualisierung an, die erfolgreiche Teams technisch einbremsen soll.
Zhang Xue: Vom Motorradmechaniker zum Firmengründer
Hinter ZX Moto steht der 38-jährige Zhang Xue, geboren 1987 in einem kleinen Bergdorf in der Provinz Hunan in Zentralchina. Sein gesamtes Leben dreht sich um Motorräder. Nach dem Abschluss der Mittelschule im Jahr 2003 ging er als Lehrling in eine Motorradwerkstatt, mit 17 eröffnete er einen eigenen Reparaturbetrieb.
Ein inzwischen legendäres Video zeigt den damals 19-jährigen Zhang Xue, wie er 2006 bei strömendem Regen über drei Stunden lang dem Übertragungswagen eines lokalen Fernsehsenders hinterherfuhr, um mit Stunts und Kunststücken auf sich aufmerksam zu machen. Sein Ziel: eine Aufnahme in ein professionelles Rennteam. Die Aufnahmen wurden ausgestrahlt, ein Rennteam meldete sich, und Zhang wurde als Stuntfahrer und Mechaniker aufgenommen.
2013 zog Zhang nach Chongqing, einem der wichtigsten Zentren der chinesischen Motorradindustrie, und schloss sich einem lokalen Entwicklungsteam an. 2017 gründete er zusammen mit zwei weiteren Partnern die Marke Kove Moto. Unter seiner Führung positionierte sich Kove als ambitionierter Hersteller mit Fokus auf Offroad-Motorsport. 2023 führte Zhang persönlich das Kove-Rally-Team zur Rallye Dakar, dem ersten Auftritt eines vollständig chinesischen Teams bei dem legendären Wüstenrennen.
Im März 2024 verließ Zhang Xue Kove aus bislang nicht im Detail öffentlich erläuterten Gründen. In einem Beitrag auf WeChat Moments schrieb er, sein Traum stehe im Konflikt mit den Interessen der Investoren. „Ich will nicht andere bewerten“, sagte Zhang in einem Interview mit dem chinesischen Magazin China Entrepreneur. „Es gab einen Konflikt, und ich konnte nicht bekommen, was ich wollte. Also musste ich meinen eigenen Weg gehen.“
Bereits im April 2024 gründete er Zhang Xue Motorcycles, international als ZX Moto oder ZXJC bekannt. Auf der Chongqing Motorcycle Show im Herbst 2024 stellte er das erste Modell vor: eine 500-ccm-Sportmaschine mit Vierzylindermotor, 85 PS und einem Gewicht von rund 168 kg (370 lbs). Angekündigt waren außerdem eine Naked-Version, die 820RR mit Dreizylindermotor und ein Adventure-Modell.

Vom Start-up zum Rennsieger in weniger als zwei Jahren
Die Geschwindigkeit, mit der Zhang Xue sein neues Unternehmen aufgebaut hat, ist bemerkenswert. Im Jahr 2025 produzierte ZX Moto nach eigenen Angaben etwas mehr als 25.000 Motorräder und erzielte einen Umsatz von 720 Millionen Yuan (circa 91 Millionen Euro / 95 Millionen US-Dollar). Dabei entstand allerdings ein Verlust von 25 Millionen Yuan (circa 3,2 Millionen Euro / 3,3 Millionen US-Dollar). Für 2026 peilt Zhang mindestens 450 Händler und einen Umsatz von 2 Milliarden Yuan (circa 253 Millionen Euro / 264 Millionen US-Dollar) an, ab dem er profitabel wirtschaften will.
„Wenn ein Unternehmen Erfolg haben kann, dann schafft es das in wenigen Jahren. Wenn es das in wenigen Jahren nicht schafft, wird es auch in 20 Jahren nichts“, erklärte Zhang. Sein erklärtes Ziel: ZX Moto in die Top 10 der Motorradmarken weltweit zu führen. In China liegt die Marke im Freizeit-Segment nach eigenen Angaben bereits auf Rang 8. Als Vorbild nennt Zhang den Hersteller CFMoto, den er ausdrücklich als exzellentes Unternehmen mit starker Internationalisierung lobt, aber auch als Konkurrenten sieht, den er innerhalb von drei bis fünf Jahren überholen will.
Die Finanzierung des Unternehmens war alles andere als komfortabel. In der Seed-Runde investierte ein Geldgeber 20 Millionen Yuan für 20 Prozent Anteile, zusätzlich lieh sich Zhang privat 10 Millionen Yuan. Zusammen mit seiner Abfindung von Kove hatte er etwas über 30 Millionen Yuan (circa 3,8 Millionen Euro / 4 Millionen US-Dollar) Startkapital. Im Februar 2025, kurz vor der Markteinführung des ersten Modells, ging das Geld aus. Zhang lieh sich von Freunden, Zulieferern und sogar seinem Vermieter insgesamt 7 Millionen Yuan, um die Gehälter zahlen zu können.
Das Team Evan Bros: Vom Yamaha-Erfolg zum China-Projekt
Für den Einsatz in der Supersport-WM holte sich ZX Moto das italienische Team Evan Bros Racing ins Boot, geleitet von Teamchef Fabio Evangelista. Das Team hatte in der Vergangenheit mehrfach den Supersport-WM-Titel mit Yamaha gewonnen und bringt entsprechende Erfahrung in der Entwicklung von Rennmaschinen mit. Die Zusammenarbeit wurde Ende 2025 offiziell bekanntgegeben und sorgte im Fahrerlager für Aufsehen.
„Ich wusste, dass Valentin die Pace der Besten hat, aber ein Sieg war ein Traum, den wir nun wahr gemacht haben“, sagte Evangelista nach dem ersten Sieg. „Er fuhr ein perfektes Rennen, mit einem fantastischen Tempo und einem sehr guten Management aller Rennphasen.“ Dass der erste Sieg bereits beim zweiten Rennwochenende gelang, überraschte selbst den erfahrenen Teamchef: „Der erste Sieg kam früher als erwartet.“
Als Fahrer verpflichtete Evan Bros zwei erfahrene Piloten: Valentin Debise, einen ehemaligen MotoAmerica-Supersport-Stammfahrer, und den Italiener Federico Caricasulo. Beide waren in der Vergangenheit bereits für das Team aktiv. Debise sieht sich selbst als gereiften Fahrer und war schon beim Saisonauftakt in Phillip Island schnell unterwegs, stürzte dort aber aufgrund fehlender Erfahrung mit der Rennmaschine über die volle Distanz. „Ich habe mich überschätzt und bin gefahren, als könnte ich gewinnen. Realistisch wären Platz sechs oder sieben gewesen. Das war komplett mein Fehler“, räumte er ein.

WM-Stand und Ausblick: Assen als nächster Prüfstein
Nach vier Rennen an zwei Wochenenden führt Jaume Masia auf der Ducati die Gesamtwertung mit 71 Punkten an, gefolgt von Albert Arenas (Yamaha) mit 65 Punkten. Debise liegt mit 50 Punkten auf Platz 3, nachdem er beim Saisonauftakt in Australien leer ausgegangen war. In der Konstrukteurswertung hat sich ZX Moto bereits auf Rang 3 vorgeschoben, hinter Ducati und Yamaha, aber vor Triumph, Kawasaki, Honda und MV Agusta.
Auch WorldSBK-Geschäftsführer Gregorio Lavilla zeigte sich beeindruckt. Er sprach davon, dass ein so schneller Erfolg nicht einfach ein gutes Wochenende sei, sondern zeige, dass die Grundlage bereits stehe. Was Zhang Xue über die Zeit aufgebaut habe, sei nun auf der Strecke sichtbar, und dieses Ergebnis verleihe dem Projekt echte Glaubwürdigkeit im internationalen Rennumfeld.
ZX Moto ist dabei nicht der einzige chinesische Hersteller in der Supersport-WM. Auch QJ Motor ist mit einem Werksteam vertreten. Bereits in der Saison 2025 gewann Kove, Zhangs früheres Unternehmen, die Supersport-300-WM durch den Fahrer Beñat Fernández. Die chinesische Motorradindustrie ist damit im internationalen Rundstrecken-Rennsport angekommen.
Das nächste Rennwochenende der Supersport-WM findet vom 17. bis 19. April auf dem TT-Circuit in Assen statt. Dort tritt auch die angekündigte Algorithmus-Aktualisierung in Kraft, die das Feld technisch enger zusammenrücken soll.
Häufige Fragen
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Wer ist ZX Moto und woher kommt die Marke?
ZX Moto, auch ZXJC genannt, ist ein 2024 gegründeter chinesischer Motorradhersteller mit Sitz in Chongqing. Das Unternehmen wurde von Zhang Xue ins Leben gerufen, der zuvor die Marke Kove mitgegründet hatte. In der ersten vollen Produktionssaison 2025 wurden nach Unternehmensangaben über 25.000 Motorräder hergestellt.
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Was ist die ZX Moto 820RR?
Die ZX Moto 820RR ist ein Sportmotorrad mit einem 819-ccm-Dreizylindermotor, das in der Supersport-WM 2026 eingesetzt wird. Das Chassis ist aus einem massiven Aluminiumblock gefräst und wird mit den Boscoscuro-Prototypen aus der Moto2-Klasse verglichen. In Portimão gewann die Maschine bei ihrem Europadebüt beide Rennen.
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Wer fährt die ZX Moto in der Supersport-WM?
Das ZX Moto Factory Evan Bros Racing Team setzt zwei Fahrer ein: den Franzosen Valentin Debise und den Italiener Federico Caricasulo. Debise gewann in Portimão beide Läufe und liegt nach zwei Rennwochenenden auf WM-Rang 2 mit 70 Punkten.
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Wann ist das nächste Rennen der Supersport-WM 2026?
Das nächste Rennwochenende findet vom 17. bis 19. April 2026 auf dem TT-Circuit in Assen in den Niederlanden statt.

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