- Die Kliniken Köln melden einen unvermindert hohen Bedarf an Blutkonserven in den Krankenhäusern Holweide, Merheim und im Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße
- Focus Online macht in seiner Berichterstattung Motorradfahrer zur Ursache des Mangels, obwohl die Pressemitteilung der Kliniken das nicht hergibt
- In Deutschland spenden nur rund drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig Blut, die Spenderzahlen sind seit Jahren rückläufig
„Krankenhäuser warnen wegen Motorradunfällen vor Mangel an Blutkonserven“ titelte Focus Online Ende April 2026 und schrieb im Teaser: „Aufgrund der unfallträchtigen Motorradsaison könnten Blutkonserven knapp werden.“ Wer das liest, bekommt den Eindruck, Motorradfahrer seien der Grund dafür, dass Kliniken nicht genug Blut für ihre Patienten haben. Doch ein Blick in die Pressemitteilung der Kliniken der Stadt Köln, auf die sich der Bericht stützt, zeigt ein völlig anderes Bild. Die Kliniken rufen zur Blutspende auf, weil der Bedarf grundsätzlich und ganzjährig hoch ist. Die Motorradsaison wird in einem einzigen Nebensatz als zeitliche Einordnung erwähnt, nicht als Ursache. Tatsächlich steckt hinter dem Mangel ein strukturelles Problem, das jeden betrifft und mit Motorrädern nichts zu tun hat.
Was steht tatsächlich in der Pressemitteilung der Kliniken Köln?
Die Kliniken der Stadt Köln gGmbH veröffentlichte am 27. April 2026 eine Pressemitteilung mit dem Titel „Dringender Aufruf: Bitte um Blutspenden bei den Kliniken der Stadt Köln – Blutkonserven werden knapp!“ Darin heißt es, der Bedarf an Blutkonserven sei in den Krankenhäusern Holweide, Merheim und im Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße „unvermindert hoch“. Patienten benötigten nach größeren Operationen oder im Rahmen einer aktuellen Chemotherapie häufig umfangreiche Transfusionen. Gleiches gelte für Unfallopfer nach Verkehrsunfällen. Die Motorradsaison wird in einem einzigen Nebensatz als zeitliche Einordnung erwähnt: „gerade in diesen Wochen der beginnenden Motorradsaison“.
Die Pressemitteilung betont außerdem, dass die Erkältungszeit vorbei und der nächste Urlaub noch nicht in Sicht sei, weshalb jetzt ein besonders guter Zeitpunkt zum Spenden wäre. Der Kern der Botschaft ist eindeutig: Es fehlt grundsätzlich an Blutkonserven, weil diese nur wenige Wochen haltbar sind und die Bestände ständig neu aufgefüllt werden müssen. Von einer besonderen Belastung durch Motorradunfälle ist in der offiziellen Mitteilung der Kliniken keine Rede.
Wie wurde aus dem Spendenaufruf eine Schuldzuweisung?
Während t-online Köln den Inhalt der Pressemitteilung weitgehend sachlich wiedergab, ging Focus Online einen anderen Weg. Die Überschrift dort lautet: „Krankenhäuser warnen wegen Motorradunfällen vor Mangel an Blutkonserven.“ Das Wort „wegen“ stellt eine kausale Verknüpfung her, die in der Pressemitteilung nicht existiert. Im Teaser heißt es zusätzlich: „Aufgrund der unfallträchtigen Motorradsaison könnten Blutkonserven knapp werden.“ Damit wird suggeriert, Motorradfahrer seien der Grund dafür, dass Blutkonserven knapp werden könnten.
Die Pressemitteilung sagt das Gegenteil: Der Mangel besteht bereits, und die Motorradsaison ist lediglich ein zusätzlicher Faktor neben Operationen und Krebstherapien. Eine Zwischenüberschrift im Focus-Artikel verschärft die Verzerrung weiter: „Kliniken weisen auf mehr Unfälle durch Motorräder hin.“ Die Kliniken haben das so nicht formuliert. Sie sprachen allgemein von Unfallopfern nach Verkehrsunfällen.
Wie groß ist das Blutspende-Problem in Deutschland wirklich?
Der Blick auf die bundesweiten Zahlen zeigt, dass der Mangel an Blutkonserven ein tiefgreifendes, strukturelles Problem ist, das weit über einzelne Unfallkategorien hinausgeht. In Deutschland werden laut dem Deutschen Roten Kreuz täglich rund 15.000 Blutspenden benötigt, um die Versorgung in Kliniken sicherzustellen. Nur etwa drei Prozent der Bevölkerung spenden regelmäßig Blut.
Die Entwicklung der letzten Jahre gibt Anlass zur Sorge. Von 2015 bis 2020 gingen die Blutspenden laut dem Paul-Ehrlich-Institut von 4,1 auf rund 3,7 Millionen zurück. Seitdem stagnieren die Zahlen auf diesem niedrigeren Niveau. 2024 wurden laut DRK-Bilanz rund 11.000 weniger Blutspenden durchgeführt als im Vorjahr. Bei den Erstspendern fiel der Rückgang besonders deutlich aus: Die Zahl sank von rund 307.000 auf etwa 288.500, das entspricht einem Minus von rund sechs Prozent.
Ein wesentlicher Faktor ist der demografische Wandel. Das Durchschnittsalter der Blutspender beim DRK liegt bei 44,8 Jahren, viele der zuverlässigen Stammspender gehören zur Generation der Babyboomer. Wenn diese Altersgruppe aus der Spendefähigkeit herausfällt, verschärft sich das Problem zusätzlich, weil dieselben Menschen als Patienten dann möglicherweise selbst auf Transfusionen angewiesen sind. Bei jüngeren Altersgruppen geht die Spendebereitschaft laut DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen deutlich zurück.
Wann treten Engpässe bei Blutkonserven auf?
Engpässe bei Blutkonserven sind keineswegs auf die Motorradsaison beschränkt, sondern treten das ganze Jahr über auf. Im Winter 2025/2026 berichtete der DRK-Blutspendedienst West von einer kritischen Lage: Statt der üblichen Vorräte für rund fünf Tage reichten die Bestände zeitweise nur noch für maximal zwei Tage. Ursache waren die heftige Grippewelle und winterliches Wetter, wodurch Spender fernblieben und teilweise Spendetermine ausfielen.
Im Sommer sinkt die Spendebereitschaft regelmäßig durch Urlaubszeit und Hitze, während der Bedarf laut der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) konstant hoch bleibt. Die DGTI-Präsidentin Dr. Kristina Hölig betonte, dass in den Sommermonaten auch das Unfallrisiko allgemein steige, weil mehr Menschen unterwegs seien und häufiger Sport im Freien getrieben werde. Das betrifft alle Verkehrsteilnehmer und Freizeitaktivitäten, nicht nur Motorradfahrer.
Dass schwere Verkehrsunfälle einen hohen Bedarf an Blutkonserven verursachen können, ist unbestritten. Das Klinikum Saarbrücken berichtete beispielhaft, dass ein einzelner schwerstverletzter Patient mehr als 50 Blutkonserven benötigen kann. Dieser Bedarf ist jedoch nicht an eine bestimmte Fahrzeugart geknüpft, sondern ergibt sich bei jeder Art schwerer Verletzung.
Welche Kliniken sind betroffen und wo kann gespendet werden?
Die Kliniken der Stadt Köln gGmbH gehören mit rund 1.400 Betten und jährlich rund 60.000 stationären sowie 120.000 ambulanten Patienten zu den größten kommunalen Krankenhäusern in Deutschland. Zum Verbund gehören das Krankenhaus Merheim, das Krankenhaus Holweide und das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße.
Die Blutspendezentrale befindet sich im Krankenhaus Merheim am Haupteingang an der Ostmerheimer Straße 200 in 51109 Köln-Merheim. Geöffnet ist montags bis donnerstags von 12:00 bis 18:30 Uhr und freitags von 7:00 bis 11:00 Uhr. Termine können über die Plattform Doctolib gebucht werden. Erstspender erhalten laut den Kliniken Köln einen Buchgutschein im Wert von 10 Euro. Ab der zweiten Spende gibt es eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro pro Termin. Weitere Informationen stehen unter www.spendeblut.de bereit.
Darüber hinaus gibt es in Köln weitere Möglichkeiten zur Blutspende, etwa am Universitätsklinikum Köln in der Kerpener Straße 62 (Telefon: 0221/478-4805) oder beim DRK-Blutspendezentrum am Neumarkt 25. Die Stadt Köln bietet unter der kostenlosen Telefonnummer 0800/8907372 allgemeine Auskunft zum Thema Blutspende.
Wer darf in Deutschland Blut spenden?
Blut spenden darf grundsätzlich jede gesunde Person ab 18 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 50 Kilogramm. Zur Spende ist ein amtlicher Ausweis mitzubringen. Frauen dürfen bis zu viermal, Männer bis zu sechsmal pro Jahr spenden, wobei zwischen zwei Spenden mindestens acht Wochen liegen müssen.
Vorübergehend ausgeschlossen sind unter anderem Personen nach Erkrankungen, Tätowierungen, Piercings oder Reisen in bestimmte Regionen. Die Spende selbst dauert nur etwa fünf bis zwölf Minuten, mit Anmeldung, Gesundheitscheck und Ruhephase kommt man auf insgesamt rund eine Stunde. Das gespendete Blut wird in der Regel in seine Bestandteile aufgetrennt: rote Blutkörperchen, Plasma und Blutplättchen. Eine einzige Spende kann so bis zu drei Patienten helfen.
Häufige Fragen
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Warum werden Blutkonserven in Köln knapp?
Die Kliniken der Stadt Köln verzeichnen einen unvermindert hohen Bedarf an Blutkonserven für Operationen, Chemotherapien und die Versorgung von Unfallopfern. Da Blutkonserven nur wenige Wochen haltbar sind und die Bestände ständig neu aufgefüllt werden müssen, entstehen regelmäßig Versorgungsengpässe.
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Sind Motorradfahrer schuld am Blutkonserven-Mangel?
Nein. Die Pressemitteilung der Kliniken Köln erwähnt die Motorradsaison lediglich als zeitliche Einordnung, nicht als Ursache des Mangels. Der Bedarf an Blutkonserven ist ganzjährig hoch und wird vor allem durch rückläufige Spenderzahlen, den demografischen Wandel und die begrenzte Haltbarkeit der Konserven verursacht.
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Wie viele Blutspenden werden in Deutschland täglich benötigt?
In Deutschland werden laut DRK täglich rund 15.000 Blutspenden benötigt. Nur etwa drei Prozent der Bevölkerung spenden regelmäßig Blut, und die Spenderzahlen sind seit Jahren rückläufig.
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Wo kann in Köln Blut gespendet werden?
Die Blutspendezentrale der Kliniken Köln befindet sich im Krankenhaus Merheim, Ostmerheimer Straße 200, 51109 Köln. Geöffnet ist montags bis donnerstags von 12:00 bis 18:30 Uhr und freitags von 7:00 bis 11:00 Uhr. Termine sind über Doctolib buchbar. Alternativ kann auch am Uniklinikum Köln oder beim DRK-Blutspendezentrum am Neumarkt gespendet werden.
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Welche Entschädigung erhalten Blutspender bei den Kliniken Köln?
Erstspender erhalten einen Buchgutschein über 10 Euro. Ab der zweiten Spende zahlen die Kliniken Köln eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro pro Termin.
- DR. O.K.WACK 2409DR. O.K.WACK Bekleidungspflege-/reparatur, Motorrad 2409 0.1l








