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Motorcycles.News – Motorrad Magazin
Startseite » MotoGP erwägt Abschaffung des Zwei-Motorräder-Systems ab 2027: Was das für Fahrer und Rennen bedeutet
Rennstart MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026 – Fahrerfeld in der ersten Kurve Vogelperspektive
MotoGP

MotoGP erwägt Abschaffung des Zwei-Motorräder-Systems ab 2027: Was das für Fahrer und Rennen bedeutet

By Andreas Denner22 Mai, 2026
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Die MotoGP prüft eine weitreichende Regeländerung ab der Saison 2027. Künftig soll jedem Fahrer nur noch ein Motorrad pro Rennwochenende zur Verfügung stehen, statt wie bisher zwei.
  • Die Hersteller haben den Vorschlag im Rahmen der laufenden Verhandlungen über das neue Concorde Agreement (2027 bis 2031) eingebracht.
  • Ziel ist eine deutliche Kostenreduzierung, unter anderem durch weniger technisches Personal.
  • Flag-to-Flag-Rennen in ihrer bisherigen Form wären damit Geschichte.

Die MotoGP steht vor einem möglichen Umbruch, der die Arbeitsweise der Teams und den Ablauf ganzer Rennwochenenden grundlegend verändern könnte. Wie Motorsport.com als erstes Medium berichtete, wird in den laufenden Verhandlungen zwischen dem Serienbetreiber MotoGP Sports Entertainment Group (ehemals Dorna) und den Herstellern über eine Reduzierung der verfügbaren Motorräder pro Fahrer von zwei auf eines diskutiert. Der Vorschlag ist Teil der umfassenden Gespräche über den neuen Rahmenvertrag, der die Zusammenarbeit aller Parteien von 2027 bis 2031 regeln soll.

Ducati Lenovo Team Gruppenfoto vor der Box beim MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026

Warum will die MotoGP die Zwei-Motorräder-Regel abschaffen?

Die Initiative geht laut Motorsport.com von den Herstellern selbst aus. Das Hauptziel ist die Senkung der Betriebskosten. Wenn pro Fahrer nur noch ein Motorrad eingesetzt wird, könnten die Teams die Zahl ihrer Techniker reduzieren. Die genaue finanzielle Ersparnis lässt sich derzeit allerdings noch nicht beziffern.

Der Zeitpunkt des Vorstoßes ist kein Zufall. Ab 2027 tritt in der MotoGP ohnehin ein umfassendes neues technisches Reglement in Kraft: Der Hubraum wird von 1.000 auf 850 Kubikzentimeter gesenkt, die maximale Bohrung von 81 auf 75 Millimeter reduziert, und die Anzahl der erlaubten Motoren pro Saison sinkt von sieben auf sechs. Die Meisterschaft wird zudem mit 100 Prozent nicht-fossilem Kraftstoff gefahren. In diese Phase des technischen Umbruchs fällt nun auch die Diskussion um die Reduzierung der Maschinenanzahl.

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Die Verhandlungen um das neue Concorde Agreement verlaufen allerdings alles andere als reibungslos. Yamaha, Aprilia und KTM sollen zuletzt ein Treffen mit dem Serienbetreiber beim Grand Prix von Jerez boykottiert haben, was die Gespräche zusätzlich belastet. Auch die Fahrerverträge für 2027 sind dadurch ins Stocken geraten, obwohl viele Vereinbarungen dem Vernehmen nach bereits unterschrieben sind.

Was würde sich im Rennbetrieb konkret ändern?

Die Auswirkungen einer solchen Regeländerung wären erheblich und würden mehrere zentrale Bereiche des MotoGP-Betriebs betreffen.

Bisher nutzen die Fahrer ihre beiden Maschinen, um während der Trainings parallel an verschiedenen Abstimmungsrichtungen zu arbeiten. Diese Möglichkeit würde komplett wegfallen. Teams könnten nicht mehr gleichzeitig zwei unterschiedliche Set-up-Philosophien verfolgen, was die Arbeit in der Box grundlegend verändern würde.

Noch gravierender wären die Folgen bei Stürzen. Wenn ein Fahrer im Training oder Qualifying seine einzige Maschine beschädigt, wäre die Session für ihn unter Umständen beendet. Der jüngste Grand Prix von Katalonien liefert dafür ein anschauliches Beispiel: Fabio Di Giannantonio gewann das Rennen mit seinem zweiten Motorrad, nachdem seine erste Maschine vor der ersten Rennunterbrechung beschädigt worden war. Auch Pedro Acosta nahm am neu gestarteten Rennen mit seiner Ersatzmaschine teil, weil an seinem ersten Motorrad vor der roten Flagge ein technisches Problem aufgetreten war. Beide Szenarien wären unter der neuen Regel so nicht möglich gewesen.

Luca Marini auf der Honda RC213V im Zweikampf beim MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026

Was passiert bei Flag-to-Flag-Rennen, wenn nur ein Motorrad erlaubt ist?

Diese Frage ist einer der kritischsten Punkte der gesamten Diskussion. Seit dem Grand Prix von Australien 2006 können Fahrer bei wechselnden Wetterbedingungen in die Boxengasse fahren und dort innerhalb von etwa drei Sekunden auf ein zweites Motorrad mit passender Reifenbestückung wechseln. Dieses System hat knapp 20 Jahre lang funktioniert und einige der denkwürdigsten Rennen der MotoGP-Geschichte hervorgebracht.

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Mit nur einem Motorrad wäre dieses Prozedere nicht mehr durchführbar. Die MotoGP müsste stattdessen auf ein alternatives Modell umstellen. Zwei Vorbilder aus anderen Serien stehen zur Debatte: Entweder eine Rückkehr zum alten System, bei dem Rennen unter wechselnden Bedingungen per roter Flagge abgebrochen und neu gestartet werden, oder die Einführung von Boxenstopps mit Reifenwechsel nach dem Vorbild der Superbike-WM. In der WorldSBK gilt bei Flag-to-Flag-Rennen eine Mindest-Standzeit in der Box, während der die Mechaniker die Reifen wechseln.

Wie handhaben andere Motorsportserien die Frage der Ersatzfahrzeuge?

Die MotoGP ist mit ihrer Zwei-Motorräder-Regel im internationalen Motorsport tatsächlich ein Sonderfall. Sowohl in der Moto2 als auch in der Moto3 wird seit 2010 mit nur einem Motorrad pro Fahrer gefahren. In der Superbike-WM steht jedem Fahrer offiziell ebenfalls nur eine Maschine zur Verfügung, obwohl ein Ersatzmotorrad ohne Zulassung in der Garage oder im Truck bereitgehalten wird. Dieses darf nur nach Genehmigung durch die technische Direktion eingesetzt werden, wenn Schlüsselkomponenten wie der Rahmen irreparabel beschädigt sind. Sobald das Ersatzmotorrad eingesetzt wurde, darf der Fahrer für den Rest des Wochenendes nicht mehr auf seine Primärmaschine zurückwechseln.

Auch die Formel 1 hat einen vergleichbaren Schritt bereits vollzogen: Vor der Saison 2008 wurden dort die sogenannten T-Cars abgeschafft, also die Ersatzfahrzeuge, die bis dahin bei jedem Rennen bereitstanden. Auch dort war die Kostensenkung der Hauptgrund.

Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Formel 1 und MotoGP: Die Häufigkeit und Heftigkeit von Stürzen im Motorradsport ist deutlich höher als im Automobilsport. Kettenreaktionen bei Massenstürzen, bei denen auch unbeteiligte Fahrer von herumfliegenden Trümmerteilen getroffen werden, sind keine Seltenheit. Ein komplettes Verbot von Ersatzmaschinen nach dem F1-Modell erscheint daher in der MotoGP kaum praktikabel. Das WorldSBK-Modell mit einer versteckten Reserve, die nach Inspektion freigegeben werden kann, gilt als deutlich wahrscheinlichere Lösung.

Pedro Acosta führt Gruppe an auf der KTM RC16 beim MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026

Wann könnte die neue Regel in Kraft treten?

Da es sich um eine Änderung des sportlichen Reglements handelt, muss der Vorschlag die entsprechenden Abstimmungsverfahren durchlaufen und von der Grand Prix Commission genehmigt werden. GPOne berichtet zudem, dass eine solche Regeländerung Einstimmigkeit unter den Herstellern erfordern würde. Angesichts der ohnehin angespannten Verhandlungslage um das neue Concorde Agreement ist der Ausgang derzeit völlig offen.

Ein ähnlicher Vorstoß war bereits 2020 gescheitert. Damals hatte Ducati während der Corona-Pandemie vorgeschlagen, die Zahl der Motorräder auf eines pro Fahrer zu reduzieren. Alle anderen fünf Hersteller lehnten die Idee jedoch ab. Ob die Ausgangslage sechs Jahre später eine andere ist, bleibt abzuwarten.

Die Diskussion fällt in eine Phase, in der Liberty Media als neuer Eigentümer der kommerziellen Rechte der MotoGP bereits mehrere Veränderungen angestoßen hat, darunter die Einführung von Stadtkursen und eine Annäherung der Satellitenteams an die Werksteams. Die geplante Ein-Motorrad-Regel reiht sich in diese Reformbestrebungen ein, ist aber aufgrund ihrer weitreichenden Konsequenzen für den sportlichen Ablauf besonders kontrovers.

Gottfried Neumeister Red Bull KTM Porträt im Paddock beim MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026

Häufige Fragen

  • Warum soll in der MotoGP ab 2027 nur noch ein Motorrad pro Fahrer erlaubt sein?

    Die Hersteller haben den Vorschlag im Rahmen der Verhandlungen über das neue Concorde Agreement (2027 bis 2031) eingebracht. Das Hauptziel ist die Reduzierung der Kosten, unter anderem durch weniger technisches Personal in den Teams. Die genauen Einsparungen lassen sich derzeit noch nicht beziffern.

  • Was passiert bei Regenrennen ohne zweites Motorrad?

    Flag-to-Flag-Rennen in der bisherigen Form, bei denen Fahrer innerhalb von drei Sekunden auf ein vorbereitetes Ersatzmotorrad wechseln, wären nicht mehr möglich. Als Alternativen gelten Boxenstopps mit Reifenwechsel nach dem Vorbild der Superbike-WM oder eine Rückkehr zu Rennabbrüchen per roter Flagge bei wechselnden Bedingungen.

  • Gibt es in anderen Motorsportserien bereits eine Ein-Motorrad-Regel?

    In der Moto2 und Moto3 wird seit 2010 mit nur einem Motorrad pro Fahrer gefahren. In der Superbike-WM steht offiziell ebenfalls nur eine Maschine zur Verfügung, ein Ersatz kann aber nach Genehmigung der technischen Direktion eingesetzt werden. Die Formel 1 hat Ersatzfahrzeuge vor der Saison 2008 abgeschafft.

  • Wurde ein solcher Vorschlag in der MotoGP schon einmal diskutiert?

    Ducati hatte 2020 während der Corona-Pandemie eine Reduzierung auf ein Motorrad pro Fahrer vorgeschlagen. Die anderen fünf Hersteller lehnten die Idee damals ab. Ob der Vorschlag diesmal mehr Zustimmung findet, hängt vom Verlauf der aktuellen Verhandlungen ab.

➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich. Verantwortlich für die Seiten www.Motorcycles.News, www.Motorrad.Training und den YouTube-Kanal "Motorrad Nachrichten", sowie deren social Media-Seiten.

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