- Neuer V4-Motor mit physisch größeren Abmessungen als die bisherigen 561-ccm- und 899-ccm-Triebwerke
- Designelemente des Equus-Konzepts in einer Cruiser-Konfiguration
- Marktstart als 2027er-Modell erwartet
Im vergangenen November sorgte QJMotor auf der EICMA in Mailand mit dem Konzeptbike Equus für Aufsehen. Das Motorrad, auch unter der Schreibweise „EQVVS“ bekannt, kombinierte den bekannten 561-ccm-V4-Motor der SRV600 mit einem auffälligen Café-Racer-Aufbau und einem ungewöhnlichen Aluminium-Brückenrahmen. Das Design stammte von C-Creative, der italienischen Designfirma unter der Leitung von Giovanni Castiglioni, die mittlerweile für die meisten aktuellen QJMotor-Modelle verantwortlich zeichnet. Doch während die Equus als Konzeptfahrzeug konzipiert war, zeigen nun neue Designregistrierungen, dass die dort gezeigte Formensprache ihren Weg in ein deutlich ambitionierteres Serienmodell finden soll.

Vom Café Racer zur Maxi-Cruiser
Die in den Registrierungsunterlagen sichtbare Maschine übernimmt etliche Styling-Elemente des Equus-Konzepts, setzt diese aber in einen klassischen Cruiser-Kontext um. Besonders auffällig ist der Scheinwerfer, der eine kleine zentrale LED mit einem Ring aus Positionslichtern umrahmt. Der Kraftstofftank erscheint länger und schlanker als bei den bisherigen QJMotor-Modellen. Die Grundhaltung des Motorrads kehrt jedoch zu einer deutlich gestreckteren, tieferen Cruiser-Ergonomie zurück, ganz im Gegensatz zur aufrechteren Café-Racer-Linie des Equus-Konzepts.
Beim Rahmenkonzept zeigen sich interessante Parallelen und Unterschiede zum Konzeptbike. Die Equus nutzte einen funktionalen Brückenrahmen aus Aluminium, bei dem vordere und hintere Gussteile als tragende Struktur an den Motor angeschlossen waren. Beim neuen Modell scheinen diese Aluminiumelemente dagegen eher kosmetischer Natur zu sein. Unter den Verkleidungsteilen verbirgt sich ein konventioneller Stahlrohrrahmen, der den Motor von unten umfasst und dann in die Aluminiumsektionen übergeht oder hinter ihnen verschwindet.
Ein deutlich größerer V4-Motor
Die vielleicht spannendste Erkenntnis aus den Designunterlagen betrifft den Motor. Während die Equus den bekannten 561-ccm-V4 der SRV600 verwendete, zeigen die neuen Zeichnungen ein Triebwerk mit merklich anderen Gehäusen und Abdeckungen. Legt man die Darstellungen über Bilder der aktuellen V4-Modelle von QJMotor, also der SRV600 mit 561 ccm und der SRV900 mit 899 ccm und 110 PS (81 kW) bei 10.000 U/min sowie 85 Nm bei 8.500 U/min, fällt auf, dass der neue Motor physisch größer ist. Die Zylinderköpfe ragen weiter heraus und erscheinen breiter als bei den bestehenden Aggregaten. Es handelt sich nach wie vor um ein flüssigkeitsgekühltes DOHC-Design, doch die Abmessungen deuten auf einen erheblichen Hubraumsprung hin. Ein V4 mit 1.000 oder 1.200 ccm wäre ein logischer nächster Schritt für die Marke, möglicherweise sogar noch mehr.

Konventionelle Technik statt Automatik-Trend
Anders als der aktuelle Branchentrend zu halbautomatischen Getrieben setzt QJMotor bei diesem Modell offenbar auf Bewährtes. In den Designzeichnungen sind eine konventionelle Kupplung und ein Schaltpedal klar erkennbar. Das ist bemerkenswert, da QJMotor selbst bereits bei der SRV 300 A und weiteren Modellen ein automatisiertes Schaltgetriebe (AMT) im Programm hat.
Der Endantrieb erfolgt über einen Riemen, was zur Cruiser-Philosophie passt und bereits bei den bestehenden V4-Modellen der SRV-Reihe zum Einsatz kommt. Der Radstand fällt länger aus als bei den aktuellen QJMotor-V4-Cruisern, was die Ausrichtung als komfortorientiertes Langstreckenmodell unterstreicht.
Bremsen, Fahrwerk und Ausstattung
Die Bremsanlage besteht aus zwei vorderen Scheiben mit radial montierten Vierkolben-Sätteln der chinesischen Marke Hangte. Das ist eine Abkehr von den bisherigen ByBre-Bremsen (Brembos Budget-Marke), die bei der SRV600 V zum Einsatz kommen. Beim Fahrwerk soll QJMotor der bewährten Partnerschaft mit Marzocchi treu bleiben. QJMotor gehört zur Qianjiang-Gruppe, die Marzocchi in China betreibt, was die enge Zusammenarbeit erklärt.
Die Instrumentierung fällt minimalistisch aus: Ein einzelnes rundes Instrument, bei dem es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um das gleiche TFT-Display handelt, das auch in den anderen V4-Cruisern der Marke verbaut ist. Es sitzt in einer leicht ungewöhnlichen Position direkt am Lenker. Statt eines schlüssellosen Startsystems kommt ein konventioneller Zündschlüssel zum Einsatz, der an der oberen Gabelbrücke steckt. Eine 12-Volt-Steckdose auf der linken Rahmenseite vor dem Tank sorgt für einen Hauch moderner Praxistauglichkeit.

QJMotors wachsende V4-Palette
QJMotor ist einer der wenigen Hersteller weltweit, die eine ganze Cruiser-Familie um V4-Motoren herum aufgebaut haben. Mit der SRV600 V und ihrem 561-ccm-V4 mit 68 PS (51 kW) bei 10.500 U/min begann die Marke, sich von der Konkurrenz abzuheben. Die SRV900 V mit 899 ccm und 110 PS setzte diese Strategie im größeren Segment fort. Ein noch hubraumstärkerer V4 würde das Portfolio nach oben abrunden und QJMotor in direkte Konkurrenz zu etablierten Herstellern bringen.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass QJMotor-Modelle in Designregistrierungen auftauchen, bevor sie offiziell vorgestellt werden. Angesichts des fortgeschrittenen Entwicklungsstands ist davon auszugehen, dass die finale Version dieser Maschine in den kommenden Monaten offiziell enthüllt wird und als Modell 2027 auf den Markt kommen soll.

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