- Zongshen meldet Patent für ein Dreirad mit zwei Hinterrädern und Allradantrieb an
- Das System wechselt per Luftfederung zwischen starrem Trike-Modus und neigbarem Motorrad-Modus
- Ob das Konzept jemals in Serie geht, ist offen
Zongshen patentiert neigbares Dreirad mit zwei Fahrmodi
Neigbare Dreiräder gibt es seit den 1970er Jahren. BSA brachte 1970 mit dem Ariel 3 das wohl erste Fahrzeug dieser Art auf den Markt. Der Motor saß auf einer horizontalen Plattform, während sich der vordere Teil des Fahrzeugs samt Fahrer in die Kurve legte. Kommerziell war das Ariel 3 ein Desaster und gilt vielfach als einer der Gründe für den Untergang von BSA im Jahr 1973. Honda griff die Idee in den 1980er Jahren mit der Gyro-Reihe deutlich erfolgreicher auf. Diese Modelle sind in Japan bis heute als Nutzfahrzeuge im Einsatz. In der modernen Variante setzen Hersteller wie Piaggio mit dem MP3 oder Yamaha mit dem Tricity und dem Niken auf zwei Vorderräder und ein Hinterrad. Parallelogramm-Lenker sorgen dafür, dass sich das gesamte Fahrzeug in die Kurve neigt und sich damit ähnlich wie ein konventionelles Motorrad verhält.

Zongshen dreht das Konzept um
Zongshen, ansässig in Chongqing und vor allem durch seine Cyclone-Modellreihe bekannt, geht mit seiner Patentanmeldung einen anderen Weg. Statt zwei Vorderrädern setzt das Design auf zwei Hinterräder und ein einzelnes Vorderrad. Die Basis bildet ein konventioneller Motorradrahmen, an den das gesamte Hinterrad-Modul angeschraubt werden soll. Das Besondere: Alle drei Räder können sich in die Kurve neigen, allerdings nicht permanent. Das System bietet zwei klar getrennte Fahrmodi, zwischen denen per Knopfdruck gewechselt werden kann.
Differenzial und Kardanwellen für Allradantrieb hinten
Der Antrieb beider Hinterräder erfolgt über ein Differenzial, das zwischen den beiden Schwingendrehpunkten montiert ist. Von dort aus wird die Kraft über zwei seitliche Ausgangswellen weitergeleitet, die konzentrisch zu den Schwingendrehpunkten verlaufen. Kegelradgetriebe leiten die Kraft in Kardanwellen innerhalb zweier einseitiger Schwingen weiter. Am Ende jeder Schwinge sitzt ein weiteres Kegelradgetriebe, das schließlich das jeweilige Hinterrad antreibt. Zwei verstellbare Streben verbinden das Differenzialgehäuse mit den Aufnahmen am Hilfsrahmen, an denen bei einem konventionellen Motorrad die hinteren Stoßdämpfer befestigt wären.

Zwei Fahrmodi dank höhenverstellbarer Luftfederung
Die eigentliche Innovation steckt in der Hinterradfederung. Drei Federbeine kommen zum Einsatz: zwei seitliche Feder-Dämpfer-Einheiten und ein zentrales Luftfederbein. Letzteres ist über Gelenke mit Kardangelenken an beiden Schwingen befestigt.
Im Trike-Modus befindet sich das zentrale Luftfederbein in seiner kürzesten Position. Das Heck des Fahrzeugs senkt sich ab, und die beiden seitlichen Federbeine setzen auf Anschlagpuffer an den Oberseiten der Schwingen auf. In diesem Zustand sind die Schwingen fixiert und das Fahrzeug kann sich nicht in die Kurve neigen. Die Federung arbeitet dabei weiterhin, eine Schräglage ist jedoch ausgeschlossen. Dieser Modus eignet sich laut Patent für niedrige Geschwindigkeiten und das Parken.
Beim Wechsel in den Neigungsmodus wird Luft in das zentrale Federbein gepumpt. Es verlängert sich, hebt das Heck des Fahrzeugs an und löst die seitlichen Federbeine von den Anschlagpuffern der Schwingen. Ab diesem Punkt trägt ausschließlich das mittlere Luftfederbein das gesamte Gewicht des Hecks. Beide Schwingen können sich nun unabhängig voneinander bewegen, und das Fahrzeug neigt sich in Kurven wie ein Motorrad. Ein Sicherheitsmechanismus sorgt dafür, dass bei zu großer Schräglage eines der seitlichen Federbeine wieder Kontakt zur Schwinge bekommt und als weicher Begrenzer des maximalen Neigungswinkels dient.
Offen bleibt die Frage nach dem Motor
Aus der Patentanmeldung geht nicht hervor, welcher Motor das Fahrzeug antreiben soll. Der Aufbau mit Differenzial und Kardanwellen legt allerdings nahe, dass ein längs eingebauter Motor besser geeignet wäre als ein quer montiertes Triebwerk. Denkbar wäre ebenso ein Elektromotor wie ein Verbrennungsmotor.

Serienproduktion bleibt ungewiss
Eine Patentanmeldung bedeutet nicht automatisch, dass das Fahrzeug jemals gebaut wird. Die chinesische Motorradindustrie hat sich in den vergangenen Jahren allerdings als experimentierfreudig erwiesen und schreckt zunehmend weniger vor ungewöhnlichen Fahrzeugkonzepten zurück. Ob es tatsächlich einen Markt für ein neigbares Dreirad mit zwei Hinterrädern gibt, der nicht bereits von den etablierten Konzepten mit zwei Vorderrädern abgedeckt wird, bleibt abzuwarten.

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