- Die Norton Manx R kommt in sieben Farben, inklusive einer Carbon-Option ab Werk
- Der neue 1.200-ccm-V4-Motor leistet 209 PS (154 kW) bei 11.500 U/min
- Die V4-Modelle werden im Werk in Solihull, Großbritannien, montiert
Bei der Enthüllung auf der EICMA 2025 in Mailand war die Norton Manx R ausschließlich in Silber zu sehen. Jetzt hat Norton über die neu geschaltete indische Website die vollständige Farbpalette für das Supersport-Flaggschiff veröffentlicht. Insgesamt stehen sieben Varianten zur Wahl, die allesamt einen zurückhaltenden, klassisch-eleganten Ansatz verfolgen. Auffällige Grafiken oder aufwendige Rennlackierungen sucht man vergebens. Stattdessen ziert lediglich das Norton-Logo den Tank.

Dezente Palette mit einer Ausnahme aus Carbon
Neben dem bereits bekannten Trophy Silver umfasst die Farbpalette die Töne Matrix Black und Celestial Grey als klassische, eher dunkle Optionen. Mit Aqua Green und Glacier Blue hat Norton zudem zwei Pastelltöne im Programm, die im Segment der Superbikes mit mehr als 200 PS eine echte Seltenheit darstellen. Die sechste Farboption ist eine komplette Carbon-Ausführung direkt ab Werk, bei der die Verkleidungsteile in sichtbarem Kohlefaser-Finish gehalten sind. Alle sieben Farben sind identisch für die Manx R und die nackte Manx-Variante verfügbar. Während die meisten Töne bewusst zurückhaltend wirken, setzen sich Aqua Green und Glacier Blue durch ihre leicht kräftigeren Pastellfinishes etwas deutlicher vom Rest ab.
Ein komplett neuer V4 als Herzstück
Im Zentrum der Manx R arbeitet ein völlig neu entwickelter 1.200 ccm großer, flüssigkeitsgekühlter V4-Motor mit 72 Grad Zylinderwinkel. Norton gibt eine Leistung von 206 bhp bei 11.500 U/min an, was umgerechnet rund 209 PS (154 kW) entspricht. Das maximale Drehmoment liegt bei 130 Nm (96 lb-ft) bei 9.000 U/min. Damit übertrifft der neue Motor den Vorgänger aus der eingestellten V4SV-Baureihe deutlich, der noch 185 bhp leistete.
Norton betont, dass bei der Entwicklung nicht die Spitzenleistung bei hohen Drehzahlen im Vordergrund stand, sondern eine alltagstaugliche Leistungsentfaltung. Das Entwicklungsteam hat nach eigenen Angaben Zehntausende Kilometer an Fahrdaten ausgewertet, um die Drehmomentkurve so zu gestalten, dass der Großteil der Kraft zwischen 5.000 und 10.000 U/min anliegt. Ein Ride-by-Wire-System steuert jede Zylinderbank unabhängig voneinander für eine präzise Gasannahme. Gekoppelt ist der Motor an ein Sechsganggetriebe mit Rutschkupplung und bidirektionalem Quickshifter. Die Getriebeübersetzung ist eng gestuft, während die finale Übersetzung mit 2,41:1 bewusst lang gewählt wurde, um den Motor möglichst im optimalen Drehmomentbereich zu halten.
Brian Gillen, ehemals langjähriger Forschungs- und Entwicklungsleiter bei MV Agusta und nun Chief Technical Officer bei Norton, sprach darüber, dass jede Komponente des Motors für diese spezifische Anwendung neu entwickelt und industrialisiert worden sei.

Fahrwerk auf Straßendynamik ausgelegt
Auch beim Chassis geht Norton einen eigenen Weg. Der Aluminiumgussrahmen ist laut Norton nicht primär auf maximale Steifigkeit für die Rennstrecke, sondern auf ein ausgewogenes Fahrverhalten auf der Straße ausgelegt. Kontrollierte Flexzonen sollen Rückmeldung und Komfort verbessern. Gillen erklärte, das Fahrwerk sei auf echtes Fahrgefühl hin entwickelt worden, um auf der Straße Vertrauen zu vermitteln, statt ausschließlich auf Rundenzeiten abzuzielen.
Die Federung stammt von Marzocchi und arbeitet semiaktiv mit elektronischer Dämpfung. Das System passt Druck- und Zugstufe in Echtzeit an und reagiert auf Gas, Bremse und Schräglage. Fünf Fahrmodi stehen zur Verfügung: Rain, Road, Sport sowie zwei individuell konfigurierbare Track-Profile. Die gewählten Einstellungen bleiben auch nach dem Abschalten des Motorrads gespeichert.
Beim Bremssystem setzt Norton auf Brembo mit den neuen HYPURE-Sätteln, doppelten 330-mm-Scheiben vorne und einer 245-mm-Scheibe hinten. Ein schräglagenabhängiges ABS ist ebenfalls an Bord. Die 17-Zoll-Räder bestehen aus Carbon und stammen von BST, bezogen mit Pirelli Diablo Supercorsa V4SP.
Umfangreiche Elektronik mit einigen Neuerungen
Die Elektronik basiert auf Boschs aktueller 10.3-Plattform mit einer sechsachsigen Trägheitsmesseinheit (IMU). Neben den erwartbaren Systemen wie Traktionskontrolle, kurvenabhängigem ABS, Wheelie-Kontrolle und Schlupfregelung bietet die Manx R auch einige ungewöhnlichere Funktionen. Dazu gehören eine sogenannte Slope-Dependent Control, ein optimaler Gangwechselvorschlag und ein kurvenabhängiger Tempomat, der in Kurven eine konstante Geschwindigkeit halten kann.
Ein 8-Zoll-TFT-Touchscreen dient als zentrale Steuereinheit für Fahrdaten, GoPro-Steuerung, Smartphone-Kopplung und individuelle Fahrprofile. Über eine Begleit-App lassen sich zusätzliche Funktionen wie Live-Tracking, Fernimmobilisierung und Diebstahlwarnungen nutzen.

Designphilosophie: Reduktion statt Überladung
Das Design der Manx R folgt einem Ansatz, den Norton als „reduktives Design“ bezeichnet. Im Vergleich zu vielen aktuellen Superbikes, die mit Winglets, Sicken und Dekor überladen wirken, ist die Manx R betont clean gestaltet. Keine Flügel, keine aufwendigen Grafiken, stattdessen glatte Linien und eine kompakte Silhouette. Jedes sichtbare Bauteil soll bewusst Teil des visuellen Gesamtbilds sein.
Simon Skinner, Nortons Designchef, beschreibt die Philosophie mit vier Leitprinzipien: modern, integriert, dramatisch und verbunden. Er betont, dass jedes Norton-Modell eine Familienzugehörigkeit erkennen lassen soll, gleichzeitig aber seinen eigenen Charakter behalten dürfe. Der Name Manx knüpft an die legendären Norton-Rennmaschinen an, die zwischen 1947 und 1962 gebaut wurden. Dennoch versteht Norton die neue Manx R nicht als nostalgischen Rückgriff, sondern als Ausdruck dessen, was die Marke als „moderne Nortonness“ bezeichnet.
Produktion in Großbritannien, Komponenten aus Indien
Die Manx R und die nackte Manx werden im Norton-Werk in Solihull, Großbritannien, montiert. Dabei stammt ein erheblicher Teil der Zulieferkomponenten aus Indien, wo der Eigentümer TVS Motor seinen Sitz hat. TVS hat nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen Pfund (circa 238 Millionen Euro / 264 Millionen US-Dollar) in die Wiederbelebung der Marke Norton investiert. Die Manx R ist das erste von insgesamt sechs neuen Modellen, die Norton auf den Markt bringen will. Neben der Manx R und der nackten Manx wurden auf der EICMA 2025 auch die Atlas-Baureihe mit 585-ccm-Paralleltwin vorgestellt. Zwei weitere Nomad-Modelle als Urban Scrambler sollen Anfang des nächsten Jahres folgen.
Norton hat die neuen Modelle nach eigenen Angaben einer vollständigen Homologation unterzogen und damit die früheren Einzelfahrzeug-Zulassungen (MSVA) hinter sich gelassen. Die Manx R soll über 29.700 Kilometer an Entwicklungsfahrten auf Straße und Rennstrecke absolviert haben.
Preise und Verfügbarkeit noch offen
Konkrete Preise und einen genauen Marktstart für Europa hat Norton bislang nicht kommuniziert. Die Modelle sollen 2026 in Europa, den USA und Indien verfügbar werden. In Indien wird die Manx R voraussichtlich in einer Preisspanne von umgerechnet rund 22.000 bis 27.500 Euro (circa 24.400 bis 30.500 US-Dollar) positioniert, wobei die europäischen Preise davon abweichen dürften. Die indische Website ist bereits online und zeigt die komplette Farbpalette. Der Fokus in Indien liegt zunächst offenbar auf der zugänglicheren Atlas-Baureihe, die dort komplett bei TVS im Werk Hosur gefertigt wird.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Neue Motorräder 2026: Alle Modelle, Neuheiten und Highlights im Überblick. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.

- Held eVest Airbag Weste schwarz 3XL – Motorradbekleidung – Protektoren & Sicherheit








