- Aprilia gewinnt die ersten beiden Grands Prix 2026 mit einem Doppelsieg in Brasilien
- Di Giannantonio wird als bester Ducati-Fahrer Dritter und liegt in der WM vor Marquez
- Ducati-Chefingenieur Gigi Dall’Igna arbeitet seit dem Winter an Lösungen
Die MotoGP-Saison 2026 hat gerade erst begonnen, und doch ist die Ausgangslage für Ducati so unbequem wie seit Jahren nicht mehr. Nach zwei Rennwochenenden in Thailand und Brasilien hat Aprilia die frühe Kontrolle über die Weltmeisterschaft übernommen. In Goiania fuhr das Werksteam mit Marco Bezzecchi vor Jorge Martin einen souveränen Doppelsieg ein. Weder Polesitter Fabio Di Giannantonio noch Sprint-Sieger Marc Marquez hatten am Sonntag eine Antwort auf das Tempo der Aprilia-Fahrer.

Tardozzi fordert Verbesserungen an der Desmosedici
Ducati-Teammanager Davide Tardozzi fand nach dem Rennen in Brasilien deutliche Worte. „Wir können uns nicht immer auf Marcs Talent verlassen, um unsere Defizite auszugleichen“, sagte er gegenüber Motorsport.com. Marquez sei zudem physisch noch nicht bei hundert Prozent, da er sich weiterhin von einer Schulterverletzung aus dem Vorjahr erhole. Das sei allerdings keine Ausrede, betonte Tardozzi, denn auch die anderen Ducati-Fahrer hätten den Anschluss an die Spitze verloren.
Gleichzeitig zollte er der Konkurrenz Respekt. „Zunächst einmal Glückwunsch an Aprilia, sie haben seit dem letzten Jahr großartige Arbeit geleistet“, so Tardozzi. Aprilia sei bereits seit Mitte der vergangenen Saison auf einem hohen Niveau und habe sich zuletzt noch einmal deutlich gesteigert. Ducati sei nicht mehr allein an der Spitze, die Rivalen hätten erheblich aufgeholt.
Laut Tardozzi arbeite General Manager Gigi Dall’Igna bereits seit dem Winter daran, die Schwachstellen der Desmosedici zu beheben. „Wir kennen das Problem und suchen nach einem Weg, es zu lösen“, erklärte er. Für das dritte Saisonrennen in Austin zeigte er sich vorsichtig optimistisch, dass Ducati den Rückstand verringern könne.
Di Giannantonio gewinnt das Duell gegen den Weltmeister
Während das Ducati-Werksteam mit Schwierigkeiten kämpfte, erlebte Fabio Di Giannantonio auf der VR46-Ducati eines seiner besten MotoGP-Wochenenden. Am Freitag war der Italiener bei teilweise nassen Bedingungen nur 20., doch am Samstag sicherte er sich die Poleposition. Es war erst seine zweite Pole in der Königsklasse nach Mugello 2022.
Im Sprint unterlag Di Giannantonio knapp Marc Marquez und verpasste als Zweiter seinen ersten Sieg im Samstagsrennen. Im Grand Prix am Sonntag drehte er den Spieß allerdings um. „Es gab nur eine Option: Ich gewinne. Ich habe alles dafür gegeben“, beschrieb er den Zweikampf. Marquez habe dann exakt denselben Fehler gemacht, den Di Giannantonio selbst im Sprint begangen hatte. „Es war haargenau dasselbe.“
Der 27-Jährige sprach von einem der unterhaltsamsten Duelle seiner Karriere. Der Kampf mit Marquez sei zwar wie immer etwas aggressiv gewesen, aber von beiden Seiten völlig sauber. „Wenn Racing so läuft, ist es wunderschön“, sagte Di Giannantonio. „Natürlich ist es noch schöner, weil ich den Kampf gewonnen habe.“

Schmerzen nach Warm-up-Sturz bremsten Di Giannantonio
Dabei war der Sonntag alles andere als ideal gestartet. Im Warm-up stürzte Di Giannantonio und landete auf der linken Schulter, die ihm bereits 2024 Probleme bereitet hatte. Wegen dieser Verletzung hatte er damals sogar die letzten drei Saisonrennen ausgelassen, um eine Operation vorzuziehen. Auch Teamkollege Franco Morbidelli stürzte am Vormittag, sodass die VR46-Mechaniker ihre Mittagspause streichen mussten, um beide Maschinen rechtzeitig wieder aufzubauen.
Di Giannantonio hatte den Sturz zunächst unterschätzt. „Aber dann beim ersten harten Bremsmanöver spürte ich schon so ein Pochen im Gelenk“, erklärte er. Die Schmerzen hätten ihn zwischenzeitlich aus der Konzentration gebracht. Trotzdem fand er seinen Rhythmus und belegte als bester Ducati-Fahrer den dritten Platz.
Aprilia hat bei rutschigen Bedingungen die Nase vorn
Auf die Frage, wo genau Aprilia aktuell stärker sei, hatte Di Giannantonio eine klare Einschätzung. „Wenn die Bedingungen mit der Hitze und allem etwas rutschiger werden, haben sie etwas mehr“, sagte er. Ducati versuche, diese Zusammenhänge zu verstehen und daran zu arbeiten.
Trotz des Rückstands auf Aprilia zeigte sich Di Giannantonio zufrieden mit der Entwicklung seines Teams. VR46 sei innerhalb des Ducati-Lagers auf dem Spitzenniveau angekommen. „Ich bin viel glücklicher über die Arbeit, die wir in der Garage und in diesem Winter geleistet haben, als über den Kampf selbst“, betonte er.
Bagnaia erlebt erneut ein schwieriges Wochenende
Auch für Francesco Bagnaia setzte sich der schwierige Saisonstart fort. Der Ducati-Werksfahrer stürzte im Rennen von Platz elf aus und beendete sein Wochenende damit vorzeitig. Tardozzi räumte ein, dass Ducati dem Italiener kein Motorrad zur Verfügung stellen könne, mit dem er das nötige Vertrauen finde. Allerdings habe Bagnaia selbst zugegeben, dass sein Wochenende bereits durch einen Fehler im Qualifying kompromittiert worden sei, der ihn auf dem elften Startplatz zurückwarf.
Ducati muss beweisen, dass es den Rückstand schließen kann
Nach zwei Rennwochenenden liegt Di Giannantonio als WM-Vierter drei Punkte vor Marquez und ist damit der bestplatzierte Ducati-Fahrer in der Gesamtwertung. VR46 belegt in der Teamwertung Rang vier als bestes Ducati-Team.
Für Ducati wird das dritte Saisonrennen in Austin zum wichtigen Gradmesser. Michelin hatte zu Saisonbeginn Reifen mit steiferen Hinterradkarkassen eingeführt, und die neue Strecke in Goiania sorgte zusätzlich für ungewohnte Verhältnisse. Erst ab Austin dürfte sich ein klareres Bild der tatsächlichen Kräfteverhältnisse ergeben. Tardozzi formulierte es so: „Wir müssen jetzt beweisen, dass Ducati in der Lage ist, den Rückstand zu schließen.“
Zugleich ist der Verlust von Pramac an Yamaha spürbar. Mit nur noch sechs Ducati-Motorrädern im Feld hat der Hersteller weniger Daten und weniger taktische Möglichkeiten als in den Vorjahren. Die Zeiten, in denen Ducati die MotoGP nach Belieben dominierte, scheinen zumindest vorerst vorbei zu sein.

Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich.
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