- Auslöser ist der Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung am Schiffsmotorengeschäft Everllence für rund 7,4 Milliarden Euro (etwa 8,4 Milliarden US-Dollar).
- Volkswagen bestätigt die Verkaufsgerüchte offiziell nicht, dementiert sie aber auch nicht.
- Am 9. Juli 2026 soll der Vorstand dem Aufsichtsrat seine Pläne vorlegen.
Rund um Volkswagen verdichten sich die Berichte über einen möglichen Verkauf einzelner Konzernmarken. Im Mittelpunkt steht dabei erneut Ducati, die italienische Motorradmarke aus Borgo Panigale. Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Bericht der Financial Times, wonach Investmentbanker dem Konzern raten sollen, über einen Verkauf der Marke nachzudenken. Statt die Berichte klar zu dementieren, reagierte Volkswagen mit einer Stellungnahme, die den Verkauf weder bestätigt noch ausschließt.
Warum steht der Verkauf von Ducati wieder im Raum?
Auslöser ist der erfolgreiche Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung am Schiffsmotorengeschäft Everllence, mit dem Volkswagen rund 7,4 Milliarden Euro (etwa 8,4 Milliarden US-Dollar) eingenommen haben soll. Berater sollen darauf hoffen, dass der hohe Preis den Konzern dazu bewegt, frühere Vorschläge zum Verkauf von Ducati oder zu einer Abspaltung von Lamborghini erneut zu prüfen. Hintergrund ist der Bericht der Financial Times, demzufolge die Einnahmen aus dem Everllence-Geschäft durch die Kosten des Konzernumbaus schnell aufgebraucht sein könnten. Bereits zuvor hatte Volkswagen die Sportwagenmarke Bugatti abgegeben, die an Rimac und einen Zusammenschluss von Investoren ging.
Was sagt Volkswagen zu den Verkaufsgerüchten?
Volkswagen dementiert die Berichte nicht, verweist aber auf einen grundlegenden Umbau des gesamten Konzerns. In seiner Stellungnahme erklärt das Unternehmen, dass es sich zu internen und vertraulichen Dokumenten nicht äußere und den Entscheidungen der zuständigen Gremien nicht vorgreifen wolle. Zugleich bestätigt der Konzern, dass sich die gesamte Automobilindustrie und die Volkswagen-Gruppe in einem tiefgreifenden Wandel befänden. Das bisherige Geschäftsmodell, Fahrzeuge in Deutschland zu entwickeln, in Europa zu produzieren und in alle Welt zu exportieren, funktioniere nicht mehr über alle Marken hinweg.
Der Konzern spricht davon, dass neue Zölle, härterer Wettbewerb und teils rückläufige Märkte das Unternehmen mit Belastungen in zweistelliger Milliardenhöhe pro Jahr träfen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse die gesamte Gruppe deutlich schlanker und effizienter werden, mit stärkerem Fokus sowie strengerer Disziplin bei Kosten und Investitionen. Namentlich nennt Volkswagen dabei auch die Marken und Töchter, die sich allesamt tiefgreifend verändern müssten, eine Formulierung, die Ducati einschließt, ohne die Marke direkt zu erwähnen. Die Umsetzung soll nach Angaben des Konzerns im nächsten Schritt gemeinsam mit dem Aufsichtsrat erfolgen.
Milliardenumbau und Stellenabbau bei Volkswagen
Volkswagen steckt nach eigenen Angaben in einem der größten Umbauten der Unternehmensgeschichte. Weltweit sollen bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen, dazu ist von der Schließung von vier Werken die Rede. Angeblich betroffen sind die Standorte Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk Neckarsulm. Als Gründe gelten die starke Konkurrenz chinesischer Hersteller von Elektrofahrzeugen, eine schwache Nachfrage in Europa und die hohen Ausgaben für die nächste Generation von Elektroautos.
Auch an der Börse hinterlässt die Lage Spuren. Die Vorzugsaktie schloss zuletzt bei 70,38 Euro (rund 81 US-Dollar) und notierte damit nur knapp über ihrem jüngsten Tief der vergangenen 52 Wochen. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust auf knapp 34 Prozent.
Ist ein Verkauf von Ducati wahrscheinlich?
Ein Verkauf gilt trotz der neuen Spekulationen als keineswegs sicher. Mehrere nicht namentlich genannte Analysten halten einen Verkauf von Ducati weiterhin für unwahrscheinlich, da sich der Konzern nur ungern von dauerhaft profitablen Marken trennen dürfte. Zudem verweisen Beobachter darauf, dass der Verkauf verlustbringender Bereiche wie der Batterietochter PowerCo kaum so lukrativ ausfallen würde wie das Everllence-Geschäft. Volkswagen selbst wollte sich laut Financial Times nicht dazu äußern, ob weitere große Vermögenswerte abgegeben werden könnten.
Wie wertvoll sind Ducati und Lamborghini für den Konzern?
Ducati gilt Berichten zufolge als eine der wertvollsten Nicht-Automobilmarken im Volkswagen-Konzern, eine konkrete Bewertung der Motorradmarke nennen die Berichte allerdings nicht. Die Marke kam 2012 über die Konzerntochter Audi zu Volkswagen und zählt seither zu den ertragsstärksten Premiummarken der Gruppe. Getragen wird dieser Ruf von einer im Premiumsegment angesiedelten Modellpalette und den Erfolgen in der MotoGP und der Superbike-WM. 2025 verzeichnete Ducati zwar einen leichten Rückgang bei Absatz und Umsatz, wie die gesamte Branche, blieb aber profitabel.
Neben Ducati steht auch Lamborghini im Fokus. Statt eines Verkaufs steht bei der Sportwagenmarke ein Börsengang im Raum, mit dem Volkswagen den erfolgreichen Porsche-Börsengang aus dem Jahr 2022 wiederholen könnte. Bloomberg Intelligence bewertet Lamborghini Berichten zufolge mit mehr als 19 Milliarden Euro (über 22 Milliarden US-Dollar). Im vergangenen Jahr soll die Marke trotz Zollproblemen einen Gewinn von rund 770 Millionen Euro (888 Millionen US-Dollar) erzielt haben.
Gab es schon einmal Verkaufspläne für Ducati?
Ja, bereits 2017 prüfte Volkswagen im Rahmen einer strategischen Überprüfung einen Verkauf von Ducati. Damals wurden mehrere mögliche Käufer mit der Marke in Verbindung gebracht, bevor die Pläne wieder verworfen wurden. Auslöser waren die Folgen des Dieselskandals, in dessen Verlauf der Konzern zusätzliche Mittel benötigte. In der Vergangenheit sollen zudem Arbeitnehmervertreter einen Verkauf blockiert haben. Nun ist die Idee, dass Ducati ein neues Zuhause außerhalb des Konzerns finden könnte, erstmals seit fast einem Jahrzehnt wieder auf dem Tisch.
Wie geht es mit Ducati weiter?
Eine Entscheidung über den Umbau soll am 9. Juli 2026 fallen, wenn der Vorstand dem Aufsichtsrat seine Pläne vorlegt. Offiziell steht Ducati nicht zum Verkauf, und es gibt bislang keine Anzeichen dafür, dass sich Volkswagen tatsächlich zu einem Verkauf entschieden hat. Ein möglicher Ducati Verkauf reiht sich zugleich in eine breitere Bewegung in der Motorradbranche ein, in der zuletzt Marken wie KTM zu Bajaj und Indian Motorcycle zu einem Finanzinvestor wechselten. Sollte Volkswagen erhebliches Kapital benötigen, würde Ducati dem Vernehmen nach weltweit Interesse wecken.
Häufige Fragen
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Ist der Ducati Verkauf schon beschlossen?
Nein, ein Verkauf von Ducati ist nicht beschlossen. Berater und Investmentbanker sollen Volkswagen dazu raten, doch offiziell steht die Marke nicht zum Verkauf. Der Konzern dementiert die Gerüchte allerdings auch nicht.
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Warum könnte Volkswagen Ducati verkaufen?
Volkswagen steht unter hohem finanziellem Druck und plant einen der größten Umbauten seiner Geschichte. Der erfolgreiche Verkauf des Schiffsmotorengeschäfts Everllence für rund 7,4 Milliarden Euro (etwa 8,4 Milliarden US-Dollar) soll Berater dazu bewogen haben, weitere Verkäufe wie den von Ducati vorzuschlagen.
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Seit wann gehört Ducati zu Volkswagen?
Ducati gehört seit 2012 zum Volkswagen-Konzern und kam über die Tochter Audi hinzu. Seither zählt die Marke zu den ertragsstärksten Premiummarken der Gruppe und ist in der MotoGP sowie der Superbike-WM erfolgreich.
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Wann entscheidet Volkswagen über den Umbau?
Am 9. Juli 2026 soll der Vorstand dem Aufsichtsrat seine Pläne für die Neuausrichtung vorlegen. An diesem Termin wird über das Sparpaket und die Zukunft der betroffenen Standorte beraten.
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Gab es früher schon Verkaufspläne für Ducati?
Ja, bereits 2017 prüfte Volkswagen im Zuge des Dieselskandals einen Verkauf von Ducati. Mehrere Interessenten wurden genannt, doch der Konzern behielt die Marke am Ende.










