- Achtzylinder-Zweitakter in X-Konfiguration, 1.000 cm³, nach Herstellerangabe 280 PS (206 kW) bei 12.000 U/min
- Lasergesinterte Auspuff-Expansionskammern, Antriebseinheit mit 105 kg (231 lbs)
- Limitiert auf 24 Stück, Preis 78.000 Pfund (circa 90.500 Euro / 102.700 US-Dollar), Marktstart ab 2027
Ein fabrikneues Zweitakt-Motorrad ist heute eine Seltenheit. Großserien aus leichten, hochdrehenden Zweitaktern gehören weitgehend der Vergangenheit an, lediglich einzelne Kleinserienhersteller wie Langen halten die Technik am Leben. In diese Nische stößt nun das aus Oxfordshire stammende Unternehmen Veloce, das die Aperion erstmals auf der Bike Shed Moto Show in London zeigte. Damit reiht sich die Maschine in eine Reihe ungewöhnlicher Motorradneuheiten ein, die sich bewusst von der etablierten Viertakt-Großserie abheben.

Was ist die Veloce Aperion?
Die Veloce Aperion ist ein Naked Bike mit einem neu entwickelten Achtzylinder-Zweitaktmotor. Das auf der Messe gezeigte Exemplar war nach Angaben des Unternehmens ein nicht lauffähiges Anschauungsmodell, während ein fahrbereiter Prototyp im firmeneigenen Entwicklungszentrum in Carmarthenshire in Wales stehen soll.
Veloce Automotive Ltd hat seinen Sitz in Oxfordshire in England, die Antriebe und Motorräder entstehen am eigenen Prüfstand und Teststrecke in Wales. Das Unternehmen beschreibt die Aperion als Verbindung aus emotionalem Fahrerlebnis und Leistung. Hinter dem ungewöhnlichen Konzept steht der Anspruch, eine möglichst hohe Leistung bei geringem Gewicht und kompakter Bauform zu erreichen.
Wie funktioniert der Achtzylinder-Zweitaktmotor?
Der Motor besteht aus acht Zylindern auf Basis der Aprilia RS 125, die in zwei V4-Bänken um ein zentrales Getriebegehäuse herum angeordnet sind und so eine X-Form ergeben. Jede Bank ist aus dem Vollen in vier Teilen gefräst und trägt zwei Kurbelwellen, die auf eine gemeinsame Zwischenwelle arbeiten und Kupplung sowie Getriebe antreiben.
Die Zylinder besitzen geschmiedete Kolben, ergänzt durch Tuningkomponenten von Mitaka. Für die Gemischaufbereitung sorgen acht Dellorto-Vergaser mit 24 Millimeter, in vier Paaren angeordnet. Bedient werden sie über einen spiralförmig aufgebauten Gasgriff mit acht Seilzügen. Betrieben wird der Motor mit einem Gemisch aus Benzin und Zweitaktöl. Nach Angaben des Herstellers leistet das Triebwerk 280 PS (206 kW) bei 12.000 U/min, was rechnerisch rund 35 PS je 125-cm³-Zylinder entspricht. Die Antriebseinheit soll dabei 105 kg (231 lbs) wiegen.

Warum baut Veloce einen Zweitakter mit acht Zylindern?
Der Zweitakter ist nach Darstellung des Unternehmens die Voraussetzung für die X-Anordnung der Zylinder. Firmenvertreter Jack Levy verweist darauf, dass die Schmierung bei dieser Bauart kein nach unten gerichtetes Feuern der Zylinder verhindere, anders als bei einem Viertakter.
Levy beschreibt den Ansatz so: „Two-strokes unlock the X-design: the cylinders can fire downwards because oiling is not a problem.“ (Übersetzung: „Zweitakter erschließen das X-Design, denn die Zylinder können nach unten feuern, weil die Schmierung kein Problem ist.“) Als zentrales Entwicklungsziel nennt er die Ausgewogenheit. Die gegenüberliegenden Kolben würden gleichzeitig zünden, sodass sich die Kräfte aufheben. Die X-Form halte das Motorrad zudem schmal, während ein V8 oder V6 deutlich breiter ausfiele. Laut Hersteller gleichen sich Verbrennungs-, Massen- und Rotationskräfte im Motor weitgehend aus. Als weitere Argumente führt Levy einen geringeren Aufwand bei der Inbetriebnahme sowie den Reiz an, acht Zylinder mit Saugrohr und Vergaser zum Laufen zu bringen.
Fahrwerk und Auspuff: Wie ist die Aperion aufgebaut?
Auffälligstes technisches Merkmal sind die lasergesinterten Auspuff-Expansionskammern aus Metallpulver. Sie werden direkt aus dem CAD-Programm gedruckt, wodurch sich die komplexen Resonanzkörper platzsparend und mit dünnen, leichten Wänden um Motor und Rahmen herum unterbringen lassen, ohne das sonst übliche Zuschneiden und Verschweißen dünner Bleche.
Diese Resonanzauspuffanlagen sind beim Zweitakter entscheidend für die Leistungsentfaltung, da sie exakte Volumina, Längen und Konusformen erfordern. Beim Fahrwerk übernimmt der Motor selbst die tragende Funktion. Vorderer und hinterer Hilfsrahmen bestehen aus verschweißten Stahlrohren in Gitterrohrbauweise. Hinten arbeitet eine Aluminium-Einarmschwinge, die über eine Zugstrebe ein einzelnes, unterhalb des Motors liegendes Federbein betätigt. Dieses ist nach Angaben des Herstellers zugstrebenbetätigt und tief eingebaut, was Kühlung und Geometrie zugutekommen soll. Vorn kommt eine konventionelle Upside-down-Gabel zum Einsatz, dazu kommen Bremsen und Räder in üblicher Ausführung. Kraftübertragung und Getriebe sind als Einheit mit dem Motor ausgelegt, geschaltet wird über ein weit gestuftes Sechsganggetriebe mit einer hydraulischen Kupplung, die in der Getriebehauptwelle integriert ist.

Was kostet die Veloce Aperion und wann ist sie verfügbar?
Die Veloce Aperion soll 78.000 Pfund (circa 90.500 Euro / 102.700 US-Dollar) kosten und ab 2027 erhältlich sein. Die Produktion ist auf 24 Exemplare begrenzt, die Auslieferung erfolgt über eine britische Einzelfahrzeug-Genehmigung (MSVA) für den Straßenbetrieb.
Bestellungen sind nach Angaben des Herstellers für 2027 möglich. Die Einordnung als MSVA bedeutet, dass jedes Fahrzeug einzeln für die Zulassung im Vereinigten Königreich abgenommen wird, ein Verfahren, das bei Kleinstserien außerhalb der regulären Typgenehmigung üblich ist.
Was ist die Veloce Ethereal?
Neben der Aperion kündigt Veloce mit der Ethereal ein zweites Modell an. Dabei handelt es sich um einen 500-cm³-Vierzylinder-Zweitakter in L-Konfiguration, der nach Herstellerangabe 145 PS (107 kW) bei 12.000 U/min leistet.
Die Ethereal soll stärker auf geringes Gewicht und Handling ausgelegt sein. Das Kurbelgehäuse wiegt laut Veloce 6 kg (13 lbs). Eine Besonderheit ist das Getriebe, bei dem die Eingangs- und Primärwelle hinter der Ausgangswelle sitzt. Dadurch kann die Ausgangswelle zwischen den Kurbelwellen liegen, was Masse spart und die Massenzentralisierung verbessert. Beim Kühlsystem leitet Veloce die Luft von der Front durch Kanäle im Tank zu einem speziell entwickelten Kühler unter der Sitzbank, von wo sie nach hinten abgeführt wird. Jack Levy spricht davon, dass die Ethereal zu einem niedrigeren Preis und in etwas höherer Stückzahl angeboten werden soll. Die Produktion ist auf 48 Einheiten begrenzt, Reservierungen sind möglich.

Häufige Fragen
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Wie viel PS hat die Veloce Aperion?
Die Veloce Aperion leistet nach Angaben des Herstellers 280 PS (206 kW) bei 12.000 U/min aus 1.000 cm³. Der Achtzylinder-Zweitakter ist aus acht Zylindern auf Basis der Aprilia RS 125 aufgebaut, die rechnerisch rund 35 PS je Einheit beisteuern.
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Was kostet die Veloce Aperion?
Die Veloce Aperion soll 78.000 Pfund (circa 90.500 Euro / 102.700 US-Dollar) kosten. Der Preis gilt für eine auf 24 Exemplare limitierte Serie, die ab 2027 erhältlich sein soll.
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Wann kommt die Veloce Aperion auf den Markt?
Bestellungen für die Veloce Aperion sind nach Angaben des Herstellers ab 2027 möglich. Die Auslieferung erfolgt über eine britische Einzelfahrzeug-Genehmigung (MSVA) für den Straßenbetrieb.
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Warum nutzt die Veloce Aperion einen Zweitaktmotor?
Der Zweitakter ermöglicht laut Veloce die X-Anordnung der Zylinder, da die Schmierung ein nach unten gerichtetes Feuern nicht verhindert. Zudem nennt das Unternehmen ein geringeres Gewicht und einen einfacheren Aufbau als Vorteile.
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Was ist die Veloce Ethereal?
Die Ethereal ist das zweite angekündigte Modell von Veloce, ein 500-cm³-Vierzylinder-Zweitakter mit 145 PS (107 kW) bei 12.000 U/min. Sie soll leichter und günstiger als die Aperion ausfallen und ist auf 48 Stück limitiert.











