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Motorcycles.News – Motorrad Magazin
Startseite » MotoGP-Sicherheit: Marquez sieht in 44 Starts das größere Problem
Marc Márquez und Francesco Bagnaia auf ihren Ducati Desmosedici GP führen ein Verfolgerfeld durch die Kurven von Assen – MotoGP Dutch GP Assen 2026
Marc Márquez und Francesco Bagnaia (Ducati Lenovo Team) – Dutch GP Assen, MotoGP 2026
MotoGP

MotoGP-Sicherheit: Marquez sieht in 44 Starts das größere Problem

By Andreas Denner4 Juli, 2026
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Nach mehreren schweren Startunfällen dreht sich in der MotoGP vieles um die Frage, wie gefährlich die Ride-Height-Devices und die Holeshot-Systeme wirklich sind. Marc Marquez verschiebt diese Debatte auf einen anderen Punkt, während parallel ein Verletzungsupdate von Johann Zarco und die Personalentscheidungen für die Saison 2027 das Fahrerlager beschäftigen.
  • Marc Marquez benennt die 44 Rennstarts pro Saison als zentralen Risikofaktor und relativiert die Kritik an den Devices.
  • Johann Zarco verzichtet auf eine Knieoperation und peilt ein Comeback im September an.
  • Ducati setzt 2027 mit den verlängerten Verträgen von VR46 und Gresini erneut sechs Motorräder ein, Raul Fernandez soll bei Trackhouse bleiben.

Die Häufung schwerer Stürze in der laufenden MotoGP-Saison, vor allem in der ersten Kurve nach dem Start, hat eine intensive Sicherheitsdebatte ausgelöst. Im Zentrum stehen die technischen Starthilfen. Die Holeshot-Systeme, mit denen sich das Heck beim Losfahren absenken lässt, sind seit dem Grand Prix in Assen verboten. Auch die Ride-Height-Devices, die die Sitzhöhe während der Fahrt verändern, stehen in der Kritik. Marc Marquez, amtierender Weltmeister und Ducati-Werksfahrer, hält diese Diskussion allerdings für zu eng geführt. Und während über die Technik gestritten wird, sorgen zeitgleich ein positives Update im Fall Johann Zarco sowie mehrere Weichenstellungen für die Saison 2027 für Gesprächsstoff.

Marc Márquez schließt im roten Lederkombi des Ducati Lenovo Teams in der Startaufstellung seinen Helm – MotoGP Dutch GP Assen 2026
Marc Márquez (Ducati Lenovo Team, Startnummer 93) in der Startaufstellung – Dutch GP Assen, MotoGP 2026

Warum hält Marquez die Device-Debatte für zu kurz gegriffen?

Für Marc Marquez sind nicht die technischen Hilfsmittel der Hauptgrund für das gestiegene Risiko, sondern die schiere Zahl der Starts an einem Rennwochenende. „Für mich sind weder das Front- noch das Heck-Device das größte Problem. Das größte Problem ist, dass wir am Sonntag zum vierten Mal dort [in Kurve 1] ankommen“, so der Spanier.

Gemeint sind die beiden Übungsstarts im ersten Freien Training am Freitag, dazu der Start im Sprint und schließlich der Start im Grand Prix. Nach Ansicht von Marquez verändert diese Wiederholung die Herangehensweise grundlegend. Er erklärt, dass normalerweise der erste Fahrer den Bremspunkt vorgebe. „Wenn man dort aber zum vierten Mal ankommt, kennt man diese Marke bereits, und zwar genau am Limit.“ Die Folge sei, dass beim Start kaum noch jemand eine Sicherheitsreserve lasse.

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Früher sei das anders gewesen. Am Rennsonntag hätten die Fahrer beim ersten Anbremsen bewusst etwas Luft gelassen, um die erste Kurve nicht zu verpassen. „Ich erinnere mich daran, dass der erste Fahrer früher zwei- oder dreimal leicht angebremst hat, weil es das erste Mal am Sonntag war. Dadurch war die Sicherheitsmarge deutlich größer“, schildert er den Unterschied. Erst im Rennverlauf hätten sich die Bremspunkte damals nach hinten verschoben.

Als Beispiel führt Marquez den Startunfall am Balaton an, bei dem er das Feld erstmals in dieser Saison in die erste Kurve führte. Er habe seinen Bremspunkt gehabt und dort zu hundert Prozent gebremst. Auch Jorge Martin auf der Aprilia habe den Punkt eigentlich getroffen, dennoch sei es zur Kollision gekommen. „Es war nur ein kleiner Fehler. Er hat am richtigen Punkt gebremst, aber einfach die Front verloren. Es gab überhaupt keine Zeit mehr zu reagieren“, nimmt Marquez den Kontrahenten in Schutz. Weil inzwischen alle permanent am absoluten Limit unterwegs seien, könne ein minimaler Fehler sofort schwere Folgen haben.

Heck-Device und Front-Device in der Bewertung von Marquez

Die Kritik an den Devices teilt Marquez nur teilweise, das Heck-Device bewertet er sogar positiv. Es mache den Kurvenausgang einfacher und sorge an einigen Stellen für mehr Stabilität. „In manchen Bereichen, etwa in der ersten Kurve von Mugello, ist das Motorrad dadurch ruhiger und stabiler. Das macht das Fahren einfacher, aber niemals gefährlicher.“

Beim Front-Device fällt sein Urteil differenzierter aus. Es verändere zwar das Anbremsen, doch auch die Motorräder ohne diese Technik hätten ihre Eigenheiten gehabt, etwa sehr lange Wheelies, bei denen das Vorderrad kaum wieder auf Geschwindigkeit kam und beim Aufsetzen teils blockierte. Ob das sicherer gewesen sei, verneint er. Marquez warnt davor, die Vergangenheit zu verklären, denn sicherheitsrelevante Probleme habe es auch damals gegeben, nur andere als heute. Sein Fazit verlagert den Fokus weg von der Technik. „Die erste Kurve ist immer der gefährlichste Punkt“, betont er. „Das Problem ist, dass wir jetzt 44 Starts haben. Und damit steigt die Wahrscheinlichkeit für solche Unfälle einfach statistisch.“ Mit Sprint und Grand Prix kommen die Stammfahrer über eine Saison auf 44 Rennstarts, hinzu kommen die Übungsstarts im Training.

Johann Zarco #5 (rechts)
Johann Zarco #5 (rechts)

Wann kehrt Johann Zarco in die MotoGP zurück?

Johann Zarco peilt eine Rückkehr im September an, eine zunächst erwartete Operation am linken Knie ist nach einer neuen Untersuchung nicht nötig. Das teilte sein Team LCR Honda nach einer erneuten medizinischen Kontrolle in Lyon mit.

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Zarco hatte sich beim Grand Prix von Katalonien am 17. Mai schwer verletzt. Nach einer ersten roten Flagge wurde das Rennen neu gestartet, an der ersten Kurve stürzten Luca Marini und Francesco Bagnaia gemeinsam mit Zarco. Das linke Bein des Franzosen geriet dabei in das Hinterrad von Bagnaias Ducati, was zu Rissen mehrerer Kniebänder führte. Laut dem ersten medizinischen Bericht zog er sich Verletzungen am vorderen und hinteren Kreuzband sowie am Innenmeniskus zu, dazu einen kleinen Bruch des Wadenbeins, der inzwischen verheilt ist.

Am 1. Juli suchte Zarco den Spezialisten Dr. Bertrand Sonnery-Cottet in Lyon auf, um den Heilungsverlauf neu zu bewerten. Die ersten MRT-Aufnahmen waren noch unter starker Schwellung entstanden, was die Diagnose erschwert hatte. Mit dem Rückgang der Entzündung ergab sich ein positiveres Bild. „Das mediale Seitenband (Innenband) heilt gut, während das hintere Kreuzband, von dem zunächst angenommen wurde, dass es gerissen sei, ebenfalls ermutigende Anzeichen einer natürlichen Genesung zeigt. Das vordere Kreuzband ist allerdings weiterhin gerissen“, heißt es in der Mitteilung des Teams. Eine Operation war zwischenzeitlich auch deshalb nicht möglich gewesen, weil im Kniebereich zunächst eine Brandverletzung abheilen musste, deren operative Behandlung ein Infektionsrisiko bedeutet hätte.

Statt eines Eingriffs setzt Zarco nun auf ein Rehabilitationsprogramm mit Schwerpunkt auf Regeneration und Muskelaufbau. „Vorbehaltlich weiterer medizinischer Kontrolluntersuchungen ist es das klare Ziel, im September auf die Rennstrecke zurückzukehren“, teilte das Team mit. Damit käme frühestens der Große Preis von San Marino vom 11. bis 13. September in Misano infrage. Die ersten Rennen nach der Sommerpause im August in Silverstone und Aragon wird Zarco sicher verpassen. Vertreten wurde er zuletzt in Mugello, im Balaton Park, in Brünn und in Assen durch den 40 Jahre alten Briten Cal Crutchlow, der auch beim Deutschland-GP am Sachsenring einspringt. Ob Crutchlow darüber hinaus für Silverstone und Aragon bestätigt wird, ist noch offen.

Warum setzt Ducati 2027 erneut sechs Motorräder ein?

Ducati geht auch in der Saison 2027 mit sechs Motorrädern an den Start, möglich machen das die verlängerten Verträge mit den Kundenteams VR46 und Gresini. Gresini gab die Fortsetzung als erstes Ducati-Satellitenteam bekannt, einen Tag später zog das Team von Valentino Rossi nach.

VR46 bleibt durch einen neuen Dreijahresvertrag bis mindestens zum Ende der Saison 2029 als sogenanntes Factory Supported Team an Ducati gebunden, also als werksunterstütztes Kundenteam. Die Zusammenarbeit besteht bereits seit 2022, die werksunterstützte Rolle übernahm VR46 im Jahr 2025, als das frühere Team Pramac zu Yamaha wechselte. „Wir sind wirklich stolz darauf, die Verlängerung unserer Vereinbarung mit Ducati als werksunterstütztes Team in der MotoGP für die nächsten drei Jahre bekannt zu geben“, erklärte VR46-Teamdirektor Alessio Salucci. Ducati-Corse-Chef Gigi Dall’Igna ergänzte: „Wir freuen uns sehr, diesen Weg mindestens bis 2029 fortzusetzen und damit eine Partnerschaft weiter zu stärken, die uns bereits große Zufriedenheit beschert hat.“ Mit den Ducati-Maschinen holte VR46 seit 2022 nach Teamangaben vier Siege und 16 Podestplätze.

Neben den beiden Werksmaschinen von Marc Marquez und Pedro Acosta bringt Ducati vier weitere Prototypen der neuen 850er-Desmosedici an den Start. Bei Gresini fahren Joan Mir und Daniel Holgado, bei VR46 ist Fermin Aldeguer gesetzt. Der zweite Platz bei VR46 ist noch offen, gehandelt wird der Italiener Nicolo Bulega, der in der Superbike-WM für das offizielle Werksteam führt. Nicht alle sechs Bikes sind dabei gleichwertig. Aldeguer, der bei Ducati unter Vertrag steht, soll eine Maschine mit Werksspezifikation erhalten, ebenso der Weltmeister von 2020, Joan Mir, dessen Werksmaschine von Gresini finanziert wird. Holgado und der zweite VR46-Pilot bekommen jeweils eine Kundenversion ohne die größeren Weiterentwicklungen der Saison. Hintergrund des Umbaus ist auch, dass die bisherigen Fahrer Fabio di Giannantonio von VR46 und der Gresini-Pilot Alex Marquez 2027 zum KTM-Werksteam wechseln.

Verknüpft ist das Ganze mit dem neuen technischen Reglement für die MotoGP 2027. Ducati entwickelt einen 850er-Prototyp, der leichter ausfällt, weniger Aerodynamik nutzt, auf Ride-Height-Devices verzichtet und auf Reifen von Pirelli setzt. Beim ersten Saisonrennen sollen die sechs Ducati identisch sein, erst danach erhalten die Werksmaschinen die Weiterentwicklungen, während die Kundenbikes im Prinzip unverändert durch das Jahr gehen. Begrenzt wird die Zahl durch eine Regeländerung, die seit dem 22. Juni öffentlich ist. Erlaubt sind höchstens sechs identische Motorräder pro Hersteller. Zeitgleich beschloss die Grand Prix Commission das Aus für die Ride-Height-Devices und größere Abstände zwischen den Fahrern in der Startaufstellung. Von 2022 bis 2024 hatte Ducati mit dem damaligen Pramac-Team noch acht Maschinen im Feld und gewann 2024 mit Jorge Martin den Titel. Nach dem Zerwürfnis zwischen Pramac und Ducati wechselte das Team zu Yamaha, seitdem strebt Ducati eine Rückkehr zum Acht-Motorrad-Modell an.

Trackhouse Aprilia RS-GP Nummer 73 auf der Strecke – MotoGP Americas GP COTA 2026

Bleibt Raul Fernandez bei Trackhouse?

Raul Fernandez soll auch über 2027 hinaus für Trackhouse fahren, offiziell bestätigt ist der neue Vertrag aber noch nicht. Der neue Teammanager Francesco Guidotti bezeichnete einen Verbleib des Spaniers in einem TV-Interview nach der Dutch TT als beschlossene Sache.

„Seine Zukunft liegt bei uns. Diese Entscheidung haben Aprilia und Trackhouse schon vor ein paar Jahren getroffen und diesen gemeinsamen Weg wollen wir noch weiter fortsetzen. Wir glauben, dass Raul noch viel Raum für Verbesserung hat“, sagte Guidotti. Zur Vertragsverlängerung ergänzte er: „Was die Vertragsverlängerung angeht, gehen wir jetzt in die richtige Richtung und arbeiten nur noch an den finalen Details. In den Schlüsselfragen sind wir uns bereits einig. Es ist also nur noch eine Frage von Tagen oder Stunden.“ Damit soll Fernandez an der Seite von Enea Bastianini bleiben.

Zuvor hatte es anders ausgesehen. Trackhouse soll dem Fahrer zunächst nur einen Einjahresvertrag bis Ende 2027 angeboten haben, während das konkurrierende Werk mit einem Vertrag bis Ende 2028 warb. Vor allem das starke Wochenende in Assen soll Teambesitzer Justin Marks überzeugt haben, sodass Trackhouse mittlerweile ebenfalls einen Zweijahresvertrag bietet. Fernandez selbst blieb knapp, als er nach dem Zeitpunkt der Verkündung gefragt wurde. „Hoffentlich bald“, antwortete er in einem TV-Interview. Mit einer Einigung wäre ein weiteres Puzzlestück im Fahrerfeld der MotoGP 2027 gesetzt, das sich in diesen Wochen zusehends füllt.

Ducati-Technikchef Gigi Dall'Igna in der Box des Ducati Lenovo Teams – MotoGP Tschechien-GP Brno 2026
Gigi Dall’Igna (Technischer Direktor, Ducati Lenovo Team) – Tschechien-GP Brno, MotoGP 2026

Häufige Fragen

  • Warum kritisiert Marc Marquez die 44 Starts in der MotoGP?

    Marc Marquez sieht in der hohen Zahl der Starts den zentralen Risikofaktor. Weil die Fahrer die erste Kurve durch die beiden Übungsstarts, den Sprint und den Grand Prix mehrfach am Limit anfahren, lassen sie kaum noch eine Sicherheitsreserve. Über eine Saison kommen die Stammfahrer so auf 44 Rennstarts.

  • Wann kehrt Johann Zarco in die MotoGP zurück?

    Johann Zarco strebt eine Rückkehr im September an. Eine Operation am linken Knie ist nach einer neuen Untersuchung nicht nötig, stattdessen setzt er auf ein Rehabilitationsprogramm. Frühestmöglicher Termin ist der Große Preis von San Marino vom 11. bis 13. September in Misano.

  • Welche Fahrer setzt Ducati 2027 ein?

    Ducati bringt 2027 sechs Motorräder an den Start. Im Werksteam fahren Marc Marquez und Pedro Acosta, bei Gresini Joan Mir und Daniel Holgado, bei VR46 Fermin Aldeguer und ein noch offener zweiter Fahrer. Als Kandidat gilt der Superbike-Pilot Nicolo Bulega.

  • Was ändert sich mit dem MotoGP 2027 Reglement?

    Zur Saison 2027 gilt ein neues technisches Reglement mit 850er-Motoren. Die Motorräder werden leichter, nutzen weniger Aerodynamik und verzichten auf Ride-Height-Devices, außerdem kommen Reifen von Pirelli zum Einsatz. Zusätzlich sind höchstens sechs identische Motorräder pro Hersteller erlaubt.

  • Bleibt Raul Fernandez bei Trackhouse?

    Ein Verbleib von Raul Fernandez bei Trackhouse gilt als sehr wahrscheinlich, offiziell bestätigt ist er aber noch nicht. Der Teammanager sprach von einer Frage weniger Tage oder Stunden. An seiner Seite soll 2027 Enea Bastianini fahren.

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Andreas Denner
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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich. Verantwortlich für die Seiten www.Motorcycles.News, www.Motorrad.Training und den YouTube-Kanal "Motorrad Nachrichten", sowie deren social Media-Seiten.

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