- Honda soll seine Unterschrift unter das neue Concorde Agreement bereits zugesichert haben
- Der Promoter setzt den Frankreich-GP Mitte Mai als Frist für eine gemeinsame Einigung
- Die MSMA fordert eine prozentuale Umsatzbeteiligung statt fester Zahlungen
Der Streit um das neue kommerzielle Abkommen der MotoGP ist in Jerez offen ausgebrochen. Zu einem Abendessen der Serienbetreiber am Freitag vor dem Spanien-GP 2026 kamen drei der fünf Hersteller gar nicht, die anderen beiden nur mit der zweiten Reihe. Wie Motorsport.com berichtet, hat der Promoter MotoGP Sports Entertainment Group (MotoGP SEG), früher Dorna, danach seine Verhandlungstaktik geändert. Statt mit allen Herstellern gemeinsam spricht er jetzt mit jedem einzeln.

Warum blieben die Hersteller dem MotoGP-Dinner in Jerez fern?
Mit ihrem Fernbleiben haben die Hersteller auf das letzte Gegenangebot des Promoters reagiert. Über das neue Abkommen wird inzwischen seit mehr als einem Jahr verhandelt.
Das „Casual Dinner“ findet jedes Jahr statt. Eingeladen sind Hersteller, Teams, Sponsoren und Partner der WM. Diesmal fand es in den Bodegas Gonzalez Byass in Jerez statt. Für die neuen Eigentümer war Liberty-Media-Chef Derek Chang gekommen, dazu MotoGP-CEO Carmelo Ezpeleta und Sportdirektor Carlos Ezpeleta. Unter den Gästen war auch Christian Horner, früher Teamchef von Red Bull in der Formel 1.
Yamaha, Aprilia und KTM sagten ohne Vorwarnung ab. Bei Ducati fehlten CEO Claudio Domenicali, Generaldirektor Gigi Dall’Igna und Sportdirektor Mauro Grassilli. Für die Italiener saßen Teammanager Davide Tardozzi und Kommunikationschef Artur Vilalta am Tisch. Honda schickte Teammanager Alberto Puig und zwei Pressesprecher, aber keinen Manager aus der Konzernspitze. Bei den neuen Eigentümern kam das schlecht an.
Was fordern die MotoGP-Hersteller von Liberty Media?
Die Hersteller wollen am Geschäft der MotoGP prozentual beteiligt werden, statt wie bisher jedes Jahr einen festen Betrag zu bekommen. Das neue „Concorde Agreement“ soll den kommerziellen Rahmen der Serie von 2027 bis 2031 regeln.
Bisher sind die Hersteller in den Gesprächen gemeinsam aufgetreten, über ihre Vereinigung MSMA. An ihrer Spitze stehen Präsident Massimo Rivola, der CEO von Aprilia, und Lin Jarvis, früher Geschäftsführer bei Yamaha. Als Vorbild nennen sie Wettbewerbe wie die Champions League, die NBA oder die NFL. Dort bekommen Teams je nach Ergebnis unterschiedlich viel Geld, sind an den TV-Rechten beteiligt und reden bei wichtigen Entscheidungen mit.
Der Promoter bietet dagegen vor allem mehr Geld nach dem bisherigen Muster, verteilt auf alle elf Teams. Nach Informationen von Autosport liegt das Angebot bei rund 8 Millionen Euro (etwa 9 Millionen US-Dollar) pro Werksteam und Saison, rund eine Million Euro mehr als im laufenden Vertrag. Zur Einordnung: Liberty Media hatte die Mehrheit an den kommerziellen Rechten der MotoGP 2025 bei einer Gesamtbewertung von rund 4,2 Milliarden Euro übernommen.

Welche weiteren Streitpunkte gibt es neben dem Geld?
Streit gibt es auch um den Rennkalender und um die Startplätze. Die MSMA möchte bei Terminen und Strecken mitreden, der Promoter lehnt das bisher ab.
Bei den Startplätzen geht es darum, wem sie gehören und wie viel Kontrolle die Teams darüber haben, etwa wenn ein Investor einsteigen möchte.
Umgekehrt erwartet MotoGP SEG für mehr Geld auch mehr Einsatz der Teams bei der Vermarktung. Sie sollen ihre Marketing- und Kommunikationsabteilungen ausbauen, fahrbereite MotoGP-Prototypen für Werbeauftritte stellen und Gästen bei Überseerennen eine bessere Hospitality bieten. Aus Sicht der Teams kosten diese Zusatzleistungen schon mehr als die angebotene Erhöhung.
Wie reagierte MotoGP SEG auf den Boykott in Jerez?
Nur wenige Stunden nach dem Abendessen stellte MotoGP SEG die Verhandlungen um. Der Promoter spricht seitdem mit jedem Hersteller und jedem Team einzeln, statt mit der MSMA als Block.
Honda soll seine Unterschrift bereits zugesagt haben. Auch Ducati soll sich angenähert haben, ebenso die Kundenteams VR46 und Gresini (Ducati), LCR (Honda) und Tech3 (KTM).
Am deutlichsten gegen das vorgeschlagene Abkommen stellen sich Yamaha, Aprilia und KTM. Damit treten die Hersteller erstmals nicht mehr geschlossen auf.

Welche Frist gilt für das neue MotoGP Concorde Agreement?
Bis zum Frankreich-GP in Le Mans, rund zwei Wochen nach Jerez, soll eine gemeinsame Einigung stehen. Klappt das nicht, will der Promoter mit jedem Beteiligten einen eigenen Vertrag abschließen.
Was bedeutet der Streit für die MotoGP-Saison 2027?
Für die MotoGP ab 2027 hat noch kein Hersteller offiziell unterschrieben, obwohl alle fünf schon an ihren neuen 850-ccm-Maschinen arbeiten. Solange das Abkommen fehlt, werden auch bereits vereinbarte Fahrerverträge für 2027 nicht bekannt gegeben.
Schon beim Grand Prix der USA in Austin Anfang April hatten sich die Hersteller mit der Liberty-Spitze um Derek Chang getroffen. Das Gespräch dauerte etwa eine Stunde und brachte keine Einigung, weil die Positionen zu weit auseinanderlagen.
Häufige Fragen
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Wann läuft das aktuelle MotoGP-Abkommen aus?
Das bestehende kommerzielle Abkommen zwischen dem Promoter und den Herstellern endet nach der Saison 2026. Das neue Concorde Agreement soll den Zeitraum von 2027 bis 2031 abdecken.
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Was ist das MotoGP Concorde Agreement?
Das Concorde Agreement ist der kommerzielle Rahmenvertrag zwischen dem Promoter MotoGP SEG (früher Dorna) und den Herstellern und Teams. Es legt für fünf Jahre fest, wie Geld verteilt wird und welche Rechte und Pflichten beide Seiten haben.
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Wie viel Geld bietet Liberty Media den MotoGP-Teams?
Nach Informationen von Autosport bietet der Promoter rund 8 Millionen Euro pro Werksteam und Saison. Das wäre etwa eine Million Euro mehr als im laufenden Vertrag.
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Warum werden keine MotoGP-Fahrerverträge für 2027 verkündet?
Bereits vereinbarte Fahrerverträge für 2027 werden erst bekannt gegeben, wenn das neue kommerzielle Abkommen mit dem Promoter unterschrieben ist. Bis dahin bleiben alle Bekanntgaben zurückgehalten.
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Hat Honda das neue MotoGP-Abkommen bereits unterschrieben?
Honda soll seine Unterschrift zugesagt haben, nachdem der Promoter auf Einzelgespräche umgestellt hat. Auch Ducati soll sich angenähert haben, Yamaha, Aprilia und KTM lehnen das Abkommen bisher ab.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.












