- Laut Carole Nash empfinden 88 Prozent der befragten Motorradfahrer das Fahren als förderlich für ihre psychische Gesundheit.
- 37 Prozent fühlen sich auf dem Motorrad ruhiger, 31 Prozent können Alltagssorgen ausblenden.
- Eine Studie des Semel Institute der UCLA ergab bereits eine messbare Reduktion von Stresshormonen um 28 Prozent nach nur 20 Minuten auf dem Motorrad.
Motorradfahren wird in der öffentlichen Wahrnehmung meist mit Geschwindigkeit, Freiheitsgefühl oder schlicht praktischem Nutzen als Fortbewegungsmittel verbunden. Dass es auch eine messbare Wirkung auf die psychische Gesundheit haben kann, rückt allerdings zunehmend in den Fokus. Eine neue Umfrage des britischen Motorradversicherers Carole Nash liefert dazu aktuelle Zahlen, die pünktlich zur Mental Health Awareness Week 2026 veröffentlicht wurden. Diese findet vom 11. bis 17. Mai in Großbritannien statt und steht in diesem Jahr unter dem Motto „Action“.
Was sagt die Carole-Nash-Umfrage über Motorradfahren und psychische Gesundheit?
88 Prozent der befragten Motorradfahrer gaben an, dass Motorradfahren ihrer psychischen Gesundheit zugutekommt. Im Detail sieht die Verteilung folgendermaßen aus: 37 Prozent der Befragten erklärten, sich beim Fahren insgesamt ruhiger zu fühlen. 31 Prozent sagten, das Motorradfahren helfe ihnen dabei, Alltagssorgen hinter sich zu lassen und den Kopf freizubekommen. Weitere 20 Prozent berichteten von einer aktiven Reduktion ihres Stresslevels durch das Fahren.
Damit bestätigt die Umfrage einen Trend, der sich auch in anderen Erhebungen zeigt. Eine frühere Befragung des Versicherers Entire Cover kam zu dem Ergebnis, dass 59 Prozent der Motorradfahrer die positiven Auswirkungen auf die psychische Gesundheit als den lohnendsten Aspekt des Motorradfahrens betrachten.
Warum empfinden Fahrer das Motorradfahren als Therapie?
Die Zahlen allein erzählen nur einen Teil der Geschichte. Hinter den Prozentwerten stehen persönliche Erfahrungen, die zeigen, wie unterschiedlich die therapeutische Wirkung des Motorradfahrens ausfallen kann.
Mark Purnell aus dem walisischen Pontypridd, der nach eigenen Angaben im Laufe seines Lebens 26 Motorräder besessen hat, beschreibt das Fahren als eine Möglichkeit, den alltäglichen Lärm auszublenden. „You can empty your mind of the mundane day-to-day things and relax“, erklärte er. Man könne den Kopf von den alltäglichen Dingen befreien und sich entspannen. Selbst eine kurze Fahrt reiche aus, um sich anschließend wie ein völlig anderer Mensch zu fühlen, so Purnell.
Nigel Shields aus Schottland hebt einen anderen Aspekt hervor, nämlich die sensorische Intensität des Erlebnisses. Im Gegensatz zum Autofahren ermögliche das Motorrad, die Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen: „smell it, feel it, experience every sensation“, so Shields. Man rieche, fühle und erlebe jede einzelne Empfindung der Landschaft.
Wie half das Motorradfahren Adam Wills nach einem Schicksalsschlag?
Ein besonders eindrückliches Beispiel liefert Adam Wills aus der südenglischen Grafschaft Dorset. Wills erfüllte sich einen lebenslangen Traum und machte den Motorradführerschein, nachdem seine Frau nach einem fünfjährigen Kampf gegen Krebs und Motoneuron-Erkrankung gestorben war. Innerhalb weniger Monate nach bestandener Prüfung über den sogenannten DAS-Kurs (Direct Access Scheme) fuhr er seine neue Triumph Bonneville 2100 durch den New Forest.
„It’s quite honestly the best therapy for me, and I love every single second of it!“ sagte Wills. Es sei ganz ehrlich die beste Therapie für ihn, und er genieße jede einzelne Sekunde. Wills erläutert, dass die absolute Konzentration, die sicheres Motorradfahren erfordert, den Kopf von allem anderen befreit. Dieser gedankliche Freiraum sei eine willkommene Pause vom Grübeln. Daneben überraschte ihn auch die körperliche Komponente: Das Fahren biete ein subtiles isometrisches Training, das ihn gleichzeitig belebt und angenehm müde zurücklasse.
Jay Wild aus Kent formuliert es einfacher: Das Motorradfahren helfe ihm, nach schwierigen Tagen die Spinnweben wegzublasen.
Was sagt die Wissenschaft zu Motorradfahren und Stressabbau?
Die subjektiven Erfahrungen der Fahrer werden durch wissenschaftliche Daten gestützt, auch wenn es sich dabei um eine separate Untersuchung mit anderem Ansatz handelt. Am Semel Institute for Neuroscience and Human Behavior der University of California in Los Angeles (UCLA) führten Forscher eine neurobiologische Studie durch, die von Harley-Davidson finanziert wurde. Dabei nutzten drei UCLA-Wissenschaftler mobile EEG-Technologie, um die Hirnaktivität und den Hormonspiegel von mehr als 50 erfahrenen Motorradfahrern zu messen, und zwar jeweils vor, während und nach dem Motorradfahren, dem Autofahren und einer Ruhephase.
Die Ergebnisse waren eindeutig: Eine 20-minütige Motorradfahrt auf einer rund 35 Kilometer langen Strecke unter normalen Verkehrsbedingungen führte zu einer Reduktion des Cortisol-Spiegels um 28 Prozent. Cortisol ist ein Hormon, das als Biomarker für Stress gilt. Gleichzeitig stieg die Herzfrequenz der Teilnehmer um 11 Prozent und der Adrenalinspiegel um 27 Prozent, was laut den Forschern Werten entspricht, die bei leichter körperlicher Betätigung auftreten.
„The differences in participants‘ neurological and physiological responses between riding and other measured activities were quite pronounced“, erklärte der leitende Neurowissenschaftler Don Vaughn. Die Unterschiede in den neurologischen und physiologischen Reaktionen zwischen dem Motorradfahren und den anderen gemessenen Aktivitäten seien sehr deutlich gewesen. Vaughn, der selbst kein Motorradfahrer ist, ergänzte, dass die Ergebnisse zwar signifikant seien, man eine ähnliche Stressreduktion aber vermutlich auch durch andere Aktivitäten wie Joggen oder eine Runde Golf erzielen könne.
Darüber hinaus zeigten Veränderungen in der Hirnaktivität der Teilnehmer eine erhöhte Aufmerksamkeit, vergleichbar mit dem Effekt einer Tasse Kaffee. Der sensorische Fokus der Fahrer war messbar geschärft, wodurch sie weniger anfällig für Ablenkungen waren.
Welche Rolle spielt die Motorrad-Gemeinschaft für das Wohlbefinden?
Daniel Nield von Carole Nash weist darauf hin, dass die positiven Effekte über das individuelle Fahrerlebnis hinausgehen. Ein wesentlicher Faktor sei die Gemeinschaft unter Motorradfahrern. Bikertreffen, Online-Gruppen und gemeinsame Ausfahrten trügen dazu bei, Isolation und Stress zu verringern.
„Whether it’s the freedom of the open road or the bond between bikers, riding can play an important role in easing feelings of isolation and stress. We’re keen to highlight the positive impact riding can have on mental health and overall wellbeing.“ Ob die Freiheit der offenen Straße oder die Verbundenheit unter Bikern: Das Fahren könne eine wichtige Rolle dabei spielen, Gefühle von Isolation und Stress zu lindern. Man wolle den positiven Einfluss hervorheben, den das Motorradfahren auf die psychische Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden haben kann, so Nield.
Auch Wills betont die soziale Dimension. Von älteren Fahrern, die ihre Erinnerungen teilen, bis zu Gleichgesinnten, die auf der Straße grüßen oder sich in Cafés ungezwungen unterhalten: Die Gemeinschaft sei unglaublich und die Menschen, die man treffe, einzigartig.
Was bedeuten die Ergebnisse im Kontext der Mental Health Awareness Week?
Die Veröffentlichung der Carole-Nash-Umfrage fällt bewusst mit der Mental Health Awareness Week 2026 zusammen, die von der Mental Health Foundation organisiert wird. In Großbritannien leidet laut der Stiftung etwa jeder fünfte Erwachsene an einer verbreiteten psychischen Erkrankung wie Angststörungen oder Depressionen. Das diesjährige Motto „Action“ fordert dazu auf, über das bloße Bewusstsein für psychische Gesundheit hinauszugehen und aktiv etwas dafür zu tun.
Motorradfahren ist dabei natürlich nur eine von vielen Möglichkeiten. Die UCLA-Forscher betonten ausdrücklich, dass vergleichbare Effekte auch durch andere Aktivitäten erzielt werden können. Dennoch zeigen sowohl die Umfragedaten als auch die wissenschaftlichen Messungen, dass das Motorrad für viele Fahrer weit mehr ist als ein Transportmittel oder ein Hobby. Es dient als Werkzeug zur Stressbewältigung, als Quelle für mentale Klarheit und als Zugang zu einer unterstützenden Gemeinschaft.
Häufige Fragen
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Wie viel Prozent der Motorradfahrer sehen positive Effekte auf die psychische Gesundheit?
Laut der aktuellen Umfrage von Carole Nash empfinden 88 Prozent der befragten Motorradfahrer das Fahren als förderlich für ihre psychische Gesundheit. 37 Prozent fühlen sich dabei ruhiger, 31 Prozent können besser abschalten und 20 Prozent berichten von aktiver Stressreduktion.
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Ist wissenschaftlich belegt, dass Motorradfahren Stress reduziert?
Eine Studie des Semel Institute an der UCLA hat gezeigt, dass bereits 20 Minuten Motorradfahren den Cortisol-Spiegel um 28 Prozent senken können. Gleichzeitig stiegen Herzfrequenz und Adrenalinspiegel ähnlich wie bei leichter körperlicher Betätigung. Die Forscher wiesen allerdings darauf hin, dass vergleichbare Effekte auch durch andere Aktivitäten wie Joggen möglich sind.
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Was ist die Mental Health Awareness Week 2026?
Die Mental Health Awareness Week findet vom 11. bis 17. Mai 2026 in Großbritannien statt und wird von der Mental Health Foundation organisiert. Das diesjährige Motto lautet Action und fordert dazu auf, aktiv etwas für die eigene psychische Gesundheit und die Gesundheit anderer zu tun.
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Welche Rolle spielt die Biker-Gemeinschaft für die psychische Gesundheit?
Die soziale Komponente des Motorradfahrens wird von Fahrern und Experten gleichermaßen hervorgehoben. Gemeinsame Ausfahrten, Bikertreffen und Online-Gruppen schaffen Verbundenheit und können laut Carole Nash dazu beitragen, Isolation und Stress zu verringern.

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