- Wildcards in der MotoGP ab 2027 für alle Hersteller verboten
- Auch 2026 darf kein 850cc-Material bei Wildcard-Einsätzen verwendet werden
- Reifendrucküberwachung bleibt trotz Pirelli-Wechsel bestehen
Die Grand Prix Commission der MotoGP hat bei Sitzungen im März und April 2026 mehrere Regeländerungen verabschiedet, von denen eine besonders weitreichende Konsequenzen hat: Ab der Saison 2027 sind Wildcard-Teilnahmen in der Königsklasse des Motorradrennsports nicht mehr zulässig. Die Entscheidung gilt für alle fünf Hersteller, unabhängig von ihrem jeweiligen Concession-Rang, und fällt zusammen mit dem ohnehin größten Technikumbruch seit Jahren, dem Wechsel von 1.000 auf 850 Kubikzentimeter Hubraum.

Was bedeutet das Wildcard-Verbot konkret für die MotoGP?
Ab dem Start der Saison 2027 darf kein Hersteller mehr zusätzliche Motorräder mit Testfahrern bei Rennwochenenden einsetzen. Testfahrer können in Zukunft nur noch dann an einem Grand Prix teilnehmen, wenn sie einen verletzten Stammfahrer ersetzen. Für die Moto2- und Moto3-Klassen ändert sich hingegen nichts, dort bleiben Wildcard-Einsätze weiterhin erlaubt.
Die Maßnahme erforderte laut Informationen von The Race die Zustimmung aller fünf Hersteller: Ducati, Aprilia, KTM, Honda und Yamaha. Dass alle Werke zugestimmt haben, deutet darauf hin, dass der Beschluss letztlich im Konsens gefallen ist, auch wenn die Interessenlagen durchaus unterschiedlich waren.
Welche Testfahrer sind vom Wildcard-Aus betroffen?
Die Liste der betroffenen Fahrer liest sich wie ein Auszug aus dem MotoGP-Geschichtsbuch. Zu den aktuellen Werkstestfahrern gehören mit Aleix Espargaro (Honda), Andrea Dovizioso (Yamaha) und Dani Pedrosa (KTM) gleich drei ehemalige Grand-Prix-Sieger. Dazu kommen Takaaki Nakagami (Honda), Pol Espargaro (KTM), Michele Pirro (Ducati), Augusto Fernandez (Yamaha) und Lorenzo Savadori (Aprilia).
Besonders der Fall Pedrosa verdeutlicht die Tragweite der Entscheidung. Der Spanier hatte zwar erst vor wenigen Tagen erklärt, dass er nie wieder ein Rennen bestreiten werde. Dennoch hatte es Hoffnungen gegeben, den mittlerweile als TV-Kommentator tätigen Rennfahrer noch einmal als Gastfahrer bei KTM zu sehen, wobei Pol Espargaro als regulärer Ersatzfahrer bereitgestanden hätte. Diese Möglichkeit ist nun endgültig vom Tisch.
Das letzte Podium eines Wildcard-Fahrers in der MotoGP gelang ausgerechnet Pedrosa beim Sprint-Rennen in Jerez 2024, nachdem Fabio Quartararo nachträglich wegen einer Reifendruckstrafe zurückgestuft worden war.

Warum werden Wildcards gerade jetzt abgeschafft?
Die Grand Prix Commission hat keine offizielle Begründung für die Abschaffung genannt. Es gibt allerdings mehrere plausible Erklärungen, die im Fahrerlager diskutiert werden. Ein naheliegender Faktor ist laut The Race die Produktionskapazität der Hersteller. Der Wechsel auf die komplett neuen 850cc-Maschinen bindet erhebliche Ressourcen in den Werken. Zusätzliche Rennmotorräder für Wildcard-Einsätze zu bauen und zu unterhalten, dürfte in dieser Umbruchphase eine zusätzliche Belastung darstellen.
Bereits vor dem Verbot war die Nutzung von Wildcards rückläufig. Ducati konnte aufgrund seines Concession-Status A ohnehin keine Wildcards einsetzen. KTM hat seit Beginn seiner finanziellen Schwierigkeiten Anfang 2025 keinen einzigen Wildcard-Fahrer mehr ins Rennen geschickt. Die einzigen Wildcards der laufenden Saison 2026 waren Augusto Fernandez für Yamaha und Lorenzo Savadori für Aprilia beim Großen Preis von Spanien in Jerez.
Bislang variierten die erlaubten Wildcard-Einsätze je nach Concession-Rang: Hersteller auf dem niedrigsten Rang D durften bis zu sechs Wildcards pro Saison einsetzen, während der höchstrangige Hersteller, derzeit Ducati auf Rang A, bereits einem vollständigen Verbot unterlag.
Was hat das Wildcard-Verbot mit KTM und Tech3 zu tun?
Interessant ist, dass KTM laut Informationen von The Race zu den Herstellern gehörte, die Wildcards für 2027 erhalten oder sogar ausbauen wollten. Dies stand möglicherweise im Zusammenhang mit der Sorge des österreichischen Herstellers, sein Satellitenteam Tech3 zu verlieren und auf nur zwei Motorräder im Starterfeld beschränkt zu werden.
Dass die Regeländerung trotzdem durchgekommen ist, könnte umgekehrt als Indiz dafür gewertet werden, dass KTM für 2027 doch über ein Satellitenteam verfügen wird und den Bedarf an zusätzlichen Renneinsätzen über Wildcards daher nicht mehr hat.

Welche Rolle spielten Wildcards bisher für die Entwicklung?
Wildcard-Einsätze hatten in der MotoGP traditionell eine doppelte Funktion. Einerseits dienten sie der technischen Entwicklung, da Testfahrer unter realen Rennbedingungen neue Komponenten oder Konzepte erproben konnten. So nutzte Augusto Fernandez vergangene Saison eine Wildcard in Misano, um die neue Yamaha V4 erstmals im Rennbetrieb einzusetzen.
Andererseits sorgten Wildcard-Teilnahmen regelmäßig für zusätzliches Interesse beim lokalen Publikum. Gastauftritte von Fahrern wie Pedrosa beim Heimrennen in Spanien zogen Fans an, die den Champion noch einmal auf der Strecke erleben wollten.
Mit der Abschaffung verlieren insbesondere die Hersteller auf den unteren Concession-Rängen ein Werkzeug zur Wettbewerbsverbesserung. Teams, die Schwierigkeiten hatten, ihre Konkurrenzfähigkeit zu steigern, profitierten besonders vom Wildcard-System, da es ihnen ein zusätzliches Motorrad unter Rennbedingungen ermöglichte.
Für Fahrer, die eine Testfahrer-Rolle als Sprungbrett zurück ins Stamm-Cockpit nutzen wollten, schrumpfen die Chancen ebenfalls erheblich. Ohne Wildcard-Möglichkeiten bleiben nur noch Verletzungsvertretungen als Gelegenheit, sich auf der großen Bühne zu zeigen.
Kein 850cc-Material bei Wildcards in der laufenden Saison
Neben dem Wildcard-Verbot ab 2027 hat die Grand Prix Commission auch eine sofort gültige Einschränkung für die laufende Saison beschlossen: Kein Hersteller darf bei verbleibenden Wildcard-Einsätzen 2026 die neuen 850cc-Maschinen mit 2027er-Spezifikationen einsetzen, unabhängig vom Concession-Rang. Das bedeutet, dass die Motorräder der neuen Ära in dieser Saison nicht im Rennbetrieb zu sehen sein werden.
Da die Entwicklungsarbeit aller Hersteller voraussichtlich ab dem Sommer 2026 ohnehin komplett auf die 2027er-Maschinen umgestellt wird, dürfte es in den späteren Saisonrennen kaum noch einen Nutzen bringen, zusätzliche 1.000cc-Motorräder auf die Strecke zu schicken. Die Zahl der verbleibenden Wildcard-Einsätze in dieser Saison dürfte daher überschaubar bleiben.

Wie geht es 2027 mit dem Concession-System weiter?
Alle Hersteller werden 2027 im Concession-Rang B starten, wobei die Einstufungen zur Saisonmitte überprüft und angepasst werden. Die genauen Details des Concession-Systems für die neue Ära wurden laut FIM bislang noch nicht vollständig veröffentlicht, klar ist jedoch: Kein Rang wird Wildcards erlauben.
Reifendrucküberwachung bleibt auch unter Pirelli bestehen
Eine weitere Entscheidung der Grand Prix Commission betrifft das umstrittene Reifendrucküberwachungssystem. Es wird auch in der Saison 2027 beibehalten, also über den Wechsel des Reifenherstellers von Michelin zu Pirelli hinaus. Dies kommt durchaus überraschend, da es im Vorfeld inoffizielle Signale gegeben hatte, dass das System mit dem Anbieterwechsel abgeschafft werden könnte.
Allerdings könnte sich die praktische Umsetzung ändern. Während unter Michelin die Reifendrücke während des Rennens überwacht und Verstöße nachträglich bestraft werden, setzt Pirelli in der Superbike-Weltmeisterschaft bereits jetzt auf Kontrollen vor dem Rennen. Es ist denkbar, dass ein ähnliches Verfahren auch in der MotoGP Einzug hält.

Weitere Regeländerungen der Grand Prix Commission
Neben dem Wildcard-Verbot und der Bestätigung des Reifendruckmonitorings hat die Grand Prix Commission weitere Anpassungen beschlossen. Bei einem Start Delayed auf dem Grid wird der Countdown zur Aufwärmrunde künftig bei der 5-Minuten-Tafel fortgesetzt statt wie bisher bei der 3-Minuten-Tafel. Diese Änderung gilt ab sofort.
Herzfrequenzmesser sind ab sofort als optionaler Sensor in der Moto2 und Moto3 zugelassen. Außerdem wurden Klarstellungen bei den Formulierungen zu Testmöglichkeiten für MotoGP-Fahrer nach Verletzungen sowie bei den Homologierungsvorschriften für die IMU-Elektronik vorgenommen.

Häufige Fragen
-
Sind Wildcards in der MotoGP ab 2027 komplett verboten?
Ja, ab der Saison 2027 sind Wildcard-Teilnahmen in der MotoGP-Klasse für alle Hersteller untersagt, unabhängig vom Concession-Rang. Testfahrer können nur noch als Ersatz für verletzte Stammfahrer an Rennen teilnehmen. In der Moto2 und Moto3 bleiben Wildcards weiterhin erlaubt.
-
Warum schafft die MotoGP Wildcard-Einsätze ab?
Eine offizielle Begründung wurde nicht genannt. Als wahrscheinliche Gründe gelten die Produktionskapazitäten der Hersteller im Zuge des Wechsels auf 850cc-Maschinen sowie die bereits rückläufige Nutzung von Wildcards in den vergangenen Saisons.
-
Wann war das letzte Wildcard-Podium in der MotoGP?
Das letzte Podium eines Wildcard-Fahrers erzielte Dani Pedrosa beim Sprint-Rennen in Jerez 2024. Er rückte auf einen Podiumsplatz vor, nachdem Fabio Quartararo nachträglich wegen einer Reifendruckstrafe zurückgestuft worden war.
-
Bleibt die Reifendrucküberwachung in der MotoGP 2027 bestehen?
Ja, das Reifendrucküberwachungssystem wird auch in der Saison 2027 fortgeführt, trotz des Wechsels des Reifenlieferanten von Michelin zu Pirelli. Die praktische Umsetzung könnte sich jedoch ändern, da Pirelli in der Superbike-WM auf Kontrollen vor dem Rennen setzt.
-
Dürfen MotoGP-Wildcards 2026 mit 850cc-Maschinen fahren?
Nein, die Grand Prix Commission hat mit sofortiger Wirkung verboten, dass Wildcard-Teilnehmer in der laufenden Saison 2026 Motorräder mit 2027er-Spezifikationen und 850 Kubikzentimetern Hubraum einsetzen.
- BRIDGESTONE 24758Bridgestone – Battlax Hypersport S23 – 180/55 Zr17 Tl 73(w) Rear – Sommerreifen








