- Ai Ogura fährt ab 2027 im Yamaha-Werksteam neben Jorge Martin
- Yamaha geht mit zwei Weltmeistern von 2024 in die neue 850-ccm-Ära
- Trackhouse muss Nachfolger suchen, Raul Fernandez gilt als naheliegendste Lösung
Das MotoGP-Transferkarussell für die Saison 2027 hat erneut für eine Überraschung gesorgt. Yamaha hat sich die Dienste von Ai Ogura gesichert, wie Oriol Puigdemont von Motorsport.com exklusiv berichtete. Der Japaner verlässt damit das Trackhouse-Team, bei dem er aktuell auf einer Aprilia seine zweite MotoGP-Saison bestreitet, und schließt sich dem japanischen Werksteam an. Dort bildet er ab 2027 ein Fahrerduo mit Jorge Martin, der bereits zuvor als Neuzugang bei Yamaha feststand.

Ein Karriereweg voller überraschender Entscheidungen
Der Wechsel zu Yamaha reiht sich nahtlos in eine Karriere ein, die von unkonventionellen Entscheidungen geprägt ist. Ogura wurde im Honda-Nachwuchssystem ausgebildet und durchlief die internationalen Talentklassen des japanischen Herstellers. Bereits in der Moto3 deutete er sein Potenzial an, als er 2020 den WM-Titel nur um vier Punkte verpasste. In der Moto2 kämpfte er 2022 bis zum letzten Rennen mit Augusto Fernandez um die Krone und verlor nach einem bitteren Sturz in Malaysia ebenfalls knapp.
Der MotoGP-Aufstieg wäre danach im Honda-Umfeld möglich gewesen. Den angebotenen Platz als Nachfolger von Takaaki Nakagami bei LCR Honda lehnte Ogura jedoch ab. Er wollte zuerst Moto2-Weltmeister werden. Nach einer durch einen Kahnbeinbruch beeinträchtigten Saison 2023 traf er die nächste Entscheidung gegen den Strom: Er verließ das Honda Team Asia und wechselte zum MT-Helmets-MSi-Team, inklusive eines Wechsels von Kalex auf Boscoscuro. Die Rechnung ging auf. 2024 sicherte sich Ogura mit drei Siegen und herausragender Konstanz den Moto2-WM-Titel.
Bewusst gegen Honda, bewusst für Aprilia
Auch beim Sprung in die MotoGP überraschte der gebürtige Tokioter. Statt zu seinem langjährigen Förderer Honda zurückzukehren, unterschrieb er beim US-amerikanischen Trackhouse-Team auf einer Aprilia. Ein Zerwürfnis mit der Honda-Führungsebene in seiner letzten Moto2-Saison soll zu dieser Trennung beigetragen haben. Ogura selbst begründete die Entscheidung 2024 rein sportlich: „Um in die MotoGP aufzusteigen, musste ich meine Entscheidung auf der Grundlage dessen treffen, was ich sehe, also der Tabellenstände. Das ist mein einziges Kriterium, und Aprilia liegt vorne. Aus der Sicht eines Fahrers trifft man seine Entscheidung immer unter Berücksichtigung der Frage, welches Motorrad stärker ist. So bin ich zu meiner Entscheidung gekommen.“

Starke Eindrücke in den ersten MotoGP-Rennen
In seiner Debütsaison 2025 hinterließ Ogura auf der Trackhouse-Aprilia einen soliden Eindruck. Bereits beim ersten Rennen in Buriram fuhr er auf Platz fünf, was sein bestes Ergebnis der Rookiesaison bleiben sollte. 2026 knüpfte er daran an und erreichte erneut fünfte Plätze sowohl in Thailand als auch in Brasilien. In Austin lag er fünf Runden vor Schluss in Reichweite des Podiums, als ein technisches Problem an seiner Aprilia zum Ausfall führte. Nach drei Saisonrennen belegt Ogura den siebten Platz in der Gesamtwertung.
Yamaha setzt auf zwei Weltmeister von 2024
Mit der Verpflichtung von Ogura komplettiert Yamaha sein Werksteam für 2027 mit zwei Titelträgern desselben Jahrgangs. Jorge Martin wurde 2024 mit Pramac-Ducati MotoGP-Weltmeister, Ogura holte sich im gleichen Jahr die Moto2-Krone. Beide Fahrer zeigen sich zu Beginn der laufenden Saison in guter Form.
Dass Yamaha trotz einer bislang schwierigen Phase mit dem neuen V4-Motorrad ein derart starkes Fahrerduo zusammenstellen konnte, darf durchaus als Zeichen gewertet werden, dass die Marke weiterhin Anziehungskraft im Paddock besitzt. Der Versuch, zuvor Francesco Bagnaia zu verpflichten, war gescheitert, doch die Kombination Martin und Ogura gilt als nahezu bestmögliches Szenario unter den gegebenen Umständen.
Auch der Faktor Nationalität dürfte für Yamaha eine Rolle spielen. Ein japanischer Fahrer im japanischen Werksteam hat in Sachen Management und Öffentlichkeitsarbeit klare Vorteile. Beobachter betonen allerdings, dass Oguras sportliches Potenzial der ausschlaggebende Grund gewesen sein dürfte und die Herkunft eher als willkommener Bonus zu betrachten ist.

Ein sportliches Risiko mit strategischem Weitblick
Auf den ersten Blick widerspricht der Wechsel Oguras bisheriger Philosophie, stets das sportlich stärkste Motorrad zu wählen. Yamahas V4-Projekt kämpft 2026 mit erheblichen Kinderkrankheiten, und kaum jemand erwartet, dass die Marke unter dem neuen 850-ccm-Reglement ab 2027 sofort ein Spitzenpaket auf die Beine stellen kann. Fabio Quartararo, der Yamaha nach der laufenden Saison in Richtung Honda verlässt, machte zuletzt keinen Hehl aus seiner Frustration über die Probleme der aktuellen M1.
Langfristig kann die Entscheidung für Ogura dennoch sinnvoll sein. Bei Aprilia gibt es im Werksteam keinen Platz. Neben dem gesetzten Marco Bezzecchi wird Francesco Bagnaia an Bord kommen, was die Tür ins Werksteam frühestens 2029 geöffnet hätte. Ein Verbleib als Kundenteamfahrer bei Trackhouse wäre sportlich zwar weiterhin attraktiv gewesen, ein Werksvertrag bei Yamaha bietet jedoch andere Perspektiven, einschließlich eines deutlich höheren Gehalts und einer direkten Einbindung in die Werksentwicklung.
Konsequenzen für den MotoGP-Fahrermarkt
Oguras Wechsel hat weitreichende Folgen für den ohnehin turbulenten Fahrermarkt 2027. Yamaha hat das Lager von Luca Marini bereits über die Entscheidung zugunsten von Ogura informiert. Für den Italiener, der zuvor als aussichtsreicher Kandidat für den zweiten Yamaha-Platz galt, schließt sich damit eine weitere Tür. Zuvor hatte auch Daniel Holgado Yamaha für das Interesse gedankt, sich aber für einen Wechsel zum Gresini-Team entschieden, wo er 2027 eine Ducati fahren wird.
Auch für Alex Rins sieht die Zukunft düster aus. Der Spanier hat seit seinem Wechsel zu Yamaha mit Leistungsproblemen zu kämpfen. In der WM-Wertung liegt er derzeit auf Rang 19, während Teamkollege Quartararo mit einzelnen Podiumsplatzierungen immerhin die Top Ten erreichte. Rins machte in Austin deutlich, dass seine Optionen für die Zukunft begrenzt seien. Sein Verbleib in der MotoGP über 2026 hinaus erscheint fraglich.

Trackhouse sucht einen Nachfolger
Das von Justin Marks geführte US-amerikanische Trackhouse-Team muss nun einen Ersatz für Ogura finden. Die naheliegendste Lösung wäre die Weiterverpflichtung von Raul Fernandez, dessen Aufstieg ins Aprilia-Werksteam durch die Bagnaia-Verpflichtung blockiert ist. Fernandez startete mit einem Doppelpodium in Buriram stark in die Saison und liegt in der WM in den Top Seven.
Darüber hinaus kursieren mehrere Namen als mögliche Kandidaten für den freien Platz. Joan Mir, MotoGP-Weltmeister von 2020, der bei Honda vor dem Aus zu stehen scheint, wird immer wieder mit Trackhouse in Verbindung gebracht. Die Verbindung zu Teamchef Davide Brivio, unter dem Mir bei Suzuki den Titel gewann, ist offensichtlich. Auch Alex Rins und Maverick Vinales kennen Brivio aus gemeinsamen Suzuki-Zeiten, wobei Vinales eher mit einem KTM-Werkscockpit in Verbindung gebracht wird.
Aus der Moto2 könnte Manuel Gonzalez interessant werden. Der aktuelle Moto2-WM-Führende erhielt bereits in der vergangenen Saison eine MotoGP-Testfahrt bei Trackhouse in Aragon. Auch Luca Marini, der WorldSBK-Spitzenreiter Nicolo Bulega und der australische Moto2-Pilot Senna Agius werden als mögliche Optionen genannt.
Toprak Razgatlioglu bleibt bei Pramac Yamaha
Die Verpflichtung von Ogura bedeutet auch, dass Toprak Razgatlioglu vorerst nicht ins Yamaha-Werksteam aufsteigt. Der Superbike-Weltmeister von 2021, der mit einem beeindruckenden MotoGP-Debüt auf sich aufmerksam gemacht hat, ist bis Ende 2027 an Yamaha gebunden und fährt im Pramac-Team. Sein Manager Kenan Sofuoglu hatte bereits öffentlich erklärt, dass er den Verbleib bei Pramac erwarte.
Da sowohl Martin als auch Ogura jünger sind als Razgatlioglu, deutet sich ein mittelfristiges Engagement der beiden im Werksteam an. Für Jack Miller, den zweiten Pramac-Fahrer, könnte es eng werden, sollte Yamaha einen Rookieplatz in Betracht ziehen. In diesem Zusammenhang wird der Moto2-Pilot Izan Guevara zunehmend als Aufstiegskandidat gehandelt.

Offizielle Bekanntgaben weiterhin auf Eis
Sämtliche Vertragsbekanntgaben für 2027 werden derzeit zurückgehalten. Der Grund: Die Herstellervereinigung MSMA und die MotoGP Sports Entertainment Group, ehemals Dorna, haben sich noch nicht auf den kommerziellen Rahmenvertrag für die kommenden fünf Jahre geeinigt. Beim jüngsten Gipfeltreffen in Austin kam keine Einigung zustande. Die Hersteller nutzen die Verzögerung offenbar als Druckmittel in den Verhandlungen über ein neues Erlösverteilungsmodell. Solange dieser Vertrag nicht unterschrieben ist, bleiben auch bereits abgeschlossene Fahrerverpflichtungen unter Verschluss.
So könnte das MotoGP-Starterfeld 2027 aussehen
Vier der fünf MotoGP-Hersteller haben dem Vernehmen nach ihre Werksaufstellungen für 2027 bereits weitgehend festgezurrt. KTM bildet die Ausnahme, da die geplante Verpflichtung von Maverick Vinales neben Alex Marquez wegen Fitnessproblemen von Vinales auf Eis liegen soll.
Das vorläufige Bild: Ducati setzt auf Marc Marquez und Pedro Acosta. Bei Aprilia fahren Marco Bezzecchi und Francesco Bagnaia. Yamaha geht mit Jorge Martin und Ai Ogura an den Start. Honda plant mit Fabio Quartararo und David Alonso. Im Gresini-Team fahren Daniel Holgado und Enea Bastianini auf Ducati. Bei Pramac Yamaha bleibt Toprak Razgatlioglu, der zweite Platz ist offen. Das VR46-Ducati-Team hat Fermin Aldeguer bestätigt, der zweite Sitz ist vakant. Bei LCR Honda sind Johann Zarco und Diogo Moreira vorgesehen. Für das Trackhouse-Aprilia-Team und die KTM-Werkscockpits stehen die endgültigen Besetzungen noch aus.

Häufige Fragen
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Wann wechselt Ai Ogura zu Yamaha?
Ai Ogura wird ab der MotoGP-Saison 2027 im Yamaha-Werksteam fahren. Aktuell bestreitet er noch die Saison 2026 auf einer Aprilia im Trackhouse-Team.
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Wer fährt 2027 im Yamaha-Werksteam?
Das Yamaha-Werksteam soll 2027 mit Jorge Martin und Ai Ogura an den Start gehen. Martin wurde 2024 MotoGP-Weltmeister, Ogura im selben Jahr Moto2-Champion.
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Warum verlässt Ai Ogura das Trackhouse-Team?
Ogura wechselt, weil ihm bei Aprilia kein Werksplatz zur Verfügung steht. Neben Marco Bezzecchi wird dort Francesco Bagnaia fahren. Bei Yamaha erhält er einen direkten Werksvertrag.
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Was passiert mit Alex Rins bei Yamaha?
Alex Rins wird Yamaha nach der Saison 2026 verlassen. Es liegen ihm derzeit keine Angebote vor, und sein Verbleib in der MotoGP über 2026 hinaus ist ungewiss.
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Wer ersetzt Ai Ogura bei Trackhouse?
Die wahrscheinlichste Lösung ist die Weiterverpflichtung von Raul Fernandez. Als weitere Kandidaten werden Joan Mir, Alex Rins, Manuel Gonzalez und Luca Marini gehandelt.

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