- Das Kürzel RS stand bei BMW ursprünglich für Rennsport, seit 1976 steht es für Reise und Sport
- Die BMW R 100 RS war 1976 das weltweit erste Serienmotorrad mit serienmäßiger Vollverkleidung
- Die aktuelle BMW R 1300 RS leistet 145 PS (107 kW) bei 7.750 U/min und ist damit der stärkste je in Serie gebaute BMW Boxermotor
Wenn BMW Motorrad im Jahr 2026 auf 50 Jahre RS-Modelle zurückblickt, geht es um weit mehr als eine Modellbezeichnung. Hinter dem Kürzel RS verbirgt sich eine Philosophie, die über Jahrzehnte hinweg das Segment der Sporttourer geprägt hat. Kein anderer Hersteller hat die Idee, sportliches Fahren und komfortables Reisen in einem einzigen Motorrad zu vereinen, so konsequent und so lange verfolgt wie BMW mit der RS-Baureihe. Sieben Generationen von Boxer-Sporttourern, ergänzt um vier Vierzylinder-Modelle aus der K-Baureihe, erzählen die Geschichte einer Motorradgattung, die BMW im Grunde erst erfunden hat.

Bevor RS Reise und Sport bedeutete
Bevor das Kürzel RS 1976 für Serienmotorräder umgedeutet wurde, hatte es bei BMW bereits eine lange Motorsport-Tradition. In den 1950er Jahren produzierte BMW ein legendäres RS-Rennmodell mit Ventilsteuerung per Königswelle in kleiner Auflage für den Wettbewerbseinsatz. Diese Maschine erreichte 200 km/h und war auf den Rennstrecken im In- und Ausland erfolgreich. 1954 gewannen Wilhelm Noll und Fritz Cron auf einem RS-Gespann den ersten Weltmeistertitel für BMW im Motorrad-Gespannsport. Noll fuhr in jener Phase außerdem einen Geschwindigkeitsrekord von 280,8 km/h. Walter Zeller wurde 1956 Vizeweltmeister und errang damit die bis dahin beste Platzierung eines BMW Solofahrers im Rundstreckensport. RS stand in diesen Jahren unmissverständlich für Rennsport, und die Erfolge auf der Strecke legten den Grundstein für das, was zwei Jahrzehnte später als Serienkonzept den Motorradmarkt verändern sollte.
Die R 100 RS begründet 1976 eine neue Gattung
Als BMW Motorrad auf der IFMA 1976 die R 100 RS vorstellte, war das in mehrfacher Hinsicht ein Novum. Erstmals in der Geschichte des Motorrads bot ein Hersteller eine serienmäßige Vollverkleidung an, die nicht nachträglich montiert wurde, sondern ab Werk fest zum Konzept gehörte. Die Verkleidung war von Pininfarina aerodynamisch optimiert und in einem leicht bläulich schimmernden Silbermetallic lackiert worden. Der Wind- und Wetterschutz, den sie bot, ermöglichte auf der Autobahn Durchschnittsgeschwindigkeiten, die mit einem Motorrad bis dahin kaum denkbar waren, und das bei einer vergleichsweise entspannten Sitzposition.
Angetrieben wurde die R 100 RS von einem 980 ccm großen Zweiventil-Boxermotor mit 70 PS (51 kW) bei 7.250 U/min, der eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ermöglichte. BMW deutete das Kürzel RS dafür kurzerhand um: aus Rennsport wurde Reisesport. Im letzten Produktionsjahr 1984 verabschiedete BMW die erste RS-Generation mit dem Sondermodell R 100 RS Classic 500, das auf 500 Exemplare limitiert war und in einer Zweifarblackierung in Madison Grau und Alaska Blau mit weißer Linierung ausgeliefert wurde.

Fünf Weltrekorde in Nardò
Dass die R 100 RS nicht nur ein komfortabler Reisetourer war, bewies BMW bereits ein Jahr nach der Markteinführung. Am 29. und 30. Oktober 1977 trat ein BMW-Team auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Nardò, Italien, an, um mehrere Motorrad-Weltrekorde zu brechen. Helmut Dähne hatte den Boxermotor der R 100 RS zusammen mit Motorenexperte Helmut Bucher auf 84 PS (62 kW) gebracht. Ein 19-Zoll-Hinterrad und das entfernte Verkleidungsunterteil ermöglichten Geschwindigkeiten von deutlich mehr als 220 km/h. Das Ergebnis: fünf neue Weltrekorde über 10 km, 100 km, 6 Stunden, 12 Stunden und 24 Stunden.
Die Rückkehr des großen Boxers: R 100 RS Monolever
Mitte der 1980er Jahre hatte BMW mit der K-Baureihe und ihren Drei- und Vierzylindermotoren sowie den 800-ccm-Boxermodellen zwar ein modernes Programm im Angebot, doch für die Fans des großen 1.000-ccm-Boxers waren diese Maschinen kein Ersatz. Vor allem aus den USA und Japan wurde der Ruf nach einer Rückkehr des hubraumstarken Zweizylinders immer lauter. 1986 reagierte BMW mit einer überarbeiteten R 100 RS, die als Monolever-Variante auf der IFMA vorgestellt wurde. Ursprünglich war sie als limitiertes Sondermodell mit 1.000 Exemplaren geplant, doch die Nachfrage war so groß, dass BMW die Produktion bis 1992 fortsetzte. Mit 60 PS (44 kW) bei 6.500 U/min und einer Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h war sie zwar nicht die stärkste RS, aber sie bewies, dass der große Boxer eine eigene, treue Fangemeinde hatte.

Vierventiltechnik und Telelever: die R 1100 RS
Mit der R 1100 RS begann 1993 ein neues Kapitel in der RS-Geschichte. BMW führte den Boxermotor technisch in die Zukunft: Vierventiltechnik, Luft- und Ölkühlung sowie eine digitale Zünd- und Einspritztechnik ersetzten die bewährte, aber in die Jahre gekommene Zweiventiltechnik. Der komplett neuentwickelte 1.085-ccm-Boxer leistete 90 PS (66 kW) bei 7.250 U/min und bot damit 50 Prozent mehr Leistung als der letzte Zweiventil-Boxer, bei gleichzeitig geringerem Verbrauch. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 215 km/h.
Mindestens ebenso bedeutsam war die Einführung der Telelever-Vorderradführung, die hohen Federungskomfort mit enormer Bremsstabilität kombinierte.
Die R 1150 RS: ein pragmatisches Update
Die Nachfolge der R 1100 RS gestaltete sich etwas komplizierter. Eigentlich hatte BMW die sportlichere R 1100 S als Nachfolgerin vorgesehen, die seit 1998 mit stärkerem Motor im Programm war. Viele R 1100 RS-Fahrer empfanden die S jedoch als zu sportlich für ihre Bedürfnisse. Spätestens mit dem Erscheinen der R 1150 RT zum Modelljahr 2001 wuchs der Wunsch nach einer ebenfalls aufgewerteten RS. BMW schob daher zum Herbst 2001 die R 1150 RS nach, die den 1.130-ccm-Motor samt Auspuffanlage von der R 1150 RT übernahm und mit der bewährten Verkleidung der R 1100 RS kombinierte. Die Leistung stieg auf 95 PS (70 kW) bei 7.250 U/min, die Höchstgeschwindigkeit blieb bei 215 km/h. Neu waren das Sechsganggetriebe, die Evo-Bremsanlage mit 320-mm-Scheiben und das Integral-ABS mit Bremskraftverstärker in der Teilintegral-Version. Die Halbverkleidungsoption der Vorgängerin entfiel ersatzlos.

Flüssigkeitskühlung und Dynamic ESA: die R 1200 RS
Nach einer Pause von rund zehn Jahren ohne RS im Programm präsentierte BMW Motorrad im September 2014 auf der Intermot die fünfte RS-Generation mit Boxermotor. Die R 1200 RS markierte den Umstieg auf einen luft- und flüssigkeitsgekühlten Boxer, bei dem Wasser nun in vertikaler statt horizontaler Richtung durch den Motor strömte. Aus 1.170 ccm Hubraum schöpfte der Motor 125 PS (92 kW) bei 7.750 U/min und 125 Nm bei 6.500 U/min. Dazu kam ein völlig neues Fahrwerk mit der Option auf das semi-aktive System Dynamic ESA.
ShiftCam-Technik ab 2019: die R 1250 RS
Im November 2018 stellte BMW auf der EICMA in Mailand die R 1250 RS vor. Der auf 1.254 ccm gewachsene Boxer verfügte nun über die einlassseitige Steuerzeiten- und Ventilhubverstellung ShiftCam. Je nach Drehzahl wirkten dabei die Teillast- oder Volllastnocken auf die Einlassventile, was eine bessere Zylinderfüllung und spürbar mehr Durchzugskraft in unteren und mittleren Drehzahlen ermöglichte. Die Leistung stieg auf 136 PS (100 kW) bei 7.750 U/min, die Höchstgeschwindigkeit lag bei über 200 km/h.
Das Fahrwerk setzte auf einen Stahlhauptrahmen mit angeschraubtem Heckrahmen, eine Upside-down-Telegabel und eine Einarmschwinge. Optional war das semiaktive Dynamic ESA „Next Generation“ mit automatischer Niveauregulierung verfügbar. Die Antriebsschlupfregelung DTC (Dynamic Traction Control) gehörte zum Serienumfang.

Die R 1300 RS: siebte Generation mit dem stärksten Serien-Boxer aller Zeiten
Mit der 2025 eingeführten R 1300 RS hat BMW die RS-Baureihe in ihrer siebten Boxer-Generation konsequent in Richtung Fahrdynamik weiterentwickelt. Der 1.300-ccm-Boxer mit einem Bohrung-Hub-Verhältnis von 106,5 zu 73 mm (Vorgänger: 102,5 zu 76 mm) leistet 145 PS (107 kW) bei 7.750 U/min. Damit ist er der mit Abstand leistungsstärkste BMW Boxermotor, der jemals in Serie produziert wurde. Der Hubraumzuwachs resultiert aus einer größeren Zylinderbohrung und einer Kurbelwelle mit reduziertem Hub. Die Höchstgeschwindigkeit gibt BMW mit 240 km/h an.
Serienmäßig bringt die R 1300 RS drei Fahrmodi und die Motorschleppmomentregelung (MSR) mit. Optional lässt sie sich mit dem automatisierten Schaltassistenten (ASA) ausrüsten, der eine vollautomatisierte Kupplungsbetätigung für manuelles oder automatisiertes Schalten bietet. Das elektronische Fahrwerk Dynamic Suspension Adjustment (DSA) ermöglicht als Sonderausstattung die dynamische Anpassung von Dämpfung, Federrate und Beladungsausgleich. Als weltweit erstes Serienmotorrad verfügt die R 1300 RS zudem über eine Telegabel mit justierbarer Federrate. Optional stehen außerdem radargestützter Tempomat und semiaktives Fahrwerk zur Verfügung.
Vier Zylinder, gleiches Prinzip: die RS-Modelle der K-Baureihe
Die RS-Philosophie beschränkte sich bei BMW nie auf den Boxermotor. Parallel zu den Boxer-RS-Modellen setzte BMW das Konzept auch mit Vierzylindern aus der K-Baureihe um.
BMW K 100 RS (1983 bis 1992)
Die erste Vierzylinder-RS debütierte 1983 auf dem Pariser Salon. Die K 100 RS nutzte den liegend eingebauten Vierzylinder-Reihenmotor des Basismodells K 100, kombiniert mit einer modernen Halbschalenverkleidung. Mit 90 PS (66 kW) bei 8.000 U/min und einem niedrigen Schwerpunkt durch den seitlich liegenden Motor bot sie auch abseits der Autobahn Fahrfreude und erreichte 220 km/h. 1989 folgte die Vierventil-Version K 100 RS 4V mit der kompletten Technik der BMW K1 unter der bekannten RS-Verkleidung. Sie leistete 100 PS (74 kW) bei 8.000 U/min und erreichte 232 km/h.
BMW K 1100 RS (1992 bis 1997)
Als das hubraumstärkere 1.100-ccm-Triebwerk aus der K 1100 LT in das RS-Fahrgestell übernommen wurde, entstand die K 1100 RS. Mit 100 PS (74 kW) bei 7.500 U/min und einer neu gestalteten Verkleidung mit Motorspoiler konnte sie Vergleichstests von Fachzeitschriften für sich entscheiden. Die Höchstgeschwindigkeit blieb bei 220 km/h.
BMW K 1200 RS (1996 bis 2005)
Mit der K 1200 RS brach BMW 1997 erstmals mit der freiwilligen Selbstbeschränkung der Motorradhersteller, auf dem deutschen Markt keine Motorräder mit mehr als 100 PS anzubieten. 130 PS (96 kW) bei 8.750 U/min, 117 Nm bei 6.750 U/min und eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h machten die K 1200 RS zum Langstrecken-Referenzmodell ihrer Zeit. Zum Modelljahr 2001 erhielt sie ein Facelift, das die Verkaufszahlen nochmals ankurbelte.

Sporttouring erlebt eine Renaissance
In den vergangenen Jahren hatten Reiseenduros wie die GS-Modelle vielen klassischen Sporttourern den Rang abgelaufen. Viele Fahrer, die früher eine RS gewählt hätten, griffen zu den hochbeinigen Allroundern. Doch der Wind scheint sich zu drehen. Traditionelle Sporttourer wie die BMW RS-Modelle, aber auch Konkurrenten wie die Suzuki GSX-S1000GT oder die Kawasaki Ninja 1100SX erleben 2026 eine Art Comeback. Das Konzept, ein einzelnes Motorrad für Pendeln, Touren und sportliche Landstraßenfahrten zu nutzen, hat offenbar nichts an seiner Anziehungskraft verloren.
50 Jahre Reise und Sport
Von der im Windkanal bei Pininfarina geformten R 100 RS bis zur radarausgestatteten R 1300 RS hat sich die Grundidee der RS-Baureihe über fünf Jahrzehnte erstaunlich wenig verändert. Es ging und geht darum, Sportlichkeit und Langstreckenkomfort so zu verbinden, dass ein einziges Motorrad für nahezu jeden Einsatzzweck taugt. In BMWs Modellpalette war die RS nie das lauteste oder modischste Motorrad. Die GS dominiert die Schlagzeilen, die RT die Touring-Gespräche. Doch für Fahrer, die mit einem einzigen Motorrad pendeln, touren und Pässe fahren wollen, liefert das RS-Konzept seit einem halben Jahrhundert genau das.
Häufige Fragen
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Was bedeutet RS bei BMW Motorrad?
Das Kürzel RS stand bei BMWs Wettbewerbsmotorrädern ursprünglich für Rennsport. Seit der Einführung der R 100 RS im Jahr 1976 wird es bei den Serienmotorrädern als Abkürzung für Reise und Sport verwendet und steht für die Kombination aus sportlichem Fahren und Langstreckenkomfort.
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Wie viel PS hat die BMW R 1300 RS?
Die aktuelle BMW R 1300 RS leistet 145 PS (107 kW) bei 7.750 U/min aus einem 1.300 ccm großen Zweizylinder-Boxermotor. Damit ist sie der leistungsstärkste je in Serie produzierte BMW Boxer.
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Welche BMW RS Modelle gab es mit Boxermotor?
BMW hat seit 1976 sieben Generationen von RS-Sporttourern mit Boxermotor gebaut: R 100 RS (1976 bis 1984), R 100 RS Monolever (1986 bis 1992), R 1100 RS (1992 bis 2001), R 1150 RS (2000 bis 2004), R 1200 RS (2015 bis 2018), R 1250 RS (2018 bis 2024) und die aktuelle R 1300 RS seit 2025.
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Was war das erste Motorrad mit serienmäßiger Vollverkleidung?
Die BMW R 100 RS von 1976 gilt als das weltweit erste Großserienmotorrad mit einer ab Werk verbauten, rahmenfesten Vollverkleidung. Die Verkleidung wurde im Windkanal von Pininfarina aerodynamisch entwickelt.
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Was kann der automatisierte Schaltassistent ASA der R 1300 RS?
Der optionale automatisierte Schaltassistent ASA bietet eine vollautomatisierte Kupplungsbetätigung. Damit kann die R 1300 RS sowohl manuell als auch automatisiert geschaltet werden, ohne dass der Fahrer die Kupplung selbst betätigen muss.

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