- Marquez gewann 2025 mit Ducati überlegen den MotoGP-Weltmeistertitel nach Jahren voller Verletzungsrückschläge
- Jorge Martin folgte in seiner Schlüsselbein-Krise einem Chirurgen-Tipp von Marquez und ist „für immer dankbar“
- Mick Doohan sieht Marquez‘ Comeback als eine Leistung, die über den Motorsport hinausgeht
Marc Marquez hat in der MotoGP vieles erreicht, was andere Fahrer nicht einmal anstreben können. Neun Weltmeistertitel, sechs davon in der Königsklasse, dazu unzählige Siege und Rekorde. Doch was den 33-jährigen Spanier in den vergangenen Jahren definiert hat, ist weniger die reine Statistik als vielmehr der Weg zurück an die Spitze nach einer Phase, die ihn an allem zweifeln ließ. Gleich drei aktuelle Gesprächsrunden zeichnen ein umfassendes Bild davon, was Marquez durchgemacht hat, wie er andere Fahrer in ähnlichen Situationen unterstützt und wie realistisch er auf sein eigenes Karriereende blickt.

Jorge Martin und der Anruf, der alles veränderte
Die MotoGP-Saison 2026 hat mit einem bemerkenswerten Kräfteverhältnis begonnen. Jorge Martin, inzwischen bei Aprilia unter Vertrag, liegt nach den ersten drei Grand-Prix-Wochenenden auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung hinter seinem Teamkollegen Marco Bezzecchi. Aprilia führt sogar in allen drei Weltmeisterschaften, der Fahrer-, Team- und Konstrukteurswertung. Dass Martin überhaupt in dieser Position ist, war noch vor wenigen Monaten alles andere als selbstverständlich.
Beim Grand Prix von Motegi hatte sich der ehemalige MotoGP-Weltmeister das Schlüsselbein schwer gebrochen. Zwar wurde er rechtzeitig zum Saisonfinale in Valencia für fit erklärt, doch etwas stimmte nicht. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Verletzung nicht wie erwartet verheilt war. Im Dezember stand eine erneute Operation an, und Martin stand vor einer schwierigen Entscheidung: Welcher Chirurg sollte den Eingriff durchführen?
In dieser unsicheren Phase griff ausgerechnet Marc Marquez zum Telefon. Im Interview mit Marca.com schilderte Martin die Situation: „Zu einem Zeitpunkt, als ich unsicher war und mehrere Chirurgen als Optionen hatte, hat er mich beraten. Er sagte mir, wer seiner Meinung nach der Beste ist, und ich habe mich dafür entschieden. Es ist gut gelaufen, und ich werde für diesen Anruf immer dankbar sein.“
Dass gerade Marquez hier als Ratgeber fungierte, ist kein Zufall. Kaum ein aktiver Fahrer hat so viel Erfahrung mit Verletzungen, Operationen und Rehabilitationsphasen gesammelt wie der Spanier. Was für andere Fahrer Neuland ist, gehört für Marquez seit Jahren zum Alltag.
Die Operation führte dazu, dass Martin den ersten Vorsaisontest in Sepang verpasste. Doch danach ging es schnell bergauf. Beim Saisonauftakt in Buriram wurde er Vierter und Fünfter, in Brasilien folgten zwei Podestplätze, und in Austin gelang ihm ein Sprint-Sieg sowie ein zweiter Platz im Grand Prix. Martin selbst profitierte also unmittelbar von Marquez‘ Erfahrung im Umgang mit schweren Verletzungen. Doch wie außergewöhnlich der Weg war, den Marquez selbst zurücklegen musste, kann wohl kaum jemand besser beurteilen als ein Mann, der Ähnliches durchlebt hat.
Mick Doohan: „Was er gemacht hat, war legendär“
Mick Doohan, fünffacher 500-ccm-Weltmeister, erlitt 1992 eine schwere Beinverletzung, die seine Karriere beinahe beendet hätte. Er kennt den langen Weg zurück, die Zweifel, die schlaflosen Nächte. Trotzdem sieht der Australier klare Unterschiede zu dem, was Marquez durchgemacht hat.
Im Gespräch mit Marca erklärte Doohan, er habe nach seiner eigenen Verletzung immerhin Zeit zur Regeneration gehabt. Marquez hingegen sei über Jahre hinweg immer wieder mit neuen Problemen konfrontiert worden. „Für das, was Marc durchgemacht hat, ist die Art, wie er sich von seiner Verletzung erholt hat, unglaublich“, so Doohan. Dabei gehe es nicht nur um die Verletzung selbst, sondern um die lange Phase der Rehabilitation und die vielen Rückschläge. „Nur Marc weiß, wie schwierig dieser Prozess wirklich war.“
Doohan betonte, dass der Schlüssel zu einem erfolgreichen Comeback im Kopf liege. Marquez habe es geschafft, selbst in den schwierigsten Phasen den Fokus nicht zu verlieren. „Das zeigt, was für ein echter Champion er ist.“ Besonders beeindruckt zeigte sich Doohan davon, dass Marquez auch dann langfristig dachte, als klar war, dass der Titel außer Reichweite lag. Statt auf kurzfristige Erfolge zu setzen, habe er den Weg zurück zur alten Stärke konsequent geplant.
An Deutlichkeit sparte Doohan nicht, wenn er die mentale Belastung beschrieb: Marquez habe „Barrieren aus Schmerz und Zweifel“ überwunden. Zweifel an sich selbst, dunkle Phasen und schwierige Entscheidungen hätten seinen Weg geprägt. „Er hatte sicher viele dunkle Tage, Monate und Jahre.“
Dass Marquez nach all dem wieder im Spitzenfeld angekommen ist, sieht Doohan als logische Folge dieser mentalen Stärke. Besonders nach dem Herstellerwechsel zu Ducati habe der Spanier gezeigt, dass er nichts von seiner Klasse verloren hat. In seinem zweiten Jahr mit der Desmosedici habe er „auf einem anderen Level“ agiert und 2025 den WM-Titel gewonnen.
„Was er gemacht hat, war legendär, selbst für Menschen, die keine Motorsportfans sind“, fasste Doohan zusammen. Deshalb bewertete er auch die Nominierung des Spaniers für den Laureus Award als folgerichtig. „Ich würde ihn gerne gewinnen sehen. Aus meiner Sicht verdient er es dieses Jahr.“
Doohan und Martin würdigen also beide, was Marquez geleistet hat. Doch wie blickt der Betroffene selbst auf seinen Körper, seine Grenzen und die Frage, wie lange er noch fahren kann?

„Mein Arm ist nicht mehr das, was er einmal war“
Marquez selbst geht mit seiner körperlichen Situation bemerkenswert offen um. Im Interview mit den Podcastern von Imagin und Tengo un Plan sprach der neunfache Weltmeister darüber, wie sich die Verletzungsfolgen auf seinen Fahrstil und seine Zukunftsplanung auswirken.
„Ich habe daran gezweifelt, dass ich wieder schnell fahren könnte, weil ich mich von einer schweren Verletzung erholt habe. Ich weiß ganz genau, dass mein Arm nicht mehr das ist, was er einmal war“, so Marquez. Einer der Schlüssel zu seinem Comeback sei gewesen, seine verletzte rechte Seite nicht mehr mit der linken zu vergleichen. Stattdessen gebe er mit beiden Seiten 100 Prozent, ohne sich an einem früheren Zustand zu messen.
Was wäre gewesen, wenn der Wechsel zu Ducati nicht funktioniert hätte? Auch diese Frage beantwortete Marquez: Er hätte sich zurückgezogen, wenn es keine andere Wahl gegeben hätte. Seinen Frieden hätte er damit gefunden, weil er es zumindest versucht hätte. Aber „zu 100 Prozent zufrieden“ wäre er nicht in den Ruhestand gegangen. Durch den WM-Titel 2025 habe sich das geändert. „Jetzt, wenn die Zeit gekommen ist, werde ich in Frieden und zufrieden zurücktreten können, aber solange ich aktiv bin, werde ich weiterhin 100 Prozent geben.“
Vertragsfrage und Karriereende
Marquez hat in der laufenden Saison mehrfach betont, dass er über 2026 hinaus mit Ducati Lenovo weitermachen möchte. Der Knackpunkt in den Verhandlungen sei, ob es ein Einjahres- oder Zweijahresvertrag wird. Solange er sich nicht zu 100 Prozent fit fühle, wolle er keinen Vertrag unterschreiben.
Über sein Karriereende sprach Marquez mit einer für MotoGP-Verhältnisse ungewöhnlichen Nüchternheit. Der Moment des Rücktritts rücke näher, das sei ihm bewusst. „Ich werde so lange weitermachen, wie mein Körper mitmacht“, erklärte er. „Ich weiß, dass ich meine Karriere eher wegen meines Körpers beenden werde als wegen meines Geistes oder meines Wunsches, weiterzumachen.“

Martins gedämpfte Erwartungen vor Jerez
Während Marquez seine langfristige Zukunft abwägt, richtet sich Jorge Martins Blick auf das unmittelbar Bevorstehende. Der Spanien-Grand-Prix in Jerez an diesem Wochenende könnte für ihn und Aprilia das bisher schwierigste Rennen der Saison werden.
„Jerez wird eine schwierige Strecke für mich und für Aprilia“, sagte Martin. In keiner Klasse hat er in Jerez bislang einen Grand-Prix-Zieleinlauf vorzuweisen. „Wir könnten überrascht werden, aber ich fahre mit niedrigen Erwartungen dorthin, weil es nicht eine meiner Lieblingsstrecken ist.“ Sein Ziel sei ein Platz in den Top 5. „Wenn etwas Besseres kommt, nehme ich es mit. Wenn wir um ein Podium kämpfen können, wäre das großartig.“
Einen WM-Titel bezeichnete Martin angesichts der noch langen Saison als „Wunschdenken“ zum jetzigen Zeitpunkt. Nach dem, was er in den vergangenen Monaten durchgemacht habe, sei es zu früh, über den Titel nachzudenken. „Wer weiß? Wenn noch zwei oder drei Rennen übrig sind und wir die Chance haben, geben wir alles. Aber jetzt will ich es Tag für Tag angehen.“

Häufige Fragen
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Welche Verletzung hatte Jorge Martin vor der MotoGP-Saison 2026?
Jorge Martin erlitt beim Grand Prix von Motegi einen schweren Schlüsselbeinbruch. Die Verletzung heilte nicht wie erwartet, sodass im Dezember eine weitere Operation nötig wurde. Infolgedessen verpasste er den ersten Vorsaisontest in Sepang.
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Wie hat Marc Marquez Jorge Martin bei dessen Verletzung geholfen?
Marquez rief Martin in einer Phase der Unsicherheit an und empfahl ihm einen Chirurgen, den er selbst für den besten hielt. Martin folgte dem Rat, die Operation verlief erfolgreich, und er zeigte sich für den Anruf „für immer dankbar“.
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Was sagt Marc Marquez über sein mögliches Karriereende?
Marquez erklärte, dass er seine Karriere eher wegen seines Körpers beenden werde als wegen mangelnder Motivation. Er wisse, dass sein Arm nicht mehr derselbe sei wie vor den Verletzungen. Durch den WM-Titel 2025 könne er aber zufrieden zurücktreten, wenn der Zeitpunkt komme.
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Warum vergleicht Mick Doohan Marc Marquez’ Comeback mit seiner eigenen Verletzung?
Doohan erlitt 1992 eine schwere Beinverletzung und kämpfte sich selbst zurück an die Spitze. Er sieht jedoch klare Unterschiede, weil Marquez über Jahre hinweg immer wieder mit neuen Rückschlägen konfrontiert war, während er selbst zumindest Zeit zur Regeneration hatte.
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Wie steht Jorge Martin in der MotoGP-WM 2026?
Nach den ersten drei Grand-Prix-Wochenenden liegt Martin auf dem zweiten Gesamtrang hinter seinem Aprilia-Teamkollegen Marco Bezzecchi. Aprilia führt in allen drei Weltmeisterschaften, also in der Fahrer-, Team- und Konstrukteurswertung.

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