- Betroffen sind neun Modelle mit Milwaukee-Eight-Motor, darunter die Road Glide, die Street Glide, die Fat Boy und die Breakout
- Ursache ist eine hauchdünne Kunststoffschicht im Breather-Port der Airbox-Grundplatte, die vom Zulieferer Walbro stammt
- Harley-Davidson schätzt, dass nur rund 0,4 Prozent der 88.039 erfassten Fahrzeuge tatsächlich betroffen sind
Harley-Davidson hat bei der US-amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA am 28. April 2026 einen freiwilligen Rückruf eingereicht, der unter der Nummer 26V270 (Hersteller-Rückrufnummer 0193) geführt wird. Insgesamt sind 88.039 Motorräder und Dreiräder aus der Produktion zwischen Oktober 2023 und Februar 2026 erfasst. Der Defekt betrifft ausschließlich Modelle, die mit einer bestimmten Airbox-Grundplatte (Teilenummer 29000373) ausgestattet sind. Andere Harley-Davidson-Modelle verwenden abweichende Airbox-Konstruktionen und sind nicht Teil dieser Rückrufaktion.

Welche Harley-Davidson-Modelle sind vom Rückruf betroffen?
Betroffen sind neun Modellreihen mit dem Milwaukee-Eight-Motor, die alle dieselbe Airbox-Konstruktion nutzen. Die Rückrufaktion erstreckt sich über bestimmte Produktionszeiträume innerhalb der Modelljahre 2024 bis 2026. Es handelt sich also nicht um einen pauschalen Rückruf aller in diesem Zeitraum gebauten Fahrzeuge, sondern um Maschinen aus konkreten Fertigungsfenstern.
Die Road Glide (FLTRX) ist mit 47.241 potenziell betroffenen Exemplaren das am stärksten vertretene Modell. Die Produktion dieser Maschinen reicht vom 2. Oktober 2023 bis zum 11. Februar 2026. An zweiter Stelle folgt die Street Glide (FLHX) mit 28.612 Einheiten aus demselben Produktionszeitraum. Danach kommen die Street Glide Ultra (FLHXU, Modelljahr 2025) mit 3.570 Stück, die Breakout (FXBR, Modelljahre 2025 bis 2026) mit 2.618 Stück und die Fat Boy (FLFB, Modelljahre 2025 bis 2026) mit 1.992 Stück.
Ergänzt werden diese fünf Modelle durch vier weitere aus dem Modelljahr 2026: die Street Glide 3 Limited (FLHLT) mit 1.262 Einheiten, die Road Glide Limited (FLTRXL) mit 1.067 Einheiten, die Street Glide Limited (FLHXL) mit 1.048 Einheiten und die Road Glide 3 (FLTRT) mit 629 Einheiten.
Ausdrücklich nicht betroffen sind Milwaukee-Eight-Modelle mit anderen Airbox-Varianten. Dazu gehören laut Hersteller die Heritage Classic und die Street Bob, die eine runde Airbox verwenden, sowie leistungsstärkere Varianten wie die Low Rider S, die Low Rider ST und die CVO-Modelle, die ebenfalls auf andere Airbox-Konstruktionen setzen.
Was genau ist das Problem mit der Airbox-Grundplatte?
Die Ursache liegt bei einem Fertigungsfehler des Zulieferers Overdrive Acquisition LLC, der unter dem Namen Walbro firmiert und seinen Sitz in Novi, Michigan hat. Bei der Produktion der Airbox-Grundplatten kann es vorkommen, dass eine dünne Kunststoffschicht den sogenannten Breather-Port verschließt. Dieser Port dient der Kurbelgehäuseentlüftung und leitet Gase aus dem Motorinneren ab.
Ist der Breather-Port blockiert, kann sich im Kurbelgehäuse ein Überdruck aufbauen. Wird dann der Ölmessstab herausgezogen, ohne den Druck vorher langsam abzulassen, kann Öl aus der Einfüllöffnung herausgeschleudert werden. Laut NHTSA besteht dadurch ein Verletzungsrisiko.
Als mögliche Warnsignale nennt der Rückrufbericht Rauch aus dem Auspuff, ungewöhnlich hohen Ölverbrauch, einen abgelösten Entlüftungsschlauch sowie ein hörbares Zischen beim Entfernen des Ölmessstabs, das auf entweichenden Druck hindeutet.

Warum hat Harley-Davidson das Problem nicht früher erkannt?
Die Chronologie des Falls zeigt, dass Harley-Davidson das Problem bereits seit April 2025 auf dem Radar hatte. Am 3. April 2025 wurde ein interner Vorgang eingeleitet, nachdem in der Produktion blockierte Grundplatten aufgefallen waren. Es folgte eine Quarantänemaßnahme für betroffene Teile im Lager, bei der die Breather-Ports visuell mit einer Taschenlampe geprüft wurden.
Diese Methode konnte die Blockaden jedoch nicht zuverlässig erkennen. Erst im Februar 2026 stellte sich heraus, dass die Verstopfung in vielen Fällen aus einer extrem dünnen Kunststoffmembran besteht, die zwar Licht durchlässt, aber keine Gase. Das machte die bisherige Sichtprüfung mit der Taschenlampe wirkungslos. Ab dem 12. Februar 2026 führte Harley-Davidson deshalb eine mechanische Prüfung mit einem Werkzeug ein, das den Breather-Port physisch testet.
Am 18. März 2026 meldete ein Händler, dass einer seiner Techniker durch austretendes Öl verletzt worden war. Daraufhin weitete Harley-Davidson die Untersuchung aus. Die Auswertung der Garantie- und Kundendaten ergab 192 Berichte über blockierte Breather-Ports, von denen 14 zu einem Ölaustritt aus der Einfüllöffnung geführt hatten. Zusätzlich wurden im Werk York in Pennsylvania 207 Fahrzeuge stichprobenartig geprüft, wobei drei reparaturbedürftige Maschinen gefunden wurden. Bei einer separaten Chargenprüfung von Zulieferteilen wiesen bis zu 10 Prozent der eingehenden Grundplatten blockierte Ports auf.
Auch im Harley-Davidson Product Development Center kam es zu einem Vorfall: Ein Mechaniker wurde beim Entfernen eines Ölmessstabs während eines Tests von Öl getroffen, blieb aber unverletzt.
Am 27. April 2026 genehmigte das Executive Decision Authority von Harley-Davidson den freiwilligen Rückruf.
Was müssen betroffene Halter tun?
Harley-Davidson-Händler werden die Airbox-Grundplatte der betroffenen Motorräder inspizieren. Wird eine Blockade festgestellt, wird der Breather-Port freigemacht. Laut Rückrufbericht sind dafür keine Ersatzteile notwendig. Die Reparatur erfolgt kostenlos.
Harley-Davidson hat sein Händlernetz am 30. April 2026 über die Rückrufaktion informiert. Die Benachrichtigungsschreiben an die Halter sollen zwischen dem 11. und 20. Mai 2026 verschickt werden. Die Fahrgestellnummern (VINs) der betroffenen Motorräder sind laut NHTSA bereits in der Datenbank der Behörde recherchierbar.
Alle Motorräder, die nach dem 11. Februar 2026 gebaut wurden, haben den neuen Inspektionsprozess bereits durchlaufen und sind von der Rückrufaktion ausgenommen.
Halter können sich bei Fragen an den Harley-Davidson-Kundenservice unter der Telefonnummer 1-800-258-2464 wenden und dabei die Rückrufnummer 0193 angeben. Alternativ steht die NHTSA-Hotline unter 1-888-327-4236 zur Verfügung.
Zweiter großer Rückruf innerhalb weniger Wochen
Die Airbox-Rückrufaktion ist nicht der einzige größere Rückruf bei Harley-Davidson in jüngster Zeit. Bereits im Vormonat hatte der Hersteller rund 17.000 Softail-Motorräder wegen eines möglichen Bremsleitungsproblems zurückgerufen. Betroffen waren die Modelle FXLRS (Low Rider S), FXLRST (Low Rider ST), FXBB (Street Bob) und FLHC (Heritage Classic) aus der Produktion zwischen Oktober 2024 und März 2026. Bei diesem Rückruf ging es um ein potenzielles Bremsversagen, das das Unfallrisiko erhöhen konnte.
Dass Harley-Davidson innerhalb so kurzer Zeit zwei umfangreiche Rückrufaktionen durchführen muss, rückt die Qualitätskontrolle des Herstellers und seiner Zulieferer in den Fokus. Im Fall der Airbox-Grundplatte lag das Problem beim Zulieferer Walbro, dessen fehlerhafte Teile trotz Quarantänemaßnahmen über Monate in die Produktion gelangten, bevor die Ursache im Februar 2026 endgültig identifiziert wurde.
Häufige Fragen
-
Welche Harley-Davidson-Modelle sind vom Airbox-Rückruf 2026 betroffen?
Betroffen sind neun Modellreihen der Baujahre 2024 bis 2026 mit Milwaukee-Eight-Motor: Road Glide, Road Glide Limited, Road Glide 3, Street Glide, Street Glide Limited, Street Glide Ultra, Street Glide 3 Limited, Fat Boy und Breakout. Insgesamt sind 88.039 Fahrzeuge erfasst, wobei Harley-Davidson schätzt, dass nur etwa 0,4 Prozent den Defekt tatsächlich aufweisen.
-
Was passiert, wenn der Breather-Port der Airbox blockiert ist?
Eine blockierte Entlüftungsöffnung in der Airbox-Grundplatte kann zu einem Druckaufbau im Kurbelgehäuse führen. Wird der Ölmessstab gezogen, ohne den Druck vorher abzulassen, kann Öl aus der Einfüllöffnung herausspritzen. Warnzeichen sind Rauch aus dem Auspuff, erhöhter Ölverbrauch oder ein Zischgeräusch beim Entfernen des Messstabs.
-
Wann werden Harley-Davidson-Halter über den Rückruf informiert?
Harley-Davidson plant, die Halteranschreiben zwischen dem 11. und 20. Mai 2026 zu versenden. Die Fahrgestellnummern der betroffenen Motorräder sind bereits in der NHTSA-Datenbank hinterlegt und können dort geprüft werden.
-
Ist die Reparatur beim Harley-Davidson-Rückruf kostenlos?
Die Inspektion und gegebenenfalls Reparatur der Airbox-Grundplatte erfolgt bei Harley-Davidson-Vertragshändlern kostenlos. Es werden keine Ersatzteile benötigt. Händler prüfen den Breather-Port und machen ihn bei einer Blockade frei.
-
Sind auch CVO- oder Low Rider-Modelle von Harley-Davidson betroffen?
Nein. Modelle wie die Low Rider S, die Low Rider ST und die CVO-Varianten verwenden andere Airbox-Konstruktionen und sind nicht Teil des Rückrufs. Gleiches gilt für die Heritage Classic und die Street Bob, die eine runde Airbox nutzen.

- Dainese D-Air Smart Damen Airbag Weste schwarz/gelb XS – Motorradbekleidung – Protektoren & Sicherheit female







