- Martin hatte 2022 bereits einen Werksvertrag für die Saison 2023 unterschrieben, den Ducati anschließend nicht einhielt.
- Der Werksplatz ging stattdessen an Enea Bastianini, ein zweites Mal scheiterte der Aufstieg 2025 an Marc Marquez.
- Für 2027 steht ein Wechsel zu Yamaha an, den Martin mit seiner Erwartung an die neuen Regeln begründet.
Jorge Martin gehört zu den Fahrern, deren Karriere eng mit Ducati verbunden ist und sich am Ende doch von der Marke aus Borgo Panigale wegentwickelte. Sein Aufstieg in die MotoGP erfolgte 2021 mit dem damaligen Satellitenteam Pramac, 2024 holte er auf der Ducati den WM-Titel. In der Podcast-Reihe „Gypsy Tales“ hat er nun ausführlich über die Hintergründe gesprochen, die seinen Weg geprägt haben. Dabei ging es nicht nur um sportliche Erfolge, sondern auch um Verträge, die nach seiner Darstellung weniger Bestand hatten als gedacht.

Was hat Jorge Martin über seinen Ducati-Vertrag gesagt?
Martin gab an, bereits 2022 einen unterschriebenen Vertrag für eine Werksrolle in der Saison 2023 besessen zu haben, der dann nicht umgesetzt wurde. Er beschreibt den Moment, in dem ihm die Entscheidung mitgeteilt wurde, mit den Worten: „In 2022, I had already signed the contract for 2023 to be a factory rider, and at a certain point they told me, ‚You’re not going there; we don’t want you; we want another rider'“ (zu Deutsch: „2022 hatte ich den Vertrag für 2023 als Werksfahrer bereits unterschrieben, und an einem bestimmten Punkt sagten sie mir: ‚Du gehst da nicht hin, wir wollen dich nicht, wir wollen einen anderen Fahrer'“). Den Vorgang bezeichnete er als verrückt und betonte, dass davon kaum jemand wisse.
Statt des Werksplatzes blieb Martin bei Pramac, wo er weiterhin auf einem Werksmotorrad fuhr. Die Situation habe er akzeptiert, weil sich an der Technik selbst wenig änderte. Der frei gewordene Platz neben Francesco Bagnaia ging an Enea Bastianini, der 2022 mit Gresini auf einer Ducati des Vorjahres vier Rennen gewonnen und die Saison als WM-Dritter abgeschlossen hatte.
Warum bekam Jorge Martin den Ducati-Werksplatz nicht?
Der zentrale Grund war, dass Ducati sich für andere Fahrer entschied, obwohl Martin sportlich lieferte. In der Saison 2023 wurde er Vizeweltmeister und kam in den letzten Rennen den Siegen sehr nahe. Er spricht darüber, dass das Werksteam ihn daraufhin zurückholen wollte, jedoch bereits vertraglich an einen anderen Fahrer gebunden war. Daraus zieht er ein grundsätzliches Fazit: „Contracts mean nothing to the big manufacturers; they play games with us riders“ (zu Deutsch: „Verträge bedeuten den großen Herstellern nichts; sie spielen Spielchen mit uns Fahrern“).
Beim Saisonfinale 2023 in Valencia wurde zudem bekannt, dass Martin unter einer Bedingung für 2024 ins Werksteam hätte aufsteigen können, nämlich bei einem Titelgewinn. Den WM-Titel sicherte sich in jenem Jahr allerdings Bagnaia, und Ducati behielt Bastianini für das zweite Jahr von dessen Vertrag.

Welche Rolle spielte Marc Marquez beim zweiten Ducati-Aus?
Ein zweites Mal scheiterte der Aufstieg ins Werksteam an Marc Marquez. Für die Saison 2025 galt Martin als Kandidat und erhielt vor dem Italien-GP zunächst grünes Licht, ehe Ducati die Entscheidung zurücknahm, nachdem Marquez öffentlich erklärt hatte, kein Werksmotorrad bei Pramac akzeptieren zu wollen. Ducati verpflichtete Marquez an der Seite von Bagnaia, was Martin schließlich dazu veranlasste, den Hersteller ganz zu verlassen.
Martin zieht dabei einen Vergleich zum Motorsport auf vier Rädern. Er erinnert an den Wechsel in der Formel 1, bei dem Carlos Sainz seinen Platz an Lewis Hamilton verlor: „When I think back on it, it also reminds me of when Carlos Sainz lost his seat to Hamilton“ (zu Deutsch: „Wenn ich daran zurückdenke, erinnert es mich auch daran, wie Carlos Sainz seinen Platz an Hamilton verlor“). Über die eigene Lage sagt er: „Marquez’s words carry a lot of weight, and if he wanted that bike, he would have taken it. There was nothing I could do“ (zu Deutsch: „Die Worte von Marquez haben großes Gewicht, und wenn er dieses Motorrad wollte, dann hätte er es bekommen. Ich konnte nichts tun“). Zum Zeitpunkt der Entscheidung habe er in der Meisterschaft mit 40 Punkten geführt.
Der Wechsel zu Aprilia und das schwierige Jahr 2025
Nach dem Aus bei Ducati unterschrieb Martin einen Zweijahresvertrag bei Aprilia, ein Schritt, der selbst Teamchef Massimo Rivola überraschte. Als amtierender Weltmeister wechselte er damit nach Noale. Das erste Jahr verlief jedoch problematisch: Auf zahlreiche Verletzungen folgte ein Vertragsstreit, in dem Martin versuchte, eine Ausstiegsklausel zu ziehen. Die Rennserienleitung Dorna habe einen vorzeitigen Abschied blockiert, weil die Einhaltung von Verträgen durchgesetzt werden sollte. Am Ende erfüllte Martin das zweite Jahr seines Aprilia-Vertrags.
Über die genauen Abläufe in diesem Streit hält er sich bedeckt. Er sagt, die Öffentlichkeit wisse nicht, was intern geschehen sei, und werde es auch nie genau erfahren, weil man darüber nicht sprechen werde.

Warum wechselt Jorge Martin 2027 zu Yamaha?
Martin begründet seinen für 2027 geplanten Wechsel zu Yamaha vor allem mit den anstehenden technischen Regeländerungen. Er geht davon aus, dass die japanischen Hersteller davon profitieren werden: „I always thought that ‚27 is the year of the Japanese“ (zu Deutsch: „Ich dachte immer, ‚27 wird das Jahr der Japaner“). Aus seiner Sicht begünstigen weniger Leistung, weniger Aerodynamik und ein höheres Kurventempo eine Rückkehr von Honda und Yamaha an die Spitze.
Schon 2025 soll Martin Gespräche mit Honda geführt haben, wobei ein Dreijahresangebot im Raum gestanden haben soll. Der Wechsel zu Yamaha gilt vorbehaltlich der finalen Bestätigung nach Abschluss des sogenannten Concorde Agreements als beschlossen; dort tritt Martin die Nachfolge von Fabio Quartararo an. In die laufende MotoGP-Saison 2026 ordnet sich seine Situation so ein, dass er vor dem neunten Lauf in Brno 20 Punkte hinter seinem Teamkollegen Marco Bezzecchi liegt und dort nach eigener Aussage nicht vollständig fit antreten wird.
Wie veränderte der Rückschlag Martins Einstellung?
Die vergangenen Jahre haben nach Martins Schilderung vor allem seine mentale Herangehensweise verändert. Nach der verlorenen Titelentscheidung in Valencia habe er zunächst die Lust am Rennfahren verloren. In dieser Phase suchte er professionelle Unterstützung: „I started working with a psychologist, and he told me I was afraid of losing again“ (zu Deutsch: „Ich begann mit einem Psychologen zu arbeiten, und er sagte mir, dass ich Angst davor hatte, erneut zu verlieren“).
Aus dieser Arbeit zieht er ein verändertes Verständnis von Erfolg. Er beschreibt, dass er in den vergangenen zwei Jahren mehr über sich gelernt habe als in den 24 Jahren zuvor, und fasst seine neue Sicht so zusammen: „Victory isn’t the result; it’s the story of your career“ (zu Deutsch: „Der Sieg ist nicht das Ergebnis; er ist die Geschichte deiner Karriere“).

Häufige Fragen
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Welchen Vertrag hatte Jorge Martin bei Ducati?
Jorge Martin hatte nach eigener Aussage bereits 2022 einen Vertrag für eine Werksrolle in der Saison 2023 unterschrieben. Dieser wurde nicht umgesetzt, der Platz ging an Enea Bastianini. Martin blieb daraufhin bei Pramac auf einem Werksmotorrad.
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Warum verließ Jorge Martin Ducati?
Jorge Martin verließ Ducati, weil ihm der Werksplatz für 2025 trotz anfänglicher Zusage erneut entging. Ducati entschied sich für Marc Marquez an der Seite von Bagnaia, nachdem Marquez öffentlich erklärt hatte, kein Werksmotorrad bei Pramac fahren zu wollen. Martin wechselte anschließend zu Aprilia.
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Wann wechselt Jorge Martin zu Yamaha?
Jorge Martin soll 2027 zu Yamaha wechseln, vorbehaltlich der Bestätigung nach Abschluss des Concorde Agreements. Er tritt dort die Nachfolge von Fabio Quartararo an und begründet den Schritt mit den neuen technischen Regeln, von denen seiner Ansicht nach die japanischen Hersteller profitieren.
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Wie steht Jorge Martin in der MotoGP-Saison 2026 da?
Vor dem neunten Saisonlauf in Brno liegt Jorge Martin 20 Punkte hinter seinem Aprilia-Teamkollegen Marco Bezzecchi. Nach eigener Aussage wird er in Brno nicht vollständig fit an den Start gehen.












