- Neun Tatorte im Rems-Murr-Kreis und im Landkreis Esslingen, alle im Bereich von Kurven
- Ölspuren wurden nach Angaben der Polizei nicht gefunden, verletzt wurde niemand
- Das Polizeipräsidium Aalen ermittelt seit Montag mit einer eigenen Ermittlungsgruppe
Update vom 28. Juli 2026: Das Polizeipräsidium Aalen hat auf schriftliche Anfrage weitere Angaben gemacht. Die Zahl der Tatorte, die genauen Örtlichkeiten, der Wortlaut der Schriftzüge und die Angaben zum Tatmittel sind entsprechend aktualisiert.
Der Rems-Murr-Kreis östlich von Stuttgart gilt unter Motorradfahrern als lohnendes Revier. Kurvige Nebenstrecken führen durch Weinberge und Wälder, an schönen Wochenenden ist entsprechend viel los. Genau dort tauchten in der Nacht von Freitag, 24. Juli, auf Samstag, 25. Juli 2026, großflächige Schriftzüge auf der Fahrbahn auf. Sie richteten sich gegen Motorradfahrer und waren teils als offene Morddrohung formuliert. Aufgemalt wurden sie mit weißer Farbe, meist mitten in Kurven. Die Meldungen darüber gingen am Samstag und am Sonntag bei der Polizei ein.
Was genau ist im Rems-Murr-Kreis passiert?
Unbekannte haben am Wochenende an mehreren Stellen Sprüche gegen Motorradfahrer auf die Straße geschmiert. Das Polizeipräsidium Aalen bestätigte dies am Montag in einer Pressemitteilung, die kurz darauf auch das Polizeipräsidium Reutlingen für den Landkreis Esslingen weiterverbreitete.
Zum Wortlaut äußerte sich die Polizei in ihrer Mitteilung zunächst nicht. Auf Anfrage nannte das Polizeipräsidium Aalen ihn später für den eigenen Zuständigkeitsbereich: An den Tatorten stand „BIKER STIRB“ auf dem Asphalt, an einer Stelle ein davon abweichender Spruch mit ähnlicher Stoßrichtung. Weitere Texte oder Symbole führt die Polizei nicht auf. In Medienberichten wird dieser abweichende Schriftzug mit „EIN BIKERSCHWEIN WENIGER“ wiedergegeben, zusätzlich ist dort von „TOD DEN MOTORRADFAHRERN“ die Rede. Bestätigt sind beide Wiedergaben von der Polizei nicht. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich die Aalener Angaben nur auf die Tatorte im Rems-Murr-Kreis beziehen, für den Landkreis Esslingen ist ein anderes Präsidium zuständig. Ein Schriftzug war noch am Sonntagabend zwischen Baltmannsweiler und dem Remstal zu sehen. Die zuständigen Straßenmeistereien rückten anschließend mit einem Reinigungsmobil an und entfernten die Schmierereien von der Fahrbahn.
Wo genau wurden die Schriftzüge gefunden?
Die Polizei kennt inzwischen neun Tatorte, sieben im Rems-Murr-Kreis und zwei im Landkreis Esslingen. Betroffen sind ausschließlich Landes- und Kreisstraßen, die bei Motorradfahrern beliebt sind.
Für den Rems-Murr-Kreis führt das Polizeipräsidium Aalen sieben Stellen auf: die L 1147 zwischen Schorndorf und Oberberken, die L 1151 von Schorndorf-Schlichten bis zur Kreisgrenze Esslingen, die L 1150 bei Winterbach zwischen Engelberg und dem Goldboden, in Weinstadt die K 1865 zwischen Schnait und Manolzweiler, die K 1864 zwischen Beutelsbach und Aichwald und die L 1201 zwischen Strümpfelbach und Schanbach sowie in Kernen im Remstal die L 1199 von Stetten in Richtung Esslingen am Stettener Sattel, dem sogenannten Tor zum Remstal.
Die erste Pressemitteilung war noch von sechs Stellen im Rems-Murr-Kreis ausgegangen und hatte eine Örtlichkeit an der Stettener Straße kurz nach Esslingen dem Landkreis Esslingen zugeordnet. In der späteren Aufstellung aus Aalen taucht die Straße von Stetten in Richtung Esslingen dagegen als eigener Tatort im Rems-Murr-Kreis auf, dazu kommen zwei Tatorte im Landkreis Esslingen. Damit kommt die Polizei auf neun Stellen, so viele wie zuvor bereits in Medienberichten genannt. Öffentlich benannt ist von den beiden Esslinger Tatorten bislang die K 1210 zwischen Baltmannsweiler und Schnait.
Alle Tatorte haben eines gemeinsam: Sie liegen im Bereich von Kurven, dort also, wo ein Motorrad in Schräglage am wenigsten Reserven hat.
War tatsächlich Öl auf der Fahrbahn?
Nein. Die Polizei stellte in ihrer Mitteilung ausdrücklich klar, dass an den Tatorten ausschließlich die Schmierereien festgestellt wurden. Ölspuren oder ähnliche Substanzen wurden nicht gefunden.
Am Wochenende hatte das noch anders geklungen. In der ersten Berichterstattung war von einer ölhaltigen Substanz die Rede, die zusätzlich auf der Fahrbahn verteilt worden sein sollte. Dieser Verdacht hat sich nicht bestätigt. Auf Anfrage teilte das Polizeipräsidium Aalen mit, dass sich dazu bislang keine Ermittlungsansätze ergeben haben. Ein Polizeisprecher schränkte zuvor bereits ein, dass allenfalls die frische Farbe selbst rutschig gewesen sein könnte. Auf die Frage, ob dadurch ein Motorradfahrer gestürzt sei, antwortete er: „Es gab keine konkreten Fälle“. Auch die Polizeimeldung hält fest, dass nach derzeitigem Kenntnisstand kein Motorradfahrer durch die Taten geschädigt wurde.
Für die Einordnung ist das ein wichtiger Unterschied. Farbe auf der Straße ist eine Drohung und je nach Zustand ein Sicherheitsrisiko. Eine gezielt gelegte Ölfalle wäre ein Anschlag mit unmittelbarer Lebensgefahr. Beides wird von der Polizei bislang klar getrennt.
Wie ermittelt die Polizei?
Das Polizeipräsidium Aalen hat am Montagmorgen eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet, sie hat ihren Sitz beim Polizeirevier Schorndorf. Ermittelt wird wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr nach Paragraf 315b des Strafgesetzbuchs. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wurde über den Sachverhalt unterrichtet.
Das ist kein Randparagraf. Wer in den Straßenverkehr eingreift und dadurch Leib und Leben anderer gefährdet, muss mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Die Einstufung zeigt, dass die Ermittler die Schmierereien nicht als bloße Sachbeschädigung behandeln. Die Ermittlungen stehen allerdings noch am Anfang, zum Motiv des Täters kann die Polizei bislang keine Angaben machen. Federführend ist das Präsidium in Aalen, das Präsidium Reutlingen ist für die beiden Tatorte im Landkreis Esslingen zuständig.
Wie wurden die Schriftzüge aufgebracht?
An jedem Tatort fand sich jeweils ein Schriftzug in weißer Farbe. Nach Einschätzung der Polizei wurde die Farbe vermutlich mit einer Farbrolle aufgetragen. Die Größen fallen unterschiedlich aus, zum Teil messen die Schriftzüge drei mal einen Meter.
Eine Malerrolle passt zu dem, was auf den Bildern zu sehen ist: breite, gleichmäßig hohe Lettern mit unsauberen Rändern und sichtbaren Ansatzstellen. Damit lässt sich schnell arbeiten und es ergibt große Buchstaben, ohne dass jemand knien und pinseln muss. Das ist mehr als ein Detail am Rande. Wer neun Stellen in kurzer Zeit bearbeitet, braucht Zeit, Material und einen Transportweg. Die Farbe selbst dürfte deshalb zu einer der wichtigsten Spuren werden.
Gab es solche Drohungen schon einmal?
Ja, und der Ablauf ähnelt dem aktuellen Fall verblüffend. Im August 2021 tauchten entlang der Schwarzwaldhochstraße B 500 zwischen Baden-Baden und Plättig mehrere Hassparolen gegen Motorradfahrer auf.
In der Nacht auf Samstag, den 14. August 2021, prangte an der Wand einer Holzhütte an der B 500 in großen gelben Buchstaben „Drecksau, Biker stirb“. Auf der Fahrbahn stand „Leg dich in dein Sarg“. Die Spur der Parolen begann am Ortseingang von Baden-Baden und zog sich bis in den Kreis Freudenstadt. An der B 294 zwischen Seewald und Freudenstadt fanden sich die Sprüche „Verrecke“ und „Kein Mitleid mit dem Pack“. Nur wenige Wochen zuvor war dort ein Motorradfahrer tödlich verunglückt, ein Zusammenhang blieb ungeklärt. Die Polizei ermittelte damals wegen Sachbeschädigung.
Besonders auffällig ist die Parallele im weiteren Verlauf. Kurz nach den Parolen machten in sozialen Netzwerken Warnungen die Runde, Teile der B 500 seien mit Öl und Schmierseife präpariert worden, um Motorradfahrer zu Fall zu bringen. Die Polizei kontrollierte die Strecke und fand nichts davon. Ein Sprecher stellte klar, dass diese Meldungen falsch seien. Genau dasselbe Muster zeigt sich jetzt östlich von Stuttgart: erst die Drohungen, dann die Vermutung einer Ölfalle, dann das Dementi. Die Entfernung der Farbe erwies sich 2021 als aufwendig. Hochdruckreiniger und chemische Mittel reichten nicht aus, am Ende musste eine Spezialfirma anrücken, wofür die B 500 halbseitig mit Ampelschaltung gesperrt wurde. Die Kosten lagen laut Stadtverwaltung Baden-Baden im niedrigen fünfstelligen Bereich.
Erinnerungen an die Ölfallen im Allgäu
Deutlich ernster war eine Serie, die im Allgäu bis heute nicht aufgeklärt ist. Am Palmsonntag 2011 starb dort der Motorradfahrer Josef Deniffel, nachdem seine Honda auf einer absichtlich gelegten Ölfalle weggerutscht und in ein entgegenkommendes Auto geschleudert worden war. Der zweifache Familienvater war eines von mehreren Opfern einer Serie, die nach späteren Ermittlungen mindestens seit 2007 lief. Ein Täter wurde nie gefasst, obwohl wegen Mordes ermittelt wurde.
Im Juni 2026 tauchten in derselben Region wieder Ölfallen auf. Am Abend des 5. Juni wurden auf der B 308 bei Scheidegg im Kreis Lindau Öllachen in zwei Kurven entdeckt, rechtzeitig, bevor jemand zu Schaden kam. Die Polizei sperrte den Bereich der Rohrachschlucht, die Feuerwehr reinigte die Fahrbahn. Diesmal war das Öl in Plastikbeuteln in die Kurven geworfen worden, die beim Aufprall aufplatzten. Bei den älteren Fällen waren es zerbrechliche Glasflaschen. Auch dort ermittelt die Polizei wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, ein Sprecher erklärte, man sei wegen der früheren Taten sensibilisiert und „wir ermitteln in alle Richtungen“.
Ein Zusammenhang zwischen den Vorfällen im Allgäu und den Schmierereien bei Stuttgart ist bislang nicht belegt. Vergleichbare Fälle sind dem Polizeipräsidium Aalen im direkten Zusammenhang mit den aktuellen Taten nicht bekannt. Was beide Fälle verbindet, ist das Muster: beliebte Kurvenstrecken, Wochenendzeiten und eine Täterschaft, die es offenbar gezielt auf Motorradfahrer abgesehen hat.
Wer kann der Polizei jetzt helfen?
Gesucht werden Motorradfahrer, die am vergangenen Wochenende auf den genannten Strecken unterwegs waren und dabei gefährdet wurden. Ebenso gesucht werden Zeugen, die in den Nächten etwas beobachtet haben.
Hinweise nimmt das Polizeirevier Schorndorf unter der Telefonnummer 07181 2040 entgegen. Hilfreich sind auch scheinbare Kleinigkeiten wie ein Fahrzeug, das nachts an einer Kurve gehalten hat, oder ein ungewöhnliches Gerät auf einer Ladefläche.
Häufige Fragen
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Was bedeutet „Biker stirb“ und wo tauchte der Spruch auf?
Es handelt sich um den Schriftzug, den Unbekannte in der Nacht auf den 25. Juli 2026 auf Motorradstrecken im Rems-Murr-Kreis und im Landkreis Esslingen auf die Fahrbahn geschmiert haben. An einer Stelle im Rems-Murr-Kreis stand nach Angaben der Polizei ein davon abweichender Spruch. Die Straßenmeistereien haben die Schriftzüge inzwischen entfernt.
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Welche Strecken waren betroffen?
Im Rems-Murr-Kreis nennt die Polizei die L 1147 zwischen Schorndorf und Oberberken, die L 1151 von Schorndorf-Schlichten bis zur Kreisgrenze Esslingen, die L 1150 bei Winterbach, in Weinstadt die K 1864, die K 1865 und die L 1201 sowie in Kernen im Remstal die L 1199 am Stettener Sattel. Im Landkreis Esslingen ist die K 1210 zwischen Baltmannsweiler und Schnait betroffen, dazu ein weiterer, bislang nicht öffentlich benannter Tatort. Alle Stellen liegen im Bereich von Kurven.
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Wie viele Tatorte sind bekannt?
Die Polizei kennt neun Tatorte, sieben im Rems-Murr-Kreis und zwei im Landkreis Esslingen. Die erste Pressemitteilung war noch von acht Stellen ausgegangen, weil ein Tatort in Kernen im Remstal dort dem Landkreis Esslingen zugeordnet worden war.
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War Öl auf der Fahrbahn?
Nein. Die Polizei hat mitgeteilt, dass an den Tatorten ausschließlich Schmierereien festgestellt wurden und keine Ölspuren. Zum Verdacht auf eine ölhaltige Substanz haben sich nach Angaben des Polizeipräsidiums Aalen bislang keine Ermittlungsansätze ergeben.
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Wegen welcher Straftat wird ermittelt?
Ermittelt wird wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr nach Paragraf 315b des Strafgesetzbuchs. Das Polizeipräsidium Aalen hat dafür am Montag eine Ermittlungsgruppe mit Sitz beim Polizeirevier Schorndorf eingerichtet, die Staatsanwaltschaft Stuttgart wurde unterrichtet.
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