- Acht Tatorte im Rems-Murr-Kreis und im Landkreis Esslingen, alle im Bereich von Kurven
- Ölspuren wurden nach Angaben der Polizei nicht gefunden, verletzt wurde niemand
- Das Polizeipräsidium Aalen ermittelt seit Montag mit einer eigenen Ermittlungsgruppe
Der Rems-Murr-Kreis östlich von Stuttgart gilt unter Motorradfahrern als lohnendes Revier. Kurvige Nebenstrecken führen durch Weinberge und Wälder, an schönen Wochenenden ist entsprechend viel los. Genau dort tauchten in der Nacht von Freitag, 24. Juli, auf Samstag, 25. Juli 2026, großflächige Schriftzüge auf der Fahrbahn auf. Sie richteten sich gegen Motorradfahrer und waren teils als offene Morddrohung formuliert. Aufgemalt wurden sie mit weißer Farbe, meist mitten in Kurven.
Was genau ist im Rems-Murr-Kreis passiert?
Unbekannte haben am Wochenende an mehreren Stellen Sprüche gegen Motorradfahrer auf die Straße geschmiert. Das Polizeipräsidium Aalen bestätigte dies am Montag in einer Pressemitteilung, die kurz darauf auch das Polizeipräsidium Reutlingen für den Landkreis Esslingen weiterverbreitete.
Zum Wortlaut äußerte sich die Polizei in ihrer Mitteilung nicht. Laut Medienberichten standen unter anderem die Sprüche „BIKER STIRB“, „EIN BIKERSCHWEIN WENIGER“ und „TOD DEN MOTORRADFAHRERN“ in großen Buchstaben auf dem Asphalt. Ein Schriftzug war noch am Sonntagabend zwischen Baltmannsweiler und dem Remstal zu sehen. Die zuständigen Straßenmeistereien entfernten die Sprüche anschließend zügig.
Wo genau wurden die Schriftzüge gefunden?
Die Polizei hat acht Tatorte veröffentlicht, sechs im Rems-Murr-Kreis und zwei im Landkreis Esslingen. Betroffen sind ausschließlich Landes- und Kreisstraßen, die bei Motorradfahrern beliebt sind.
Im Rems-Murr-Kreis nennt die Polizei die L 1151 zwischen Schorndorf und Schlichten, die L 1147 zwischen Schorndorf und Oberberken sowie die L 1150 zwischen Hohengehren und Winterbach. Dazu kommen in Weinstadt die K 1864, die K 1865 und die L 1201. Im Landkreis Esslingen liegen die beiden bekannten Tatorte auf der K 1210 zwischen Baltmannsweiler und Schnait sowie auf der Stettener Straße kurz nach Esslingen. In Medienberichten ist von insgesamt neun Stellen die Rede, also einer mehr im Rems-Murr-Kreis, als die Polizei in ihrer Aufzählung aufführt. Alle Tatorte haben eines gemeinsam: Sie liegen im Bereich von Kurven, dort also, wo ein Motorrad in Schräglage am wenigsten Reserven hat.
War tatsächlich Öl auf der Fahrbahn?
Nein. Die Polizei stellte in ihrer Mitteilung ausdrücklich klar, dass an den Tatorten ausschließlich die Schmierereien festgestellt wurden. Ölspuren oder ähnliche Substanzen wurden nicht gefunden.
Am Wochenende hatte das noch anders geklungen. In der ersten Berichterstattung war von einer ölhaltigen Substanz die Rede, die zusätzlich auf der Fahrbahn verteilt worden sein sollte. Dieser Verdacht hat sich nicht bestätigt. Ein Polizeisprecher schränkte später ein, dass allenfalls die frische Farbe selbst rutschig gewesen sein könnte. Auf die Frage, ob dadurch ein Motorradfahrer gestürzt sei, antwortete er: „Es gab keine konkreten Fälle“. Auch die Polizeimeldung hält fest, dass nach derzeitigem Kenntnisstand kein Motorradfahrer durch die Taten geschädigt wurde.
Für die Einordnung ist das ein wichtiger Unterschied. Farbe auf der Straße ist eine Drohung und je nach Zustand ein Sicherheitsrisiko. Eine gezielt gelegte Ölfalle wäre ein Anschlag mit unmittelbarer Lebensgefahr. Beides wird von der Polizei bislang klar getrennt.
Wie ermittelt die Polizei?
Das Polizeipräsidium Aalen hat am Montagmorgen eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet. Als Ermittlungsgegenstand nannte ein Polizeisprecher den gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.
Das ist kein Randparagraf. Wer in den Straßenverkehr eingreift und dadurch Leib und Leben anderer gefährdet, muss mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Die Einstufung zeigt, dass die Ermittler die Schmierereien nicht als bloße Sachbeschädigung behandeln. Die Ermittlungen stehen allerdings noch am Anfang. Federführend ist das Präsidium in Aalen, das Präsidium Reutlingen unterstützt für die beiden Tatorte im Landkreis Esslingen.
Wie wurden die Schriftzüge aufgebracht?
Aufgefallen ist den Ermittlern die Machart der Buchstaben. Sie wirken nicht wie mit einem Pinsel gezogen, sondern eher so, als hätte jemand sie mit einer ungleichmäßigen Farbrolle aufgetragen. Ein Polizeisprecher hielt es deshalb für möglich, dass eine Maschine zum Einsatz kam.
Eine Malerrolle passt zu dem, was auf den Bildern zu sehen ist: breite, gleichmäßig hohe Lettern mit unsauberen Rändern und sichtbaren Ansatzstellen. Damit lässt sich schnell arbeiten und es ergibt große Buchstaben, ohne dass jemand knien und pinseln muss. Das ist mehr als ein Detail am Rande. Wer acht oder mehr Stellen in einer einzigen Nacht bearbeitet, braucht Zeit, Material und einen Transportweg. Die Farbe selbst dürfte deshalb zu einer der wichtigsten Spuren werden.
Gab es solche Drohungen schon einmal?
Ja, und der Ablauf ähnelt dem aktuellen Fall verblüffend. Im August 2021 tauchten entlang der Schwarzwaldhochstraße B 500 zwischen Baden-Baden und Plättig mehrere Hassparolen gegen Motorradfahrer auf.
In der Nacht auf Samstag, den 14. August 2021, prangte an der Wand einer Holzhütte an der B 500 in großen gelben Buchstaben „Drecksau, Biker stirb“. Auf der Fahrbahn stand „Leg dich in dein Sarg“. Die Spur der Parolen begann am Ortseingang von Baden-Baden und zog sich bis in den Kreis Freudenstadt. An der B 294 zwischen Seewald und Freudenstadt fanden sich die Sprüche „Verrecke“ und „Kein Mitleid mit dem Pack“. Nur wenige Wochen zuvor war dort ein Motorradfahrer tödlich verunglückt, ein Zusammenhang blieb ungeklärt. Die Polizei ermittelte damals wegen Sachbeschädigung.
Besonders auffällig ist die Parallele im weiteren Verlauf. Kurz nach den Parolen machten in sozialen Netzwerken Warnungen die Runde, Teile der B 500 seien mit Öl und Schmierseife präpariert worden, um Motorradfahrer zu Fall zu bringen. Die Polizei kontrollierte die Strecke und fand nichts davon. Ein Sprecher stellte klar, dass diese Meldungen falsch seien. Genau dasselbe Muster zeigt sich jetzt östlich von Stuttgart: erst die Drohungen, dann die Vermutung einer Ölfalle, dann das Dementi. Die Entfernung der Farbe erwies sich 2021 als aufwendig. Hochdruckreiniger und chemische Mittel reichten nicht aus, am Ende musste eine Spezialfirma anrücken, wofür die B 500 halbseitig mit Ampelschaltung gesperrt wurde. Die Kosten lagen laut Stadtverwaltung Baden-Baden im niedrigen fünfstelligen Bereich.
Erinnerungen an die Ölfallen im Allgäu
Deutlich ernster war eine Serie, die im Allgäu bis heute nicht aufgeklärt ist. Am Palmsonntag 2011 starb dort der Motorradfahrer Josef Deniffel, nachdem seine Honda auf einer absichtlich gelegten Ölfalle weggerutscht und in ein entgegenkommendes Auto geschleudert worden war. Der zweifache Familienvater war eines von mehreren Opfern einer Serie, die nach späteren Ermittlungen mindestens seit 2007 lief. Ein Täter wurde nie gefasst, obwohl wegen Mordes ermittelt wurde.
Im Juni 2026 tauchten in derselben Region wieder Ölfallen auf. Am Abend des 5. Juni wurden auf der B 308 bei Scheidegg im Kreis Lindau Öllachen in zwei Kurven entdeckt, rechtzeitig, bevor jemand zu Schaden kam. Die Polizei sperrte den Bereich der Rohrachschlucht, die Feuerwehr reinigte die Fahrbahn. Diesmal war das Öl in Plastikbeuteln in die Kurven geworfen worden, die beim Aufprall aufplatzten. Bei den älteren Fällen waren es zerbrechliche Glasflaschen. Auch dort ermittelt die Polizei wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, ein Sprecher erklärte, man sei wegen der früheren Taten sensibilisiert und „wir ermitteln in alle Richtungen“.
Ein Zusammenhang zwischen den Vorfällen im Allgäu und den Schmierereien bei Stuttgart ist bislang nicht belegt. Was beide Fälle verbindet, ist das Muster: beliebte Kurvenstrecken, Wochenendzeiten und eine Täterschaft, die es offenbar gezielt auf Motorradfahrer abgesehen hat.
Wer kann der Polizei jetzt helfen?
Gesucht werden Motorradfahrer, die am vergangenen Wochenende auf den genannten Strecken unterwegs waren und dabei gefährdet wurden. Ebenso gesucht werden Zeugen, die in den Nächten etwas beobachtet haben.
Hinweise nimmt das Polizeirevier Schorndorf unter der Telefonnummer 07181 2040 entgegen. Hilfreich sind auch scheinbare Kleinigkeiten wie ein Fahrzeug, das nachts an einer Kurve gehalten hat, oder ein ungewöhnliches Gerät auf einer Ladefläche.
Häufige Fragen
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Was bedeutet „Biker stirb“ und wo tauchte der Spruch auf?
Es handelt sich um einen von mehreren Schriftzügen, die Unbekannte in der Nacht auf den 25. Juli 2026 auf Motorradstrecken im Rems-Murr-Kreis und im Landkreis Esslingen auf die Fahrbahn geschmiert haben. Laut Medienberichten standen dort auch die Sprüche „EIN BIKERSCHWEIN WENIGER“ und „TOD DEN MOTORRADFAHRERN“. Die Straßenmeistereien haben die Schriftzüge inzwischen entfernt.
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Welche Strecken waren betroffen?
Die Polizei nennt im Rems-Murr-Kreis die L 1151 zwischen Schorndorf und Schlichten, die L 1147 zwischen Schorndorf und Oberberken, die L 1150 zwischen Hohengehren und Winterbach sowie in Weinstadt die K 1864, die K 1865 und die L 1201. Im Landkreis Esslingen sind es die K 1210 zwischen Baltmannsweiler und Schnait und die Stettener Straße kurz nach Esslingen. Alle Stellen liegen im Bereich von Kurven.
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War Öl auf der Fahrbahn?
Nein. Die Polizei hat mitgeteilt, dass an den Tatorten ausschließlich Schmierereien festgestellt wurden und keine Ölspuren. Der am Wochenende gemeldete Verdacht auf eine ölhaltige Substanz hat sich nicht bestätigt.
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Ist jemand zu Schaden gekommen?
Nach derzeitigem Kenntnisstand der Polizei wurde kein Motorradfahrer durch die Taten geschädigt. Ein Polizeisprecher bestätigte, dass keine Sturzfälle bekannt sind.
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Wegen welcher Straftat wird ermittelt?
Ein Polizeisprecher nannte den gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr als Ermittlungsgegenstand. Das Polizeipräsidium Aalen hat dafür am Montag eine Ermittlungsgruppe eingerichtet.











