- Vorn arbeitet eine elektronisch geregelte Gabel von Marzocchi mit goldfarbenen Standrohren, dazu kommen neue Bremszangen vom Typ Hypure aus dem Hause Brembo
- Am linken Lenkerstummel sitzen eine neue Schaltereinheit mit Plus- und Minus-Taste sowie ein Flüssigkeitsbehälter
- Spiegel, Blinker und Kennzeichen zeigen einen straßenzugelassenen Aufbau, gefahren wird auf profilierten Reifen
Vor wenigen Tagen ging es um die Optik. Eine Zeichnung aus einer Design-Anmeldung zeigte, wie die nächste S 1000 RR aussehen soll. Solche Zeichnungen geben aber nur die äußere Form wieder, denn geschützt wird dort ausschließlich das Erscheinungsbild. Was unter der Verkleidung steckt, bleibt offen. Genau an dieser Stelle setzen die Bilder von der Nordschleife in Deutschland an. Sie zeigen ein fahrendes Motorrad, und damit Bauteile, die sich benennen lassen.

Was zeigen die Aufnahmen von der Nordschleife?
Sie zeigen einen Prototyp der neuen S 1000 RR im Fahrbetrieb und im Fahrerlager. Die Verkleidung folgt dabei klar dem Concept RR, das BMW im Mai 2025 gezeigt hatte.
Auf den Bildern sind sowohl Standaufnahmen als auch Szenen auf der Strecke zu sehen. Der Prototyp trägt Startnummerntafeln, der Fahrer ist in Lederkombi unterwegs. Als Erlkönig wird in der Motorradbranche ein Prototyp bezeichnet, der vor der offiziellen Vorstellung bei Testfahrten fotografiert wird. Genau das ist hier passiert. Weder zu den Testfahrten noch zu technischen Daten hat sich BMW bislang geäußert.
Wie sieht die Front des Prototyps aus?
Auffällig sind vor allem die großen Winglets. Sie ziehen sich weit nach außen und legen sich um schmale, mehrteilige Scheinwerfer, dazwischen sitzt ein großer zentraler Lufteinlass.
Winglets sind die kleinen Flügel an der Verkleidung. Sie erzeugen bei Tempo Abtrieb und halten das Vorderrad beim Beschleunigen unten. Der Kotflügel am Vorderrad besteht aus Carbon. Die Standrohre der Gabel sind goldfarben eloxiert, die Bremszangen vorn sind radial verschraubt und greifen auf zwei Scheiben.
Welche Gabel und welche Bremsen sitzen am Prototyp?
Vorn arbeitet eine elektronisch geregelte Telegabel von Marzocchi. Die Bremsscheiben werden von den neuen Hypure-Zangen von Brembo geklemmt.
Elektronisch geregelt heißt, dass die Dämpfung nicht mehr von Hand eingestellt wird. Eine Steuerung passt sie stattdessen laufend an die Fahrsituation an. Am Heck fällt ein weiteres Detail auf: Der M-Bremssattel der Hinterradbremse ist unten angebracht, sitzt also unterhalb der Schwinge statt darüber. Auf den Aufnahmen ist er blau eloxiert.
Neuer Rahmen und ein fehlendes Bauteil am Schalthebel
Auf den Seitenaufnahmen ist der Motor in einem neuen Rahmen zu sehen. Mehr geben die Bilder dazu nicht her, weder zum Material noch zur genauen Bauform.
Aufschlussreicher ist die linke Seite. Am Schaltgestänge fehlt das außenliegende Modul für den Schaltautomaten. Ein Schaltautomat erlaubt das Hoch- und Herunterschalten ohne Kupplung, BMW nennt dieses System Shift Assist. Ob am Prototyp einfach keiner verbaut war oder ob die Technik nach innen gewandert ist, lässt sich anhand der Bilder nicht klären. Bei KTM sitzt die entsprechende Technik bereits im Inneren.

Was verrät der Blick auf den Lenker?
Am linken Lenkerstummel sitzt eine neue Schaltereinheit mit zwei zusätzlichen Tasten, beschriftet mit Plus und Minus. Daneben zeigt ein kleines Fenster den jeweils gewählten Wert an.
Damit lassen sich Einstellungen während der Fahrt ändern, ohne den Umweg über das Hauptmenü. Gemeint sind vor allem die Traktionskontrolle und weitere Regelsysteme. Wer auf der Rennstrecke unterwegs ist, kann so von Runde zu Runde nachjustieren, ohne anzuhalten.
Dazu kommt ein Flüssigkeitsbehälter oben auf demselben Lenkerstummel. Ein solcher Behälter deutet auf eine hydraulische Kupplung hin. Dabei überträgt eine Flüssigkeit die Kraft vom Hebel zur Kupplung, statt eines Seilzugs. Das Cockpit selbst besteht aus einem großen TFT-Display im Tabletformat. Auf der Gabelbrücke ist zusätzlich ein Rundenzeitnehmer montiert, wie er bei Testfahrten üblich ist.
Fährt der Prototyp mit Straßenzulassung?
Danach sieht es aus. Auf den Bildern sind Spiegel, Blinker, ein Kennzeichenhalter und ein montiertes Kennzeichen zu erkennen.
Auch die Bereifung passt dazu, denn gefahren wird auf profilierten Straßenreifen und nicht auf Slicks. Eines der abgelichteten Motorräder trägt ein Münchner Kennzeichen. Für die Erprobung bedeutet ein solcher Aufbau, dass die Maschine unter Bedingungen bewegt wird, die dem späteren Serienstand nahekommen.

Wo weicht der Prototyp vom Concept RR ab?
Vor allem bei Fahrwerk und Bremsen. Am Concept RR waren Gabel und Federbein von Öhlins verbaut, dazu Monoblock-Zangen von Brembo mit Scheiben von geschätzt 330 bis 340 Millimetern Durchmesser.
Der Prototyp fährt dagegen vorn mit Marzocchi und den Hypure-Zangen. Auch sonst war die Studie nicht in jedem Punkt seriennah aufgebaut. Sämtliche Verkleidungsteile bestanden dort offenbar aus Carbon, und Brückenrahmen wie angeschraubter Heckrahmen wirkten aus Aluminium gefertigt. Bei S 1000 RR und M 1000 RR besteht dieses Bauteil bisher aus Stahl.
Welche dieser Lösungen am Ende in der Serie landen, ist offen. Auch dazu hat sich BMW nicht geäußert.
Der Prototyp im Zeitplan der neuen RR-Generation
Testfahrten auf einer Rennstrecke passen zu dem Zeitrahmen, der für die kommende Generation kursiert. Der Produktionsbeginn soll im Mai 2027 liegen, in den Handel dürfte die Maschine im Sommer 2027 kommen.
Zur Leistung sind zuletzt 215 PS (158 kW) durchgesickert. Das aktuelle Modell leistet 210 PS (154 kW) bei 13.750/min. Bestätigt hat BMW auch diese Zahlen nicht.
Damit reiht sich der Test in einen gestaffelten Generationswechsel ein. Die S 1000 RR macht den Anfang, die komplett neue M 1000 RR wird erst gegen Ende 2027 für die Saison 2028 erwartet. Bis dahin bleibt die heutige Baureihe im Programm, und der Prototyp von der Nordschleife dürfte nicht der letzte gewesen sein, der vor einer Kamera landet.

Häufige Fragen
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Wo wurde der BMW S 1000 RR Erlkönig gesichtet?
Auf der Nordschleife in Deutschland. Dort war ein Prototyp der kommenden Generation bei Testfahrten unterwegs, im Fahrerlager wie auf der Strecke. Öffentlich gemacht hat BMW diese Erprobung nicht.
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Welche Bremsen hat der Prototyp der neuen BMW S 1000 RR?
Vorn kommen die neuen Hypure-Zangen von Brembo zum Einsatz, radial verschraubt und an zwei Scheiben. An der Hinterradbremse ist ein unten angebrachter M-Bremssattel zu sehen. Das Concept RR von 2025 trug vorn dagegen noch Monoblock-Zangen von Brembo.
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Hat der Prototyp eine Straßenzulassung?
Die Aufnahmen sprechen dafür. Zu sehen sind Spiegel, Blinker, ein Kennzeichenhalter samt Kennzeichen sowie profilierte Straßenreifen. Ein bestätigter Nachweis ist das nicht, weil BMW sich zu dem Motorrad nicht äußert.
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Warum fehlt am Prototyp das Modul für den Schaltautomaten?
Das lässt sich anhand der Bilder nicht beantworten. Am Schaltgestänge der linken Seite ist kein außenliegendes Modul zu erkennen. Möglich ist, dass keines verbaut war oder dass die Technik im Inneren sitzt, wie es bei KTM der Fall ist.












