- Neuer Motorradmodus mit eigenen Routen, genauerer Ankunftszeit und Warnungen vor Schlaglöchern, Bremsschwellen und schmalen Brücken
- Start in Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Peru und auf den Philippinen, weitere Länder sollen folgen
- Teil eines größeren Updates mit vier weiteren Funktionen, mehrere davon mit der Google-KI Gemini
Der Navigationsdienst Waze bekommt eine ganze Reihe neuer Funktionen. Im Mittelpunkt steht ein Modus, der speziell auf Motorradfahrer zugeschnitten ist. Er soll Routen finden, die zu einem Zweirad passen, und rechtzeitig auf schwierige Stellen auf der Strecke hinweisen. Angekündigt wurde das Paket am 13. Juli 2026 von Gai Berkovich, dem Vizepräsidenten und General Manager von Waze. Der Dienst gehört wie Google Maps zum Google-Konzern.

Was ist der neue Motorradmodus von Waze?
Der Motorradmodus ist eine eigene Einstellung, die Routen und Ankunftszeiten gezielt für Motorräder berechnet. Motorräder brauchen nach Darstellung von Waze andere Wege als Autos, weil sie schmalere Straßen nutzen können und empfindlicher auf den Straßenbelag reagieren. Der Modus greift dafür auf künstliche Intelligenz zurück und bezieht Abkürzungen und Beschränkungen ein, die nur für Zweiräder gelten. Auf diese Weise sollen Fahrer die passende Strecke und eine genauere voraussichtliche Ankunftszeit bekommen. Berkovich beschreibt das Ziel des Updates so: „We’re also evolving Waze from a helpful companion into an intelligent partner with new Gemini capabilities“ („Wir entwickeln Waze außerdem von einem hilfreichen Begleiter zu einem intelligenten Partner mit neuen Gemini-Funktionen weiter“).
Vor welchen Gefahren warnt der Motorradmodus?
Der Modus zeigt gezielt Gefahrenstellen an, die für Motorradfahrer heikel sein können. Dazu zählen Schlaglöcher, Bremsschwellen, angehobene Fußgängerüberwege, endende Standstreifen und schmale Brücken. Solche Hindernisse sind auf zwei Rädern oft kritischer als im Auto, weil ein Motorrad direkter auf den Untergrund reagiert. Die Hinweise beruhen nach Angaben von Waze auf den Echtzeit-Verkehrsdaten des Dienstes. Zusätzlich pflegt eine eigene Gruppe von Kartenbearbeitern für Motorräder laufend neue Gefahrenstellen in die Karte ein. Die künstliche Intelligenz allein liefert die Warnungen also nicht, hinter den Daten stehen weiterhin Menschen.

In welchen Ländern startet der Waze Motorradmodus?
Der Motorradmodus startet zunächst in sieben Ländern: Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Peru und den Philippinen. Verfügbar ist er dort auf Android und iOS. Waze verweist darauf, dass weitere Länder folgen sollen, nennt dafür aber noch keinen Zeitplan. Auffällig ist, dass in dieser ersten Gruppe kein europäisches Land vertreten ist. Für Motorradfahrer in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet das, dass sie den Modus vorerst nicht nutzen können. Die Auswahl der Startländer fällt auf Regionen mit besonders vielen Zweiradfahrern.
Personalisierte Navigation auf Basis früherer Fahrten
Neben dem Motorradmodus bringt das Update eine personalisierte Navigation. Waze schlägt dabei Routen vor, die zu den bisherigen Fahrten eines Nutzers passen, und kombiniert das mit seinem lokalen Wissen über den Verkehr in einer Stadt. Wer zum Beispiel lieber die Autobahn nimmt als kleinere Straßen mit vielen Stopps, bekommt solche Routen zuerst angezeigt. Die Funktion lässt sich in den Einstellungen anpassen oder ganz abschalten. Nach Darstellung von Waze ist diese Art der persönlichen Routenwahl in dieser Form weder bei Google Maps noch bei Apple Maps zu finden. Die personalisierte Navigation wird ab sofort weltweit auf Android und iOS ausgerollt.

Was bringt der „Less Chatty“-Modus?
Der „Less Chatty“-Modus verringert die Zahl der Sprachansagen und hält sie kürzer. Er richtet sich an alle, die während der Fahrt Musik oder einen Podcast hören und dabei nicht ständig unterbrochen werden möchten. Wichtige Hinweise bleiben erhalten, etwa zu Gefahren, Abbiegungen und Spurwechseln. Diese Ansagen kommen dann aber seltener. Auch diese Funktion steht ab sofort weltweit auf Android und iOS bereit.
Was ändert sich bei Meldungen und Zielsuche?
Zwei weitere Funktionen setzen auf die Google-KI Gemini und betreffen das Melden und Suchen. Die konversationelle Meldefunktion gibt es bereits seit dem Testbeginn im Oktober 2024, bisher vor allem für Verkehrsmeldungen wie Staus. Nun lassen sich damit auch Kartenänderungen vorschlagen, etwa eine gesperrte Straße oder eine veraltete Adresse. Ein Satz wie „The road is closed here“ („Die Straße ist hier gesperrt“) genügt, dann leitet Waze die Angaben an lokale Kartenbearbeiter weiter, die den Hinweis prüfen und die Karte anpassen. Dazu kommt eine Zielsuche per Sprache: Über das Sprachsymbol lassen sich Fragen stellen wie nach einem geöffneten Café, einem Parkplatz in der Nähe eines bestimmten Ortes oder einer günstigen Tankstelle. Waze liefert dann eine Liste mit Vorschlägen, die sich per Stimme direkt ansteuern lässt. Die konversationelle Meldefunktion startet weltweit, die Zielsuche mit Gemini zunächst nur für die Beta-Gemeinschaft von Waze.

Wie ist das Update einzuordnen?
Das Update zeigt, wie stark Google seine KI Gemini in die eigenen Navigations-Apps bringt. Auch bei Google Maps setzt der Konzern verstärkt auf diese Technik. Der Motorradmodus reiht sich damit in einen größeren Trend ein, bei dem Sprach- und KI-Funktionen zunehmend zur Standardausstattung von Navigationsdiensten gehören. In Teilen der Fachpresse wird das Update allerdings auch kritisch gesehen. Ein Kritikpunkt lautet, dass viele Navigations-Apps grundlegende Probleme noch nicht gelöst haben, etwa Fälle, in denen Fahrer in eine falsche Richtung oder auf ungeeignete Wege geleitet werden. Ob der KI-gestützte Motorradmodus in der Praxis zuverlässig funktioniert, muss sich daher erst zeigen. Für eine Bewertung fehlen bislang Erfahrungswerte aus dem Alltag, zumal der Modus in Europa noch nicht verfügbar ist.













