- Quartararo darf den Montagstest nach dem Österreich-GP nicht bestreiten, weil Yamaha ihn nicht auf Pirelli-Reifen setzen will
- In Aragon testete er dreimal dasselbe Chassis, fuhr im Rennen als 18. und Letzter ins Ziel und verlor im Sprint einen Motor
- Andere Hersteller haben ihre wechselnden Stammfahrer beim Brünn-Test im Juni auf die 2027er-Technik gelassen
Zwischen Fabio Quartararo und Yamaha ist in Aragon etwas zerbrochen, das über ein schlechtes Rennwochenende hinausgeht. Der Weltmeister von 2021 verlässt den japanischen Hersteller nach acht Jahren und fährt ab 2027 für das Honda-Werksteam. In den verbleibenden acht Rennen der Saison 2026 will er sich an der Entwicklungsarbeit für die kommende Saison aber nicht mehr beteiligen. Der Grund liegt weniger im sportlichen Tief als in einer Entscheidung, die Yamaha hinter den Kulissen getroffen hat.

Warum will Quartararo Yamaha nicht mehr bei der Entwicklung helfen?
Quartararo begründet seine Haltung damit, dass Yamaha ihm den Test mit den neuen Pirelli-Reifen in Österreich untersagt hat. Er sieht keinen Sinn darin, weiter Bauteile für ein Motorrad zu erproben, von dem andere Fahrer profitieren werden, während ihm selbst der einzige Test verwehrt bleibt, der für seine eigene Zukunft relevant wäre.
Am Samstag in Aragon fiel zunächst nur ein Satz, der im Fahrerlager sofort aufhorchen ließ. Er sei künftig nicht in der Lage zu helfen, und aus persönlichen Gründen habe er auch keine Lust dazu. Am Sonntag löste er selbst auf, was hinter der Formulierung steckt. Gegenüber französischen Medien sagte er: „Um es klarzustellen: Ich weiß nicht, ob ich das sagen darf, aber ich sage es trotzdem. Ich wollte den Test in Österreich fahren.“ Und weiter: „Doch leider möchte Yamaha nicht, dass ich mit den Pirelli-Reifen fahre. Ich wollte etwas beitragen, aber sie wollen es nicht.“
Daraus zieht er eine klare Konsequenz. „Persönlich habe ich keine Lust, das Motorrad für die Fahrer von 2027 zu entwickeln. Wenn wir also für dieses Jahr noch etwas verbessern können, werde ich das tun. Aber ich werde nicht ans Limit gehen und den Testfahrer spielen, so wie ich es an diesem Wochenende getan habe.“
Auf die Nachfrage, ob Yamaha ihm also nicht helfen wolle, etwas für seine Zukunft herauszufinden, antwortete er knapp mit einem Ja.
Was ist beim Pirelli-Test in Österreich geplant?
Der Test findet am Montag nach dem Grand Prix von Österreich am Red Bull Ring statt und ist erst die zweite Gelegenheit für Stammfahrer, die neuen Pirelli-Mischungen für 2027 zu fahren. Ab der kommenden Saison löst Pirelli Michelin als alleiniger Ausrüster ab, gleichzeitig sinkt der Hubraum auf 850 Kubikzentimeter.
Für die Fahrer ist jeder Kilometer auf dem neuen Gummi wertvoll, weil sich die Reifen deutlich von den heutigen unterscheiden sollen. Genau darin liegt aber auch der Grund für die Zurückhaltung der Hersteller. Wer einen wechselnden Fahrer auf die neue Technik lässt, gibt ihm nicht nur Reifenerfahrung mit, sondern möglicherweise auch Wissen über das eigene 850er-Projekt.
Yamaha entwickelt seine 850er mit den Testfahrern Augusto Fernández und Andrea Dovizioso. Dass Quartararo dieses Motorrad zu sehen bekommt, stand nie zur Debatte. Im Fahrerlager kursiert allerdings die Überlegung, Fahrern in seiner Vertragssituation zumindest die Pirelli-Reifen auf den aktuellen 1000er-Maschinen zu erlauben. Diese Möglichkeit hat Yamaha für ihn nicht genutzt.

Wie gehen andere Hersteller mit wechselnden Fahrern um?
Deutlich großzügiger. Beim ersten offiziellen 2027er-Test im Juni in Brünn ließ Honda seine aktuellen Fahrer Luca Marini und Joan Mir das komplette Paket samt Pirelli-Reifen fahren, obwohl beide im nächsten Jahr für andere Marken antreten. KTM übertrug Pedro Acosta die Entwicklungsarbeit, obwohl der Spanier 2027 ins Ducati-Werksteam wechselt.
KTM-Motorsportchef Pit Beirer begründete das laut Medienberichten offen mit der Qualität seines Fahrers: “For us, it’s quite simple: Pedro is the fastest and the best KTM rider we’ve ever had and currently have. So, we want to have the benchmark data from our best rider.” Übersetzt: „Für uns ist es ganz einfach: Pedro ist der schnellste und beste KTM-Fahrer, den wir je hatten und aktuell haben. Also wollen wir die Referenzdaten von unserem besten Fahrer.“
Bei Yamaha übernahm in Brünn Toprak Razgatlioglu die 850er, bei Ducati Marc Márquez und bei Aprilia Marco Bezzecchi. Alle drei bleiben ihren Teams erhalten. Für Spielberg wird mit einer größeren Beteiligung gerechnet als im Juni.
Das Aragon-Wochenende: Testarbeit statt Rennvorbereitung
Yamaha hatte für Aragon mehrere neue Teile mitgebracht, die Quartararo bewerten sollte. Teamchef Paolo Pavesio bestätigte bereits am Freitag, dass der Franzose Daten zu verschiedenen Lösungen sammeln sollte, vor allem beim Chassis, also dem tragenden Rahmen des Motorrads.
Das Problem: Quartararo hatte sein Urteil schnell gefällt. Er beschreibt, dass er das neue Chassis dreimal gefahren ist und jedes Mal zum selben Ergebnis kam. „Gestern habe ich gesagt, dass das Chassis schlechter ist. Sie wollten es heute Morgen noch einmal vergleichen. Es war schlechter.“ Auch ein neuer Umlenkhebel, ein Bauteil, das die Federwirkung am Hinterrad überträgt, brachte keinen Fortschritt. Am Ende stand er wieder auf dem Standard-Motorrad.
Die vielen Wechsel kosteten ihn Streckenzeit und Orientierung. Er schildert, dass es an diesem Wochenende mehr ums Testen als um die Suche nach Rundenzeit ging und dass ihm nach jedem Chassiswechsel das Gefühl für das Motorrad fehlte. Am Sonntag zog er daraus die Konsequenz und kündigte an, in einem Wochenende nicht mehr hundert Dinge ausprobieren zu wollen.

Motorschaden im Sprint und ein knappes Kontingent
Im Sprint am Samstag rollte Quartararo in der fünften Runde mit rauchender Maschine aus. Er lag zu diesem Zeitpunkt auf Rang 16. Der Motorschaden kam für ihn nicht überraschend: Schon beim Start sei der Motor fast ausgegangen, auf der Geraden habe er nachlassende Leistung gespürt. „Also wusste ich, dass er irgendwann explodieren würde.“ Weil er sofort neben die Strecke fuhr, gelangte kein Öl auf die Fahrbahn.
Über die Laufleistung des Triebwerks konnte er direkt nach dem Sprint nichts sagen. Er merkte lediglich an, dass das Motorrad das ganze Wochenende über langsam gewesen sei, und äußerte die Hoffnung, dass es sich um einen bereits stark gefahrenen Motor gehandelt habe.
Sportlich hat der Schaden Folgen. Yamaha darf im Concession-Rang D, also der Zugeständnisstufe für die schwächsten Hersteller, zehn Motoren pro Fahrer und Saison einsetzen. Vor Aragon hatte Quartararo bereits sieben Aggregate verwendet, eines davon war nach einem Motorproblem beim Saisonauftakt in Buriram bereits aus dem Kontingent gestrichen. Mit Aragon kommt ein zweiter Ausfall hinzu. Sollte er in den verbleibenden Rennen einen elften Motor benötigen, müsste er aus der Boxengasse starten.
Wie kam es zum letzten Platz im Rennen?
Quartararo fiel bereits in der ersten Runde ans Ende des Feldes zurück und verlor in Runde 15 der 23 Runden nach einem Ausritt ins Kiesbett rund 15 Sekunden. Danach war der Rückstand nicht mehr aufzuholen.
Er beschreibt mehrere blockierende Räder im Rennverlauf. Nach einem Bremsmanöver im Windschatten sei ihm das Hinterrad weggerutscht, in Kurve 7 blockierte das Vorderrad, schließlich landete er im Kies. Die betreffende Runde legte er in 2:08,091 Minuten zurück, in der Runde zuvor war er noch 1:48,120 Minuten gefahren, damals auf Position 16 liegend. Die Fehler rechnet er sich selbst zu und begründet sie mit dem Versuch, so schnell wie möglich zu fahren.
Im Ziel stand Platz 18 als letzter klassifizierter Fahrer, rund zwei Sekunden hinter Aprilia-Ersatzfahrer Lorenzo Savadori, etwa 24 Sekunden hinter Yamaha-Kollege Jack Miller und rund 51 Sekunden hinter Sieger Marc Márquez. Es war erst das dritte Mal in seiner MotoGP-Karriere, dass er ein Rennen über die volle Distanz als Letzter beendete. Das erste Mal geschah 2024 in Thailand, das zweite Mal Anfang August in Silverstone.
Aragon war für ihn ohnehin nie eine starke Strecke. Sein bestes Ergebnis dort bleibt ein fünfter Platz aus der Rookie-Saison 2019.

Was der Bruch für Yamahas Saison 2027 bedeutet
Der Zeitpunkt ist für Yamaha ungünstig. Trotz zweier letzter Plätze ist Quartararo weiterhin der bestplatzierte Yamaha-Fahrer in der Weltmeisterschaft, der Hersteller steht am Ende der Konstrukteurswertung. Sein bestes Saisonergebnis ist ein fünfter Platz in Barcelona.
Die neue V4-Yamaha hat den erhofften Sprung bisher nicht gebracht. Quartararo hat mehrfach beschrieben, dass er nach dem ersten Test in Barcelona mehr erwartet habe und dass zwischen September und November keine nennenswerten Fortschritte gekommen seien. Das aktuelle Paket ähnele noch immer stark der ersten Version des Motorrads. Normalerweise, so seine Einschätzung, seien bei einem neuen Projekt die ersten Schritte groß, und erst danach werde es schwierig. Genau dieser große Schritt sei ausgeblieben.
Nach Medienberichten fiel die Entscheidung gegen Yamaha bereits beim Valencia-Test im Vorjahr. Quartararo spricht darüber, dass er dort das Gefühl hatte, etwas Neues zu brauchen, und dass die Weichen in Richtung Ausstieg dort gestellt wurden. Welches Team es werden würde, stand damals noch nicht fest.
Gleichzeitig hat er öffentlich akzeptiert, dass Yamaha die Weiterentwicklung der aktuellen 1000er zugunsten des 2027er-Projekts zurückstellt. Diesen Kurs hält er für die Marke für nachvollziehbar. Die Grenze zieht er erst dort, wo er selbst Arbeit für eine Zukunft leisten soll, an der er nicht mehr beteiligt ist.
Damit steht Yamaha vor einem Widerspruch, der die Umbruchsaison 2026 prägen dürfte: Der Hersteller verfügt bis Jahresende über einen erfahrenen Referenzfahrer, kann dessen Rückmeldungen für das entscheidende 850er-Projekt aber nur eingeschränkt nutzen. Für die letzten acht Rennen einer Verbindung, die 2021 einen WM-Titel hervorgebracht hat, ist das eine schwierige Ausgangslage.
Häufige Fragen
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Warum will Quartararo Yamaha nicht mehr bei der Entwicklung helfen?
Weil Yamaha ihm untersagt hat, beim Montagstest nach dem Österreich-GP mit den Pirelli-Reifen zu fahren. Quartararo sieht deshalb keinen Grund mehr, Bauteile für die Saison 2027 zu erproben, von der er selbst nicht profitiert. Verbesserungen für die laufende Saison will er weiterhin mittragen.
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Wann wechselt Fabio Quartararo zu Honda?
Der Wechsel ins Honda-Werksteam erfolgt zur Saison 2027. Quartararo verlässt Yamaha damit nach acht gemeinsamen Jahren, in denen er 2021 den WM-Titel gewann.
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Warum durften andere Fahrer die Pirelli-Reifen testen?
Honda und KTM haben ihren wechselnden Stammfahrern beim Brünn-Test im Juni Zugang zur 2027er-Technik gewährt. Luca Marini und Joan Mir fuhren dort das Honda-Paket, Pedro Acosta übernahm die Entwicklungsarbeit für KTM, obwohl er 2027 zu Ducati geht.
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Wie viele Motoren darf Yamaha pro Fahrer einsetzen?
Im Concession-Rang D sind zehn Motoren pro Fahrer und Saison erlaubt. Quartararo hatte vor Aragon sieben verwendet und hat inzwischen zwei Aggregate durch Defekte verloren. Ab dem elften Motor droht ein Start aus der Boxengasse.
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Wie schlecht war das Aragon-Ergebnis von Quartararo?
Er beendete das Rennen als 18. und letzter klassifizierter Fahrer mit rund 51 Sekunden Rückstand auf den Sieger. Es war erst das dritte Mal in seiner MotoGP-Karriere, dass er ein Rennen über die volle Distanz als Letzter beendete.












