- Ab 2027 soll ein neues Reglement mit 850er-Motoren und Pirelli-Reifen die Kräfteverhältnisse in der MotoGP verschieben
- Der Große Preis von Katar am 12. April steht wegen des Krieges im Iran vor der Absage
- Marc Marquez und Ducati sind sich bei der Vertragsverlängerung in den meisten Punkten einig
Die MotoGP befindet sich mitten in einer Phase des Umbruchs. Auf sportlicher, wirtschaftlicher und organisatorischer Ebene zeichnen sich tiefgreifende Veränderungen ab, die das Bild der Motorrad-Weltmeisterschaft in den kommenden Jahren grundlegend verändern dürften. Gleichzeitig sorgen geopolitische Krisen für akute Probleme im Rennkalender 2026, während auf dem Fahrermarkt die wichtigsten Deals der Saison noch nicht unter Dach und Fach sind.

Monster Energy Yamaha MotoGP Team
MotoGP
Liberty Media und die neue Premium-Strategie der MotoGP
LCR-Honda-Teamchef Lucio Cecchinello gehört zu denjenigen im Fahrerlager, die den bevorstehenden Wandel der Serie mit großer Überzeugung begleiten. Ab 2027 tritt ein neues technisches Reglement in Kraft, das 850er-Motoren vorschreibt, die Aerodynamik-Freiheiten einschränkt, Ride-Height-Devices verbietet und den Reifenwechsel von Michelin zu Pirelli vollzieht. Für den Italiener beginnt damit eine neue Ära der Weltmeisterschaft.
Sportlich erwartet Cecchinello vor allem mehr Bewegung im Feld. «Natürlich wird sich mit dem neuen technischen Reglement vieles verändern. Es wird wahrscheinlich eine Art Durchmischung geben, also eine Verschiebung der Wettbewerbsfähigkeit der Motorräder», erklärte er im Interview mit SPEEDWEEK.com. Ducati dürfte seiner Einschätzung nach weiterhin konkurrenzfähig bleiben, doch wo Honda, Aprilia, KTM und Yamaha stehen werden, sei offen. Gerade diese Ungewissheit mache den Reiz der kommenden Jahre aus, so der LCR-Teamchef.
Neben dem sportlichen Aspekt treibt die MotoGP Sports Entertainment Group, also der neue Promoter unter dem Dach von Liberty Media, auch die Positionierung der Serie als Premiummarke voran. Cecchinello beschreibt die Pläne als umfassend: bessere Hospitality-Bereiche, ein aufgewertetes Paddock und ein insgesamt hochwertigeres Umfeld für Gäste und Partner. Es gehe darum, die Außenwahrnehmung des Sports gezielt zu verbessern.
«Wir haben wunderbare Gäste, aber wir würden gerne weniger Leute sehen, die mit Flip-Flops und Shorts zu den Rennen kommen, so, als würden sie am Sonntagmorgen an den Strand gehen», sagte er mit einem Lächeln. Man wolle nicht wie die Formel 1 werden, wo alle in Designer-Kleidung herumliefen. Aber das Niveau müsse angehoben werden, um die größten Sponsoren der Welt anzulocken. Bislang dominierten im MotoGP-Paddock klassische Motorsport-Partner wie Mineralölunternehmen, Energy-Drink-Marken oder Gaming-Firmen. Cecchinello hofft, dass in Zukunft verstärkt große internationale Konzerne aus anderen Branchen den Weg in die Königsklasse finden.
Keine Abwertung für Moto2 und Moto3
Gerüchte über eine mögliche Herabstufung der Nachwuchsklassen wies Cecchinello, der neben seiner Rolle als Teamchef auch IRTA-Präsident ist, deutlich zurück. Weder ein getrennter Paddock noch ein reduzierter Rennkalender seien geplant. Die Moto2 und Moto3 sollen weiterhin bei allen 22 Saisonläufen vertreten sein, und auch am Wochenendformat werde sich nichts Grundlegendes ändern. Spekulationen, wonach die kleineren Klassen nur noch am Samstag fahren könnten, dementierte er ausdrücklich.
Im Gegenteil: Cecchinello ist überzeugt, dass ein Wachstum der MotoGP durch Liberty Media automatisch auch die Nachwuchskategorien stärken werde. Wenn die Königsklasse wirtschaftlich und medial an Bedeutung gewinne, profitierten alle Plattformen davon, auch die Moto2 und Moto3. Neue Sponsoren aus bisher MotoGP-fernen Branchen könnten dann nicht nur der Königsklasse, sondern dem gesamten Fahrerlager zugutekommen.

Krieg im Nahen Osten gefährdet den Katar-GP
Während die langfristigen Pläne für die MotoGP ambitioniert klingen, sieht sich die Serie kurzfristig mit einem akuten Problem konfrontiert. Der seit dem 28. Februar andauernde Krieg im Iran, der neben Israel auch Anrainerstaaten betrifft, hat direkte Auswirkungen auf den Rennkalender 2026. Der Große Preis von Katar, seit 2004 fester Bestandteil des MotoGP-Kalenders, soll planmäßig am 12. April auf dem Lusail International Circuit stattfinden. Eine Durchführung unter den aktuellen Umständen gilt jedoch als nicht realistisch.
Offizielle Stellungnahmen des Promoters gibt es bislang nicht. Hinter den Kulissen drehen sich die Gespräche zwischen den Veranstaltern in Doha und der MotoGP Sports Entertainment Group allerdings nicht mehr um die Frage, ob das Rennen wie geplant stattfindet, sondern um die möglichen Alternativen.
Das naheliegendste Szenario wäre eine ersatzlose Absage des Events 2026. Trotz bestehender Verträge ließe sich eine solche Entscheidung mit höherer Gewalt begründen. Sicherheit geht vor kommerziellem Interesse.
Ein zweites Szenario sieht eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr vor. Der eng getaktete Rennkalender lässt allerdings kaum Spielraum. Da das Katar-Rennen als Überseeevent deklariert ist und sämtliche Ausrüstung per Luftfracht transportiert wird, kommt eine Einbettung zwischen die europäischen Rennen ab Ende April logistisch nicht in Frage. Denkbar wären allenfalls ein Termin direkt nach dem Malaysia-GP Anfang November oder nach dem geplanten Saisonfinale in Valencia Ende November. Beide Varianten wären logistisch extrem aufwendig. Hinzu kommt, dass derzeit niemand absehen kann, wie lange die Gewalteskalation im Nahen Osten noch andauern wird, was eine vorausschauende Planung zusätzlich erschwert.
Theoretisch wäre auch ein Ersatzrennen an einer anderen Strecke oder ein Doppelevent an einem bereits im Kalender stehenden Austragungsort möglich. Die MotoGP dürfte alles versuchen, um auf die vorgesehenen 22 Events und 44 Rennen zu kommen. Ob die frisch benannte MotoGP Sports Entertainment Group dabei an ihre Grenzen stoßen wird, lässt sich nicht ausschließen.
Marquez und Ducati: Einigung steht kurz bevor
Auf dem Fahrermarkt ist der wichtigste offene Deal der Saison die Vertragsverlängerung zwischen dem amtierenden Weltmeister Marc Marquez und Ducati. Während andere Spitzenfahrer wie Pedro Acosta, Francesco Bagnaia und Fabio Quartararo den Fahrermarkt für 2027 bereits in Bewegung gebracht haben, lässt Marquez seinen Arbeitgeber noch warten.
Die Ausgangslage ist eindeutig: Nach seiner erfolgreichen ersten Ducati-Saison 2025, in der er seinen neunten WM-Titel gewann, wäre es eine große Überraschung, wenn Marquez die italienische Marke für die neue 850er-Ära verlassen würde. Die Verhandlungen sind laut dem Spanier weit fortgeschritten. «Ducati und ich sind uns in den meisten Punkten einig», erklärte er nach seiner Rückkehr vom Saisonauftakt in Buriram gegenüber MotoGP.com. Welche Punkte noch offen sind, ließ er allerdings nicht durchblicken.
Der Grund für die Verzögerung liegt nicht in sportlichen oder finanziellen Differenzen, sondern in der Schulterverletzung, die Marquez im Oktober 2025 beim Indonesien-GP erlitten hatte. Die Verletzung hielt ihn von Oktober bis Februar von einem MotoGP-Motorrad fern. Marquez bat Ducati deshalb um eine Pause in den Gesprächen, bis er sich körperlich wieder vollständig einsatzbereit fühle.
Beim Saisonauftakt in Thailand zeigte sich Marquez trotz der noch nicht abgeschlossenen Genesung konkurrenzfähig. Er kämpfte im Sprint um den Sieg und lag im Grand Prix auf Podiumskurs, bevor ein Felgendefekt sein Rennen beendete. Er war damit erneut der bestplatzierte Ducati-Fahrer des Wochenendes. Die zweiwöchige Pause vor dem zweiten Saisonlauf im brasilianischen Goiânia will er nutzen, um körperlich den nächsten Schritt zu machen. In der WM-Wertung liegt er 23 Punkte hinter dem frühen Tabellenführer Pedro Acosta, der ab 2027 als sein neuer Teamkollege bei Ducati gehandelt wird.
Assen als bester Grand Prix 2025 ausgezeichnet
Ein Blick zurück auf die vergangene Saison zeigt derweil, wie ein gelungenes MotoGP-Event aussehen kann. Der Große Preis der Niederlande in Assen ist vom MotoGP-Paddock zum besten Grand Prix der Saison 2025 gewählt worden. Die jährlich vergebene Auszeichnung berücksichtigt sämtliche Aspekte eines Rennwochenendes, von der Organisation über das Fanerlebnis bis zur Betreuung von Teams und Fahrern. An der Abstimmung nehmen Teams und weitere Akteure aus dem Fahrerlager teil.
Die Wahl fiel in einem besonderen Jahr auf den niederländischen Klassiker: 2025 feierte der TT Circuit Assen 100 Jahre Motorsportgeschichte. Die Strecke gehört seit der ersten Saison der Motorrad-WM 1949 zum Kalender und hat mehr Grands Prix der Königsklasse beherbergt als jeder andere Austragungsort. Zum Jubiläum strömten mehr als 200.000 Zuschauer an die Strecke, darunter 109.499 allein am Rennsonntag, als Marc Marquez einen Doppelsieg feierte.
Carmelo Ezpeleta, CEO der MotoGP Sports Entertainment Group, sprach davon, dass Assen einen besonderen Platz im Herzen vieler MotoGP-Fans habe. Die Strecke sei heute eine moderne Anlage mit hohen Standards, die großartige Rennen ermögliche. Gleichzeitig spreche ihre Geschichte für sich.
Arjan Bos, Vorsitzender des TT Circuit Assen, erklärte, das Event basiere auf drei Säulen: erstklassiger Service für Teams und Fahrer, das bestmögliche Fanerlebnis inklusive Hospitality sowie ein einzigartiges Unterhaltungsprogramm mit Musik, Flugshows, Feuerwerk und einer spektakulären Eröffnungszeremonie. In Kombination mit der hundertjährigen Renngeschichte und den großen Namen, die auf der Trophäe eingraviert seien, entspreche das genau dem, was man vor Jahren aufgebaut habe. Und man werde die Messlatte weiter anheben.
Die offizielle Übergabe der Trophäe soll am 28. Juni 2026, dem Rennsonntag des diesjährigen niederländischen Grand Prix, erfolgen. Im Vorjahr war der kurzfristig eingesprungene Solidaritäts-GP von Barcelona als bester Grand Prix 2024 ausgezeichnet worden, 2023 ging die Auszeichnung an Katar.
Was das für MotoGP-Fans bedeutet
Die MotoGP verändert sich gerade auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Das neue Reglement 2027 verspricht spannendere Rennen, weil die Karten zwischen den Herstellern neu gemischt werden. Gleichzeitig dürfte die Premium-Strategie von Liberty Media dafür sorgen, dass sich das Gesamterlebnis an der Strecke verbessert, von aufgewerteten Zuschauerbereichen bis hin zu mehr Entertainment abseits der Piste. Inwieweit sich das für die Preise auswirken wird, muss man abwarten.
Kurzfristig bleibt allerdings Unsicherheit im Kalender: Ob der Katar-GP stattfindet und ob die Saison tatsächlich ihre geplanten 22 Runden erreicht, ist offen. Auf dem Fahrermarkt zeichnet sich mit dem bevorstehenden Marquez-Deal bei Ducati und dem erwarteten Wechsel von Pedro Acosta ins Werksteam eine der stärksten Fahrerpaarungen der jüngeren MotoGP-Geschichte ab. Für Fans bedeutet das: Die kommenden Monate dürften sowohl auf der Strecke als auch daneben jede Menge Gesprächsstoff liefern.

- Held eVest Pro Airbag Weste schwarz/grau XXL – Motorradbekleidung – Protektoren & Sicherheit
Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit der Redaktion.
Motorcycles.News berichtet tagesaktuell und unabhängig über die Motorrad- und Motorsportwelt. Von neuen Modellen über MotoGP bis hin zu Technik, Gesetzgebung und Szene-Themen — mehrfach täglich, zweisprachig auf Deutsch und Englisch. Ergänzt wird die Berichterstattung durch den YouTube-Kanal Motorrad Nachrichten mit über 80.000 Abonnenten.









