- Domenicali bezeichnet Ducati als eigenständig und finanziell solide
- Volkswagen bestätigt die Gerüchte nicht, dementiert sie aber auch nicht
- Auslöser ist ein Bericht über den Umbau des gesamten VW-Konzerns
Seit Wochen wird wieder über die Zukunft von Ducati spekuliert. Der italienische Motorradhersteller gehört zum Volkswagen-Konzern, und dieser steht unter erheblichem finanziellen Druck. In diesem Umfeld tauchte die Frage auf, ob VW einzelne Marken abstoßen könnte, darunter auch Ducati. Während die World Ducati Week Anfang Juli 2026 in Misano das 100-jährige Bestehen der Marke feierte, liefen die Gerüchte im Hintergrund weiter. Nun hat sich der Vorstandsvorsitzende zu Wort gemeldet und eine klare Einordnung geliefert.

Wie reagiert Ducati auf die Verkaufsgerüchte?
Domenicali weist die Vorstellung eines akut anstehenden Verkaufs zurück und beschreibt Ducati als unabhängig und wirtschaftlich stabil. In einem Interview sagte er wörtlich: „The company is in very good shape. It is also completely self-standing. We do not really need support from the shareholder to make our investment plan for the future, to make the new models. It is a very solid investment plan.“ Übersetzt bedeutet das: Das Unternehmen sei in sehr guter Verfassung und stehe völlig eigenständig da. Für den Investitionsplan und die neuen Modelle brauche man keine Unterstützung des Anteilseigners, der Plan sei sehr solide.
Domenicali führt Ducati seit 2013 und prägte zuvor als Entwicklungschef die technische Ausrichtung der Marke. Zur aktuellen Lage im Werk stellt er klar, dass dort nichts vorbereitet werde. „At the moment, there is no discussion happening in Borgo Panigale“, sagte er, also: Im Moment finde in Borgo Panigale keine Diskussion statt. Ob eine Marke gekauft oder abgestoßen werde, liege allein bei den Möglichkeiten des Anteilseigners und hänge von dessen Bedarf ab. Ein Verkauf sei damit nicht völlig ausgeschlossen, doch aktuell geschehe im Werk nichts in diese Richtung.
Was hat Volkswagen zu den Gerüchten gesagt?
Volkswagen hat die Gerüchte weder bestätigt noch klar zurückgewiesen. In einer offiziellen Stellungnahme erklärte ein Konzernsprecher, man kommentiere keine internen, vertraulichen Dokumente. Die zugrunde liegenden Fragen würden in den zuständigen Gremien besprochen und beschlossen, diesem Prozess wolle man nicht vorgreifen.
Statt Ducati direkt zu erwähnen, verwies der Sprecher auf die Herausforderungen des gesamten Konzerns. Das bisherige Geschäftsmodell, in Europa zu produzieren und weltweit zu exportieren, funktioniere nicht mehr für alle Marken. Neue Zölle, härterer Wettbewerb und schwächelnde Märkte belasteten das Unternehmen demnach mit mehreren zehn Milliarden Euro pro Jahr. Der gesamte Konzern samt „brands and subsidiaries“, also Marken und Tochtergesellschaften, müsse eine „profound transformation“ durchlaufen, eine tiefgreifende Transformation mit dem Ziel, effizienter und schlanker zu werden. Ducati wird darin nicht namentlich genannt, aber eben auch nicht ausgenommen. Die eigentliche Umsetzung soll erst nach Befassung des Aufsichtsrats erfolgen.

Wie kam es zu den neuen Verkaufsgerüchten?
Ausgelöst wurden die Spekulationen durch einen Bericht der Financial Times, wonach Investmentbanker dem Konzern zu einem Verkauf von Ducati raten sollen. Hintergrund ist die angespannte Finanzlage von Volkswagen und ein großer Zufluss frischer Mittel.
Der Konzern hatte zuvor eine Mehrheitsbeteiligung an seinem Schiffsmotorengeschäft Everllence, dem früheren MAN Energy Solutions, an den Finanzinvestor Bain Capital veräußert. Daraus soll ein Erlös von rund 7,4 Milliarden Euro (etwa 8,4 Milliarden US-Dollar) fließen. Analysten gehen laut Medienberichten davon aus, dass dieser Betrag durch die hohen Umbaukosten schnell aufgebraucht werden könnte. Genau das nährt die Vermutung, dass weitere Vermögenswerte auf den Prüfstand kommen. Neben einem möglichen Ducati-Verkauf wird dabei auch über eine Abspaltung von Lamborghini spekuliert. Zusätzlich soll sich Volkswagen laut Berichten auf den Abbau von bis zu 100.000 Stellen und die Schließung von vier Werken vorbereiten, was den Druck durch die wachsende Konkurrenz chinesischer Elektroautobauer widerspiegelt. Ein formaler Verkaufsprozess für Ducati wurde bislang nicht angekündigt.
Ducati im Volkswagen-Konzern: Zahlen und Hintergrund
Ducati gehört seit 2012 zum Volkswagen-Konzern und kam über die Tochter Audi hinzu, für einen kolportierten Kaufpreis von rund 960 Millionen Euro (etwa 1,1 Milliarden US-Dollar). Seither zählt die Marke aus Borgo Panigale zu den ertragsstärksten Premiummarken der Gruppe.
Die Marke verkauft rund 60.000 Motorräder pro Jahr und setzt weniger auf Masse als auf Exklusivität und ein Premium-Image, das stark von den Erfolgen in der MotoGP und der Superbike-WM getragen wird. Zuletzt gab es Berichten zufolge leichte Rückgänge beim Absatz, den größten davon im chinesischen Markt aufgrund des schärferen Wettbewerbs. Gleichzeitig hat Ducati seine Modellpalette ausgebaut und mit Maschinen wie einem Motocrosser und einem Supermoto jüngere Zielgruppen angesprochen. Für Rennsportfans ist außerdem wichtig, dass das MotoGP-Engagement nicht zur Debatte steht. Alle Hersteller der Königsklasse haben sich vertraglich verpflichtet, mindestens bis 2030 in der Serie zu bleiben. Die aktuelle Debatte ist damit Teil des größeren Umbaus im Volkswagen-Konzern und nicht auf Ducati allein bezogen.

Wie geht es mit Ducati weiter?
Vorerst bleibt Ducati unter dem Dach von Volkswagen, und es gibt keine belastbaren Hinweise auf eine bereits getroffene Verkaufsentscheidung. Der Konzern lehnte es ab, sich zu weiteren möglichen Verkäufen zu äußern.
Mehrere nicht namentlich genannte Analysten halten einen Ducati-Verkauf weiterhin für unwahrscheinlich. Zur Einordnung dient auch ein Blick zurück: Bereits 2017 prüfte Volkswagen im Zuge des Dieselskandals einen Verkauf von Ducati. Damals wurden mehrere Interessenten mit der Marke in Verbindung gebracht, bevor der Konzern sie am Ende doch behielt. Die aktuelle Lage unterscheidet sich vor allem durch den deutlich schwierigeren finanziellen Hintergrund. Solange die Zukunftspläne des Konzerns nicht offiziell beschlossen sind, dürften die Spekulationen weiterlaufen. Nach den Worten von Domenicali ändert das jedoch nichts daran, dass in Borgo Panigale derzeit kein Verkauf verhandelt wird.

Häufige Fragen
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Ist ein Ducati Verkauf durch Volkswagen geplant?
Nein, ein Verkauf ist bislang nicht beschlossen und es gibt keinen angekündigten Verkaufsprozess. Ducati-Chef Domenicali betont, dass im Werk Borgo Panigale derzeit keine Gespräche über einen Verkauf laufen. Volkswagen selbst hat die Gerüchte weder bestätigt noch dementiert.
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Warum wird über einen Verkauf von Ducati spekuliert?
Auslöser ist die angespannte Finanzlage von Volkswagen und ein Bericht der Financial Times, wonach Berater dem Konzern zu einem Verkauf raten sollen. Nach dem Verkauf des Schiffsmotorengeschäfts Everllence für rund 7,4 Milliarden Euro (etwa 8,4 Milliarden US-Dollar) vermuten Analysten, dass weitere Vermögenswerte geprüft werden könnten.
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Seit wann gehört Ducati zu Volkswagen?
Ducati gehört seit 2012 zum Volkswagen-Konzern und wurde über die Tochter Audi übernommen. Der kolportierte Kaufpreis lag bei rund 960 Millionen Euro (etwa 1,1 Milliarden US-Dollar). Seither zählt die Marke zu den ertragsstärksten Premiummarken der Gruppe.
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Ist das MotoGP-Engagement von Ducati gefährdet?
Nein, das MotoGP-Engagement steht nicht zur Debatte. Alle Hersteller der Königsklasse haben sich verpflichtet, mindestens bis 2030 in der Serie zu bleiben. Ein möglicher Eigentümerwechsel würde daran zunächst nichts ändern.
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Hat Volkswagen schon einmal über einen Ducati-Verkauf nachgedacht?
Ja, bereits 2017 prüfte Volkswagen im Zuge des Dieselskandals einen Verkauf von Ducati. Damals wurden mehrere mögliche Käufer genannt, bevor der Konzern die Marke am Ende behielt.










