- Fünf Sterne in der Kategorie Produkte und Dienstleistungen, überreicht am Rande des Formel-1-Rennens in Monza
- Prüfumfang auf 17 Länder ausgeweitet, das entspricht mehr als 90 Prozent aller Motorrad- und Autoverkäufe von Honda
- Erklärtes Ziel: halb so viele Verkehrstote mit Honda-Fahrzeugen bis 2030, keine mehr bis 2050
Der Automobilweltverband FIA hat seinen Road Safety Index von drei auf fünf Sterne erweitert. Honda ist das erste Unternehmen überhaupt, das die neue Bestnote bekommen hat. Übergeben wurde die Auszeichnung Anfang September im Autodromo Nazionale Monza während des Formel-1-Rennens in Italien. Interessant an der Sache ist weniger die Urkunde als das, was für sie geprüft wurde. Denn anders als bei Crashtests geht es hier nicht um ein einzelnes Fahrzeug, sondern darum, wie ein Konzern Sicherheit organisiert, misst und nachweist. Und Hondas Motorräder waren dabei fester Bestandteil der Prüfung.

Was ist der FIA Road Safety Index?
Der FIA Road Safety Index ist ein Bewertungssystem, mit dem Unternehmen und Organisationen ihren Einfluss auf die Verkehrssicherheit messen und offenlegen können. Die FIA vergleicht das mit einem CO2-Fußabdruck: Ein Sicherheits-Fußabdruck macht messbar, wo eine Organisation steht und an welchen Stellen Maßnahmen tatsächlich etwas bringen.
Das System besteht aus zwei getrennten Bewertungen. Das Lieferketten-Rating erfasst die Unternehmensabläufe von der Rohstoffbeschaffung über Entwicklung und Produktion bis zur Auslieferung an den Kunden. Das Produkt- und Service-Rating bewertet dagegen die Sicherheitseigenschaften der Produkte und Dienstleistungen selbst. Die fünf Sterne hat Honda in der zweiten Kategorie erhalten.
Warum gibt es jetzt fünf statt drei Sterne?
Die FIA hat den Index erweitert, weil die bisherige Drei-Sterne-Skala nur Selbstverpflichtung und Fußabdruck abgedeckt hat. Für vier und fünf Sterne kommen drei zusätzliche Prüfmodule dazu, die deutlich tiefer gehen.
Das erste Modul heißt Planung und verlangt einen klaren, nachvollziehbaren Maßnahmenplan, der auf messbaren Sicherheitsfaktoren aufbaut. Das zweite Modul, Überwachung der Sicherheitsleistung, prüft, ob ein Unternehmen seine Ergebnisse entlang der gesamten Wertschöpfungskette verfolgt und diese Ergebnisse auch zugänglich macht. Das dritte Modul betrifft die Sicherheitskultur und die Abdeckung der Lieferkette beziehungsweise der Produkte und Dienstleistungen.
Der entscheidende Unterschied liegt im Nachweis. Wer die Höchstwertung will, muss nach Angaben der FIA belegen, dass Sicherheitsvorgaben in der Praxis umgesetzt und überwacht werden. Es reicht nicht mehr, formale Verpflichtungen und Kontrollmechanismen vorzuzeigen. Willem Groenewald, FIA-Generalsekretär für Automobilmobilität, Nachhaltigkeit und Tourismus, sprach gegenüber Medienberichten davon, dass Honda dafür einen breiteren Handlungsrahmen und entsprechende Belege habe vorlegen müssen.
Was musste Honda für die Höchstwertung nachweisen?
Honda musste den Prüfumfang deutlich ausweiten und wurde in 17 Ländern durchleuchtet. Diese Länder stehen zusammen für mehr als 90 Prozent des weltweiten Absatzes von Honda bei Motorrädern und Automobilen.
Konkret geprüft wurden Japan, die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, die Türkei, China, Thailand, Vietnam, Indonesien, Malaysia, Indien, Pakistan, die Philippinen und Brasilien. Damit sind auch die großen Zweiradmärkte Südostasiens und Indiens erfasst, in denen Honda den Großteil seiner Motorräder verkauft.
Positiv bewertet hat die FIA nach Angaben von Honda fünf Punkte: eine mittel- bis langfristige Sicherheitsstrategie, die von der Konzernspitze mitgetragen wird, die weltweite Erfassung und Verfolgung von Verkehrstoten und Verletzten, die Überwachung der Zielerreichung durch einen globalen Sicherheitsrat als Teil der Nachhaltigkeitssteuerung, die weltweite Einführung fortschrittlicher Sicherheitstechnik samt Arbeit an der Sicherheitskultur sowie die aktive Veröffentlichung von Informationen zur Verkehrssicherheit. Insgesamt wurde der sogenannte PDCA-Prozess gewürdigt, also der Kreislauf aus Planen, Umsetzen, Überprüfen und Nachbessern.
Welche Rolle spielen Motorräder bei der Bewertung?
Motorräder sind fester Teil der Prüfung und keine Randnotiz. Sowohl der Prüfumfang als auch die Sicherheitsziele von Honda beziehen sich ausdrücklich auf Motorräder und Automobile gemeinsam.
Das ist der eigentlich bemerkenswerte Punkt an dieser Auszeichnung. Bei der ersten Bewertung im Februar 2025 hatte die FIA Honda als ersten Auto- und Motorradhersteller überhaupt bewertet, damals allerdings nur auf Basis der Aktivitäten in Japan. Honda erhielt dabei in beiden Kategorien die seinerzeit höchstmögliche Wertung von drei Sternen. Mit der Ausweitung auf 17 Länder ist der Zweiradbereich nun in einem Umfang erfasst, der den weltweiten Absatz weitgehend abdeckt.
Mikihito Kojima, Assistant Vice President und General Manager of Traffic Safety Promotion Operations bei Honda Motor, ordnet den Anspruch dahinter ein. Er spricht davon, dass es dem Unternehmen nicht nur um sicherere Produkte gehe, sondern um jeden einzelnen Kunden und um alle, die sich mit ihm die Straße teilen: “At Honda, our goal goes beyond delivering safer products. We look to the safety of each and every customer who uses our products, and everyone sharing the road around them.” Auf Deutsch: „Bei Honda geht unser Ziel über die Lieferung sichererer Produkte hinaus. Wir haben die Sicherheit jedes einzelnen Kunden im Blick, der unsere Produkte nutzt, und aller, die mit ihm die Straße teilen.“
Die Ziele für 2030 und 2050
Hinter der Bewertung steht ein konkretes Zahlenziel. Unter dem Sicherheitsleitsatz „Safety for Everyone“ will Honda die Zahl der Verkehrstoten, an denen Honda-Motorräder und -Automobile beteiligt sind, bis 2030 halbieren. Gemessen wird das nicht in absoluten Zahlen, sondern pro 10.000 verkaufter Einheiten und im Vergleich zum Basisjahr 2020. Bis 2050 soll die Zahl weltweit auf null sinken.
Kojima bezeichnet die Fünf-Sterne-Wertung als Zwischenschritt auf diesem Weg und weist darauf hin, dass der Index dem Unternehmen einen klareren Blick darauf verschafft habe, wo es aktuell steht und was als Nächstes angegangen werden muss. Honda will nach eigenen Angaben künftig verstärkt prüfen, wie wirksam die eigenen Sicherheitstechnologien im realen Unfallgeschehen tatsächlich sind.
Was die FIA mit dem Index vorhat
Für die FIA ist Honda vor allem ein Referenzfall. Der Verband will mit dem Index Organisationen aus dem öffentlichen und privaten Sektor dazu bringen, ihre Wirkung auf die Verkehrssicherheit zu messen und zu verbessern.
FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem geht dabei noch einen Schritt weiter. Er wirbt dafür, dass auch Regierungen prüfen, ob sich die Methodik des Index für Regulierungsrahmen nutzen lässt, um Sicherheitsstandards weltweit zu stärken. Groenewald wiederum beschreibt die Erweiterung auf fünf Sterne als Versuch, Verkehrssicherheit zu einem messbaren und überprüfbaren Bestandteil unternehmerischer Entscheidungen zu machen.
Der Index ist dabei kein reines Herstellerthema. Genutzt wird er unter anderem von Amazon, Uber und Waymo, und im Mai 2025 hat sich die Fahrzeugflotte der Stadtverwaltung von New York mit rund 29.000 Fahrzeugen als erster kommunaler Fuhrpark weltweit angeschlossen.
Häufige Fragen
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Was ist der FIA Road Safety Index?
Der FIA Road Safety Index ist ein Bewertungssystem des Automobilweltverbandes FIA, mit dem Unternehmen und Organisationen ihren Einfluss auf die Verkehrssicherheit messen und darüber berichten können. Er besteht aus einem Lieferketten-Rating und einem Rating für Produkte und Dienstleistungen. Seit 2026 reicht die Skala von einem bis fünf Sternen.
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Warum hat Honda fünf Sterne bekommen?
Honda hat die Höchstwertung in der Kategorie Produkte und Dienstleistungen erhalten, weil das Unternehmen den geforderten Nachweis erbracht hat, dass seine Sicherheitsvorgaben tatsächlich umgesetzt und überwacht werden. Dazu hat Honda den Prüfumfang auf 17 Länder ausgeweitet. Bewertet wurden unter anderem die langfristige Sicherheitsstrategie, die weltweite Erfassung von Unfallzahlen und die Kontrolle durch einen globalen Sicherheitsrat.
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Gilt die Bewertung auch für Motorräder?
Ja, die Bewertung schließt das Motorradgeschäft ausdrücklich ein. Die 17 geprüften Länder decken mehr als 90 Prozent des weltweiten Absatzes von Honda bei Motorrädern und Automobilen ab. Auch die Sicherheitsziele bis 2030 und 2050 beziehen sich auf beide Fahrzeugarten.
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Wann hatte Honda die erste Bewertung erhalten?
Honda wurde im Februar 2025 als erstes Unternehmen der Automobilbranche nach dem FIA Road Safety Index bewertet und erhielt drei Sterne, damals die höchstmögliche Stufe. Die Prüfung beschränkte sich seinerzeit auf die Aktivitäten in Japan. Die Auszeichnung wurde am Rande der 4. Globalen Ministerkonferenz für Verkehrssicherheit in Marrakesch bekannt gegeben.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Motorradrecht & Politik: Gesetze, Urteile und Entwicklungen für Motorradfahrer. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.












