- Im Werk Varese sollen seit April 2026 keine Motorräder mehr vom Band laufen
- Die Absichtserklärung über einen 49-Prozent-Einstieg von CFMOTO aus dem Juni 2026 ist hinfällig
- 1.238 verkaufte Motorräder bis Ende Juli 2026, rund 185 Beschäftigte bangen um ihre Jobs
Im Sommer 2025 plante MV Agusta noch groß. Firmenchef Luca Martin kündigte neue Modelle und mehr Verkäufe an und brachte sogar einen Start in der MotoGP ins Gespräch. Ein gutes Jahr später sieht die Lage in Varese ganz anders aus. Nach dem Ende der Partnerschaft mit KTM sollte der chinesische Hersteller CFMOTO als Investor einsteigen. Daraus wurde nichts. Stattdessen geht es um offene Rechnungen bei Zulieferern, fehlende Ersatzteile und eine Fertigung, die seit dem Frühjahr stillstehen soll.

Steht die Produktion bei MV Agusta still?
Ja, nach den vorliegenden Berichten ruht die Fertigung im Werk Varese seit April 2026. Eine offizielle Bestätigung von MV Agusta gibt es dafür bisher nicht.
Als Grund gelten Probleme in der Lieferkette. Viele Zulieferer sollen auf ihr Geld warten, entsprechend kommen keine Teile mehr nach Varese. Geld aus dem eigenen Konzern floss ebenfalls nicht. Im März 2026 war eine Kapitalerhöhung über 35 Millionen Euro (circa 40,6 Millionen US-Dollar) geplant, die von der Muttergesellschaft Art of Mobility kommen sollte. Umgesetzt wurde sie nicht.
Zum Teil gibt es aber auch Lieferungen. Die deutsche Vertriebsgesellschaft MV Agusta Operations GmbH in Köln soll ausgewählte Händler in Deutschland 2026 mit rund 150 Motorrädern beliefert haben. Ein Neustart der Produktion ist demnach für Oktober angepeilt.
Warum kam der Einstieg von CFMOTO nicht zustande?
Der Einstieg scheiterte, weil Art of Mobility die Vereinbarung einseitig kündigte. Zum Hintergrund gibt es zwei unterschiedliche Darstellungen.
Im Juni 2026 hatten MV Agusta und CFMOTO ein Memorandum of Understanding unterschrieben. Das ist eine Absichtserklärung, noch kein fertiger Vertrag. CFMOTO sollte zunächst 49 Prozent der Anteile übernehmen. Dazu war ein Umbau des Unternehmens geplant, für den eine Summe im zweistelligen Millionenbereich vorgesehen war. Beteiligt war auch die Schweizer Investmentgesellschaft Circular Economy AG, die einen Industrieplan für die nächsten Jahre vorlegte.
Nach einer Version entzündete sich der Streit an der Frage, wie die Restrukturierung ablaufen soll. Nach der anderen zog sich CFMOTO zurück, weil die chinesische Seite die finanziellen Forderungen aus Varese für zu hoch hielt. Auch andere Versuche, frisches Kapital zu finden, blieben ohne Ergebnis. Es gab eine Due-Diligence-Prüfung, also eine genaue Durchleuchtung der Firma, und Angebote im zweistelligen Millionenbereich. Zu einem Abschluss kam es nicht.

Was bedeutet die Krise für Händler und Kunden?
Viele Händler bekommen kaum neue Motorräder und Ersatzteile. Das betrifft vor allem Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Für diese Länder ist die MV Agusta Operations GmbH mit Sitz in Köln zuständig, die Marke betreut dort Sascha Renner. Während einzelne größere Händler in Deutschland weiter Fahrzeuge erhalten, sind andere fast leer. Manche Händler sind sogar selbst nach Varese gefahren, um dort einzelne Motorräder abzuholen. Für Kunden heißt das vor allem längere Wartezeiten, auch bei Ersatzteilen für Reparaturen.
Wie viele Motorräder verkauft MV Agusta noch?
Bis Ende Juli 2026 hat MV Agusta 1.238 Motorräder verkauft. Für 2025 hatte Luca Martin noch 4.000 Einheiten als Ziel genannt, auf lange Sicht sogar 10.000 pro Jahr.
Schon im Übergangsjahr 2025 nach der Trennung von KTM ging der Absatz um 54,3 Prozent zurück. Dabei hatte sich die Firma unter KTM-Regie wirtschaftlich erholt. 2023 lag der Umsatz bei 133 Millionen Euro (circa 154,5 Millionen US-Dollar), das EBIT bei 11 Millionen Euro (circa 12,8 Millionen US-Dollar). Das EBIT ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. 2024 waren es noch 88 Millionen Euro Umsatz (circa 102,2 Millionen US-Dollar) und 9 Millionen Euro EBIT (circa 10,5 Millionen US-Dollar). Seitdem gehen die Zahlen zurück. Die Schulden sollen inzwischen wieder im zweistelligen Millionenbereich liegen, rund 185 Arbeitsplätze hängen am Werk in Varese.

Welche Rolle spielte KTM bei MV Agusta?
KTM war rund zwei Jahre lang Mehrheitseigner von MV Agusta. Mit der Insolvenz von KTM Ende 2024 endete diese Phase, 2025 gingen die Anteile zurück an Art of Mobility.
Der Einstieg lief in zwei Schritten. Im November 2022 übernahm die Pierer Mobility AG zunächst 25,1 Prozent. Im März 2024 zog die Gruppe eine Kaufoption vorzeitig und sicherte sich damit 50,1 Prozent und die Mehrheit. Hubert Trunkenpolz war in dieser Zeit Geschäftsführer in Varese. Nach dem Rückkauf der Anteile durch die Familie Sardarov wurde er Verwaltungsratsvorsitzender, Luca Martin rückte vom Co-CEO zum alleinigen Firmenchef auf.
Rücktritt an der Spitze und Streit vor Gericht
Hubert Trunkenpolz trat am 20. Juli 2026 als Verwaltungsratsvorsitzender zurück. Vorausgegangen war die einseitige Kündigung der Vereinbarung mit Circular Economy AG.
Die Schweizer Gesellschaft wehrt sich juristisch gegen diese Kündigung. Nach einem Bericht des niederländischen Portals Racesport hat Circular Economy AG ein Verfahren rund um die Kündigung bereits gewonnen. MV Agusta widerspricht dieser Darstellung: Es gebe bisher weder ein Urteil in der Sache noch eine endgültige Übertragung der Anteile. Parallel soll die Firmenleitung ein außergerichtliches Verfahren zur Bewältigung der Unternehmenskrise beantragt haben. Firmenchef Luca Martin hat sich zu den Vorgängen bislang nicht inhaltlich geäußert.
Was wird aus den MotoGP-Plänen von MV Agusta?
Die MotoGP-Pläne liegen auf Eis. Ein gemeinsames Projekt mit CFMOTO in der Königsklasse war Teil der Gespräche, mit dem Ende der Vereinbarung ist es vom Tisch.
CFMOTO soll weiter an einem MotoGP-Einstieg interessiert sein, dann aber ohne MV Agusta. Im Grand-Prix-Sport fährt die Marke bereits in der Moto3 und der Moto2 mit, 2024 holte David Alonso auf einer CFMOTO den Moto3-Titel. In Italien betreibt der Konzern zudem das Entwicklungszentrum Modena40, das der Spanier Carlos Solsona leitet. Für MV Agusta zählt im Moment etwas anderes: Geld zu finden, damit in Varese wieder gebaut wird und die Händler wieder Ware bekommen.

MV Agusta und die vielen Eigentümerwechsel
Finanzielle Krisen sind für MV Agusta nicht neu. Nach 75 WM-Titeln zog sich die Marke 1976 aus der Weltmeisterschaft zurück, im selben Jahr holte Giacomo Agostini am Nürburgring den letzten 500er-Sieg für MV. 1978 wurde die Motorradsparte geschlossen.
In den neunziger Jahren holten Claudio und Gianfranco Castiglioni, die Gründer von Cagiva, den Namen zurück. Ihr erstes großes Projekt war die F4 750, entworfen von Massimo Tamburini, der zuvor die Ducati 916 gezeichnet hatte. Für den neuen Vierzylinder arbeitete MV beim Zylinderkopf mit radial angeordneten Ventilen eng mit Ferrari zusammen. Gezeigt wurde die F4 1997 auf der EICMA, die ersten Serienmaschinen der Serie Oro kamen 1999. Später stand die F4 sogar im Guggenheim-Museum in New York.
Seitdem wechselte die Marke mehrfach den Besitzer. 2008 kaufte Harley-Davidson, 2010 holte Claudio Castiglioni MV Agusta für einen symbolischen Betrag zurück. Ab 2014 hielt Mercedes-AMG 25 Prozent, ab 2017 übernahm die Familie Sardarov schrittweise die Kontrolle. Nach dem Zwischenspiel mit KTM gehört MV Agusta seit 2025 wieder komplett Art of Mobility.
Häufige Fragen
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Steht die Produktion bei MV Agusta wirklich still?
Nach den vorliegenden Berichten ruht die Fertigung in Varese seit April 2026, weil Zulieferer nicht bezahlt wurden und Teile fehlen. Einzelne Händler in Deutschland haben 2026 trotzdem rund 150 Motorräder erhalten. Ein Neustart der Produktion ist für Oktober angepeilt, eine offizielle Mitteilung von MV Agusta gibt es bisher nicht.
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Warum ist der Einstieg von CFMOTO bei MV Agusta gescheitert?
Art of Mobility hat die im Juni 2026 geschlossene Vereinbarung einseitig gekündigt, seitdem läuft ein Rechtsstreit mit der Schweizer Circular Economy AG. Nach einer Darstellung ging es um Streit über die Restrukturierung. Nach einer anderen zog sich CFMOTO zurück, weil die finanziellen Forderungen aus Varese als zu hoch galten.
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Wie viele Motorräder hat MV Agusta 2026 verkauft?
Bis Ende Juli 2026 waren es 1.238 Motorräder. Für 2025 hatte Firmenchef Luca Martin noch 4.000 Einheiten angepeilt, langfristig 10.000 pro Jahr.
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Wie viele Arbeitsplätze sind bei MV Agusta in Gefahr?
Bei MV Agusta arbeiten rund 185 Menschen. Die Schulden sollen inzwischen wieder im zweistelligen Millionenbereich liegen, ohne neuen Investor ist die Zukunft der Jobs offen.
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Bekommen Händler noch neue MV Agusta und Ersatzteile?
Viele Händler in Deutschland, Österreich und der Schweiz bekommen kaum neue Motorräder und Ersatzteile. Einige größere Händler in Deutschland werden dagegen weiter beliefert, insgesamt mit rund 150 Motorrädern im Jahr 2026.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Neue Motorräder 2026: Alle Modelle, Neuheiten und Highlights im Überblick. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.











