- Seit dem 1. Mai 2026 gilt in der Charente-Maritime die sofortige Führerscheinsuspendierung bei Handynutzung am Steuer
- In den Landes wurden seit November 2025 rund 350 Führerscheine eingezogen, die Verstöße gingen um 10 Prozent zurück
- Telefonieren am Steuer verursacht laut französischer Verkehrssicherheitsbehörde 24 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden
In Frankreich greift eine wachsende Zahl von Präfekten zu einem drastischen Mittel im Kampf gegen die Handynutzung am Steuer: In mittlerweile vier Départements wird der Führerschein bei einem Verstoß sofort vorläufig eingezogen, auch wenn keine weitere Ordnungswidrigkeit vorliegt. Was bisher nur bei gleichzeitigem Begehen einer zweiten Verkehrsstraftat möglich war, wird durch die Ausübung des sogenannten Ermessensspielraums der Präfekten nun zur Regel. Für Motorradfahrer, die in Frankreich unterwegs sind oder dort ihren Wohnsitz haben, hat das unmittelbare Konsequenzen.
Was genau hat sich in Frankreich geändert?
Die nationale Gesetzeslage hat sich nicht verändert. Seit dem Dekret vom 18. Mai 2020 wird die Nutzung eines Mobiltelefons am Steuer in Frankreich mit einem Bußgeld von 135 Euro und dem Abzug von drei Punkten auf dem Führerschein bestraft. Ein vorläufiger Führerscheinentzug war bisher nur dann vorgesehen, wenn gleichzeitig ein weiterer Verkehrsverstoß begangen wurde, etwa eine Geschwindigkeitsüberschreitung oder das Überfahren einer roten Ampel. Grundlage dafür ist Artikel L224-1 des Code de la route.
Was sich geändert hat, ist die Praxis: Mehrere Präfekten haben entschieden, ihren im Artikel L224-7 des Code de la route verankerten Ermessensspielraum vollständig auszuschöpfen. Dieser Artikel erlaubt eine administrative Suspendierung des Führerscheins bereits bei einem einzelnen Verstoß, ohne dass eine zweite Ordnungswidrigkeit hinzukommen muss. Es handelt sich also nicht um ein neues Gesetz, sondern um eine konsequentere Anwendung bestehender Vorschriften auf lokaler Ebene.
Welche Départements sind betroffen?
Die Maßnahme gilt derzeit in vier Départements: den Landes, Lot-et-Garonne, Pas-de-Calais und seit dem 1. Mai 2026 auch in der Charente-Maritime. Die Landes waren im November 2025 das erste Département, das die sofortige Suspendierung einführte. Lot-et-Garonne und Pas-de-Calais folgten im Februar 2026. Die Charente-Maritime durchlief zunächst eine einmonatige Sensibilisierungsphase im April 2026, bevor die Maßnahme zum Monatswechsel in Kraft trat.
Die Dauer der Suspendierung variiert je nach Département. In den Landes beträgt sie in der Regel 15 Tage, kann aber bis zu einem Monat betragen. Im Pas-de-Calais liegt die Höchstdauer bei zwei Monaten. In der Charente-Maritime sowie in Lot-et-Garonne kann der Entzug sogar bis zu sechs Monate dauern.
Wichtig: Es handelt sich um eine administrative Suspendierung, nicht um einen endgültigen Entzug. Nach Ablauf der Frist wird der Führerschein zurückgegeben, ohne dass eine erneute Fahrprüfung abgelegt werden muss.
Was kostet ein Verstoß in der Charente-Maritime?
In der Charente-Maritime geht die Maßnahme noch einen Schritt weiter als in den anderen drei Départements. Zusätzlich zur sofortigen Führerscheinsuspendierung, zum regulären Bußgeld von 135 Euro und dem Abzug von drei Punkten müssen Betroffene eine sogenannte Bürgerbeitrag in Höhe von 200 Euro an eine Organisation zur Unterstützung von Verkehrsopfern zahlen. Dieser Betrag übersteigt die eigentliche Bußgeldsumme und soll laut Präfektur eine unmittelbare Bewusstseinsänderung bewirken.
Brice Blondel, Präfekt der Charente-Maritime, erklärte gegenüber dem Sender RMC, es werde alles dafür getan, die Zahl von 45 Verkehrstoten pro Jahr in dem Département zu senken. In der Charente-Maritime war die Handynutzung am Steuer laut offiziellen Angaben an 15 Prozent der tödlichen Unfälle beteiligt, was sieben Todesfällen im Jahr 2025 entspricht.
Wie wirksam ist die Maßnahme?
Die bisher vorliegenden Zahlen deuten auf eine abschreckende Wirkung hin. In den Landes, dem Vorreiter-Département, wurden zwischen November 2025 und dem Frühjahr 2026 rund 350 Führerscheine wegen Handynutzung am Steuer vorläufig eingezogen. Im selben Zeitraum ging die Zahl der festgestellten Verstöße im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10 Prozent zurück.
Im Pas-de-Calais fiel die Bilanz bis zum Frühjahr 2026 anders aus: Dort wurden etwa 20 Führerscheine für eine Dauer von bis zu zwei Monaten suspendiert, gleichzeitig jedoch mehr als 400 Verwarnungen ausgesprochen. Die unterschiedlichen Zahlen zeigen, dass die Umsetzung in den einzelnen Départements nicht einheitlich erfolgt. Die Maßnahme basiert auf Präfekturbeschlüssen und nicht auf einer landesweiten Regelung, was zu regionalen Unterschieden führt.
Warum ist das Thema für Motorradfahrer relevant?
Die Regelung gilt für alle Fahrzeugführer, also auch für Motorradfahrer. In Frankreich ist die Nutzung eines Mobiltelefons während der Fahrt seit 2003 verboten, wenn es in der Hand gehalten wird. Seit 2015 sind auch Ohrhörer, Headsets und Freisprecheinrichtungen untersagt, sofern sie im Ohr getragen werden. Erlaubt sind ausschließlich in den Helm integrierte Kommunikationssysteme, bei denen das Telefon nicht in der Hand gehalten werden muss.
Die Zahlen zur Handynutzung unter Motorradfahrern sind bemerkenswert: Laut dem Baromètre AXA 2024 geben 67 Prozent der französischen Motorradfahrer an, ihr Smartphone während der Fahrt zu nutzen. Zum Vergleich: Bei den Autofahrern sind es sogar 80 Prozent. Auch wenn die Nutzungsformen unterschiedlich sein mögen, etwa das Ablesen einer Navigation auf dem Tankrucksack oder das Annehmen eines Anrufs über das Helmkommunikationssystem, zeigen die Zahlen ein weit verbreitetes Risikoverhalten.
Ist eine landesweite Ausweitung geplant?
Eine offizielle Ankündigung einer nationalen Regelung gibt es bisher nicht. Es handelt sich ausdrücklich um einzelne Präfekturbeschlüsse, die im Rahmen der bestehenden Gesetzgebung getroffen werden. Das französische Innenministerium hat die Maßnahmen über seinen offiziellen Kanal „Ma Sécurité“ öffentlich kommuniziert und die vier Départements namentlich genannt, ohne jedoch eine Ausweitung auf das gesamte Staatsgebiet anzukündigen.
Allerdings sorgte die Einführung der Maßnahme in der Charente-Maritime für erhebliche Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Auf TikTok kursierten virale Beiträge, die fälschlicherweise behaupteten, ab dem 1. Mai 2026 werde landesweit jedem Fahrer bei Handynutzung dauerhaft der Führerschein entzogen. Die Police Nationale stellte über ihren offiziellen Twitter-Account klar, dass die Maßnahme auf die genannten vier Départements beschränkt ist und es sich um eine vorübergehende administrative Suspendierung handelt.
Wie dramatisch ist das Problem der Ablenkung am Steuer?
Die französische Verkehrssicherheitsbehörde ONISR beziffert das Problem mit deutlichen Zahlen. Im Jahr 2023 war Unaufmerksamkeit, darunter die Nutzung von Telefonen und anderen digitalen Ablenkungen, bei 24 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden ein Faktor. 390 Menschen kamen dadurch ums Leben. Im selben Jahr wurden über 612.000 Verstöße wegen der Nutzung eines Mobiltelefons am Steuer registriert, davon rund 555.000 wegen des Haltens eines Telefons in der Hand.
Die Sécurité Routière fasst das Risiko in klaren Zahlen zusammen: Telefonieren am Steuer verdreifacht das Unfallrisiko. Das Lesen oder Verfassen einer Textnachricht erhöht das Risiko sogar um den Faktor 23, weil der Fahrer dabei den Blick durchschnittlich fünf Sekunden von der Straße abwendet. Im Jahr 2025 kamen auf Frankreichs Straßen insgesamt 3.513 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben.
Häufige Fragen
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Wird der Führerschein in ganz Frankreich bei Handynutzung am Steuer sofort eingezogen?
Nein. Die sofortige Führerscheinsuspendierung bei Handynutzung am Steuer gilt derzeit nur in vier französischen Départements: den Landes, Lot-et-Garonne, Pas-de-Calais und der Charente-Maritime. Im restlichen Frankreich bleibt es bei der regulären Strafe von 135 Euro Bußgeld und drei Punkten.
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Wie lange dauert der Führerscheinentzug bei Handynutzung in Frankreich?
Die Dauer variiert je nach Département. In den Landes werden Führerscheine in der Regel für 15 Tage eingezogen, im Pas-de-Calais für bis zu zwei Monate. In der Charente-Maritime und in Lot-et-Garonne kann die Suspendierung bis zu sechs Monate betragen. Nach Ablauf der Frist wird der Führerschein ohne erneute Prüfung zurückgegeben.
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Gilt die Führerscheinsuspendierung in Frankreich auch für Motorradfahrer?
Ja. Die Maßnahme betrifft alle Fahrzeugführer einschließlich Motorradfahrer. In Frankreich ist die Nutzung eines in der Hand gehaltenen Mobiltelefons während der Fahrt verboten, ebenso das Tragen von Ohrhörern oder Headsets im Ohr. Erlaubt sind nur in den Helm integrierte Kommunikationssysteme.
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Muss man nach einer Führerscheinsuspendierung in Frankreich die Fahrprüfung wiederholen?
Nein. Es handelt sich um eine vorübergehende administrative Maßnahme, die vom Präfekten angeordnet wird. Nach Ablauf der Suspendierungsfrist erhält der Fahrer seinen Führerschein zurück, ohne erneut eine praktische oder theoretische Prüfung ablegen zu müssen.
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Welche Zusatzkosten drohen in der Charente-Maritime?
In der Charente-Maritime fällt neben dem Bußgeld von 135 Euro und dem Punkteabzug ein zusätzlicher Bürgerbeitrag von 200 Euro an, der an eine Organisation zur Unterstützung von Verkehrsopfern gezahlt werden muss. Zusammen mit dem Bußgeld ergibt sich damit eine Gesamtbelastung von 335 Euro, zuzüglich der vorübergehenden Führerscheinsuspendierung.

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