- Sechs Stürze in vier Tagen: Martin bleibt in Barcelona ohne Punkte
- Aprilia bestätigt nach Untersuchung im Dexeus-Krankenhaus: keine Brüche
- WM-Rückstand auf Teamkollege Bezzecchi wächst auf 15 Punkte
Jorge Martin und der Circuit de Barcelona-Catalunya werden in der MotoGP-Saison 2026 keine Freunde mehr. Was bereits am Freitag mit einem heftigen Einschlag im ersten Freien Training begann, setzte sich über das gesamte Rennwochenende fort und fand am Montagvormittag beim offiziellen Nachsaison-Test seinen unrühmlichen Höhepunkt. Der Aprilia-Werksfahrer stürzte in Kurve 7, wurde mit dem Krankenwagen ins Medical Centre gebracht und anschließend zur weiteren Untersuchung ins Dexeus-Universitätskrankenhaus nach Barcelona überführt. Es war sein sechster Abflug innerhalb von vier Tagen.

Was ist beim Barcelona-Test am Montag passiert?
Rund eineinhalb Stunden nach Beginn des offiziellen MotoGP-Tests erschien um 11:27 Uhr Ortszeit eine rote Flagge auf den Zeitmessbildschirmen. Martin war in der schnellen Kurve 7 schwer gestürzt. Fotografen vor Ort berichteten, dass der Spanier bei Bewusstsein war und seine Gliedmaßen bewegen konnte. Dennoch legten die Streckenposten vorsorglich eine Halskrause an, bevor Martin per Krankenwagen ins streckeneigene Medical Centre transportiert wurde.
Aprilia-Teammanager Paolo Bonora deutete gegenüber MotoGP.com an, dass der Vorderreifen sich möglicherweise noch nicht im optimalen Temperaturfenster befunden habe. Martin sei dadurch bereits bei minimalem Schräglagenwinkel weggerutscht. Im Medical Centre ergaben die ersten Untersuchungen keine sichtbaren Frakturen, doch das Team entschied sich, Martin ins Dexeus-Universitätskrankenhaus in Barcelona zu verlegen.
Am Nachmittag um 14:45 Uhr Ortszeit folgte die Entwarnung. Martin selbst meldete sich über seine sozialen Netzwerke zu Wort und zeigte sich erleichtert. Er schrieb, er sei dankbar, nach einem schweren Unfall unverletzt und sicher zu sein, und lobte die Reaktionszeit der Streckenärzte als beeindruckend.
Wie verlief Martins Sturzwochenende in Barcelona?
Der Montags-Crash war lediglich der Schlussakkord einer verheerenden Serie. Schon am Freitagmorgen im FP1 hatte es Martin in Kurve 12 erwischt. Der Aufprall war so heftig, dass der Spanier eine leichte Gehirnerschütterung erlitt. Martin räumte später ein, dass ihm in jenem Moment der tödliche Unfall von Luis Salom an gleicher Stelle vor zehn Jahren durch den Kopf gegangen sei.
Noch am selben Tag folgte ein weiterer Sturz im Training, der Martin einen direkten Q2-Platz kostete. Am Samstag schaffte er zwar den Aufstieg aus Q1, stürzte aber gegen Ende des ersten Qualifying-Segments ein drittes Mal. Im Sprint ging er als Sechster liegend erneut zu Boden. Das waren vier Abflüge in drei Tagen, bevor der Grand Prix überhaupt begonnen hatte.
Im Sonntagsrennen überstand Martin zunächst zwei chaotische Startphasen. Nach dem Horrorcrash zwischen Alex Marquez und Pedro Acosta sowie dem Unfall von Johann Zarco, Pecco Bagnaia und Luca Marini beim zweiten Re-Start ging es noch einmal von vorn los. Beim dritten Anlauf preschte Martin vor Kurve 1 auf Platz 2 hinter Acosta, mit Raul Fernandez direkt hinter ihm. In Kurve 5 kam es dann zur Kollision mit dem Trackhouse-Piloten, die beide ins Kiesbett beförderte. Martin stürzte, Fernandez konnte weiterfahren.

Was sagt Raul Fernandez zur Kollision mit Martin?
Der Trackhouse-Pilot gab sich im Anschluss gesprächig, während Martin den Vorfall zunächst nicht kommentieren wollte. Fernandez schilderte den Ablauf so: Er habe in Kurve 4 viel Tempo gehabt und sei bei Kurve 5 bereit gewesen, Martin zu überholen. Martin habe dort etwas früher gebremst, weshalb er eine Chance zur Attacke gesehen habe. Als er fast vorbei gewesen sei, habe Martin das Motorrad aufgerichtet, ihn gesehen und dann die Bremse gelöst, um erneut in Schräglage zu gehen. In diesem Moment seien beide zusammengestoßen.
Fernandez betonte, er fühle sich schlecht und es tue ihm vor allem leid für Aprilia, sie hätten das nicht verdient. Er glaube aber, keinen Fehler gemacht zu haben. Er verwies darauf, dass es am Samstag in derselben Kurve eine ähnliche Situation gegeben habe und er dort das ganze Wochenende über stark gebremst habe.
Fernandez hatte an jenem Sonntag ohnehin einen turbulenten Tag erlebt. Beim Horrorcrash von Alex Marquez war er mittendrin, als Teile der zerstörten Gresini-Ducati über die Strecke geschleudert wurden. Er spürte nach eigener Aussage einen heftigen Aufprall am Körper, der seinen Finger und die Brust getroffen habe.
Wer fehlte beim Barcelona-Test und warum?
Der Montags-Test war der letzte offizielle Entwicklungstag der laufenden Saison 2026 mit den aktuellen 1000-ccm-Maschinen und Michelin-Reifen. Weitere Tests in Brünn und am Red Bull Ring werden sich bereits auf die neuen Regularien für 2027 konzentrieren, wobei Pirelli als neuer Reifenausrüster zum Einsatz kommt.
Nach dem sturzreichen Rennwochenende war das Teilnehmerfeld auf 19 Fahrer geschrumpft. Alex Marquez fehlte nach seinem Horrorcrash mit Pedro Acosta. Der Gresini-Pilot hatte sich das rechte Schlüsselbein gebrochen und zusätzlich eine kleine Wirbelfraktur erlitten. Die Schlüsselbein-Operation verlief laut Gresini erfolgreich. Auch Johann Zarco konnte nach seinem Unfall beim Re-Start nicht antreten. Sein Bein war in Bagnaias Ducati eingeklemmt worden, die Untersuchungen ergaben Knieverletzungen und einen kleinen Riss im Knöchelbereich.
Überraschend sagte auch Sonntagssieger Fabio Di Giannantonio ab. Der VR46-Pilot war bei der Kollision zwischen Marquez und Acosta von einem herumfliegenden Vorderrad getroffen worden, hatte aber dennoch den Re-Start gewagt und den Sieg geholt. Für den Test entschied er sich zusammen mit seinem Team für die Regeneration bis Mugello. Marc Marquez fehlte ohnehin weiterhin. Der Ducati-Werksfahrer erholt sich von seiner Fuß- und Schulteroperation nach dem Le-Mans-Sprint.
Ducati war damit nur mit drei Stammfahrern vertreten: Bagnaia, Morbidelli und Rookie Aldeguer. Honda musste ohne Zarcos Erfahrung auskommen und setzte auf Marini, Mir und LCR-Rookie Diogo Moreira.

Wer war beim Test am schnellsten?
Pedro Acosta markierte mit 1:38,767 Minuten die Tagesbestzeit. Fabio Quartararo folgte mit nur 0,064 Sekunden Rückstand auf dem zweiten Platz. Dahinter reihten sich Enea Bastianini, Maverick Vinales und Raul Fernandez in die Top 5 ein. Die erste Ducati befand sich mit Aldeguer auf dem siebten Platz, die Top 10 trennten insgesamt nur 0,552 Sekunden. Am Nachmittag verhinderte einsetzender Regen in Kombination mit auffrischendem Wind eine Fortsetzung der Testarbeit. Keiner der Hersteller ging nach der Mittagspause noch einmal auf die Strecke, womit die Vormittagswertung zugleich das Endergebnis darstellte.
Der fleißigste Fahrer des Tages war MotoGP-Rookie Toprak Razgatlioglu, der auf seiner Pramac-Yamaha 45 Runden absolvierte.
Was bedeutet das Wochenende für Martins WM-Chancen?
Mit sechs Stürzen und null Punkten aus Sprint und Grand Prix tritt Martin die Heimreise aus Barcelona mit einer ernüchternden Bilanz an. In der WM-Wertung liegt er nun 15 Punkte hinter Teamkollege und WM-Führendem Marco Bezzecchi auf dem zweiten Rang. Dabei hatte er nur eine Woche zuvor in Le Mans sowohl den Sprint als auch das Hauptrennen für Aprilia gewonnen.
Das vergangene Jahr war für Martin bereits von Verletzungsproblemen geprägt gewesen. Er bestritt 2025 nur sieben Rennwochenenden und verpasste den ersten Vorsaisontest im Winter aufgrund einer Operation an vorbestehenden Verletzungen im Dezember. Die zwei Wochen bis zum Italien-GP in Mugello, wo Aprilia den Heim-Grand-Prix bestreitet, dürften nun der körperlichen und mentalen Regeneration dienen.

Häufige Fragen
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Hat sich Jorge Martin beim Sturz in Barcelona etwas gebrochen?
Nein. Die Untersuchungen im Dexeus-Universitätskrankenhaus in Barcelona ergaben keine Frakturen. Martin klagte über Schmerzen am linken Ellbogen und am rechten Bein, konnte aber noch am selben Tag Entwarnung geben.
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Wie viele Stürze hatte Jorge Martin beim Catalunya-GP 2026?
Martin stürzte insgesamt sechs Mal in vier Tagen. Vier Abflüge ereigneten sich am Freitag und Samstag in Training und Qualifying, der fünfte folgte durch die Kollision mit Raul Fernandez im Rennen und der sechste beim offiziellen Montags-Test in Kurve 7.
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Wer fuhr die Bestzeit beim MotoGP-Test in Barcelona?
Pedro Acosta setzte mit 1:38,767 Minuten auf seiner KTM die Tagesbestzeit. Fabio Quartararo auf Yamaha und Enea Bastianini auf der Tech3-KTM folgten auf den Plätzen 2 und 3. Regen am Nachmittag beendete den Test vorzeitig.
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Wie ist der aktuelle WM-Stand zwischen Martin und Bezzecchi?
Nach dem Catalunya-GP liegt Jorge Martin 15 Punkte hinter seinem Aprilia-Teamkollegen Marco Bezzecchi, der die WM-Wertung anführt. Martin holte in Barcelona weder im Sprint noch im Hauptrennen Punkte.
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Wann findet das nächste MotoGP-Rennen statt?
Der nächste Grand Prix ist der Italien-GP in Mugello vom 29. bis 31. Mai 2026. Für Aprilia ist es der Heim-Grand-Prix.

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