- KTM weist die Vorwürfe illegaler Enduro-Verkäufe entschieden zurück
- Alle Enduro-Modelle verlassen laut KTM das Werk im homologierten Zustand
- Der Hersteller verweist auf FIM-Regularien als Grundlage der dualen Nutzbarkeit
- Europäische Enduro-Modelle machen rund 3 % des weltweiten KTM-Absatzes aus
Nachdem zehn europäische Medien am 26. Mai 2026 ihre koordinierte Recherche zu KTM-Sportenduros veröffentlicht hatten, ließ die offizielle Antwort aus Mattighofen nicht lange auf sich warten. Am 27. Mai stellte die KTM AG eine Stellungnahme auf ihrer Website ein, die sich inhaltlich klar gegen die Darstellung der beteiligten Redaktionen positioniert. Die Hintergründe der Recherche, die verdeckten Händlerbesuche und die Einordnung der Vorwürfe haben wir bereits ausführlich aufgearbeitet.

Was sagt KTM in der Stellungnahme?
Die KTM AG bezeichnet die Berichterstattung als Ergebnis eines fundamentalen Missverständnisses. Der Hersteller betont, dass Enduro-Modelle in ihrem Kern Sportgeräte seien, die im homologierten Auslieferungszustand auch auf öffentlichen Straßen gefahren werden dürften. Diese duale Nutzbarkeit sei gewollt, notwendig und branchenüblich.
Als Begründung verweist KTM auf die Regularien des Motorrad-Weltverbands FIM: Damit Enduro-Maschinen an offiziellen Wettbewerben teilnehmen können, müssen sie zuvor in homologiertem Zustand ausgeliefert worden sein. Es handele sich weder um eine KTM-Besonderheit noch um einen Vorgang, der dem Unternehmen gegenüber dem Wettbewerb einen unzulässigen Vorteil verschaffe. Sämtliche Enduro-Modelle der Marken KTM, Husqvarna und GasGas verließen das Werk ausschließlich in straßenzulassungsfähigem, homologiertem Zustand.
Wie positioniert sich KTM zum Thema Händlerumbau?
Zum Kernvorwurf der Recherche, dass Händler die Maschinen vor der Übergabe entdrosseln, äußert sich KTM knapp, aber deutlich. Auf Wunsch des Kunden könnten die Maschinen nach dem Erwerb vom Fachhändler für den Wettbewerbs- und Geländeeinsatz konfiguriert werden. Käufer würden ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Straßenzulassung mit dem Umbau für den Wettbewerb erlischt und das Fahrzeug nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr verwendet werden darf.
Die Stellungnahme geht allerdings nicht auf die konkreten Ergebnisse der verdeckten Händlerbesuche ein, bei denen Verkäufer in mehreren Ländern die Entdrosselung aktiv empfohlen und die Straßenzulassung offen als reine Formalität dargestellt hatten.

Wie ordnet KTM die Emissionsfrage ein?
KTM greift die in der Recherche prominent platzierten Abgasmessungen auf und liefert eine eigene Einordnung. Motorräder verursachten in Deutschland laut Umweltbundesamt rund 0,3 % der CO₂-Gesamtemissionen. Enduro-Wettbewerbsmodelle stellten davon nur einen geringen Bruchteil dar. Ihre Laufleistung liege ein Vielfaches unter der von Straßenmotorrädern, da sie lediglich wenige Stunden im Jahr im Sport- und Trainingsbetrieb eingesetzt würden.
Mit dieser Argumentation stellt KTM die Verhältnismäßigkeit der Debatte in Frage, ohne die konkreten Messergebnisse des ICCT an der Technischen Universität Prag direkt zu kommentieren.
Welche wirtschaftliche Bedeutung haben die betroffenen Modelle?
Eine konkrete Zahl nennt die Stellungnahme ebenfalls: Die in Europa vertriebenen Enduro-Modelle entsprechen rund 3 % des weltweiten KTM-Absatzes. Damit signalisiert der Hersteller, dass es sich gemessen am Gesamtgeschäft um ein Nischensegment handelt. Für die laufende KBA-Untersuchung und die möglichen regulatorischen Folgen ist die wirtschaftliche Größenordnung allerdings zweitrangig. Entscheidend wird sein, ob die Behörde Vorschriftenabweichungen feststellt und welche Maßnahmen daraus folgen.
KTM steckt ohnehin in einer schwierigen Phase. Nach dem Insolvenzverfahren 2024 befindet sich der Konzern im Wiederaufbau. Die Vorwürfe treffen das Unternehmen zu einem Zeitpunkt, an dem Vertrauen bei Kunden, Händlern und Investoren besonders wichtig wäre. Die Stellungnahme ist erkennbar darauf ausgelegt, die Darstellung eines systematischen Betrugs zu entkräften und die Verantwortung für etwaige Verstöße auf die Ebene der Händler und Endkunden zu verlagern. Ob diese Linie angesichts der dokumentierten Händlerpraxis und der laufenden KBA-Ermittlungen haltbar ist, wird sich zeigen.












