- Viñales sagt, KTM habe ihm nach dem Italien-Grand-Prix per E-Mail einen Vertrag geschickt, den er unterschrieb und der zwei Wochen später ungültig gewesen sein soll.
- KTM setzt 2027 im Werksteam auf Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio. Für Viñales bliebe nur ein Platz bei Tech3.
- Beirer erklärt, der freie Platz sei bis zu diesem Wochenende reserviert gewesen. Die Entscheidung soll am Sachsenring fallen.
Rund um den Großen Preis von Deutschland ist der Streit zwischen Maverick Viñales und KTM offen ausgebrochen. Der Spanier schilderte am Sachsenring, wie aus einem geplanten Werksvertrag ein Bruch wurde, und deutete an, dass er den Motorradrennsport nach dieser Saison ganz verlassen könnte. KTM sieht den Ablauf anders. Motorsportdirektor Pit Beirer trat den Vorwürfen entgegen und stellte klar, dass ein Platz für Viñales bis zuletzt offengehalten worden sei. Damit stehen zwei sehr unterschiedliche Versionen derselben Geschichte nebeneinander.

Was wirft Maverick Viñales KTM vor?
Viñales wirft KTM vor, ihm einen Vertrag geschickt und diesen zwei Wochen später für ungültig erklärt zu haben. Nach seiner Schilderung erfuhr er zunächst aus den Medien, dass Di Giannantonio seinen Platz im Werksteam einnehmen würde. Als er beim Italien-Grand-Prix in Mugello ankam, schickte KTM ihm demnach per E-Mail einen Vertrag.
Er unterschrieb, obwohl die Bedingungen aus seiner Sicht schlecht waren. „Ich glaube wirklich an die Ingenieure, die bei KTM sind. Deshalb habe ich ihn unterschrieben, auch wenn es wirklich gegen meinen eigenen Vorteil war. Und nach zwei Wochen sagten sie, dieser Vertrag sei vollständig ungültig“, so Viñales. Er wertet das als Vertrauensbruch und als nicht ernsthaftes Vorgehen. Auf die Frage, ob er seither noch mit dem KTM-Management gesprochen habe, antwortete er: „Nein, nicht mehr. Ich denke, letzte Woche waren die letzten Bedingungen. Danach habe ich nicht mehr mit ihnen gesprochen.“
Wie schildert KTM den Ablauf?
KTM widerspricht der Darstellung und hält einen Platz weiter offen. Beirer räumte ein, dass Viñales‘ Enttäuschung nachvollziehbar sei, weil der eigentlich geplante Aufstieg ins Werksteam nicht zustande kam. Den konkreten Vorwurf zum Vertrag ließ er dabei unkommentiert.
Gegenüber Medienvertretern erklärte Beirer, KTM habe Viñales ursprünglich zu Red Bull KTM Factory Racing holen wollen, seine Verletzung habe diesen Plan aber verhindert. Man habe ihm ein volles Jahr Zeit gegeben, um wieder zu hundert Prozent auf das Motorrad zurückzukehren, dieser Punkt sei bis heute nicht erreicht. Der einzige Grund, warum KTM gemeinsam mit Tech3 noch keine Fahrer für 2027 bestätigt habe, sei ein für Viñales freigehaltener Platz gewesen. Beirer beschrieb die Entwicklung als etwas, das irgendwie schrecklich schiefgelaufen sei. KTM habe Viñales gesagt, es gebe einen Platz für ihn, ohne aber genau nennen zu können, wo und in welcher Rolle. Dass dieser Platz im Tech3-Team liegen könnte, habe Viñales offenbar nicht als Option gesehen. Beirer betonte, KTM habe den Spanier nie weggeschickt, der Sitz sei weiter frei, doch die Zeit laufe gegen alle Beteiligten. Als Frist nannte er dieses Rennwochenende.

Warum ging Viñales beim Werksplatz leer aus?
Viñales verlor den Werksplatz, weil seine Form nach der langen Verletzungspause nicht zurückkehrte und KTM sich für zwei andere Fahrer entschied. Für die Saison 2027 verpflichtete der Hersteller Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio, beide von Ducati.
Nach Beirers Schilderung wurde die Tür zum Werksteam bereits im Sommer des Vorjahres geöffnet. Viñales habe damals versichert, man solle sich um seine Gesundheit keine Sorgen machen, er sei bei seinem Comeback in Spielberg zurück. Seither habe KTM Woche für Woche auf die alte Stärke gewartet. In dem Moment, in dem sich die Möglichkeit ergab, Alex Marquez und Di Giannantonio zu bekommen, sei Viñales von seiner früheren Form weit entfernt gewesen. Den verbliebenen Sitz bezeichnet KTM weiterhin als Werksplatz, weil beide Teams zusammen als vier Werksplätze gezählt werden. Als Viñales erfuhr, dass es sich dabei nicht um den Platz im offiziellen Team handelte, ging die Sache nach KTMs Lesart endgültig schief.
Was sagt Tech3-Chef Günther Steiner?
Günther Steiner hält sich aus dem Streit heraus und verweist darauf, dass es sich um einen KTM-Vertrag handelt. Der Tech3-CEO betont, er sei in diese Vertragsangelegenheit nicht eingebunden und habe das Dokument nie gesehen. Viñales und sein Teamkollege sind direkt bei KTM unter Vertrag, die Vereinbarungen stammen aus der Zeit vor der Übernahme des Teams durch Steiners Gruppe.
„Ich versuche es auch nicht, weil ich mit seinem Vertrag nichts zu tun habe. Es ist ein KTM-Vertrag“, so Steiner. Er wolle den Vertrag auch gar nicht sehen, da er mit der Sache nichts zu tun habe. Zugleich hält er eine weitere Zusammenarbeit mit Viñales für schwierig, weil ein öffentlich ausgetragener Streit die Grundlage beschädige und Tech3 auch künftig mit KTM arbeite. Für 2027 plant Steiner einen Neustart ohne, wie er es nennt, alten Ballast. Aus demselben Grund kommt auch Brad Binder für ihn nicht infrage. Ab 2027 will Tech3 seine Fahrer selbst unter Vertrag nehmen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Wer fährt 2027 für Tech3?
Als Favorit für den erfahrenen Platz bei Tech3 gilt Luca Marini, der zweite Sitz soll an einen Aufsteiger gehen. Als Kandidaten dafür werden Senna Agius und Manuel Gonzalez gehandelt. Marini bringt aus seiner Zeit bei Honda den Ruf mit, technisch stark zu sein, ein Vertrag ist laut Steiner aber noch nicht unterschrieben.
Der bisherige Teamkollege von Viñales soll künftig für Trackhouse Aprilia fahren. Die Personalfragen fallen in eine Phase des Umbruchs, denn 2027 beginnt in der MotoGP die neue Ära mit 850-Kubikzentimeter-Motoren. In dieses Bild passt auch, dass Viñales beim ersten offiziellen 850er-Test in Brno nicht dabei war. Der Fall reiht sich damit in den größeren Zusammenhang des Fahrermarkts für die kommende Saison ein, in dem nach den Wechseln bei Ducati, KTM und Aprilia nur noch wenige Plätze offen sind.
Was bedeutet die Verletzung von 2025 für seine Zukunft?
Die Folgen seiner schweren Verletzung wiegen so schwer, dass Viñales sogar über ein Karriereende nachdenkt. Vor genau einem Jahr stürzte er am Sachsenring im Qualifying auf nasser Strecke per Highsider, kugelte sich die Schulter aus und zog sich zusätzlich einen Bruch zu. Bis heute ist er nicht vollständig genesen, in dieser Saison konnte er nur in elf Rennen antreten und sammelte dabei zehn WM-Punkte.
Der Sturz kostete ihn womöglich die Chance, als erster Fahrer für vier verschiedene Hersteller ein MotoGP-Rennen zu gewinnen. Viñales fährt seit 2015 in der Königsklasse, zunächst für Suzuki, Yamaha und Aprilia, zuletzt für Tech3-KTM. Insgesamt stehen zehn Siege zu Buche, zweimal wurde er WM-Dritter, 2013 war er Moto3-Weltmeister. Nach den Vorkommnissen mit KTM sagt er, er sei von dieser Welt „ausgebrannt“, und er glaube nicht, dass er weitermachen werde. Zugleich wehrte er sich gegen Stimmen, die ihm mentale Probleme unterstellten, wie schon beim Zerwürfnis mit Yamaha im Jahr 2021. Er brauche das Gefühl, für ein Projekt wertgeschätzt zu werden, dann gebe er alles. Trotz des Frusts will er nach der Sommerpause stark zurückkommen und in der zweiten Saisonhälfte das Maximum herausholen. Im ersten freien Training am Sachsenring war er trotz eines Sturzes auf Platz elf der schnellste der vier RC16-Piloten.

Häufige Fragen
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Was ist im Streit zwischen Maverick Viñales und KTM passiert?
Viñales sagt, KTM habe ihm nach dem Italien-Grand-Prix in Mugello per E-Mail einen Vertrag für 2027 geschickt, den er unterschrieb. Zwei Wochen später sei ihm mitgeteilt worden, dass dieser Vertrag ungültig sei. Er wertet das als Vertrauensbruch, KTM hält der Darstellung entgegen, dass ein Platz weiter offenstehe.
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Wer fährt 2027 im KTM-Werksteam?
Im Werksteam Red Bull KTM Factory Racing fahren 2027 Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio. Beide kommen von Ducati. Viñales war ursprünglich als Werksfahrer vorgesehen, verlor den Platz aber nach seiner langen Verletzungspause.
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Warum denkt Viñales über einen Rücktritt nach?
Viñales fühlt sich nach dem Streit mit KTM ausgebrannt und stellt eine Fortsetzung seiner Laufbahn infrage. Hintergrund ist auch seine Verletzung vom Sachsenring im Vorjahr, von der er sich bis heute nicht vollständig erholt hat. In dieser Saison kam er nur in elf Rennen zum Einsatz.
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Welchen Platz hat Viñales bei Tech3 noch?
Rechnerisch ist ein Platz bei Tech3 weiter offen, Beirer nennt dieses Rennwochenende als Frist. Als Favorit gilt jedoch Luca Marini, der zweite Sitz soll an einen Aufsteiger gehen. Tech3-Chef Günther Steiner hält eine weitere Zusammenarbeit mit Viñales nach dem öffentlichen Streit für schwierig.












