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Motorcycles.News – Motorrad Magazin
Startseite » KTM Factory Racing bleibt unverkäuflich: Warum Mattighofen über 100 Millionen Euro ablehnt
Pedro Acosta führt auf der KTM RC16 vor Gruppe – MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026
MotoGP

KTM Factory Racing bleibt unverkäuflich: Warum Mattighofen über 100 Millionen Euro ablehnt

By Andreas Denner21 Mai, 2026
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KTM verzichtet auf einen Investoreneinstieg in die Rennsportabteilung. CEO Gottfried Neumeister bestätigt die Entscheidung gemeinsam mit Mehrheitseigner Bajaj. Die Bewertung der Motorsportstruktur lag im dreistelligen Millionenbereich.
  • KTM Factory Racing bleibt zu 100 Prozent im Besitz des Konzerns
  • Bajaj und KTM entscheiden sich gegen externe Investoren trotz intensiver Gespräche
  • Die Restrukturierung des Unternehmens ermöglicht die finanzielle Eigenständigkeit im Rennsport

Seit mehr als einem Jahr begleitete die MotoGP-Welt eine zentrale Frage: Wird KTM einen Teil seiner Werksrennsportabteilung an Investoren verkaufen? Am Rande des Großen Preises von Catalunya in Barcelona hat KTM-CEO Gottfried Neumeister diese Frage nun eindeutig beantwortet. Die Antwort lautet: Nein.

Gottfried Neumeister Red Bull KTM Porträt im Paddock – MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026

Warum hat KTM die Investorensuche für Factory Racing gestoppt?

KTM und Mehrheitseigner Bajaj haben sich entschieden, den Werksrennsport ohne externe Investoren weiterzuführen. „Ich kann mit Freude bestätigen, dass wir uns mit der Konzernleitung von Bajaj dazu entschieden haben, den Werksrennsport auch zukünftig in strategischer Unabhängigkeit ohne Investoren zu betreiben“, sagte Neumeister. („I can confirm with pleasure that together with Bajaj’s management, we have decided to continue managing official motorsport with full strategic independence, without external investors.“) Man sei zu der Überzeugung gelangt, dass Eigenständigkeit der beste Weg sei, um die ambitionierten Ziele im Motorsport umzusetzen.

Die Entscheidung kam nicht aus dem Nichts, war in dieser Konsequenz aber keineswegs absehbar. Noch im November 2025 hatte Neumeister gegenüber SPEEDWEEK.com erklärt, er rechne mit einer Unterschrift „noch vor Weihnachten“. Das damalige Konzept sah einen Partner vor, der bis zu 30 Prozent der laufenden Kosten übernehmen sollte, ohne die Kontrolle über das Team zu erhalten. Neumeister betonte damals: „Geld allein ist ein bisschen zu wenig, auch das chemische Verhältnis muss passen.“

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Wie hoch wurde KTM Factory Racing bewertet?

Der Prozess, den KTM mit einem externen Berater aufgesetzt hatte, führte zu einer wirtschaftlichen Bewertung der Motorsportstruktur im dreistelligen Millionenbereich. Neumeister beschrieb in Barcelona, man sei „selbst beeindruckt“ gewesen, als man mit dieser Summe konfrontiert worden sei. In der Folge gab es mehrere konkrete Gespräche mit potenziellen Investoren, die auf einen teilweisen Verkauf abzielten.

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Das Interesse war laut Neumeister enorm. Zeitweise seien nahezu täglich neue Anfragen eingegangen. Bereits KTM-Rennsportchef Pit Beirer hatte im Januar 2025 erstmals öffentlich von der Möglichkeit eines Investoreneinstiegs gesprochen und das Thema damit ins Fahrerlager getragen. In den folgenden Monaten wurden zahlreiche Namen mit dem Projekt in Verbindung gebracht, darunter Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton.

Brad Binder auf der KTM RC16 Mitzieher vor voller Tribüne – MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026

Welche Rolle spielte die Diskussion um CFMoto?

Im Dezember 2025 kursierten Berichte, der chinesische Hersteller CFMoto, seit Jahren strategischer Partner von KTM, könnte das MotoGP-Projekt übernehmen. Auslöser war der Besuch einer CFMoto-Delegation in Oberösterreich. Neumeister wies die Spekulationen im Gespräch mit dem Motorsport-Magazin entschieden zurück: „Das kann ich ausschließen, denn es würde bedeuten, dass wir das Projekt komplett verkaufen.“ Er erklärte, der CFMoto-Eigentümer Lai Minjie sei nach der Motorradmesse EICMA in Mailand lediglich zu einem regulären Besuch eingeladen worden. Aus einem Foto dieses Treffens sei dann das Gerücht einer Übernahme konstruiert worden.

KTM stellte klar, dass man sich auf Finanzinvestoren fokussiere, die eine Minderheitsbeteiligung akzeptieren und neben Kapital auch technisches Know-how oder Sponsoren einbringen. Eine Abgabe der Kontrolle über das Team kam zu keinem Zeitpunkt in Frage.

Was ermöglicht KTM die Unabhängigkeit im Rennsport?

Die Grundlage für die Entscheidung gegen Investoren liegt in der wirtschaftlichen Stabilisierung des Gesamtkonzerns. Die KTM-Mutter Bajaj Mobility (ehemals Pierer Mobility) meldete für das erste Quartal 2026 deutliche Erholungssignale. Der Konzernumsatz stieg um 70,2 Prozent auf 331,3 Millionen Euro. Der Motorradabsatz der Marken KTM, Husqvarna und GasGas legte um 125,1 Prozent auf 40.332 Einheiten zu, der Motorradumsatz kletterte sogar um 151,6 Prozent auf 272,4 Millionen Euro.

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Erstmals seit der Insolvenz Ende 2024 war das EBITDA mit 5,5 Millionen Euro wieder positiv, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 55,8 Millionen Euro verbucht worden war. Das EBIT verbesserte sich um 65,5 Millionen Euro auf minus 26,1 Millionen Euro. Im Februar 2026 sicherte sich die KTM AG zudem eine Refinanzierung über 550 Millionen Euro bei einem internationalen Bankenkonsortium bestehend aus J.P. Morgan, HSBC, DBS Bank und MUFG Bank. Mit diesem Kredit wurde der Restrukturierungskredit der Bajaj Auto International Holdings in Höhe von rund 473 Millionen Euro vollständig zurückgezahlt.

Neumeister verwies in Barcelona direkt auf diese Entwicklung: „Die Grundlage dafür ist, dass wir im Zuge der Restrukturierung eine erfolgreiche Kehrtwende vollzogen haben und die finanzielle Kraft besitzen, uns Werksrennsport leisten zu können. Und nicht nur leisten, sondern auch investieren können.“

Maverick Viñales auf der KTM RC16 in Schräglage – MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026

Wie teuer war die Sanierung für KTM?

Der Weg zur finanziellen Stabilität war mit drastischen Einschnitten verbunden. Als Neumeister Ende Januar 2025 die Gesamtverantwortung übernahm, belasteten laut Industriemagazin mehr als 44 Millionen Euro Fixkosten pro Monat das Geschäft. Die Overheads lagen 2024 bei über 530 Millionen Euro. Inzwischen wurden sie auf 415 Millionen Euro gesenkt. Die Belegschaft schrumpfte von über 6000 auf rund 3400 Mitarbeiter. Weitere 500 Stellen sollen bis zum dritten Quartal 2026 abgebaut werden. Die Zahl der Konzerngesellschaften wurde von über 90 auf 77 reduziert, das Fahrradgeschäft abgestoßen, die Modellpalette gestrafft. Neumeister bezeichnete die Lage bei seinem Amtsantritt als eine, in der „der Patient stabilisiert werden musste“.

Bajaj, der indische Mehrheitseigner, stellte insgesamt rund 800 Millionen Euro bereit oder sicherte diese ab. Neumeister sagte dazu, ohne die indischen Investoren würde es KTM heute nicht mehr geben.

Was bedeutet die Entscheidung für Pit Beirer und das MotoGP-Programm?

Für die Mannschaft von Rennsportchef Pit Beirer in Munderfing bedeutet die Absage an Investoren vor allem eines: uneingeschränkte Handlungsfreiheit. Es gibt keinen externen Teilhaber, der Mitsprache bei sportlichen oder technischen Entscheidungen einfordert. Das gesamte Rennsportbudget, das zuletzt auf rund 60 Millionen Euro pro Jahr geschätzt wurde, bleibt unter voller Kontrolle des Konzerns.

Neumeister formulierte die Philosophie dahinter unmissverständlich: „Rennsport funktioniert nicht mit angezogener Handbremse. Da muss man auch in der Lage sein, wenn es drauf ankommt, Geld in die Hand zu nehmen. Es braucht sicher eine Kostendisziplin, aber auch etwas Großzügigkeit.“ Bereits im Herbst 2025 hatte er betont, es sei nicht die Aufgabe von KTM, „auf einen Zuwachs mit fremdem Kapital zu spekulieren“. Gewinnen müsse an erster Stelle stehen, nicht ein Geschäftsmodell.

Die Bedeutung des Motorsports für KTM hatte Neumeister Ende 2025 gegenüber dem Motorsport-Magazin grundsätzlich eingeordnet: „Ready to Race“ sei mehr als ein Slogan. Dadurch habe sich KTM über 40 Jahre differenziert. Der Motorsport sei für die Marke „wichtiger als für jede andere Motorradmarke der Welt“. Die Motorräder seien im Vergleich zu anderen Herstellern nicht günstig, und diesen Preis könne man nur über beste Performance rechtfertigen.

Enea Bastianini auf der KTM RC16 Frontansicht – MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026

Welches Signal sendet die Entscheidung an das MotoGP-Fahrerlager?

Die Absage an Investoren ist gleichzeitig ein klares Bekenntnis von Bajaj zum MotoGP-Engagement. Damit sind die Zweifel ausgeräumt, die seit der Insolvenz Ende 2024 im Fahrerlager kursierten. Monatelang war spekuliert worden, ob der indische Eigentümer das jährliche Motorsportbudget überhaupt genehmigen würde. Neumeister sagte in Barcelona: „All das zeigt auch: Bajaj steht nicht nur hinter KTM, sondern auch hinter dem Engagement in der MotoGP.

Das Signal kommt zu einem Zeitpunkt, an dem KTM gleich mehrere strategische Weichen stellt. Ebenfalls am Catalunya-Wochenende bestätigten Tech3-Besitzer Günther Steiner und Pit Beirer die Fortsetzung der Partnerschaft zwischen dem Kundenteam und KTM über 2026 hinaus. Steiner hatte zuvor auch mit anderen Herstellern gesprochen, entschied sich aber für die Fortführung der bestehenden Zusammenarbeit. KTM wird Tech3 weiterhin mit vollem Werksmaterial ausstatten. Ab 2027 beginnt in der MotoGP eine neue technische Ära mit 850-Kubikzentimeter-Prototypen, und KTM arbeitet bereits an der entsprechenden Entwicklung.

In der laufenden MotoGP-Saison 2026 setzt KTM mit Pedro Acosta und Brad Binder im Werksteam sowie Enea Bastianini und Maverick Viñales bei Tech3 vier Fahrer ein. Acosta belegt nach sechs Rennwochenenden den vierten Platz in der WM-Wertung. Es ist die zehnte MotoGP-Saison für KTM und zugleich die letzte unter dem aktuellen 1000-Kubikzentimeter-Reglement.

Gottfried Neumeister Red Bull KTM Porträt – MotoGP Catalunya GP Barcelona 2026

Häufige Fragen

  • Warum hat KTM Factory Racing den Investorendeal abgelehnt?

    KTM und Mehrheitseigner Bajaj haben sich für die strategische Unabhängigkeit des Werksrennsports entschieden. Trotz einer Bewertung im dreistelligen Millionenbereich und zahlreicher konkreter Gespräche mit Investoren kam der Konzern zu dem Schluss, dass volle Handlungsfreiheit für die sportlichen Ziele wichtiger ist als externe Finanzspritzen.

  • Wie ist die finanzielle Lage von KTM nach der Restrukturierung?

    Die KTM-Mutter Bajaj Mobility meldete im ersten Quartal 2026 einen Umsatzanstieg von 70,2 Prozent auf 331,3 Millionen Euro und erstmals ein positives EBITDA von 5,5 Millionen Euro. Im Februar 2026 wurde zudem eine Refinanzierung über 550 Millionen Euro abgeschlossen, mit der der Restrukturierungskredit vollständig zurückgezahlt werden konnte.

  • Bleibt KTM langfristig in der MotoGP?

    KTM hat mit der Investorenabsage und der gleichzeitigen Vertragsverlängerung mit Tech3 für die Zeit nach 2026 ein klares Bekenntnis zur MotoGP abgegeben. Der Konzern arbeitet bereits an der Entwicklung des 850-Kubikzentimeter-Prototypen für das neue Reglement ab 2027.

  • War Lewis Hamilton als Investor bei KTM Factory Racing im Gespräch?

    Lewis Hamilton wurde in Medienberichten als einer der potenziellen Investoren genannt. KTM bestätigte allgemein großes Interesse aus verschiedenen Richtungen, nannte jedoch keine konkreten Namen und betonte stets, dass nur ein Minderheitsinvestor in Frage gekommen wäre.

  • Was kostet das MotoGP-Programm von KTM pro Jahr?

    Das jährliche Motorsportbudget von KTM Factory Racing wurde zuletzt auf rund 60 Millionen Euro geschätzt. CEO Neumeister betonte, der Konzern habe nach der Restrukturierung die finanzielle Kraft, dieses Budget nicht nur zu tragen, sondern auch in den Rennsport zu investieren.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich. Verantwortlich für die Seiten www.Motorcycles.News, www.Motorrad.Training und den YouTube-Kanal "Motorrad Nachrichten", sowie deren social Media-Seiten.

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