Maverick Viñales kann beim Großen Preis von Spanien in Jerez nicht antreten, weil seine Genesung nach der Schulter-OP länger dauert als geplant. Auch der vorgesehene Ersatzfahrer Pol Espargaró ist verletzt, weshalb Tech3 nur mit Enea Bastianini an den Start geht.
- Viñales fällt beim Heim-Grand-Prix in Jerez aus und peilt Le Mans als Comeback an
- Ersatzfahrer Pol Espargaró hat sich an der Hand verletzt und kann nicht einspringen
- Tech3 tritt am Rennwochenende nur mit einem einzigen Motorrad an
Für das Red Bull KTM Tech3-Team kommt das Rennwochenende in Jerez in einer denkbar ungünstigen Konstellation. Maverick Viñales ist nach seiner Schulter-Operation noch nicht wieder fit, der geplante Ersatz Pol Espargaró fällt ebenfalls verletzt aus, und eine kurzfristige alternative Lösung gab es nicht. Das KTM-Kundenteam schickt daher beim ersten Europa-Rennen der MotoGP-Saison 2026 nur Enea Bastianini auf die Strecke.

Viñales kommt nicht rechtzeitig zurück
Die Vorgeschichte reicht zurück bis ins vergangene Jahr: Beim Sturz auf dem Sachsenring im Juli 2025 zog sich Viñales eine Schulterverletzung zu, bei deren operativer Versorgung eine Schraube in der linken Schulter eingesetzt wurde. Diese Schraube verschob sich in den folgenden Monaten. Bereits im ersten Freien Training zum Grand Prix der USA in Austin musste der 31-jährige Spanier das Rennwochenende wegen Schmerzen und Kraftverlust abbrechen. Die Untersuchungen bestätigten den Befund, woraufhin Viñales zurück nach Europa reiste und sich Anfang April einem Eingriff unterzog, bei dem die lose Schraube entfernt wurde.
Sein Ziel war es, die durch die Verschiebung des Katar-Rennens entstandene längere Pause im Kalender für die Rehabilitation zu nutzen und beim Heimrennen in Jerez wieder im Sattel zu sitzen. Am Montag machte Tech3 allerdings offiziell, dass dieser Plan nicht aufgeht. „Es ist natürlich enttäuschend, dieses Wochenende nicht in Jerez an den Start zu gehen“, erklärte Viñales. Er spricht davon, dass es sich um ein bedeutendes Ereignis für ihn handle und um sein erstes Heimrennen in dieser Saison. Gleichzeitig betont er, dass er seinen Körper gut kenne und die vollständige Genesung derzeit oberste Priorität habe. Alles entwickle sich in die richtige Richtung, sagt er, und das Ziel laute nun, für Le Mans bereit zu sein. Der Grand Prix von Frankreich findet vom 8. bis 10. Mai statt und liegt damit zwei Wochen nach dem Jerez-Wochenende.
Auch der Ersatzfahrer fällt aus
Die Absage von Viñales war bereits in den Tagen vor dem Rennen absehbar. Tech3 hatte deshalb Pol Espargaró als Ersatz fest eingeplant. Der 34-jährige KTM-Testfahrer gilt im MotoGP-Paddock als erste Wahl für solche Situationen, weil er das aktuelle RC16-Paket kennt und in dieser Saison bereits Testarbeit für das Werk geleistet hat. Doch auch dieser Plan löste sich auf: Kurz vor dem Jerez-Wochenende zog sich Espargaró eine Handverletzung zu. Zu den genauen Umständen liegen keine Angaben vor.

Tech3 prüfte in der Folge mehrere Alternativen. Im weiteren Testfahrer-Kader von KTM stehen Dani Pedrosa, Jonas Folger und Mika Kallio. Pedrosa hat bereits in der Vergangenheit klargemacht, dass er keine kompletten Rennwochenenden mehr bestreiten möchte; auch Folger und Kallio fallen als spontane Rennstarter aus, bei ihnen wird zusätzlich die Konkurrenzfähigkeit unter aktuellen MotoGP-Bedingungen als Fragezeichen gesehen. Am Ende entschied sich das Team gemeinsam mit KTM, in Jerez mit nur einem Motorrad anzutreten.
Steiner und Beirer erklären die Entscheidung
Tech3-CEO Günther Steiner bezeichnet die Situation als Ironie des Schicksals und räumt ein, dass das Team nicht auf diese Weise in Jerez ankommen wollte. Erst sei Viñales noch in der Erholungsphase gewesen, dann habe sich Pol an der Hand verletzt, und plötzlich habe sich der Plan sehr schnell geändert. Das Team habe sich die Alternativen angeschaut, müsse aber auch vernünftige Entscheidungen treffen, die für das Team und das Gesamtprojekt richtig seien. Positiv sei, dass Bastianini mit gutem Schwung aus Austin in das Wochenende komme. Das gebe eine starke Basis, auf der das Team zum Auftakt der Europa-Saison aufbauen könne.
KTM-Motorsportchef Pit Beirer schlägt in die gleiche Kerbe. Er spricht davon, dass es nie eine leichte Entscheidung sei, mit nur einem Motorrad anzutreten, in diesem Fall aber die richtige. Viñales müsse die Zeit und den Raum bekommen, sich vollständig zu erholen, und die Verletzung von Espargaró habe die naheliegendste Ersatzoption zunichtegemacht. Gemeinsam mit Tech3 habe man sorgfältig geprüft, was in Jerez möglich gewesen wäre, müsse aber auch die Wettbewerbsfähigkeit und das Gesamtbild des Projekts im Blick behalten. Beirer zeigt sich zuversichtlich, dass Viñales auf dem richtigen Weg sei, und verweist zugleich auf den Fortschritt, den Bastianini in Austin gezeigt habe.
Teammanager Nicolas Goyon ergänzt, dass die Rennpause Viñales wertvolle Zeit für die Reha verschafft habe. Er hofft, dass es am Ende bei diesem einen verpassten Rennen bleibt. Espargaró wäre seiner Einschätzung nach eine starke Verstärkung gewesen, weil das Team ihn gut kenne.
Bastianini als alleinige Tech3-Karte
Enea Bastianini geht mit Rückenwind in sein Heim-Wochenende der besonderen Art. Der Italiener fuhr zuletzt in Austin im Sprint auf den dritten Platz und beendete das Hauptrennen auf Platz sechs. Nach drei Rennwochenenden belegt Tech3 in der Teamwertung den achten Rang. In Jerez liegt die Last auf den Schultern eines einzigen Piloten, was die Datensammlung für die Entwicklung ebenso beeinflusst wie die strategischen Optionen an einem Rennwochenende mit Sprint- und Hauptrennen.

Für Viñales war der Saisonstart 2026 insgesamt schwierig. Nach seinem Wechsel zu KTM ist es das zweite Jahr auf der österreichischen Maschine, und er arbeitet in dieser Saison mit dem fünffachen Weltmeister Jorge Lorenzo als Fahrercoach zusammen. Die Vorsaisontests hatten zunächst den Eindruck erweckt, dass die Folgen des Sachsenring-Sturzes überwunden seien. In den ersten beiden Rennen in Buriram und Goiânia lief es jedoch sportlich nicht rund, ehe in Austin die verschobene Schraube in der Schulter den endgültigen Ausschlag gab. Bislang hat er in der laufenden Saison keine Punkte eingefahren.
Verletzungsprobleme auch im Familienumfeld
Ausgerechnet in der Familie Espargaró läuft es zum Europa-Auftakt doppelt unglücklich. Auch Aleix Espargaró, der ältere Bruder von Pol und derzeit als Honda-Testfahrer aktiv, ist angeschlagen. Er musste sich nach einem Testunfall in Sepang einer Operation unterziehen, bei der vier Wirbel versteift wurden. Ein Wildcard-Einsatz für Honda, der zuvor im Raum stand, fällt damit ebenfalls aus.
Debatte um feste Ersatzfahrer
Der Fall Tech3 befeuert eine Diskussion, die im MotoGP-Paddock schon länger geführt wird: die Frage nach festen Ersatzfahrer-Regelungen nach dem Vorbild der Formel 1. In Jerez, einem Rennen, zu dem Hersteller traditionell auch Wildcard-Einsätze planen, startet KTM unter dem Strich nur mit drei Piloten: den beiden Werksfahrern Pedro Acosta und Brad Binder sowie Bastianini im Satelliten-Team. In der Fahrerwertung führt Marco Bezzecchi vor Jorge Martín und Acosta, die Situation rund um fehlende Ersatzpiloten dürfte die laufende Debatte kaum beruhigen.
Häufige Fragen
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Warum fehlt Maverick Viñales beim Spanien-GP 2026?
Viñales hat sich Anfang April einer Operation an der linken Schulter unterzogen, bei der eine verschobene Schraube entfernt wurde. Die Schraube war nach seinem Sturz auf dem Sachsenring 2025 eingesetzt worden. Die Genesung dauert länger als geplant, weshalb er in Jerez nicht antreten kann.
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Wann will Viñales in die MotoGP zurückkehren?
Sein erklärtes Ziel ist das Comeback beim Grand Prix von Frankreich in Le Mans am 8. bis 10. Mai 2026. Er selbst spricht davon, dass sich alles in die richtige Richtung entwickle.
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Warum springt Pol Espargaró nicht für Viñales ein?
Der KTM-Testfahrer war als Ersatzmann für Jerez fest eingeplant, hat sich aber kurz vor dem Rennwochenende an der Hand verletzt. Zu den genauen Umständen der Verletzung gibt es keine Angaben.
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Wer startet für Tech3 in Jerez?
Tech3 tritt beim Grand Prix von Spanien ausschließlich mit Enea Bastianini an. Der Italiener fuhr zuletzt in Austin im Sprint auf Platz drei und im Hauptrennen auf Platz sechs.
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Warum fährt nicht Dani Pedrosa oder ein anderer Testfahrer?
Pedrosa, Jonas Folger und Mika Kallio stehen im KTM-Testfahrer-Kader, haben aber entweder kein Interesse an kompletten Rennwochenenden oder gelten unter aktuellen MotoGP-Bedingungen als nicht konkurrenzfähig genug. KTM und Tech3 entschieden sich daher gemeinsam gegen eine Notlösung.









