- Dean Harrison (Honda Racing UK) gewann mit über 15 Sekunden Vorsprung. Es war sein sechster TT-Sieg und sein erster im Superbike.
- Hinter ihm kämpften Peter Hickman (BMW) und Michael Dunlop (Honda) lange um Platz zwei, ehe sich Hickman in den letzten beiden Runden absetzte.
- Harrison fuhr ein eigens aufgebautes Motorrad aus Superstock-Basis, Superbike-Komponenten und Kit-Elektronik.
Die TT 2026 startete mit Verspätung. Nachdem das für Samstag geplante Superstock-Rennen wegen Nebel verschoben worden war, eröffnete am Sonntag die RST Superbike TT die Rennwoche auf dem rund 60,7 Kilometer langen Mountain Course. Im Mittelpunkt stand ein Fahrer, der schon die gesamte Trainings- und Qualifyingwoche dominiert hatte und als Favorit ins Rennen ging.

Wer hat die Superbike TT 2026 gewonnen?
Die Superbike TT 2026 gewann Dean Harrison auf der Honda von Honda Racing UK. Für den Fahrer aus Bradford war es der sechste TT-Sieg insgesamt und der erste im Superbike. Mit diesem Erfolg hat Harrison nun in allen vier Solo-Klassen der TT gewonnen. Es war zugleich sein 36. Podestplatz bei der Veranstaltung. Trotz vorheriger Zweifel an seiner Form fuhr er ein durchgehend fehlerfreies Rennen und gab die Führung zu keinem Zeitpunkt ab.
Wie verlief das Rennen über sechs Runden?
Harrison setzte sich vom Start weg ab und baute den Vorsprung Runde um Runde aus. Bereits am Streckenpunkt Glen Helen lag er in der ersten Runde 4,8 Sekunden vorn, zeitweise wuchs der Abstand auf rund 33 Sekunden an. Die erste Runde absolvierte er aus dem Stand mit 134,8 Meilen pro Stunde, was etwa 217 Kilometern pro Stunde entspricht. Gegen Rennende nahm er das Tempo erkennbar heraus und brachte den Sieg kontrolliert ins Ziel, am Ende mit über 15 Sekunden Vorsprung.
Hinter ihm entwickelte sich der eigentliche Zweikampf um Rang zwei. Peter Hickman auf der BMW von 8TEN Racing und Michael Dunlop auf der Honda lagen über weite Strecken nur Zehntelsekunden auseinander und tauschten mehrfach die Position. Nach dem zweiten von zwei Boxenstopps setzte sich Hickman ab und sicherte sich mit seiner schnellsten Rennrunde, einer 134,5-Meilen-Runde (rund 216 Kilometer pro Stunde), den zweiten Platz. Dunlop komplettierte mit 133,9 Meilen pro Stunde auf der letzten Runde das Podium.
Dahinter trennten den Viertplatzierten Josh Brookes fast eine Minute vom Podestkampf. Brookes hatte sich früh mit John McGuinness duelliert, der Abstand schmolz auf der fünften Runde zeitweise auf 1,5 Sekunden. In der Schlussrunde zog Brookes wieder davon, McGuinness wurde Fünfter. Ian Hutchinson kam auf Rang sechs ins Ziel, vor Jamie Coward, Nathan Harrison, Mike Browne und Paul Jordan. Das Rennen verlief nicht ohne Ausfälle, unter anderem schieden David Johnson und Dominic Herbertson aus.

Was macht Dean Harrisons Honda zu einem Sonderfall?
Harrisons Motorrad ist kein klassischer Superbike-Werksrenner, sondern eine Mischung aus zwei Konzepten. Statt der für die Klasse üblichen Spezialteile setzte er auf eine Superstock-Basis und kombinierte sie mit ausgewählten Superbike-Komponenten.
Konkret bedeutet das: ein Superstock-Chassis mit Superstock-Gabel und Superstock-Schwinge, dazu ein leicht stärkerer Motor und Superbike-Bremsen. Entscheidend ist die Elektronik. Wo viele Konkurrenten auf das MoTeC-System aus dem britischen Superbike-Sport setzen, wählte Harrison ein Kit-Elektronikpaket von HRC. Der Hintergrund: Die aggressive Leistungsentfaltung der vollwertigen Superbike-Elektronik gilt auf öffentlichen Straßen als schwerer beherrschbar, während das Kit-System dem Fahrer mehr Gefühl am Gasgriff geben soll. Harrison soll dieses Konzept selbst beim Team Honda Racing UK angestoßen haben. Auch John McGuinness fuhr eine ähnlich ausgelegte Maschine, wobei seine etwas stärker in Richtung Superbike abgestimmt war.
Bemerkenswert ist dabei ein Detail aus der Statistik der Strecke: Der Rundenrekord wird von einer Superstock gehalten, und auch die schnellste Qualifyingrunde der Woche gelang auf einem solchen Motorrad. Das stützt die Logik hinter Harrisons Entscheidung, denn die Superbike-Umbauten sind für geschlossene Rennstrecken ausgelegt, während der Mountain Course aus öffentlichen Straßen besteht. Nach dem Rennen sprach Harrison davon, dass die Maschine das gesamte Rennen über fehlerfrei lief und ihm das Fahren erleichtert habe, weil die TT neben hohem Tempo auch Ausdauer verlange. Das Rennen dauerte für die Spitze annähernd zwei Stunden.
Warum blieb Michael Dunlop hinter seinen Möglichkeiten?
Michael Dunlop kämpfte das gesamte Rennen mit einem Grundproblem an seinem Motorrad und konnte sein Potenzial nicht ausschöpfen. Der Nordire, der mit 33 Siegen die meisten TT-Erfolge aller Zeiten hält, war kurzfristig auf die Honda zurückgewechselt, nachdem er ursprünglich eine Ducati für das Superbike-Rennen vorbereitet hatte. Über diesen Wechsel war im Vorfeld bereits berichtet worden.
Nach dem Rennen zeigte sich Dunlop hörbar frustriert. Er habe nicht mit Podestpace gerechnet, das Problem sei bekannt, lasse sich aber kaum beheben. Im Original sagte er: „We know what the problem is, and it seems like we can’t really do much to solve it.“ Übersetzt heißt das: „Wir wissen, wo das Problem liegt, aber es scheint, als könnten wir nicht viel daran ändern.“ Zudem kündigte er an, sich nicht erneut so abhängen zu lassen: „I’ll not be caught like this again“ („So lasse ich mich nicht noch einmal erwischen“). Mehrfach verlor er ausgerechnet in den Abschnitten Zeit, die traditionell zu seinen stärksten zählen, weil er dort auf langsamere Fahrer auflief. Das Podium bedeutete für ihn dennoch den 52. Podestplatz seiner TT-Laufbahn.

Wie teuer ist ein Superbike für die TT?
Ein Spitzen-Superbike für die TT kann in der Spitze über 80.000 Pfund kosten, das entspricht circa 92.000 Euro beziehungsweise circa 107.500 US-Dollar. Dieser Wert summiert sich aus zahlreichen hochwertigen Einzelteilen. Genannt wurden unter anderem eine Öhlins-Gabel für 12.000 Pfund (circa 13.850 Euro / 16.100 US-Dollar), Nissin-Bremszangen für über 6.000 Pfund (circa 6.900 Euro / 8.050 US-Dollar) sowie eine Suter-Schwinge für bis zu 15.000 Pfund (circa 17.300 Euro / 20.150 US-Dollar). Hinzu kommen ein Federbein für rund 6.000 Pfund und eine Werks-Auspuffanlage von Akrapovic für über 3.000 Pfund (circa 3.450 Euro / 4.000 US-Dollar).
Die bereits erwähnte Kit-Elektronik liegt mit 3.000 bis 5.000 Pfund (circa 3.450 bis 5.770 Euro / 4.000 bis 6.700 US-Dollar) vergleichsweise niedrig, gilt vielen Fahrern an der TT aber als die bessere Wahl. In der Klasse wird offen darüber diskutiert, ob sich der hohe Aufwand der reinen Superbike-Teile auf den öffentlichen Straßen des Mountain Course überhaupt auszahlt. Die eingesetzten Motoren leisten dabei rund 220 PS (etwa 162 kW) bei einem Hubraum von 1000 Kubikzentimetern.
John McGuinness und das Jubiläum nach 30 Jahren
Einen eigenen Höhepunkt setzte John McGuinness, der in diesem Jahr 30 Jahre seit seinem TT-Debüt feierte. Zum Jubiläum enthüllte er am Start eine Sonderlackierung, die seinem ersten Motorrad von 1996 nachempfunden ist. Dazu trug er nach eigener Aussage die originale Lederkombi, einen weißen Helm und sogar einen Abnahme-Aufkleber aus dem Jahr 1996. 1996 fuhr er eine Durchschnittsrunde von 109 Meilen pro Stunde, was etwa 175 Kilometern pro Stunde entspricht. Heute liegt das Spitzentempo deutlich höher.
McGuinness, der zu den erfolgreichsten Fahrern der TT-Geschichte zählt, fuhr im Jubiläumsrennen auf Platz fünf und bestätigte mit einer letzten Runde von 132,2 Meilen pro Stunde (rund 213 Kilometer pro Stunde) seine anhaltende Form. Seinen ersten Auftritt 1996 hatte er noch als unerfahrener Neuling auf einer 250er Zweitaktmaschine bestritten, im Jahr des Sieges der Straßenrennlegende Joey Dunlop.

Was ändert sich 2026 bei der Sicherheit?
Zur Saison 2026 gilt bei der TT eine Airbag-Pflicht für jeden Solo-Starter. Der Airbag ist in den Rennanzug integriert und soll im Sturzfall innerhalb von 30 Millisekunden auslösen, also schneller als ein Wimpernschlag, und Rücken, Bauch, Brustkorb sowie Nacken schützen. Die Technik stammt vom Spezialisten In&motion, der mehrere Marken beliefert. In diesem Jahr sollen rund 65 Prozent der Fahrer mit dieser Airbag-Technik ausgestattet sein.
Die besondere Herausforderung an der TT besteht darin, einen echten Sturz von den vielen Sprüngen und Kompressionen der Strecke zu unterscheiden. Entsprechende Daten lassen sich nur an wenigen Tagen im Jahr sammeln. Wie wirksam das System sein kann, zeigte sich bereits in der Trainingswoche: Mikey Evans stürzte und kam nach einem Aufprall bei geschätzt rund 140 Meilen pro Stunde (etwa 225 Kilometer pro Stunde) mit vergleichsweise leichten Verletzungen davon. Er startete im Rennen und wurde Zwölfter.

Häufige Fragen
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Wer gewann die Superbike TT 2026?
Die Superbike TT 2026 gewann Dean Harrison auf einer Honda. Es war sein sechster TT-Sieg und der erste im Superbike. Zweiter wurde Peter Hickman vor Michael Dunlop.
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Wie groß war Dean Harrisons Vorsprung im Ziel?
Harrison gewann mit über 15 Sekunden Vorsprung auf Peter Hickman. Zwischenzeitlich lag er sogar rund 33 Sekunden vor dem nächsten Verfolger, ehe er das Tempo gegen Ende kontrolliert herausnahm.
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Was ist das Besondere an Dean Harrisons Motorrad?
Harrison fuhr keinen reinen Superbike-Werksrenner, sondern einen Hybriden aus Superstock-Basis und ausgewählten Superbike-Teilen. Statt der vollwertigen Superbike-Elektronik nutzte er ein Kit-System von HRC, das ihm mehr Kontrolle geben soll.
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Warum wurde Michael Dunlop nur Dritter?
Dunlop kämpfte das ganze Rennen über mit einem Problem an seiner Honda, auf die er kurzfristig von einer geplanten Ducati zurückgewechselt war. Er sprach von fehlender Podestpace und davon, dass sich das Problem kaum beheben lasse. Für ihn war es dennoch der 52. TT-Podestplatz.
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Wie lang ist der Mountain Course?
Der Mountain Course misst 37,73 Meilen, also rund 60,7 Kilometer pro Runde. Die Superbike TT 2026 ging über sechs Runden mit zwei Boxenstopps und dauerte für die Spitze annähernd zwei Stunden.











