- Jorge Martin soll bei Yamaha mit David Munoz arbeiten, dem früheren Crewchef von Valentino Rossi
- Marco Bezzecchi rutschte nach mehreren Zwischenfällen von der WM-Spitze auf Rang vier
- Der Red Bull Ring richtet im September erstmals eine eigene Fan-Tribüne für Toprak Razgatlioglu ein
Zwischen dem Deutschland-GP am Sachsenring und dem nächsten Rennen in Silverstone liegen mehrere ruhige Wochen. Auf der Strecke passiert wenig, dafür umso mehr daneben. Es geht um die Frage, wer 2027 an welchem Kommandostand steht, warum ein WM-Führender innerhalb weniger Rennen zurückfiel, welchen Wert ein neunfacher Weltmeister für sein eigenes Team hat und warum ein Rookie in Österreich eine eigene Tribüne bekommt.

Was macht den Fahrstil von Toprak Razgatlioglu besonders?
Razgatlioglu bremst extrem spät und nimmt auch schnelle Kurven sehr aggressiv an. Sein Crewchef Alberto Giribuola, also der technische Leiter seiner Box bei Pramac Yamaha, spricht von „pure magic“ (pure Magie) und sagt, dass selbst das eigene Team dabei manchmal erschrickt.
Giribuola kann den Vergleich ziehen, weil er früher schon einen Spätbremser betreut hat. Er arbeitete mit Andrea Dovizioso zusammen, der 15 Grands Prix in der Königsklasse gewann. Zwischen beiden Fahrern sieht er Gemeinsamkeiten, aber auch einen deutlichen Unterschied. Dovizioso sei sehr abschnittsbezogen gewesen und habe sich in schnellen Passagen wie in Phillip Island schwergetan. Razgatlioglu dagegen glänze auch dort und sei damit in mancher Hinsicht der rundere Fahrer.
Als zweite Besonderheit nennt Giribuola die Auffassungsgabe des Türken. Folge Razgatlioglu einem anderen Piloten, könne er dessen Linien und Bremspunkte sofort übernehmen, selbst wenn er sie zuvor nie gefahren sei. Ein einziger Referenzpunkt reiche ihm, um den Rückstand deutlich zu verkleinern. Andere Fahrer könnten einem Schnelleren in solchen Situationen oft gar nicht folgen.
In Ergebnissen schlägt sich das bislang kaum nieder. Der dreifache Superbike-Weltmeister steckt mitten in der Umstellung auf die MotoGP und vor allem auf die Michelin-Reifen, die anders funktionieren als die Pirelli-Pneus aus der Superbike-WM. Ein Rennen in den Top Ten gelang ihm 2026 noch nicht, sein bestes Resultat war ein elfter Platz in Ungarn. Ein spürbarer Sprung wird für 2027 erwartet, wenn die MotoGP auf Pirelli umstellt. Razgatlioglu bleibt der Mannschaft erhalten, er hat bei Yamaha einen mehrjährigen Vertrag unterschrieben. Neuer Teamkollege wird Moto2-Spitzenfahrer Izan Guevara.
Warum bekommt Jorge Martin bei Yamaha einen neuen Crewchef?
Martin wechselt 2027 ins Yamaha-Werksteam und kann seinen bisherigen Crewchef nicht mitnehmen. Laut Medienberichten soll David Munoz die Aufgabe übernehmen, der aktuell mit Alex Rins zusammenarbeitet.
Für den Weltmeister von 2024 ist es der dritte Hersteller innerhalb weniger Jahre. Sein Wechsel zu Yamaha an die Seite von Ai Ogura wurde bereits vor der laufenden Saison bekannt, nachdem feststand, dass Fabio Quartararo zu Honda geht. Der Schnitt fällt deutlich aus: Der Großteil seiner heutigen Aprilia-Mannschaft bleibt zurück.
Munoz bringt eine ungewöhnliche Referenz mit. Nach der Trennung von Silvano Galbusera holte Valentino Rossi ihn aus dem eigenen VR46-Moto2-Team an den Kommandostand und arbeitete 2020 und 2021, in seinen letzten beiden MotoGP-Jahren, mit ihm zusammen.
Welche Crewchefs wechseln 2027 sonst noch?
Die Rochade zieht sich durch mehrere Teams. Martin arbeitet derzeit mit Daniele Romagnoli, den er nach dem Titelgewinn 2024 von Pramac mit zu Aprilia nahm. Trotz der engen Bindung bleibt Romagnoli in Noale und betreut dort künftig Francesco Bagnaia. Dessen langjähriger Crewchef Christian Gabbarini, ein Schlüsselmann bei den Titeln 2022 und 2023, bleibt seinerseits bei Ducati und wird Pedro Acosta zugeteilt. Acosta wiederum lässt Paul Trevathan bei KTM zurück.
Naheliegend wäre, dass Trevathan und Phil Marron, aktuell Crewchef von Brad Binder, bei KTM bleiben und dort mit Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio arbeiten. Endgültig entschieden ist das noch nicht.
Dass ein Fahrer seinen Vertrauten nicht mitnehmen kann, ist kein neues Muster. Marc Marquez durfte Santi Hernandez 2024 nicht zu Gresini holen, weil er sich damals nicht auf einen mehrjährigen Ducati-Vertrag festlegen wollte. Er gewann trotzdem Rennen mit Frankie Carchedi und dominierte 2025 im Werksteam mit Marco Rigamonti.

Warum ist Marco Bezzecchi von Platz eins auf Rang vier zurückgefallen?
Bezzecchi verlor die WM-Führung in einer Phase mit mehreren Zwischenfällen und Stürzen. Nach der Kollision mit Teamkollege Martin im Balaton Park, einer Ohrfeige in Brünn samt anschließender Rennsperre und schweren Stürzen in Assen und am Sachsenring geht er nur als WM-Vierter in die Sommerpause.
Der Saisonstart hatte anders ausgesehen. Der Aprilia-Pilot gewann die ersten Grands Prix in Buriram, Goiania und Austin und legte in Mugello einen Heimsieg nach. Lange führte er die Weltmeisterschaft an. Aktuell liegt Martin mit 208 Punkten vorn, dahinter folgen Ogura mit 194 und Marc Marquez mit 190 Zählern. Bezzecchi steht bei 186 Punkten.
Der langjährige Fahrermanager Carlo Pernat führt den Rückfall auf veränderte Rahmenbedingungen zurück. Im vergangenen Jahr sei Bezzecchi faktisch allein im Team gewesen, weil Martin fehlte und Lorenzo Savadori als Ersatz kein Stammfahrer sei. Die gesamte Mannschaft habe hinter ihm gestanden. Außerdem habe Bezzecchi erst zu gewinnen begonnen, als Marc Marquez verletzt ausfiel. Nun müsse er sowohl Marquez als auch Martin schlagen, und Martin sei ein unangenehmer Teamkollege.
Was hat sich bei Aprilia seit dem Rennen in Ungarn verändert?
Nach Pernats Darstellung hat der Startunfall im Balaton Park das Klima im Werksteam dauerhaft verändert. Er beschreibt eine Mannschaft, die vorher wie eine Champagnerblase funktioniert habe und in der seither Misstrauen herrscht.
Fahrer und Renningenieure sprächen kaum noch miteinander, die Stimmung sei schlecht. „Irgendwie ist die Vase zerbrochen“, fasst Pernat zusammen. Verschärft werde die Lage dadurch, dass Martin am Saisonende ohnehin zu Yamaha wechselt und deshalb ohne Rücksicht auf den Teamkollegen fahre. Als Beispiel nennt Pernat die Szene in der Aprilia-Box, in der Martin seinen Frust in Richtung Paolo Bonora entlud.
Einen Ausweg sieht er trotzdem. Bezzecchi müsse seine Einstellung ändern und sich an Marquez orientieren, der nach seiner Verletzung gelernt habe, mit schwierigen Situationen umzugehen. Der doppelte Druck durch den eigenen Teamkollegen und durch Marquez sei neu für ihn. Sein Zwischenfazit für die erste Saisonhälfte fällt dennoch positiv aus, weil Bezzecchi über weite Strecken die WM angeführt hat.

Welche Rolle spielt Valentino Rossi noch im VR46-Team?
Rossi ist nur bei ausgewählten Rennen an der Strecke, gilt im eigenen Team aber als eine Art Joker. Teammanager Pablo Nieto sagt, dass VR46 an diesen Wochenenden etwas habe, das andere Teams nicht bieten können.
Seit dem Karriereende Ende 2021 konzentriert sich der neunfache Weltmeister auf den GT-Rennsport. Sein Kalender überschneidet sich dadurch regelmäßig mit den Grands Prix. Nieto würde ihn gern öfter in der Box sehen, weiß aber, dass beide Programme schwer zu vereinbaren sind. Auch die Fahrer Fabio Di Giannantonio und Franco Morbidelli wünschen sich mehr Besuche.
Den größten Mehrwert sieht Nieto in Rossis Erfahrung. Niemand im Fahrerlager könne auf einen vergleichbaren Fundus zurückgreifen, und Rossi sehe Dinge, die anderen entgingen. Beeindruckend sei zudem, wie er seine Beobachtungen an die Fahrer weitergebe. Beim bislang einzigen Saisonsieg der Mannschaft war er vor Ort: Im Mai gewann Di Giannantonio in Barcelona.
Warum fordert Cal Crutchlow eine Fahrervereinigung?
Crutchlow hält die MotoGP-Fahrer bei Sicherheitsfragen für zu schwach organisiert. Der frühere Grand-Prix-Sieger, heute Testfahrer und Ersatzpilot bei LCR-Honda, verweist auf die Formel 1, wo die Fahrer geschlossener auftreten.
Neue Nahrung bekam die Debatte beim Grand Prix von Tschechien in Brünn. Dort war es extrem heiß, und Crutchlow empfand schon den Sprint als grenzwertig. „Es war verdammt heiß. Eines der heißesten Rennen, das ich je gefahren bin“, sagte er anschließend. Man habe lange in der Startaufstellung gestanden und vergeblich versucht, herunterzukommen. Aus seiner Sicht müssten die Verantwortlichen über die gesamte Situation nachdenken.
Wie eine Regelung aussehen könnte, ließ er offen. Er verwies lediglich darauf, dass es in anderen Sportarten klare Vorgaben für extreme Wetterbedingungen gibt. Das eigentliche Hindernis sieht er ohnehin bei den Fahrern selbst. Es werde immer einen geben, der trotzdem fahre, und dann führen am Ende alle. Die Verantwortlichen wüssten das genau.
Als Grund nennt Crutchlow die Angst vor Nachteilen. Kein Fahrer wolle einem Konkurrenten einen Vorteil überlassen, und viele fürchteten, ihr Hersteller könne bei einem Startverzicht die Zahlungen streichen. Auf den Unterschied zur Formel 1 angesprochen, antwortete der 40-Jährige knapp: „In der Formel 1 halten sie zusammen.“ Warum das in der MotoGP nicht gelinge, könne er nicht beantworten, schließlich sei er kein aktiver MotoGP-Fahrer mehr.

Eine eigene Tribüne für Razgatlioglu am Red Bull Ring
Beim Österreich-GP im September richtet der Red Bull Ring erstmals eine Fan-Tribüne für Razgatlioglu ein. Der Bereich liegt auf der Tribüne T10 an der Zielkurve und trägt offiziell den Namen „T10 Toprak Razgatlioglu“.
Der Standort hat Geschichte. 2020 feierte Miguel Oliveira dort den ersten KTM-Heimsieg, drei Jahre zuvor setzte sich Andrea Dovizioso an derselben Stelle auf den letzten Metern gegen Marc Marquez durch.
Wer sich bis zum 7. September einen Platz auf der Tribüne sichert, hat zusätzlich die Chance auf ein Meet and Greet mit dem Yamaha-Piloten. Hinter dem Tribünenbereich werden türkische Spezialitäten angeboten, dazu kommen exklusive Fanartikel und weitere Goodies. Kinderkarten für die Toprak T10 gibt es ab 20 Euro (circa 23 US-Dollar). Beworben wird die Aktion mit Videos, in denen Razgatlioglu seine bekannten Stoppies zeigt, also Bremsmanöver auf dem Vorderrad. Die Aufnahmen entstanden Mitte Mai beim Event „Go with your Pro“ auf dem Red Bull Ring, wo er unter anderem eine Yamaha R1 des Teams YART bewegte. Informationen zu Tickets stehen auf der Website des Red Bull Rings.
Wie geht die MotoGP-Saison 2026 weiter?
Nach der Sommerpause folgt vom 7. bis 9. August der Grand Prix von Großbritannien in Silverstone. Der Österreich-GP steht in diesem Jahr ungewohnt spät im Kalender und findet erst vom 18. bis 20. September statt.
Damit verschiebt sich auch der Rahmen für die zweite Saisonhälfte. Der WM-Kampf ist eng, die Personalplanungen für 2027 laufen parallel, und mit dem Reifenwechsel zu Pirelli steht bereits die nächste technische Zäsur im Kalender. Die MotoGP 2026 wird deshalb an mehreren Fronten gleichzeitig entschieden.

Häufige Fragen
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Wer wird 2027 Crewchef von Jorge Martin?
Laut Medienberichten soll David Munoz die Rolle übernehmen. Munoz arbeitet derzeit bei Yamaha mit Alex Rins und war 2020 und 2021 Crewchef von Valentino Rossi. Martins bisheriger Crewchef Daniele Romagnoli bleibt bei Aprilia und betreut dort künftig Francesco Bagnaia.
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Warum ist Marco Bezzecchi in der MotoGP 2026 auf Rang vier zurückgefallen?
Bezzecchi verlor in kurzer Zeit viele Punkte durch die Kollision mit Martin im Balaton Park, eine Rennsperre nach einem Vorfall in Brünn und schwere Stürze in Assen und am Sachsenring. Zuvor hatte er die ersten drei Rennen der Saison sowie den Heimlauf in Mugello gewonnen. In die Sommerpause geht er mit 186 Punkten als WM-Vierter.
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Warum tut sich Toprak Razgatlioglu in der MotoGP schwer?
Der dreifache Superbike-Weltmeister muss seinen Fahrstil auf die Michelin-Reifen umstellen, die sich anders verhalten als die aus der Superbike-WM gewohnten Pirelli-Pneus. Ein Rennen in den Top Ten gelang ihm 2026 noch nicht, sein bestes Ergebnis ist ein elfter Platz in Ungarn. Für 2027 wird ein deutlicher Schritt erwartet, weil die MotoGP dann ebenfalls auf Pirelli fährt.
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Wann findet der Österreich-GP 2026 auf dem Red Bull Ring statt?
Der Österreich-GP läuft vom 18. bis 20. September 2026 in Spielberg. Damit steht er ungewöhnlich spät im Kalender, sonst gastierte die MotoGP dort meist Mitte August.
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Was kostet ein Platz auf der Toprak-Tribüne T10?
Kinderkarten für die Tribüne T10 sind ab 20 Euro (circa 23 US-Dollar) erhältlich. Wer bis zum 7. September bucht, hat zusätzlich die Chance auf ein Meet and Greet mit Razgatlioglu. Alle weiteren Preise und Angebote stehen auf der Website des Red Bull Rings.












