- Jorge Martin führt die WM an und ist zugleich Spitzenreiter der Sturzstatistik mit 16 Stürzen in zehn Veranstaltungen.
- Marc Marquez rückt nach seinem neuen Ducati-Vertrag an den Titelrekord von Giacomo Agostini heran, liegt vor dem Sachsenring aber 42 Punkte hinter Martin.
- Das Fahrerfeld 2027 nimmt Form an, Raul Fernandez soll bei Trackhouse Racing bleiben.
Der Sachsenring markiert für viele Beteiligte den letzten großen Härtetest vor der Sommerpause. Nach zehn ausgetragenen Veranstaltungen hat die Saison bereits den dritten WM-Führenden hervorgebracht, mehrere Werke haben ihre Fahreraufstellungen für die neue Ära ab 2027 bekanntgegeben, und an der Spitze der Herstellerwertung hat sich das Kräfteverhältnis verschoben. Rund um den MotoGP Sachsenring 2026 verdichten sich damit sportliche Tabellen und langfristige Personalentscheidungen zur selben Zeit.

Wie offen ist der MotoGP-Titelkampf vor der Sommerpause?
Der Titelkampf gilt als offen, weil die WM-Führung bereits mehrfach gewechselt hat und selbst Ducati das eigene Werksteam nicht als Favorit einstuft. Pedro Acosta hielt die Spitze auf der KTM nur rund zwei Wochen, ehe Aprilia-Pilot Marco Bezzecchi nach dem Auftakt das Kommando übernahm. Der Italiener lag zunächst knapp vor seinem Teamkollegen Jorge Martin, bis zum Grand Prix in Assen. Nach einem Sturz beim Lauf in den Niederlanden und einem Zwischenfall in Tschechien, der eine Sperre nach sich zog und einen Start am Renntag verhinderte, rückte Martin an die Tabellenspitze.
Wie eng das Feld einzuschätzen ist, zeigt auch die Einordnung aus dem Ducati-Lager. Domenicali spricht davon, dass sein Team nicht als Favorit in die Titelentscheidung gehe. Vor Marc Marquez lägen vier Fahrer, und es werde entscheidend sein, welcher Marquez nach der Sommerpause auf die Strecke zurückkehre. Damit verknüpft der Ducati-Chef den Ausgang der Meisterschaft eng mit der Formkurve seines Aushängeschilds, der zuletzt selbst für Schlagzeilen abseits der Strecke gesorgt hat.
Was treibt Marc Marquez nach dem neuen Ducati-Vertrag an?
Marc Marquez nennt es sein wichtigstes Ziel, in den letzten Jahren seiner Karriere weiter Freude an seinem Sport zu haben. Mit dem frisch unterzeichneten Zweijahresvertrag bei Ducati rücken zugleich zwei historische Bestmarken in Reichweite, doch der amtierende Weltmeister setzt die Prioritäten bewusst anders.
Zum Antrieb hinter der Vertragsverlängerung sagt der 33-Jährige: „My biggest ambition is to enjoy my passion in the last years of my career.“ („Mein größter Ehrgeiz ist es, in den letzten Jahren meiner Karriere die Freude an meiner Leidenschaft zu genießen.“) Er verweist darauf, dass manche Sportler ihre Laufbahn am Ende mit einem Groll auf den eigenen Sport beenden: „Sometimes athletes finish their careers hating their sport or passion.“ („Manchmal beenden Sportler ihre Karriere und hassen ihren Sport oder ihre Leidenschaft.“) Als Gründe nennt er Verletzungen, Druck und schwächere Ergebnisse in der Schlussphase einer Laufbahn. Genau das will er vermeiden und die verbleibende Zeit in guter Erinnerung behalten.
Ob es sein letzter Vertrag ist, lässt Marquez offen. Er spricht darüber, dass er es nicht wisse, die letzten Jahre aber positiv abschließen wolle, ohne dabei auf den eigenen Anspruch zu verzichten. Konkurrenzfähig bleiben und mit vollem Einsatz fahren gehören für ihn weiter dazu, während er die genauen Leistungsziele erst im kommenden Winter festlegen will.
Welche Rekorde kann Marc Marquez noch erreichen?
Marquez fehlt ein weiterer Titel in der Königsklasse, um mit Giacomo Agostini gleichzuziehen, der acht Titel hält. Bei den Siegen ist er 14 Erfolge von Valentino Rossis Bestmarke von 89 MotoGP-Siegen entfernt. Rossis Siegrekord ist rechnerisch in dieser Saison nicht mehr einzuholen, der Gleichstand mit Agostini bei den Titeln bleibt dagegen möglich.
Der Weg dorthin verlief bislang steinig. Nach einem schwierigen Saisonstart samt einer Schulter-Folgeoperation im Anschluss an den Grand Prix in Le Mans kämpfte sich Marquez wieder heran. Vor dem Deutschland-GP liegt er 42 Punkte hinter dem WM-Führenden Jorge Martin. Diese Ausgangslage deckt sich mit der Einschätzung aus dem Ducati-Lager, wonach vor Marquez vier Fahrer liegen und viel davon abhängt, in welcher Verfassung er aus der Sommerpause zurückkehrt.

Warum führt Jorge Martin die WM und die Sturzstatistik zugleich an?
An der Tabellenspitze, auf die Marquez blickt, steht mit Jorge Martin ein Fahrer mit einer Saison mit zwei Gesichtern. Martin führt beide Wertungen an, weil seine risikoreiche Fahrweise zwar viele Stürze produziert, ihm aber gleichzeitig die nötigen Punkte einbringt. In den ersten zehn Veranstaltungen musste die Aprilia RS-GP mit der Startnummer 89 bereits 16-mal aus dem Kies geborgen werden. Allein die Reise nach Katalunya brachte fünf Abflüge, von denen nur vier in die offizielle Statistik eingingen, weil einer beim anschließenden Test passierte.
Auch der Griff zur Tabellenführung verlief nicht ohne Nebengeräusche. Ein von Martin verursachter Sturz in Ungarn traf auch Raul Fernandez und Fabio Di Giannantonio, wofür der Spanier für den folgenden Grand Prix in Brünn zwei Long-Lap-Strafen erhielt. Punkte holte er dennoch, während Bezzecchi nach seinem Zwischenfall gesperrt war. Bemerkenswert ist der Umstand, dass Martin, der 2025 von einer Verletzung zur nächsten stürzte und weite Teile jener Saison verpasste, in diesem Jahr bislang von schwereren Blessuren verschont blieb.
Wer stürzt in der MotoGP 2026 am häufigsten?
Hinter Martin mit 16 Stürzen folgt Joan Mir mit 14 Stürzen als zweithäufigster Fahrer der bisherigen Saison. Der Mallorquiner geht überdurchschnittlich oft von der Werks-Honda zu Boden, konnte aber trotzdem an allen Veranstaltungen teilnehmen, beendete jedoch nur sieben der bis dahin 20 gefahrenen Rennen. Trotz der Serie an Abflügen nahm ihn das Team Gresini Racing für das kommende Jahr unter Vertrag.
Auf dem dritten Rang der Sturzauswertung liegen mit Alex Marquez, Franco Morbidelli und Marco Bezzecchi ein Spanier und zwei Italiener mit je elf Stürzen. Alex Marquez war zudem in einen besonders schweren Sturz in Katalunya verwickelt. Ebenfalls zweistellig unterwegs sind die KTM-Piloten Brad Binder und Pedro Acosta sowie Weltmeister Marc Marquez. Während die Fahrer der RC16 bislang ohne Verletzungen blieben, zog sich Marc Marquez im Sprint von Le Mans einen Bruch im Fuß zu. Die beiden Neueinsteiger Toprak Razgatlıoğlu auf der Yamaha und Diogo Moreira auf der Honda hielten sich mit je sechs Stürzen zurück und blieben ohne ernste Folgen. Am unteren Ende der Auswertung tauchen ausgerechnet die beiden Überraschungspiloten von Trackhouse Racing auf. Ai Ogura stürzte fünfmal, und Raul Fernandez ist mit nur zwei Stürzen der bislang schadensärmste Fahrer der Königsklasse.

Bleibt Raul Fernandez bei Trackhouse Racing?
Raul Fernandez soll auch 2027 für Trackhouse Racing fahren, obwohl sein Abschied zwischenzeitlich als beschlossen galt. Noch vor wenigen Wochen deutete vieles auf eine Trennung hin, zumal Teammanager Davide Brivio beim Balaton-Grand-Prix eine Verlängerung weder ausschloss noch aktiv vorantrieb. Fernandez reagierte mit einer sportlichen Offensive. Nach dem Ausfall in Ungarn fuhr er in Brünn gesundheitlich angeschlagen auf die Ränge sechs und sieben, wenig später steuerte er die Maschine im Sprint zum Sieg und wurde im Grand Prix Zweiter. In der WM sprang er damit auf Position sechs vor.
Für das Team spricht vor allem die veränderte Ausgangslage. Mit dem Highlight in Assen, wo Ogura und Fernandez einen Doppelsieg feierten, festigte Trackhouse Racing den zweiten Platz in der Herstellerwertung. Mit 306 Punkten liegt der private Rennstall von Justin Marks nur 23 Zähler hinter Ducati Lenovo. In dieser Position hat das Team mehr zu verlieren als zu gewinnen, weshalb es Berichten zufolge auf zwei etablierte Fahrer statt auf einen Neueinsteiger setzt, zumal 2027 zugleich ein technischer Generationswechsel ansteht. Als Teamkollege gilt Enea Bastianini als gesetzt, nachdem KTM die Frist für eine Verlängerung Ende Juni verstreichen ließ und Ai Ogura zu Yamaha weiterzieht. Offiziell bestätigt ist die Entscheidung für Fernandez allerdings noch nicht. Sie verringert zugleich die Chancen der Moto2-Piloten Manuel Gonzalez und Senna Agius, die damit vor allem bei Tech3 im Gespräch bleiben.
Wie sieht das MotoGP-Fahrerfeld 2027 aus?
Für 2027 stehen zahlreiche Paarungen bereits fest, während einzelne Plätze bei KTM und Honda noch offen sind. Aprilia setzt im Werksteam auf ein rein italienisches Duo aus Marco Bezzecchi und Pecco Bagnaia. Ducati vertraut im Lenovo-Team auf Marc Marquez und Pedro Acosta, bei VR46 soll neben Fermin Aldeguer der Superbike-Fahrer Nicolò Bulega andocken, und bei Gresini sind Daniel Holgado und Joan Mir vorgesehen.
Im Trackhouse-Team von Aprilia sollen Bastianini und Fernandez antreten. Bei KTM zeichnet sich im Werksteam die Paarung aus Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio ab, während die Plätze bei Tech3 mit Namen wie Brad Binder, Maverick Vinales, Gonzalez und Agius noch nicht vergeben sind. Honda soll bei HRC auf Fabio Quartararo und bei LCR auf Johann Zarco setzen, wobei jeweils ein zweiter Platz zwischen Moreira und Alonso offen ist. Yamaha wiederum bringt im Werksteam Jorge Martin und Ai Ogura zusammen, im Pramac-Team sind Razgatlıoğlu und Izan Guevara vorgesehen. Damit fügt sich der Fall Fernandez in ein Gesamtbild, in dem die Werke ihre Aufstellungen für den Start der neuen Ära früh absichern.

Warum verzichtet Ducati auf einen italienischen Werksfahrer?
Ducati stellt die Leistung über die Nationalität und wollte nach Darstellung von Domenicali das stärkstmögliche Fahrerduo verpflichten, keine spanische Auswahl. Die rein spanische Werkspaarung aus Marquez und Acosta hatte für Diskussionen gesorgt. Dazu stellt Domenicali klar: „The first criterion is performance, not the passport. We did not want to create a Spanish national team, we wanted the strongest pair of riders possible.“ („Das erste Kriterium ist die Leistung, nicht der Pass. Wir wollten keine spanische Nationalmannschaft schaffen, sondern das stärkstmögliche Fahrerduo.“)
Zugleich schließt das den Wunsch nach einem italienischen Werksfahrer nicht aus. Domenicali spricht davon, dass Ducati bei zwei gleichwertigen Fahrern denjenigen mit italienischem Pass wählen würde, und arbeitet nach eigener Aussage daran, Bulega in die MotoGP zu bringen. Acosta bezeichnet er als einen der Fahrer mit dem größten Potenzial und einer sehr direkten Persönlichkeit. Auf die Frage, ob der Spanier ein echter Ducatista sei, antwortet er, dieser sei durchaus ein Ducatista, und die Fans würden ihn bald ins Herz schließen.
Diese Personalpolitik ordnet Domenicali in ein größeres Bild ein. Wirtschaftlich verweist er auf ein schwieriges Umfeld, in dem geopolitische Entscheidungen, Energiekosten und Inflation die europäische Fertigung sehr komplex machten. Ducati sieht er dank seiner Position im hochpreisigen Segment und der Verbindung aus Produkt, Rennsport und Community besser aufgestellt. Sportlich räumt er ein, dass die frühere Dominanz nicht mehr absolut sei. In den vergangenen zwei Jahren habe man sich schwerer getan, das Motorrad zu verbessern, während andere Hersteller ihre Probleme gelöst und aufgeschlossen hätten. Vor allem Aprilia sei gewachsen.

Marquez bereitet sich mit Tour-Sieger Pogacar auf den Sachsenring vor
Rund eine Woche vor dem Deutschland-Grand-Prix absolvierte Marc Marquez eine gemeinsame Radeinheit mit Tadej Pogacar, dem vierfachen Sieger der Tour de France. Der Termin fand in Katalonien statt, wo sich das Team UAE Emirates auf den Start der Grande Boucle vorbereitete. Festgehalten wurde die Ausfahrt in einem Video, das vom Ausrüster Insta360 veröffentlicht wurde, der sowohl Marquez als auch Pogacar unterstützt.
Die Aufnahmen zeigen die beiden in gelöster Stimmung. Als der Slowene die körperliche Verfassung des MotoGP-Piloten lobte, entgegnete Marquez ironisch: „No, it’s the slipstream that helps.“ („Nein, es ist der Windschatten, der hilft.“) Zum Abschluss tauschten die beiden signierte Erinnerungsstücke aus und verbrachten einige Minuten mit dem restlichen Team. Für den bekennenden Radsport-Fan Marquez war es eine besondere Vorbereitung, bevor er am Sachsenring wieder auf die Strecke zurückkehrt und dort versucht, seinen Angriff auf die Tabellenspitze neu zu beleben.
Häufige Fragen
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Wer führt die MotoGP-WM 2026 vor dem Sachsenring an?
Jorge Martin führt die MotoGP-WM 2026 vor dem MotoGP Sachsenring 2026 an. Er übernahm die Tabellenspitze nach dem Grand Prix in Assen, nachdem zuvor Pedro Acosta und Marco Bezzecchi geführt hatten.
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Welche Rekorde kann Marc Marquez noch erreichen?
Marc Marquez fehlt ein weiterer Titel, um mit Giacomo Agostini und dessen acht Titeln gleichzuziehen. Bei den Siegen ist er 14 Erfolge von Valentino Rossis Marke von 89 MotoGP-Siegen entfernt, die in dieser Saison rechnerisch aber nicht mehr erreichbar ist.
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Wie viele Stürze hat Jorge Martin 2026?
Jorge Martin verzeichnete in den ersten zehn Veranstaltungen 16 Stürze und ist damit Spitzenreiter der Sturzstatistik. In Katalunya fielen fünf Abflüge an, von denen vier offiziell gewertet wurden.
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Bleibt Raul Fernandez 2027 bei Trackhouse Racing?
Raul Fernandez soll auch 2027 bei Trackhouse Racing bleiben, offiziell bestätigt ist die Einigung aber noch nicht. Als Teamkollege gilt Enea Bastianini als gesetzt.
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Fährt Pedro Acosta ab 2027 für Ducati?
Ja, Pedro Acosta fährt ab 2027 im Werksteam Ducati Lenovo an der Seite von Marc Marquez. Ducati begründet die Wahl mit der Leistung und nicht mit der Nationalität.












