- ROADPOL Operation Two-Wheelers läuft vom 1. bis 7. Juni 2026 in über 30 Ländern
- Vier Kontrollbereiche: Fahrzeugzustand, Schutzausrüstung, Sichtbarkeit und Fahrverhalten
- Die Pilotphase 2025 lieferte bereits konkrete Ergebnisse aus deutschen Polizeibehörden
Das europäische Verkehrspolizei-Netzwerk ROADPOL hat für die erste Juniwoche 2026 eine koordinierte Kontrollwoche angekündigt, die sich ausschließlich an Zweiradfahrer richtet. Unter dem Namen „Operation Two-Wheelers“ überprüfen Polizeikräfte aus den Mitgliedsländern sieben Tage lang den technischen Zustand von Zweirädern, die Schutzausrüstung der Fahrer, deren Sichtbarkeit im Verkehr und das allgemeine Fahrverhalten. Die Aktion gehört zum offiziellen ROADPOL-Operationskalender 2026 und unterscheidet sich deutlich von den bekannten Speedweeks im April und August, bei denen Geschwindigkeitsverstöße im Mittelpunkt stehen.
Was ist die ROADPOL Operation Two-Wheelers?
Die Operation Two-Wheelers ist eine europaweite Aktionswoche, bei der Verkehrspolizisten gezielt Zweiräder kontrollieren. Sie richtet sich an Fahrer von Motorrädern, Mopeds, Fahrrädern, Pedelecs und E-Scootern gleichermaßen. ROADPOL, das European Roads Policing Network, koordiniert die Aktion. Das Netzwerk vereint Verkehrspolizeibehörden aus über 30 europäischen Ländern und organisiert jedes Jahr mehrere gleichzeitig stattfindende Kontrollaktionen, darunter den Speed Marathon, Schwerpunktwochen zu Alkohol und Drogen sowie die Truck-and-Bus-Operationen.
Anders als beim Blitzermarathon, bei dem primär Radarfallen aufgestellt werden, definiert ROADPOL für die Two-Wheelers-Operation vier zentrale Kontrollbereiche. Der technische Zustand des Fahrzeugs wird überprüft, also Bremsen, Beleuchtung, Reifen und die allgemeine Verkehrstauglichkeit. Die Schutzausrüstung der Fahrer steht ebenfalls im Fokus: Helm, Protektoren, Handschuhe und Schutzkleidung, soweit vorgeschrieben. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist für Motorradfahrer ausschließlich ein geeigneter Schutzhelm gesetzlich vorgeschrieben. Weitere Schutzkleidung wie Protektoren, Handschuhe oder Motorradstiefel wird zwar dringend empfohlen, ist aber in keinem der drei Länder Pflicht. Zusätzlich achten die Beamten auf die Sichtbarkeit im Verkehr, etwa reflektierende Elemente, korrekte Scheinwerfereinstellungen und die Positionierung im Verkehrsfluss. Der vierte Bereich betrifft das Fahrverhalten, also das Einhalten von Verkehrsregeln, angepasste Geschwindigkeit und riskante Fahrmanöver.
Warum gibt es 2026 erstmals eine ganze Woche lang Zweiradkontrollen?
Die Operation Two-Wheelers startete 2025 als dreitägige Pilotinitiative vom 21. bis 23. Mai. Laut ROADPOL war sie die erste europaweite Kontrollmaßnahme, die sich ausschließlich auf die sichere Nutzung aller Zweiräder konzentrierte. Die Organisation kündigte bereits im Januar 2025 an, die Ergebnisse und das Feedback der beteiligten Beamten auszuwerten und die Aktion bei positivem Verlauf für 2026 zu erweitern. Offenbar fielen die Rückmeldungen positiv aus, denn im Operationsplan 2026 wurde die Aktion von drei Tagen auf eine volle Woche ausgedehnt und als fester Bestandteil in den Jahreskalender aufgenommen.
ROADPOL begründet den eigenen Fokus auf Zweiräder mit deren wachsender Bedeutung als Fortbewegungsmittel und dem gleichzeitig erhöhten Unfallrisiko dieser Verkehrsteilnehmer. Zweiradfahrer gelten als besonders verletzlich im Straßenverkehr. Das Thema Zweiradsicherheit spielte bei ROADPOL auch über die Operation hinaus eine Rolle: Die ROADPOL Safety Days im September 2025 hatten ebenfalls Zweiräder als Schwerpunkt gewählt.
Was passierte bei der Pilotaktion 2025 in Deutschland?
Mehrere deutsche Polizeibehörden beteiligten sich an der dreitägigen Pilotphase vom 21. bis 23. Mai 2025 und veröffentlichten anschließend detaillierte Bilanzen. Die Ergebnisse zeigen, wie breit gefächert die Kontrollen angelegt waren und welche Schwerpunkte sich in der Praxis ergaben.
Sachsen: 1.641 Zweiräder kontrolliert
Die sächsische Polizei überprüfte während der drei Kontrolltage insgesamt 1.641 Zweiräder. Davon entfielen 542 auf Scooter, wobei 46 Prozent davon E-Scooter waren. 775 Fahrräder wurden kontrolliert, von denen 22 Prozent als E-Bikes oder Pedelecs eingestuft wurden. 324 motorisierte Zweiräder standen ebenfalls auf der Kontrollliste. Die Beamten stellten Fehler beim Personentransport in 14 Fällen und die falsche Nutzung von Straßenteilen in 75 Fällen fest. 24 Fahrer waren unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen unterwegs. Die Polizei Sachsen verwies auf steigende Unfallzahlen als Begründung für die Kontrollen: Die Zahl der verunglückten motorisierten Zweiradnutzer war 2024 um 19 Prozent gestiegen, die der verunglückten Radfahrer um 2,1 Prozent.
Rheinpfalz: 614 Fahrzeuge und 164 Verstöße
Das Polizeipräsidium Rheinpfalz kontrollierte im gleichen Zeitraum 614 Fahrzeuge. Davon waren 56 motorisierte Zweiräder, 333 Fahrräder einschließlich E-Bikes und Pedelecs sowie 225 Scooter. Die Beamten stellten insgesamt 164 Verstöße fest. Das Präsidium untermauerte die Maßnahme mit konkreten Unfallstatistiken: Die Zahl der in Verkehrsunfälle verwickelten Fahrer motorisierter Zweiräder war im Präsidialbereich 2024 um 13,3 Prozent auf 613 gestiegen, verglichen mit 541 im Vorjahr. Fünf Personen kamen dabei ums Leben, also zwei weniger als 2023. Schwer verletzt wurden 111 Personen (2023: 93), leicht verletzt 269 (2023: 263). Auch bei E-Scootern stiegen die Unfallzahlen deutlich: Von nur 34 Unfällen mit E-Scooter-Beteiligung im Jahr 2020 auf 141 im Jahr 2024, ein Anstieg um 17,5 Prozent allein gegenüber dem Vorjahr.
Euskirchen: Dialog und Prävention auf kurvenreichen Strecken
Die Kreispolizeibehörde Euskirchen führte am 22. Mai 2025 einen Sondereinsatz durch, bei dem 148 Personen und 140 motorisierte Zweiräder kontrolliert wurden. Der Kreis Euskirchen ist bei Motorradfahrern wegen seiner landschaftlich reizvollen, aber kurvenreichen Strecken beliebt. Neben den klassischen Kontrollen setzte die Polizei auf Prävention: Erstmals kam eine Airbag-Weste zum Einsatz. An einem Infostand an der Bundesstraße 265 bei Schleiden-Wolfgarten demonstrierte eine Polizeihauptkommissarin die Funktionsweise und Vorteile dieser Schutzkleidung bei einem Sturz. Der Dialog mit den Motorradfahrern und die Sensibilisierung für sicheres Fahrverhalten waren laut Polizeibericht zentrale Elemente der Maßnahme.
Rhein-Sieg-Kreis: Fokus auf Unfallschwerpunkte
Im Rhein-Sieg-Kreis fanden am 22. Mai gezielt Kontrollen an unfallträchtigen Stellen statt. Rund 20 Beamte der Verkehrsdirektion kontrollierten unter anderem am „Schladernring“ an der Bundesstraße 256. Insgesamt registrierte die Polizei 100 Verkehrsverstöße, von denen etwa zehn Prozent auf Zweiradfahrer entfielen. Die meisten Verstöße begingen Pkw- und Lkw-Fahrer. Auf der B256 erfasste ein Lasermessgerät einen Autofahrer mit über 110 km/h bei erlaubten 70 km/h. Einen 7,5-Tonner-Lkw zog die Polizei aus dem Verkehr, weil die Reifen nicht nur unter der Mindestprofiltiefe lagen, sondern sich das Profil bereits löste.
Hamburg: Manipuliertes Pedelec mit 45 km/h
Die Polizei Hamburg beteiligte sich am 22. Mai mit Kontrollen im gesamten Stadtgebiet. Unter der Leitung der Verkehrsdirektion Ost überprüften drei Fahrradstaffeln insgesamt 52 Personen und 76 Fahrzeuge. Besonderes Aufsehen erregte ein Fall in der Straße Hermannstal: Ein 35-jähriger Pedelecfahrer wurde überprüft, wobei Hinweise auf eine Manipulation seines Pedelecs festgestellt wurden. Das Fahrzeug konnte offensichtlich eine Geschwindigkeit von 45 km/h erreichen, ohne dass der Fahrer in die Pedale trat oder den Gashebel betätigte. Da das Pedelec somit faktisch als Kraftfahrzeug galt, wurden Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz eingeleitet.
Wie ordnet sich die Two-Wheelers-Operation in den ROADPOL-Kalender 2026 ein?
Die Operation Two-Wheelers ist Teil eines umfangreichen Jahresprogramms, das ROADPOL im Oktober 2025 veröffentlicht hat. Für Motorradfahrer sind im Gesamtkalender gleich mehrere Aktionszeiträume relevant. Der Kalender sieht folgende Schwerpunktwochen für 2026 vor: zwei Speedweeks mit Geschwindigkeitskontrollen, von denen die erste vom 13. bis 19. April mit einem 24-Stunden-Blitzermarathon am 15. April bereits stattgefunden hat. Die zweite Speedweek folgt vom 3. bis 9. August. Zusätzlich gibt es zwei Kontrollwochen zu Alkohol und Drogen vom 15. bis 21. Juni und vom 14. bis 20. Dezember, einen Gurtcheck vom 9. bis 15. März, drei Lkw- und Bus-Kontrollwochen sowie die Operation „Focus on the Road“ gegen Ablenkung vom 5. bis 11. Oktober und die ROADPOL Safety Days vom 16. bis 22. September.
Für Motorradfahrer ergibt sich damit Anfang Juni ein besonders dichter Kontrollzeitraum.
Was bedeutet die Kontrollwoche konkret für Motorradfahrer?
Wer in der Woche vom 1. bis 7. Juni 2026 mit dem Motorrad unterwegs ist, muss europaweit mit gezielten Kontrollen rechnen. Die Erfahrungen aus der Pilotphase 2025 zeigen, dass die Polizeibehörden dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. In ländlichen Regionen mit beliebten Motorradstrecken, wie im Kreis Euskirchen oder am Schladernring im Rhein-Sieg-Kreis, standen die Kontrollen direkt an bekannten Unfallschwerpunkten. In Großstädten wie Hamburg lag der Fokus eher auf E-Scootern und Pedelecs.
Kontrolliert werden dürfte neben der Geschwindigkeit vor allem der technische Zustand der Maschine: Bremsen, Reifen, Beleuchtung und die Gesamtverkehrstauglichkeit. Die Schutzausrüstung wird ebenfalls überprüft, wobei in Deutschland zwar keine allgemeine Schutzkleidungspflicht besteht, die Polizei aber auf Prävention und Aufklärung setzt. In der Rheinpfalz beispielsweise flossen die gestiegenen Unfallzahlen motorisierter Zweiräder direkt in die Begründung der Kontrollmaßnahmen ein.
Auch in Großbritannien weitet die NPCC (National Police Chiefs’ Council) die Motorradkontrollen 2026 aus: Dort läuft die „2Wheel Operation“ sogar zwei Wochen lang, vom 1. bis 14. Juni, also über den ROADPOL-Zeitraum hinaus. Bereits im März 2026 ist dort eine separate „Engagement Operation for Motorcyclists“ geplant, die sich an Freizeitfahrer richtet, die nach der Winterpause erstmals wieder auf die Maschine steigen.
Was sagt der ADAC zu den Kontrollwochen?
Der ADAC bewertet die ROADPOL-Aktionswochen grundsätzlich positiv. Die Kontrollen leisteten einen Beitrag zur Verkehrssicherheit, da sie den Verkehrsteilnehmern die Gefahren schnellen Fahrens bewusst machten und entsprechend sensibilisierten. Diese Wirkung entstehe durch die intensive Medienberichterstattung und betreffe damit nicht nur Personen, die tatsächlich kontrolliert werden, sondern einen deutlich größeren Personenkreis. Allerdings könnten mit einer einzelnen Aktion nicht alle Risiken im Straßenverkehr dauerhaft beseitigt werden.
Ulrich Chiellino, Verkehrspsychologe und Leiter der ADAC Verkehrspolitik, betonte die Vorbildfunktion im Straßenverkehr: „Die Geschwindigkeit ist an die Umgebung anzupassen. So gesehen ist ein Tempolimit auch als Limit und nicht als Empfehlung zu verstehen. Jeder Verkehrsteilnehmende sollte sein Verhalten immer wieder hinterfragen und falls nötig verändern. Wir alle sind aufgefordert, mehr Achtung zu zeigen.“ (“Speed must be adapted to the environment. In this sense, a speed limit should be understood as a limit, not a recommendation. Every road user should continually question their behaviour and change it if necessary. We are all called upon to show more consideration.”)
Häufige Fragen
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Wann findet die ROADPOL Operation Two-Wheelers 2026 statt?
Die ROADPOL Operation Two-Wheelers 2026 läuft vom 1. bis 7. Juni 2026. Polizeibehörden aus über 30 europäischen Ländern beteiligen sich an der koordinierten Kontrollwoche, die sich an alle Zweiradfahrer richtet.
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Was wird bei der Operation Two-Wheelers kontrolliert?
Die Polizei kontrolliert vier Bereiche: den technischen Zustand des Fahrzeugs (Bremsen, Reifen, Beleuchtung), die Schutzausrüstung (Helm, Protektoren, Handschuhe), die Sichtbarkeit im Verkehr und das allgemeine Fahrverhalten. Es geht also nicht nur um Geschwindigkeit, sondern um eine umfassende Überprüfung.
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Welche Erfahrungen gab es bei der Pilotaktion 2025?
Die dreitägige Pilotphase fand vom 21. bis 23. Mai 2025 statt. Allein in Sachsen wurden 1.641 Zweiräder kontrolliert, in der Rheinpfalz 614 Fahrzeuge mit 164 festgestellten Verstößen. Die positiven Erfahrungen führten dazu, dass ROADPOL die Aktion 2026 auf eine ganze Woche ausdehnte.
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Betrifft die Operation Two-Wheelers nur Motorräder?
Nein, die Kontrollen richten sich an alle Zweiradfahrer. Neben Motorrädern und Mopeds werden auch Fahrräder, Pedelecs und E-Scooter kontrolliert. Bei der Pilotaktion 2025 entfiel ein erheblicher Teil der Kontrollen auf Scooter und Fahrräder.
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Drohen während der Kontrollwoche höhere Strafen?
Es gelten die regulären Bußgelder und Sanktionen für Verkehrsverstöße. Die Operation Two-Wheelers führt keine Sonderbußgelder ein, sondern erhöht die Kontrolldichte. Wer mit technischen Mängeln, ohne ausreichende Schutzausrüstung oder unter Alkohol- und Drogeneinfluss unterwegs ist, muss mit den üblichen Konsequenzen rechnen.











