- Seit September 2025 liegen an sieben Stellen Rüttelstreifen, nachdem es 2023 und 2024 zu 19 Unfällen mit zwei Toten kam
- Ein Busunternehmer berichtet von Schäden an seinen Bussen, in Oberhof wird über den Abbau der Streifen diskutiert
- Die Unfallkommission berät im November über die Zukunft der Streifen
Die Strecke zwischen Zella-Mehlis und Oberhof in Südthüringen ist bei Motorradfahrern beliebt. Sie ist aber auch für schwere Unfälle bekannt. Deshalb ziehen sich seit gut einem Jahr Rüttelstreifen quer über die Fahrbahn. Wer heute nach der Bilanz der Rüttelstreifen bei Oberhof fragt, bekommt sehr unterschiedliche Antworten. Manche Motorradfahrer spüren die Streifen kaum. Ein Busunternehmer zahlt für Schäden an seinen Fahrzeugen, und in Oberhof stören sich viele am Lärm. Der Fall zeigt, wie umstritten bauliche Maßnahmen gegen Raser an beliebten Motorradstrecken sein können.

Warum wurden zwischen Zella-Mehlis und Oberhof Rüttelstreifen aufgebracht?
Die Rüttelstreifen sind eine Reaktion auf die hohe Zahl schwerer Unfälle auf der Strecke. In den Jahren 2023 und 2024 krachte es dort 19 Mal, zwei Menschen kamen ums Leben.
Die Unfallkommission des Landkreises Schmalkalden-Meiningen empfahl daraufhin bauliche Maßnahmen. Im September 2025 wurden an sieben unfallkritischen Stellen jeweils mehrere Streifen quer über die Fahrbahn gezogen. Sie sind etwa zwei Zentimeter hoch. Beim Überfahren rüttelt es spürbar und es entsteht ein lautes Geräusch. Das soll Fahrer dazu bringen, langsamer zu fahren. Eine der betroffenen Stellen ist die Sterngrundkurve.
Haben die Rüttelstreifen die Zahl der Unfälle gesenkt?
Eine belastbare Antwort gibt es noch nicht. Die Landespolizeiinspektion Suhl will eine vollständige Unfallstatistik frühestens Ende Oktober vorlegen.
Polizeisprecherin Julia Kohl bestätigt aber, dass es auch nach dem Aufbringen der Streifen Unfälle mit Motorrädern gab. Nicht immer war zu hohes Tempo der Grund. Die Polizei nennt auch Vorfahrtsfehler und Fahrfehler innerhalb von Motorradgruppen als Ursachen. An warmen Tagen ist die Polizei auf der Strecke selbst mit Motorrädern auf Streife.
Wie gefährlich Vorfahrtsfehler sein können, zeigte ein Unfall an einem Sonntagnachmittag Ende September. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei übersah ein 25-jähriger Autofahrer am Rondell bei Oberhof einen 36-jährigen Motorradfahrer. Das Auto fuhr auf die Straße, das Motorrad prallte ungebremst in die Seite des Wagens. Der Motorradfahrer wurde lebensgefährlich verletzt und mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Auch der Autofahrer kam verletzt ins Krankenhaus. Ein Gutachter war im Einsatz, der Schaden liegt bei rund 50.000 Euro (circa 57.500 US-Dollar). Die Strecke blieb gut zweieinhalb Stunden gesperrt.

Wie reagieren Motorradfahrer auf die Rüttelstreifen?
Viele Motorradfahrer lassen sich von den Streifen offenbar kaum beeindrucken. Ein Fahrer an der Sterngrundkurve sagt, er spüre die Streifen gar nicht. Er nutze sie sogar als Orientierung für seinen Bremspunkt.
In Oberhof kommt man zu einem ähnlichen Ergebnis. Dort heißt es, am eigentlichen Problem mit den Rasern habe sich durch die Streifen nichts geändert. Kritisiert wird außerdem, dass manche Fahrer vor den Streifen plötzlich stark bremsen und dadurch neue Gefahren entstehen. Etwas anders sieht es der Leiter des Rennsteiggartens, der direkt an der Strecke liegt. Er beobachtet zwar weniger Raser, allerdings habe sich das Problem auf einen anderen Abschnitt verlagert. Einig sind sich die Beteiligten darin, dass nur ein kleiner Teil der Motorradfahrer für Ärger sorgt.
Welche Folgen haben die Rüttelstreifen für Busse und Anwohner?
Für den Busverkehr und die Anwohner bringen die Streifen spürbare Nachteile. Ein Busunternehmer berichtet von Schäden an seinen Fahrzeugen, in Oberhof stört vor allem der Lärm.
Volker Gröschel fährt mit seinen Bussen täglich zehnmal bergauf und zehnmal bergab über die Strecke. Er berichtet von Rückenproblemen bei seinen Fahrern und von Beschwerden der Fahrgäste. Hinzu kommen Schäden an den Bussen. Gröschel nennt Rechnungen über 17.000 Euro (circa 19.550 US-Dollar), 10.000 Euro (circa 11.500 US-Dollar) und 7.000 Euro (circa 8.050 US-Dollar). Nach seiner Einschätzung fahren manche Motorradfahrer am Wochenende bis zu 200 km/h. Er fordert deshalb ein Fahrverbot für Motorräder an Wochenenden.
In Oberhof richtet sich der Unmut vor allem gegen den Lärm. Zu den laut aufheulenden Motoren komme nun noch das Klacken der Streifen hinzu, das je nach Wind bis in die Umgebung zu hören sei.
Was fordert die Stadt Oberhof?
Im Oberhofer Stadtrat gibt es breite Unterstützung dafür, die Rüttelstreifen wieder abzubauen. Stadtrat Sebastian Haseney (WGO) stört sich am Lärm und daran, dass die Streifen die Raser nicht stoppen.
Auch die Stadtverwaltung hält die Streifen für wirkungslos. Sie möchte mit dem Landesamt für Bau und Verkehr über die Lage sprechen, ein Termin dafür steht aber noch aus. Der Leiter des Rennsteiggartens begrüßt zwar, dass die Behörden überhaupt gehandelt haben. Eine dauerhafte Lösung sieht er in den Streifen aber ebenfalls nicht.
Wie geht es mit den Rüttelstreifen weiter?
Die Entscheidung fällt im November. Dann berät die Unfallkommission des Landkreises Schmalkalden-Meiningen über die Zukunft der Streifen.
Bis dahin soll auch die vollständige Unfallstatistik der Polizei vorliegen, die frühestens Ende Oktober erwartet wird. Auf dem Tisch liegen damit mehrere Positionen: der Abbau der Streifen, wie ihn der Oberhofer Stadtrat fordert, ein Wochenendfahrverbot für Motorräder, wie es der Busunternehmer verlangt, und die Suche nach anderen Lösungen.
Häufige Fragen
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Wie fällt die Bilanz der Rüttelstreifen bei Oberhof nach einem Jahr aus?
Die Bilanz ist gemischt. Viele Raser lassen sich von den Streifen nicht beeindrucken, gleichzeitig gibt es Klagen über Lärm und Schäden an Bussen. Die offizielle Unfallstatistik der Polizei soll frühestens Ende Oktober vorliegen.
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Warum passieren zwischen Zella-Mehlis und Oberhof so viele Unfälle?
Nach Angaben der Polizei ist nicht nur zu hohes Tempo die Ursache. Auch Vorfahrtsfehler und Fahrfehler in Motorradgruppen führen zu Unfällen. In den Jahren 2023 und 2024 gab es auf der Strecke 19 Unfälle mit zwei Toten.
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Wann wird über den Abbau der Rüttelstreifen entschieden?
Die Unfallkommission des Landkreises Schmalkalden-Meiningen berät im November über die Zukunft der Streifen. Im Oberhofer Stadtrat gibt es breite Unterstützung für einen Abbau.
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Gibt es ein Fahrverbot für Motorräder zwischen Zella-Mehlis und Oberhof?
Nein, die Strecke ist für Motorräder weiterhin frei befahrbar. Der Busunternehmer Volker Gröschel fordert allerdings ein Fahrverbot für Motorräder an Wochenenden.











