- Sportchef Paolo Pavesio wirft Quartararo widersprüchliche Kritik und fehlende Objektivität vor
- Beim Test am Red Bull Ring schickt Yamaha Toprak Razgatlioglu und voraussichtlich Izan Guevara auf die Strecke
- Meregalli begründet den Ausschluss damit, dass alle Hersteller ihre wechselnden Fahrer aussperren
Der Abschied von Fabio Quartararo bei Yamaha läuft nicht geräuschlos ab. Nach dem Aragon-Wochenende hatte der Weltmeister von 2021 angekündigt, dem Hersteller nicht mehr bei der Entwicklung für 2027 zu helfen. Auslöser war das Verbot, beim Test in Österreich die neuen Pirelli-Reifen zu fahren. Jetzt haben sich zwei Yamaha-Verantwortliche zu Wort gemeldet und die Kritik zurückgewiesen.

Was wirft Yamaha Fabio Quartararo vor?
Yamaha wirft ihm vor, sich zu widersprechen. Paolo Pavesio, als Executive Director für Yamaha Motor Racing zuständig, sagte in einem Zeitungsinterview: „Fabio beschwert sich regelmäßig darüber, dass wir das Motorrad nicht weiterentwickeln. Und wenn wir ihn bitten, neue Teile zu testen, kritisiert er uns dafür und sagt, er verliere den Faden.“
Pavesio spricht dem Fahrer daraufhin einen Teil seiner Urteilsfähigkeit ab. Ihm fehle ein wenig Objektivität. Gleichzeitig räumt er ein, dass Yamaha nicht auf dem gewünschten Niveau sei, man versuche aber wie die Konkurrenz voranzukommen. Damit verteidigt er auch die Bauteile, die Quartararo in Aragon bewerten sollte und die dieser als wirkungslos beschrieben hatte.
Warum stellt Meregalli ausgerechnet Jack Miller als Vorbild hin?
Weil Miller in derselben Lage steckt und trotzdem liefert. Der Australier verliert nach dieser Saison seinen MotoGP-Platz, fuhr in Aragon aber das beste Yamaha-Ergebnis heraus. Teamdirektor Massimo Meregalli sagte dazu: „Fabio sollte sich ein Beispiel an Jack nehmen. Er gibt immer alles und sorgt dafür, dass die Stimmung auch in schwierigen Zeiten gut bleibt.“
Der Vergleich zielt weniger auf Rundenzeiten als auf Haltung. Miller verpasste im Sprint einen WM-Punkt um eine Zehntelsekunde und wäre im Grand Prix fast Zehnter geworden, erst zum Schluss verlor er eine Position an Brad Binder. Quartararo beendete dasselbe Rennen als Letzter.

Wer testet für Yamaha in Spielberg?
Yamaha setzt beim Montagstest nach dem Grand Prix von Österreich auf Toprak Razgatlioglu und mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Izan Guevara. Meregalli begründet das damit, dass beide 2027 noch zum Hersteller gehören. Guevara steigt zur kommenden Saison bei Pramac in die MotoGP auf.
Der Termin ist für die Fahrer wertvoll, weil Pirelli ab 2027 alleiniger Reifenausrüster wird und gleichzeitig der Hubraum auf 850 Kubikzentimeter sinkt. Quartararo wollte dort einen Tag mit den neuen Reifen fahren, Yamaha hat das abgelehnt.
Stimmt Yamahas Begründung, dass alle Hersteller so handeln?
Nicht ganz. Meregalli nennt als Beleg, dass Jorge Martin und Ai Ogura die Aprilia nicht testen würden, Francesco Bagnaia nicht die Ducati und Pedro Acosta nicht die KTM. Auch Jack Miller bekomme die 850er-Yamaha nicht. Beim vergleichbaren Test im Juni sah es allerdings anders aus: Dort saßen mit Acosta, Joan Mir und Luca Marini gleich drei Fahrer auf der 2027er-Technik, die im nächsten Jahr die Marke wechseln.
Ob KTM Acosta in Spielberg erneut fahren lässt, ist offen. An Yamahas Entscheidung ändert das nichts.

Wie alt ist der Streit um den V4 wirklich?
Deutlich älter als das Aragon-Wochenende, und er hängt an der Motorenfrage. Quartararo beschreibt, dass sich das Verhältnis schon vorher eingetrübt habe, vor allem wegen der Diskussionen über das Motorrad für 2026. Für ihn sei die Sache klar gewesen, man hätte beim Reihenvierzylinder bleiben müssen. Dass Yamaha am Ende auf den V4 setzte, sei schwer zu akzeptieren gewesen.
Laut Medienberichten hatte er den Reihenvierzylinder bereits seit 2023 immer wieder eingefordert. Auch der Ärger um die Pirelli-Reifen ist nicht neu, denn schon beim Test in Brünn im Juni soll Yamaha ihn nicht auf die neuen Mischungen gelassen haben.
Für die Saison 2026 bedeutet der offene Schlagabtausch, dass Yamaha die letzten Rennen mit einem Werksfahrer bestreitet, dessen Rückmeldungen für das entscheidende 850er-Projekt nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen. Es ist die letzte Saison mit den 1000er-Prototypen, entsprechend zählt jede Testrunde doppelt.

➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.
Häufige Fragen
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Was wirft Yamaha Quartararo konkret vor?
Sportchef Paolo Pavesio hält ihm vor, sich zu widersprechen. Er beklage fehlende Entwicklung, kritisiere die neuen Teile aber, sobald er sie testen solle. Zudem fehle ihm ein wenig Objektivität.
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Warum darf Quartararo den Pirelli-Test in Österreich nicht fahren?
Yamaha lässt nur Fahrer auf die neuen Reifen, die 2027 noch zur Marke gehören. Das sind Toprak Razgatlioglu und voraussichtlich Izan Guevara. Quartararo wechselt zur kommenden Saison zu Honda.
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Warum wollte Quartararo den Reihenvierzylinder behalten?
Er hielt den Reihenvierzylinder für die bessere Grundlage und hat ihn laut Medienberichten seit 2023 wiederholt gefordert. Yamaha entschied sich stattdessen für den V4, was Quartararo nach eigenen Worten schwer zu akzeptieren fand.












