- Operation im Quirón-Dexeus-Hospital in Barcelona planmäßig verlaufen
- Von vier zunächst angenommenen Wirbelbrüchen bestätigten sich zwei Frakturen an T3 und T4
- Nakagami und Stefan Bradl übernehmen vorerst das Honda-Testprogramm
Mehr als eine Woche lang war es still geworden um Aleix Espargaro. Nach unserer ersten Meldung zum schweren Sturz bei den Honda-Testfahrten in Malaysia drangen kaum noch Informationen über den Zustand des Katalanen nach außen. Jetzt liegen neue Details vor: Die Operation an der Wirbelsäule ist durchgeführt worden und verlief nach Angaben aus dem behandelnden Quirón-Dexeus-Hospital in Barcelona planmäßig. Dem Rennsportprofi, der sich akribisch fit hält und bis vor kurzem parallel als Profi-Radsportler im Team Lidl-Trek aktiv war, geht es den Umständen entsprechend gut.

Der Unfallhergang in Sepang
Der Sturz hatte sich vor gut einer Woche bei privaten Testfahrten in Malaysia ereignet. Espargaro war gemeinsam mit Taka Nakagami für ein dreitägiges Programm angereist, bei dem sowohl die aktuelle RC213V als auch der 850-ccm-Prototyp RC214V für die Saison 2027 auf dem Plan standen. Bereits am ersten Testtag, einem Dienstag, ging der Katalane auf der ihm bestens vertrauten Strecke hart zu Boden. Über die genauen Umstände des Crashs, die betroffene Kurve und auch darüber, mit welcher der beiden Maschinen Espargaro gestürzt war, gibt es bis heute keine offiziellen Angaben. Anschließend wurde er mit Knochenbrüchen in das Aurelius University Hospital in Nilai gebracht, das nur rund 13 Kilometer von der Rennstrecke entfernt liegt. Dort blieb er bis zum Sonntag unter medizinischer Beobachtung.
Erste Einschätzung: Vier Wirbelbrüche und knapp dem Schlimmsten entkommen
Am 9. April meldete sich der Spanier erstmals aus dem Krankenhaus zu Wort. Auf seinem Instagram-Account schilderte er den Vorfall mit deutlichen Worten: „Am Dienstag hatte ich hier in Sepang während des Tests einen sehr schweren Sturz. Dabei zog ich mir mehrere Prellungen und vier Wirbelbrüche zu. Wenn auch nur knapp, wurde glücklicherweise das Rückenmark nicht beeinträchtigt.“ Espargaro bedankte sich beim Klinikpersonal in Malaysia und kündigte die Heimreise an. Seine Frau Laura Montero war kurzfristig nach Malaysia gereist, um ihn zu unterstützen. In seinem Social-Media-Beitrag nahm er die Situation mit einer Prise Selbstironie und schrieb, er habe aufgehört zu zählen, wie oft Laura ihm bereits vom anderen Ende der Welt zu Hilfe geeilt sei. Der Katalane schloss seinen Beitrag mit den Worten, man möge den Schrecken entschuldigen, er werde zurückkommen.

Operation im Quirón-Dexeus-Hospital in Barcelona
Nach einigen Tagen der Stabilisierung erfolgte der Rücktransport im Liegendflug in die Heimat. In Barcelona wurde Espargaro im Universitätskrankenhaus Quirón Dexeus eingeliefert und umfassend untersucht. Die Ärzte kamen dabei zu dem Schluss, dass eine Operation die beste Behandlungsoption darstellt. Der Eingriff fand am Mittwoch statt und wurde von Neurochirurg Bartolome Fiol Busquets geleitet, der auf Wirbelsäulenchirurgie spezialisiert ist. Im Fokus standen Brüche an den Brustwirbeln T3 und T4 (die Brustwirbel sind Teil der Wirbelsäule und liegen im oberen Rückenbereich auf Höhe des Brustkorbs). Zusätzlich stabilisierten die Chirurgen zwei weitere Wirbel, die ursprünglich ebenfalls als gebrochen galten, sich bei den Untersuchungen in Barcelona aber als beschädigt, jedoch nicht gebrochen herausgestellt hatten. Die ursprünglich angenommenen vier Wirbelbrüche reduzierten sich damit auf zwei bestätigte Frakturen. Nach Informationen von SPEEDWEEK.com verlief der Eingriff planmäßig.
Vor dem Eingriff hatte sich Espargaro bereits über die Härte der Situation geäußert: „Dieses Mal war es brutal. Aber wir müssen kämpfen und wie immer positiv bleiben, um vollständig zu genesen, und erst recht mit einer so großartigen Reisebegleiterin an meiner Seite! Danke an alle für die aufmunternden Nachrichten!“
Offene Frage nach dem Comeback
Wann Espargaro wieder auf ein MotoGP-Motorrad steigen kann, ist aktuell nicht abzuschätzen. Darüber hinaus liegen derzeit keine weiteren Informationen zum Heilungsverlauf vor. Als sicher gilt, dass der Unfall Spuren im Testprogramm hinterlassen wird. Ein Blick auf den Vorfall von Pol Espargaro, dem jüngeren Bruder und heutigen KTM-Tester, zeigt, wie lange eine vergleichbare Verletzung zurückwerfen kann. Pol hatte sich 2023 beim Saisonauftakt in Portimao ebenfalls Wirbelbrüche zugezogen. Bis zu seinem Rennen in Assen vergingen damals rund drei Monate, und selbst diesen Zeitpunkt bezeichnete er rückblickend als eigentlich zu früh.
Ein möglicher Wildcard-Einsatz beim Spanien-GP in Jerez am 24. bis 26. April, der offiziell nicht angekündigt war, aber durchaus im Bereich des Denkbaren lag, dürfte damit vom Tisch sein. Unmittelbar nach dem Grand Prix am Montag steht der erste von insgesamt vier In-Season-Tests der Saison 2026 auf dem Programm.

Folgen für Hondas Entwicklungsprogramm
Für den japanischen Hersteller kommt der Ausfall zu einem äußerst unpassenden Zeitpunkt. Espargaro spielt eine zentrale Rolle bei Hondas MotoGP-Entwicklung. Sein Fokus lag in den ersten Monaten der Saison auf der Weiterentwicklung der aktuellen 1000-ccm-RC213V, konkret auf Chassis, Schwinge und Aerodynamik. Das erklärte Ziel bis zu den Tests in Brno: eine Lösung für das größte Defizit des Honda-Bikes zu finden, die mangelnde Traktion. Parallel dazu arbeitete Nakagami bereits am 850er-Nachfolger RC214V, der ab 2027 mit Pirelli-Reifen nach dem neuen technischen Reglement zum Einsatz kommen wird. Honda hatte den 850er-Prototyp erstmals im Dezember 2025 auf die Strecke gebracht. Nach dem Grand Prix von Tschechien sollte Espargaro die Führungsrolle in der Entwicklung des 2027er-Bikes übernehmen.
Mit einer schnellen Rückkehr der insgeheimen Test-Nummer-1 bei Honda ist nicht zu rechnen. Folglich dürfte Nakagami in den kommenden Wochen und Monaten für beide Honda-Varianten zuständig sein, also sowohl für die 1000er als auch für den 850er-Prototyp. Als dritte Kraft steht nach wie vor auch Stefan Bradl offiziell für Testaufgaben zur Verfügung. Das Honda-Werksteam selbst kann bei den anstehenden Testterminen zudem auf seine vier Stammfahrer zurückgreifen, die neue Teile erproben können. Die Entwicklungsarbeit kommt also nicht vollständig zum Erliegen, verliert mit Espargaro aber einen ihrer wichtigsten Impulsgeber.

Häufige Fragen
-
Wie schwer hat sich Aleix Espargaro beim Honda-Test in Sepang verletzt?
Espargaro erlitt nach dem Sturz zunächst die Diagnose von vier Wirbelbrüchen und mehreren Prellungen. Bei den Untersuchungen in Barcelona stellte sich jedoch heraus, dass nur die Brustwirbel T3 und T4 tatsächlich gebrochen waren. Das Rückenmark wurde nach seinen eigenen Angaben nur knapp nicht in Mitleidenschaft gezogen.
-
Wo wurde Aleix Espargaro operiert?
Der Eingriff fand im Quirón-Dexeus-Hospital in Barcelona statt und wurde vom auf Wirbelsäulenchirurgie spezialisierten Neurochirurgen Bartolome Fiol Busquets geleitet. Im Zuge der Operation wurden die Brüche an T3 und T4 behandelt sowie zwei weitere Wirbel stabilisiert.
-
Wann kehrt Aleix Espargaro zu Honda als Testfahrer zurück?
Ein Zeitpunkt für die Rückkehr auf das MotoGP-Motorrad ist bislang nicht bekannt. Ein Vergleich mit seinem Bruder Pol Espargaro, der sich 2023 eine ähnliche Verletzung zuzog und nach rund drei Monaten zurückkehrte, legt aber einen mehrmonatigen Ausfall nahe.
-
Wer übernimmt bei Honda das Testprogramm während Espargaros Ausfall?
Taka Nakagami wird vorerst sowohl die Weiterentwicklung der aktuellen 1000-ccm-RC213V als auch die Arbeit am 850er-Prototyp RC214V für die Saison 2027 stemmen. Zusätzlich steht Stefan Bradl weiterhin als dritte Kraft für Testaufgaben bereit.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.
- BRIDGESTONE 24758Bridgestone – Battlax Hypersport S23 – 180/55 Zr17 Tl 73(w) Rear – Sommerreifen








