- Brivio wechselt 2027 als Berater zu Honda HRC
- Alberto Puig bleibt Teammanager, seine Rolle verändert sich
- Honda stellt sein MotoGP-Projekt mit japanischer Führung und europäischer Expertise neu auf
Die Nachricht platzte am Samstag während des Grand Prix von Frankreich in Le Mans ins Fahrerlager: Davide Brivio wird das Trackhouse-Aprilia-Team am Ende der laufenden Saison verlassen und 2027 in die Führungsstruktur von Honda Racing Corporation (HRC) eintreten. Zuerst berichtete Sky Sport Italien über den Wechsel, bestätigt wurde er anschließend von Motorsport.com. Offiziell kommuniziert hat bislang keine der beteiligten Parteien.

Welche Rolle übernimmt Davide Brivio bei Honda?
Brivio wird bei HRC nicht die Position des Teammanagers besetzen. Stattdessen soll er eine übergeordnete Beraterrolle einnehmen, die auf strategische Vision und organisatorische Gesamtstruktur ausgerichtet ist. Laut dem Sky-Bericht des Journalisten Rosario Triolo löst sich Brivio damit von der direkten operativen Arbeit an der Rennstrecke und konzentriert sich auf die langfristige Ausrichtung des MotoGP-Projekts. Dazu gehören die Organisation des Testteams, der Informationsfluss zwischen Strecke und Werk sowie die grundsätzliche Aufstellung des Rennbetriebs.
Alberto Puig, seit 2018 Teammanager bei Honda, bleibt in der Struktur. Sein Vertrag läuft zwar Ende der aktuellen Saison aus, soll aber verlängert werden. Puigs Aufgabenfeld dürfte sich allerdings verändern: Er soll sich künftig stärker auf die Arbeit mit den Fahrern konzentrieren und als Bindeglied zwischen den Piloten und der Fabrik fungieren. Damit würde eine Aufteilung entstehen, bei der Brivio die strategische Gesamtplanung verantwortet und Puig die operative Fahrerbetreuung übernimmt.
Warum holt Honda ausgerechnet Brivio?
Die Entscheidung für Brivio folgt einer klaren Logik. Der 61-jährige Italiener verfügt über eine der beeindruckendsten Karrieren im MotoGP-Management. Anfang der 2000er Jahre spielte er bei Yamaha eine Schlüsselrolle beim Aufbau des Teams rund um Valentino Rossi und später Jorge Lorenzo. Unter seiner Führung entriss Yamaha der Konkurrenz von Honda mehrere Weltmeistertitel. Anschließend war Brivio maßgeblich an der Rückkehr des Suzuki-Werksteams in die MotoGP im Jahr 2015 beteiligt. Den Höhepunkt seiner Suzuki-Zeit markierte 2020 der überraschende WM-Titel von Joan Mir, der mit einem vergleichsweise kleinen Budget und einer methodischen Herangehensweise gelang.

Für Honda ist gerade die Suzuki-Parallele interessant. Das damalige Suzuki-Projekt ähnelte der aktuellen Situation bei HRC: ein Hersteller mit großem Namen, aber ohne Ergebnisse auf der Strecke. Honda hat seit drei Saisons kein Rennen mehr gewonnen und sucht nach einem Weg zurück an die Spitze. Brivio hat bewiesen, dass er aus schwierigen Ausgangssituationen Erfolge formen kann, und genau das erwartet Honda offenbar von ihm.
Nach dem Titelgewinn mit Suzuki wechselte Brivio 2021 überraschend in die Formel 1 zu Alpine. Dort startete er als Renndirektor, übernahm anschließend verschiedene Rollen innerhalb der Organisation und verließ das Team Ende 2023. Im Frühjahr 2024 kehrte er als Teamchef des neu gegründeten Trackhouse-Teams in die MotoGP zurück.
Was bedeutet der Wechsel für Trackhouse?
Für das US-amerikanische Team von Justin Marks ist der Abgang ein harter Schlag. Trackhouse hatte erst Ende 2023 die RNF-Struktur übernommen und sich unter Brivios Leitung etabliert. In der vergangenen Saison feierte das Team mit Raul Fernandez in Phillip Island seinen ersten MotoGP-Sieg.
Der Zeitpunkt ist für Trackhouse doppelt ungünstig: Erst wenige Wochen zuvor hatte Ai Ogura seinen Wechsel zu Yamaha für 2027 bekanntgegeben. Damit verliert das Satellitenteam von Aprilia innerhalb kurzer Zeit sowohl seinen Teamchef als auch einen seiner Fahrer. Die Fahrerbesetzung für 2027 ist derzeit noch offen. Als möglicher Nachfolger von Ogura wurde zuletzt Franco Morbidelli gehandelt. Ob der Brivio-Abgang Einfluss auf diese Verhandlungen hat, ist unklar.
Wie baut Honda sein MotoGP-Projekt um?
Die Verpflichtung von Brivio ist nur ein Baustein in einer umfassenden Umstrukturierung, die Honda seit mehreren Jahren vorantreibt. Bereits 2024 wurde der damalige HRC-Geschäftsführer Tetsuhiro Kuwata durch Taichi Honda ersetzt, der aus der Offroad-Abteilung des Unternehmens kam. Für die Saison 2025 verpflichtete Honda den ehemaligen Aprilia-Technikdirektor Romano Albesiano als Technischen Direktor für das MotoGP-Projekt.
Anfang 2026 folgte die Versetzung von Hikaru Tsukamoto, dem bisherigen Präsidenten der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, der direkten Einfluss auf das MotoGP-Programm und den gesamten Zweiradbereich hatte. Tsukamoto wurde nach China versetzt. Beim Saisonauftakt in Buriram (Thailand) verabschiedete er sich vom Paddock-Personal.
Eine auffällige Veränderung betrifft die interne Machtverteilung: Japanische Manager haben in den vergangenen Monaten eine deutlich aktivere Rolle übernommen als in früheren Jahren. Die Verpflichtung von Fabio Quartararo, der ab 2027 als Nummer-eins-Fahrer bei Honda vorgesehen ist, wurde direkt von Taichi Honda verhandelt. Auch die Entscheidung, Johann Zarcos Vertrag um zwei weitere Jahre bis Ende 2027 zu verlängern, ging auf die japanische Führungsgruppe zurück. Letztere Entscheidung sorgte im Fahrerlager durchaus für Verwunderung.

Wie sieht Hondas Fahrerkader für 2027 aus?
Obwohl die offizielle Bestätigung der meisten Fahrerverträge noch aussteht, weil die Verhandlungen zwischen der MotoGP Sports Entertainment Group als Serienpromoter und den Herstellern beziehungsweise Teams noch laufen, zeichnet sich das Bild bereits ab. Quartararo hat einen gesicherten Platz in der Werksteam-Box von HRC. Als sein Teamkollege ist David Alonso vorgesehen, der bereits einen Vorvertrag unterzeichnet hat. Zarco und Diogo Moreira sollen weiterhin im LCR-Satellitenteam fahren.
Die aktuellen Honda-Werkspiloten Joan Mir und Luca Marini haben auslaufende Verträge zum Ende der Saison 2026. Für sie zeichnet sich keine Fortsetzung im Werksteam ab.
Wird Honda 2027 mit sechs Motorrädern antreten?
In den vergangenen Wochen wurde intensiv darüber spekuliert, ob Honda sein MotoGP-Aufgebot 2027 auf sechs Motorräder erweitern und dafür eine Zusammenarbeit mit dem französischen Tech3-Team eingehen könnte. Nach den jüngsten Gesprächen beim Grand Prix von Frankreich in Le Mans scheint diese Option jedoch deutlich unwahrscheinlicher geworden zu sein. Derzeit deutet alles darauf hin, dass Tech3 unter der Leitung von Günther Steiner bei KTM bleiben wird.

Was macht den Wechsel so besonders?
Die Ironie der Personalentscheidung ist unübersehbar: Der Mann, der Honda über Jahre hinweg bei Yamaha und Suzuki Titel abgenommen hat, soll nun ausgerechnet für den japanischen Konzern den Weg zurück zum Erfolg ebnen. Brivio wird bei HRC auf Entscheidungen treffen, die bereits ohne ihn gefallen sind. Die Fahrerbesetzung steht im Wesentlichen fest, und auch die technische Entwicklungsrichtung für die kommende 850-Kubikzentimeter-Ära ab 2027 ist definiert.
Honda scheint erkannt zu haben, dass die bisherige, eher hierarchisch geprägte Organisationsstruktur den Anforderungen des modernen MotoGP-Wettbewerbs nicht mehr genügt. Die Kombination aus japanischer Führungskompetenz und europäischer Managementerfahrung, wie sie Brivio mitbringt, soll die nötige Brücke schlagen. Ob dieser Ansatz funktioniert, wird sich zeigen. Das neue Reglement 2027 bietet allen Herstellern die Chance auf einen Neuanfang, und Honda will diese Gelegenheit mit einer grundlegend veränderten Aufstellung nutzen.

Häufige Fragen
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Wann wechselt Davide Brivio zu Honda?
Brivio soll ab der MotoGP-Saison 2027 bei Honda Racing Corporation (HRC) tätig sein. Er verlässt das Trackhouse-Aprilia-Team am Ende der laufenden Saison 2026.
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Welche Rolle bekommt Davide Brivio bei Honda HRC?
Brivio übernimmt eine übergeordnete Beraterrolle mit Fokus auf strategische Vision und organisatorische Gesamtstruktur. Er wird nicht Teammanager, diese Position behält Alberto Puig.
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Wer fährt 2027 für das Honda-Werksteam?
Fabio Quartararo hat einen gesicherten Platz als Nummer-eins-Fahrer. Als sein Teamkollege ist David Alonso vorgesehen, der bereits einen Vorvertrag unterzeichnet hat.
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Was passiert mit Trackhouse nach Brivios Abgang?
Trackhouse verliert neben Brivio auch Fahrer Ai Ogura, der zu Yamaha wechselt. Die Fahrerbesetzung für 2027 ist noch offen, als möglicher Neuzugang wurde Franco Morbidelli gehandelt.
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Bleibt Alberto Puig Teammanager bei Honda?
Puigs Vertrag läuft Ende 2026 aus, soll aber verlängert werden. Seine Rolle dürfte sich verändern: Er soll sich künftig stärker auf die Fahrerbetreuung konzentrieren und als Bindeglied zwischen Piloten und Fabrik fungieren.

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