- 20 neue Sur-Ron Ultra Bee, Einsatz bisher in sieben Londoner Bezirken
- Bis zu 80 km/h, als Kraftfahrzeug zugelassen und versichert
- Über 2.500 illegale E-Bikes und E-Scooter hat die Met allein in diesem Jahr sichergestellt
In London gehören Handydiebstähle seit Jahren zum Alltag. Täter fahren auf leichten, schnellen Elektro-Zweirädern an ihr Opfer heran, greifen zu und verschwinden durch Gassen, Parks und Fußgängerzonen. Streifenwagen und schwere Polizeimotorräder bleiben dabei regelmäßig zurück. Am 27. August 2026 hat die Metropolitan Police deshalb eine deutlich größere Antwort vorgestellt: Ihre Flotte an Sur-Ron Ultra Bee wächst von fünf auf 25 Maschinen. Es sind genau jene Elektro-Offroader, die die Polizei sonst einzieht, wenn sie illegal im Straßenverkehr auftauchen.

Warum setzt die Londoner Polizei ausgerechnet auf Sur-Ron?
Weil die Täter dieselben Maschinen fahren. Die Met begründet den Kauf damit, dass Banden mit E-Bikes und Mopeds Straftaten begehen und danach dorthin flüchten, wo klassische Einsatzfahrzeuge nicht hinkommen. Die leichten Maschinen schlüpfen durch stehenden Verkehr, fahren enge Straßen und kommen auch über Treppen. Damit erreichen die Beamten Orte, die für Polizeimotorräder und Streifenwagen tabu sind.
Louise Puddefoot, Deputy Assistant Commissioner für den Streifendienst, spricht davon, dass die größere Flotte den Beamten ein zusätzliches Mittel an die Hand gibt, um Kriminellen einen Schritt voraus zu bleiben: „Expanding our Sur-Ron fleet gives officers another powerful tool“, also „Der Ausbau unserer Sur-Ron-Flotte gibt den Beamten ein weiteres starkes Werkzeug“. Sie verweist zugleich darauf, dass Täter für Handydiebstahl und Raub oft hochgezüchtete, illegal umgebaute E-Bikes nutzen.
Was kann die Sur-Ron Ultra Bee im Stadtverkehr?
Die Sur-Ron Ultra Bee erreicht bis zu 80 km/h, springt über Bordsteine, nimmt Treppen und beschleunigt aus dem Stand kräftig. Genau diese Mischung macht sie in der Innenstadt stark, denn Höchstgeschwindigkeit ist im Londoner Verkehr selten der entscheidende Faktor.
Die Polizeimaschinen tragen die Kennzeichnung der Met und eine auffällige Lackierung. Sie haben Blaulicht vorne und hinten sowie eine Sirene, die so laut ist wie die eines Streifenwagens. Die Beamten sind geschult, die Fahrzeuge sind versichert und zugelassen. Schon beim Start der ersten fünf Maschinen im Februar 2025 beschrieb ein Beamter den Nutzen so: „These plug a gap in the Met’s toolbox“, also „Sie schließen eine Lücke im Werkzeugkasten der Met“.
Zur Einordnung der Baureihe: Die Light Bee X des Modelljahres 2026 leistet 13,6 PS (10 kW) Spitzenleistung, erreicht 80,5 km/h und ist ausdrücklich nicht für die Straße zugelassen. Die homologierte Variante Light Bee L1E ist dagegen auf rund 45 km/h begrenzt.

Wann ist eine Sur-Ron in Großbritannien legal?
An der Maschine selbst ist nichts verboten. Entscheidend ist die Einstufung: Ein Fahrrad mit elektrischer Unterstützung darf in Großbritannien höchstens 250 Watt Dauerleistung haben und nur bis 25 km/h unterstützen. Alles darüber gilt als Kraftfahrzeug und braucht Zulassung, Versicherung, Führerschein, Typgenehmigung und Helm.
Sur-Ron-Modelle liegen mit mehreren Tausend Watt und 80 km/h oder mehr klar außerhalb dieser Grenze. Reine Offroad-Versionen dürfen nur auf privatem Gelände bewegt werden, solange sie nicht gesondert zugelassen sind. Genau daraus entsteht das Problem auf der Straße: Täter fahren ohne Zulassung, ohne Versicherung und ohne Führerschein. Die Met selbst führt illegale E-Bike-Nutzung in einzelnen Stadtteilen als Schwerpunkt ihrer Arbeit. Für die eigenen Maschinen betont die Behörde, dass sie als Kraftfahrzeuge angemeldet und versichert sind.
Zwei Einsätze im August zeigen, wie das abläuft
Die Met hat Aufnahmen aus zwei Einsätzen veröffentlicht. Am 17. August ging es um ein illegal gefahrenes, nicht versichertes E-Bike. Der Fahrer versuchte zu flüchten, die Beamten konnten seine Beschleunigung mithalten und blieben dran. Der Mann verlor die Kontrolle, wurde festgenommen, das Fahrzeug sichergestellt.
Am 21. August fiel an einer Kontrollstelle ein Mopedfahrer auf, der sich der Kontrolle entziehen wollte. Ein Beamter auf der Sur-Ron folgte ihm durch den Verkehr bis in eine Wohnsiedlung. Als der Fahrer stürzte und zu Fuß weiterlief, blieb der Beamte an ihm dran. Bei der Festnahme wurde eine größere Menge harter Drogen gefunden. Der Mann hatte zudem Fahrverbot und fuhr ein Moped mit falschen Kennzeichen.

Was sagen die Zahlen wirklich?
Die Met verbucht deutliche Rückgänge, gleichzeitig führt nur ein Bruchteil der Fälle zu einem juristischen Ergebnis. Nach Angaben der Behörde ging die Zahl der Handydiebstähle im vergangenen Jahr um mehr als 13.000 Taten zurück, und die Polizei rechnet den Einsatz der Sur-Ron-Maschinen ausdrücklich mit ein. In den zwölf Monaten bis Mai sank die Zahl der gemeldeten Handydiebstähle den Statistiken zufolge von rund 68.000 auf etwa 54.000.
Der zweite Teil der Bilanz fällt nüchterner aus: Der Anteil der Fälle, die zu einem Ergebnis wie Anklage oder Verwarnung führen, liegt weiterhin unter einem Prozent. Kaya Comer-Schwartz, stellvertretende Bürgermeisterin für Polizei und Kriminalität, sagte dazu gegenüber Medienvertretern, dass der Kampf gegen solche Taten mit einer Verbesserung des gesamten Justizsystems und mit besserer Unterstützung der Opfer einhergehen müsse. Ein Beamter berichtete zudem bei einer Streifenfahrt, dass sich die Stammkundschaft längst auf die Schichtzeiten der Polizei eingestellt habe.
Über alle Deliktgruppen hinweg meldet die Met für die zwölf Monate bis Juli einen Rückgang der wohnortnahen Kriminalität um 14 Prozent, das sind mehr als 33.000 Taten weniger. Darin enthalten sind 23.455 Diebstähle an Personen weniger (minus 24,0 Prozent), 2.886 Raubdelikte weniger (minus 11,2 Prozent) und 7.336 Fahrzeugdelikte weniger (minus 8,0 Prozent). Sarah Jones, zuständige Ministerin für Polizei und Kriminalität, ordnet den Schritt in die Regierungslinie ein und verweist auf einen Rückgang der Messerkriminalität um 11 Prozent seit Amtsantritt. Bürgermeister Sadiq Khan sieht in der Flotte ein Signal, dass London kriminelles Verhalten nicht hinnimmt.
Woher kommt das Geld für die Flotte?
Finanziert wurden die Maschinen aus Gewinnen, die bei Straftätern eingezogen und zurück in die Polizeiarbeit gesteckt wurden. Das Innenministerium unterstützte zusätzlich die Fahrerausbildung im West End. Eingesetzt wurden die neuen Maschinen bisher in Camden, Islington, Hackney, Tower Hamlets, Westminster, Kensington & Chelsea sowie Hammersmith & Fulham. Parallel dazu hat die Met in diesem Jahr bereits mehr als 2.500 illegale E-Bikes und E-Scooter sichergestellt, viele davon mit stärkeren Akkus umgebaut oder ohne Versicherung unterwegs. Ergänzend arbeitet die Polizei mit Drohnen, um die Lücke bei der Beweglichkeit zu schließen.

Andere Polizeibehörden ziehen nach
London ist kein Einzelfall. Die Merseyside Police setzt im Rahmen der Operation Gears straßenzugelassene Stark Varg ein, die bis zu 137 km/h schaffen. Die Maschinen arbeiten mit dem nationalen Polizeiflugdienst und der bestehenden Fahrzeugflotte zusammen, ihr fast lautloser Antrieb erlaubt zurückhaltende Kontrollen in Parks und Waldgebieten. Seit dem Start der Operation im Juni 2025 wurden dort mehr als 1.600 Zweiräder sichergestellt, die mit Straftaten, gefährlichem Fahren oder Belästigung in Verbindung stehen. Der Einsatz läuft zunächst als Test bis Oktober 2026. Superintendent Paul Holden betont, dass sich die Maßnahmen nicht gegen verantwortungsvolle Fahrer richten, sondern gegen jene, die bewusst gegen Gesetze verstoßen.
Die Cleveland Police startete im Juni 2026 eine ähnliche Einheit mit der Stark Varg EX und Drohnen, nachdem allein im Februar und März 2026 mehr als 800 Vorfälle mit Zweirädern gezählt worden waren. Die Nottinghamshire Police geht einen anderen Weg und bittet die Bevölkerung, störende Geländefahrer zu filmen und zu melden. Wer auffällt, bekommt eine Verwarnung nach Section 59, die eine Sicherstellung beim nächsten Verstoß erlaubt. Damit fügt sich der Londoner Schritt in eine breitere Entwicklung ein, bei der leichte Elektro-Motorräder zum festen Bestandteil der Polizeiausrüstung werden. Der Hersteller selbst hat die Entwicklung übrigens mit einem Augenzwinkern kommentiert und sinngemäß darauf verwiesen, dass in London speziell geschulte Beamte die Ultra Bee gegen Handydiebstahl und Fahrradkriminalität einsetzen.

Häufige Fragen
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Welche Sur-Ron fährt die Londoner Polizei?
Die Metropolitan Police setzt die Sur-Ron Ultra Bee ein. Nach der Aufstockung um 20 Maschinen umfasst die Flotte 25 Fahrzeuge, die als Kraftfahrzeuge zugelassen und versichert sind.
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Wie schnell ist die Sur-Ron Ultra Bee?
Die Sur-Ron Ultra Bee erreicht bis zu 80 km/h. Wichtiger für den Einsatz in der Stadt ist allerdings ihre Wendigkeit, denn sie kommt über Bordsteine, Treppen und durch enge Lücken.
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Was kostet eine Sur-Ron?
Preise für die Polizeimaschinen wurden nicht veröffentlicht. Im Handel in Belgien und den Niederlanden liegt eine straßenzugelassene Light Bee mit 45 km/h bei 4.999 Euro (circa 5.795 US-Dollar) beziehungsweise rund 4.895 Euro (circa 5.675 US-Dollar).
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Ist eine Sur-Ron in Großbritannien verboten?
Nein. Sie darf jedoch nur auf der Straße bewegt werden, wenn sie als Kraftfahrzeug zugelassen und versichert ist und der Fahrer die passende Fahrerlaubnis besitzt. Reine Offroad-Modelle sind ohne Zulassung nur auf privatem Gelände erlaubt.
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Wie viele illegale E-Bikes hat die Londoner Polizei eingezogen?
Allein in diesem Jahr hat die Met mehr als 2.500 illegale E-Bikes und E-Scooter sichergestellt. Viele davon waren mit stärkeren Akkus umgebaut oder ohne Versicherung unterwegs.












