- Erstes Event am 28. Oktober 2026 im italienischen Generalkonsulat in San Francisco
- Zweites Event am 4. November 2026 in Mailand während der EICMA-Woche
- Die Investoren aus Singapur sind bis heute nicht öffentlich bekannt
Lange war es ruhig um Energica. Im Oktober 2024 musste der Hersteller aus Modena Insolvenz anmelden, danach wurde das Unternehmen aufgelöst. Seit dem Sommer 2025 arbeiten Investoren aus Singapur daran, die Marke wieder auf die Straße zu bringen. Jetzt ist der Neustart offiziell bestätigt. Energica will das mit einer Reihe von Veranstaltungen zeigen, die erste in den USA, die zweite in Italien. Für Besitzer und Interessenten bleibt dabei vor allem eine Frage: Wie belastbar ist dieser Neustart?

Wann und wo zeigt sich Energica nach dem Neustart?
Energica lädt am Mittwoch, 28. Oktober 2026, von 18 bis 20 Uhr ins Generalkonsulat von Italien in San Francisco ein. Am 4. November folgt eine zweite Veranstaltung in Mailand, mitten in der Woche der Motorradmesse EICMA.
Das Treffen in San Francisco trägt den Titel „Motor Valley to Silicon Valley“. Eingeladen sind Energica-Besitzer und Fahrer aus der Bay Area, also der Region rund um San Francisco. Sie sollen einen Abend mit dem Team hinter der Marke verbringen. Im Mittelpunkt stehen die Pläne für die Zukunft, auch mit Blick auf den US-Ableger Energica US.
Wer kann, soll mit der eigenen Energica anreisen. Egal ob Ego, Eva Ribelle, EsseEsse9 oder Experia: Die Motorräder sollen vor dem Konsulat in einer Reihe aufgestellt werden. Gäste ohne eigenes Motorrad sind ebenfalls willkommen, müssen das aber bei der Anmeldung angeben. Für Essen und Getränke ist gesorgt. Die Zahl der Plätze ist begrenzt, und jede Anmeldung muss erst bestätigt werden. Anmeldeschluss ist Mittwoch, der 21. Oktober.
Die zweite Station in Mailand läuft unter dem Motto „Energica back on the road“, also „Energica wieder auf der Straße“. Weitere Details zu diesem Termin hat das Unternehmen noch nicht genannt. Damit fällt der zweite öffentliche Auftritt genau in die Woche, in der viele Hersteller in Mailand ihre Neuheiten für das kommende Modelljahr zeigen.
Warum startet Energica ausgerechnet in San Francisco?
Der Titel des ersten Events verbindet die Herkunft der Marke mit einem ihrer wichtigsten Märkte. Energica stammt aus Modena im sogenannten Motor Valley, das Silicon Valley gilt seit Langem als einer der stärksten Märkte für Elektromotorräder.
Das Motor Valley ist eine Region in Norditalien, die für ihre Motorsportgeschichte bekannt ist. Auch Energica hat seinen Ruf vor allem im Rennsport aufgebaut. Der Hersteller war in den ersten vier Saisons des FIM MotoE World Cup der einzige Lieferant der Rennmotorräder. Alle Fahrer der elektrischen Rennserie fuhren damals also Maschinen aus Modena. Zusätzlich gingen Energica-Motorräder in der amerikanischen Meisterschaft MotoAmerica an den Start.

Was ist seit der Insolvenz bei Energica passiert?
Energica meldete im Oktober 2024 Insolvenz an und wurde danach liquidiert, also vollständig aufgelöst. Im Sommer 2025 übernahmen Investoren aus Singapur die Marke im Rahmen eines gerichtlichen Verkaufsverfahrens.
Die Probleme hatten schon früher begonnen. Rund zwei Jahre vor der Insolvenz hatte die US-Investmentfirma Ideanomics 75 Prozent an Energica übernommen. Dann verschlechterte sich die Lage am Markt, und die monatelange Suche nach einem neuen Geldgeber blieb erfolglos. Kurz nach Energica musste auch Ideanomics selbst Insolvenz anmelden.
Bei der Liquidierung wurde das Vermögen des Herstellers versteigert. Dazu gehörten Patente, eingelagerte Motorräder und die Fabrik. Die Gebote sollen bei 4,2 Millionen Euro (circa 4,9 Millionen US-Dollar) begonnen haben, der Verkaufspreis lag angeblich bei rund 5,7 Millionen Euro (circa 6,6 Millionen US-Dollar).
Im Juli 2025 dann ein erstes Lebenszeichen: Investoren aus Singapur sollen ein Angebot mit einer hohen Anzahlung abgegeben haben. Im August kündigte Energica an, dass die bisherige Geschäftsführung unter den neuen Eigentümern bleiben soll. Im September bestätigte Stefano Benatti per Video die abgeschlossene Übernahme. Er stellte einen klaren Plan vor: Zuerst sollen wieder Ersatzteile für bestehende Kunden verfügbar sein, danach soll die Produktion der bisherigen Modelle starten.
Welche Modelle baut Energica nach dem Neustart?
Zunächst sollen die vier bekannten Modelle Ego, Eva Ribelle, EsseEsse9 und Experia wieder gebaut werden. Neue Modelle sollen nach bislang unbestätigten Angaben Ende 2026 folgen.
Die Ego war das erste Modell der Marke und ist ein sportliches Superbike mit Elektroantrieb. Die Eva ist die unverkleidete Schwester der Ego, ein sogenanntes Naked Bike im Streetfighter-Stil. Frühe Versionen kamen auf 95 kW (129 PS), spätere auf 107 kW (145 PS). Die EsseEsse9 kam 2017 auf den Markt, die Eva Ribelle 2020. Beide teilen sich die Antriebstechnik mit der Ego, die EsseEsse9 setzt dabei auf einen klassischeren Look und eine entspanntere Sitzposition.
Die Experia kam 2022 dazu. Sie ist ein Tourenmotorrad für längere Strecken und kann an CCS-Schnellladesäulen geladen werden, also an den gleichen Säulen wie viele Elektroautos. Die Experia soll 2022 maßgeblich dazu beigetragen haben, dass der Umsatz um rund 200 Prozent auf etwa 13 Millionen Euro (circa 15,1 Millionen US-Dollar) stieg.
Energica galt lange als Vorreiter bei Elektromotorrädern. Die Marke nutzte als erste die CCS-Schnellladefunktion in einem Motorrad. Dazu kamen ordentliche Reichweiten, kräftige Antriebe und das Wissen aus der MotoE. Die neuen Eigentümer haben auch die Entwicklungsprojekte übernommen, die vor der Liquidierung begonnen worden waren, ebenso das Fachwissen der Firma.
Nach unbestätigten Angaben sollte die Produktion in Modena im Frühsommer 2026 wieder anlaufen. Im März 2026 kündigte Energica an, die Auslieferungen im Juli 2026 wieder aufzunehmen. Kunden mit Vorbestellung sollten dabei Vorrang bekommen. Die Botschaft des Herstellers damals: „This is not a reboot. It is a resurgence. Energica is back.“ Übersetzt heißt das: „Das ist kein Neustart. Es ist ein Wiederaufleben. Energica ist zurück.“ Konkrete Zahlen zu bereits ausgelieferten Motorrädern nennt das Unternehmen bislang nicht.

Wo kann man eine Energica kaufen und warten lassen?
Ein festes Händlernetz gibt es nach der Liquidierung streng genommen nicht mehr, weil die Verträge der alten Firma rechtlich nicht mehr gelten. Die neuen Eigentümer sollen das Vertriebsnetz deshalb Schritt für Schritt neu aufbauen.
Einfach ist das nicht. Durch die Pleite ist bei vielen früheren Partnern Vertrauen verloren gegangen. Zahlreiche alte Händler haben noch unverkaufte Motorräder auf dem Hof stehen. In der Branche reichen die Einschätzungen zum Neustart von Ablehnung bis Optimismus.
Erste Strukturen gibt es aber. In Belgien und den Niederlanden hilft der regionale Vertriebspartner Future Mobility dabei, Ersatzteile und Service für bestehende Kunden zu sichern. Im Frühjahr 2026 rief Energica Fahrer außerdem dazu auf, sich wieder mit ihren Händlern in Verbindung zu setzen. Die Versorgung der vorhandenen Motorräder hat für das Unternehmen nach eigenen Angaben oberste Priorität. Mittelfristig will Energica in den bisherigen Kernmärkten wieder Fuß fassen und später auch in Märkte gehen, in denen die Marke noch nie vertreten war. Laut einer Mitteilung vom August 2025 rückt dabei vor allem Asien in den Blick.
Wer steht hinter dem Energica Neustart?
Die Investoren aus Singapur sind bis heute nicht öffentlich bekannt. Geführt wird das Unternehmen von Stefano Benatti, das ursprüngliche Team in Italien soll weiter an Bord sein.
Benatti trat zunächst als Global Sales Director auf und wird inzwischen als CEO genannt. Über die Geldgeber selbst ist wenig bekannt. In einem Werbevideo werden sie als Enthusiasten beschrieben, die in die Werte der Marke vertrauen. Wie viel Geld sie investiert haben, ist nicht bekannt. Gesprächspartner der neuen Eigentümer sollen zur Verschwiegenheit verpflichtet worden sein. Ende 2025 fehlte auf der Internetseite des Herstellers zeitweise sogar das gesetzlich vorgeschriebene Impressum.
Gesteuert werden Entwicklung und Betrieb weiterhin aus Italien. Die Pläne der Investoren soll zum Teil das frühere Team am alten Firmensitz umsetzen. Das soll sicherstellen, dass das technische Wissen im Unternehmen bleibt.

Wie stehen die Chancen für Energica auf dem Markt?
Der Markt für große Elektromotorräder ist schwierig. Viele Großserienhersteller ziehen sich aus diesem Bereich weitgehend zurück, weil sie die Nische für zu klein und die Marktchancen für zu gering halten.
Für Energica ist das Warnung und Chance zugleich. Weniger Konkurrenz bedeutet mehr Platz in der Nische. Gleichzeitig zeigt die Vorgeschichte, wo die Schwierigkeiten liegen. Die Motorräder von Energica waren technisch aufwendig, aber teuer und schwer. Dadurch blieben die Stückzahlen klein, und Käufer, die ein Motorrad für den Alltag suchten, griffen oft zu anderen Marken.
Die Events in San Francisco und Mailand sind deshalb mehr als ein Fototermin. Es sind die ersten großen öffentlichen Auftritte, bei denen das Team seine Pläne vor Kunden präsentiert. Wie tragfähig das Geschäftsmodell nach dem Neustart ist, muss sich in den kommenden Monaten zeigen.

Häufige Fragen
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Ist Energica wieder zurück?
Ja, Energica hat seine Rückkehr offiziell bestätigt. Nach der Insolvenz im Oktober 2024 haben Investoren aus Singapur die Marke übernommen. Den öffentlichen Auftakt bilden Events in San Francisco und Mailand.
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Wann findet das Energica-Event in Mailand statt?
Das Event „Energica back on the road“ findet am 4. November 2026 in Mailand statt. Es liegt in der Woche der Motorradmesse EICMA. Weitere Details will Energica noch bekanntgeben.
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Wer sind die neuen Eigentümer von Energica?
Die neuen Eigentümer sind Investoren aus Singapur, deren Namen bisher nicht öffentlich bekannt sind. Auch die Höhe der Investition ist nicht bekannt. Geleitet wird Energica von Stefano Benatti.
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Welche Modelle gehören zum Energica Neustart?
Zum Neustart gehören die vier bekannten Modelle Ego, Eva Ribelle, EsseEsse9 und Experia. Neue Modelle sollen nach unbestätigten Angaben Ende 2026 folgen. Gebaut werden die Motorräder in Modena.
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Gibt es noch Ersatzteile für Energica-Motorräder?
Ja, die Versorgung mit Ersatzteilen hat beim Neustart nach Angaben des Unternehmens oberste Priorität. In Belgien und den Niederlanden unterstützt der Partner Future Mobility bei Teilen und Service. Ein vollständiges Händlernetz muss allerdings erst wieder aufgebaut werden.












