- Vertrag mit Ducati Corse bis zum Ende der Saison 2028, Einsatzteam ab 2027 ist das Pertamina Enduro VR46 Racing Team
- Aldeguer fährt erstmals eine Factory Desmosedici GP mit voller technischer Unterstützung des Herstellers
- Der Wechsel fällt mit dem Start der 850-ccm-Ära und dem Reifenwechsel von Michelin zu Pirelli zusammen
Am 26. August 2026 hat Ducati Corse die Verlängerung der Zusammenarbeit mit Fermin Aldeguer bekannt gegeben. Der 21-jährige Spanier bleibt dem Hersteller aus Borgo Panigale zwei weitere Jahre erhalten, wechselt aber innerhalb der Ducati-Familie das Team. Nach zwei Saisons bei Gresini fährt er 2027 und 2028 in den neongelben Farben des Teams von Valentino Rossi. Für Aldeguer ist das mehr als ein Farbwechsel, denn mit dem Wechsel verbunden ist der Aufstieg zum offiziellen Ducati-Corse-Fahrer.

Wie lange läuft der neue Vertrag von Fermin Aldeguer?
Die Vereinbarung zwischen Ducati Corse und Aldeguer läuft bis zum Ende der Saison 2028. Ducati spricht in seiner Mitteilung von einer Verlängerung für die kommenden beiden Saisons der MotoGP-Weltmeisterschaft.
So neu ist die Entscheidung allerdings nicht. Laut Medienberichten unterschrieb Aldeguer bereits im Januar 2024, also noch vor seiner letzten Moto2-Saison, einen Vertrag über zwei plus zwei Jahre. Gesichert waren damit zunächst 2025 und 2026. Die Option für 2027 und 2028 wurde demnach im März gezogen. Zum selben Zeitpunkt soll Ducati Aldeguer auch mitgeteilt haben, dass er ab 2027 für VR46 fahren wird. Erste Informationen über die Einigung sickerten laut Berichten schon rund um den Brasilien-Grand-Prix im März durch, als Aldeguer nach seinem Oberschenkelbruch gerade sein Comeback gab. Die Bekanntgabe vom 26. August ist damit vor allem die offizielle Bestätigung einer längst getroffenen Entscheidung.
Wichtig für das Verständnis der Konstruktion: Aldeguer steht direkt bei Ducati Corse unter Vertrag, nicht beim Team. Der Hersteller entscheidet also, in welcher Box der Spanier antritt und welches Material er bekommt.
Was ändert sich für Aldeguer mit dem Werksstatus?
Aldeguer erhält bei VR46 zum ersten Mal eine aktuelle Werks-Desmosedici GP. In seinen ersten beiden MotoGP-Jahren musste er jeweils mit einer Maschine aus dem Vorjahr auskommen.
2026 ist er zusammen mit Franco Morbidelli einer von nur zwei Fahrern im Feld, die die ein Jahr alte GP25 bewegen. Das ist ein spürbarer Nachteil, denn Werksmaschinen bekommen Weiterentwicklungen deutlich schneller. Ab 2027 fällt dieser Unterschied für ihn weg. Teamdirektor Alessio Salucci macht die neue Rolle in der Team-Mitteilung deutlich: „Wir freuen uns darauf, ihn im Team willkommen zu heißen, wo er eine Factory Desmosedici GP fahren wird, da er offizieller Ducati-Corse-Fahrer sein wird.“
Für VR46 ist das ebenfalls eine Veränderung. Bisher stand in der Box des Rossi-Teams nur eine einzige Maschine mit Werksstatus, zuletzt für Fabio Di Giannantonio. Ab 2027 tritt die Mannschaft aus Tavullia offiziell als von Ducati unterstütztes Werksteam an. Die Partnerschaft zwischen Ducati und VR46 wurde nach Angaben aus dem Umfeld des Teams bis Ende 2029 verlängert.
Aldeguer selbst ordnet den Schritt vor allem sportlich ein, spricht aber auch über die persönliche Seite. Er beschreibt Rossi als eines seiner Idole und als Vorbild und geht davon aus, dass ihm dessen Ratschläge im Team weiterhelfen werden. Sein sportliches Ziel formuliert er zurückhaltend: konstant fahren, Fehler vermeiden, möglichst viel Zeit auf dem Motorrad verbringen und regelmäßig unter den ersten fünf landen.
Warum setzt Ducati weiter auf Aldeguer?
Ducati begründet die Verlängerung mit dem Potenzial des jungen Spaniers und mit der eigenen Nachwuchsstrategie. Der Hersteller stellt Aldeguer ausdrücklich in den Mittelpunkt seiner langfristigen sportlichen Planung.
Ducati-Chef Claudio Domenicali sagt dazu: „Fermín steht perfekt für Ducatis Vision vom Rennsport der Zukunft: an junge Talente zu glauben und ihr Wachstum zu fördern, damit sie ihr Potenzial voll entfalten können.“ Ducati-Corse-Generaldirektor Gigi Dall’Igna wird konkreter und nennt die Gründe für die Investition: „Seit seinem Einstieg in die MotoGP hat er außergewöhnliches Talent, eine große Lernfähigkeit und eine Entschlossenheit gezeigt, die uns sofort beeindruckt haben. Er ist noch ein sehr junger Fahrer, aber sein Potenzial ist enorm.“
Diese Aussagen bekommen zusätzliches Gewicht, wenn man sich die Fluktuation im Ducati-Lager ansieht. Für 2027 bleiben von den aktuellen Ducati-Piloten nur Marc Marquez und Aldeguer an Bord. Alex Marquez und Di Giannantonio wechseln zu KTM, Francesco Bagnaia geht zu Aprilia, Enea Bastianini fuhr bereits in dieser Saison für Trackhouse. Aldeguer ist damit neben Marquez und dem von KTM kommenden Pedro Acosta einer der wenigen Fahrer, die Ducati direkt unter Vertrag hat.
Der Abschied von Gresini
Für Gresini bedeutet der Wechsel den Verlust des zweiten Stammfahrers innerhalb kurzer Zeit. Das Team von Nadia Padovani hatte bereits Anfang Juli mit Joan Mir und dem Moto2-Aufsteiger Daniel Holgado eine komplett neue Paarung für 2027 bestätigt. Aldeguers Abgang war damit eingeplant.
Reibungslos verlief die Sache aber offenbar nicht. Nach Informationen aus dem Paddock hätte Gresini den Spanier gerne über 2026 hinaus behalten, und die Entscheidung von Ducati soll im Team nicht gut angekommen sein. Angeblich erwog Gresini anschließend sogar, sich zum Saisonende von Ducati zu trennen und ab 2027 als Honda-Kundenteam anzutreten.
Öffentlich schlägt das Team andere Töne an. Nadia Padovani veröffentlichte nach der Bestätigung eine persönliche Botschaft an ihren Fahrer: „Vom ersten Moment an, als du auf unser Motorrad gestiegen bist, hast du eine Welle aus Energie, Leidenschaft und einem unglaublichen Hunger nach Siegen mitgebracht. Dich wachsen und in unseren Farben kämpfen zu sehen, war und ist ein immenser Grund zum Stolz.“ Sie schließt mit dem Satz, dass 2027 warten könne. Aldeguer bedankte sich seinerseits bei Gresini und bei Padovani.
Was ändert sich 2027 am MotoGP-Reglement?
Die MotoGP startet 2027 in eine neue technische Ära, in der praktisch alle Karten neu gemischt werden. Der Hubraum sinkt von 1000 auf 850 Kubikzentimeter, die Aerodynamik wird stärker eingeschränkt und die Reifen kommen künftig von Pirelli statt von Michelin.
Dazu kommt das Verbot der sogenannten Devices, also der Ride-Height- und Holeshot-Systeme, mit denen die Teams bislang die Fahrzeughöhe beim Start und in den Kurven verändern konnten. Außerdem wird erstmals vollständig auf nicht-fossile Kraftstoffe umgestellt.
Für Aldeguer ist der Zeitpunkt günstig. Er hat dann zwei Jahre Erfahrung in der Königsklasse gesammelt, beginnt aber gemeinsam mit allen anderen bei einem weitgehend neuen Motorrad. Er selbst nennt die Umstellung als seine Hauptaufgabe und geht davon aus, dass ihm die Werksmaschine bei der Entwicklungsarbeit über die Saison hinweg helfen wird.
Wie kam Aldeguer bisher zurecht?
Sein erstes MotoGP-Jahr 2025 verlief stark, das zweite wurde von Verletzungen bestimmt. Als Rookie holte er drei Podestplätze in den Sonntagsrennen, darunter den Sieg beim Grand Prix von Indonesien, und beendete die Saison als Gesamtachter.
Mit 20 Jahren und 183 Tagen war er beim Sieg in Mandalika der zweitjüngste Grand-Prix-Sieger der Königsklasse. Dazu kamen ein dritter Platz in Frankreich und ein zweiter Platz in Österreich sowie der Titel „Rookie of the Year“. Sein Weg dorthin war ungewöhnlich: Nach Erfolgen in spanischen und europäischen Serien gab er 2021 in der MotoE sein Debüt im WM-Paddock, ab 2022 fuhr er fest in der Moto2. Sein bestes Ergebnis dort war der dritte WM-Rang 2023.
Die laufende Saison 2026 begann dagegen mit einem Rückschlag. Im Januar zog sich Aldeguer bei einem Trainingssturz einen Bruch des linken Oberschenkels zu und verpasste die Vorbereitung sowie den Saisonauftakt in Thailand. Nach der Rückkehr gelang ihm in Barcelona ein zweiter Platz, kurz darauf folgte im Freitagstraining von Assen ein Sturz mit einem Bruch des siebten Brustwirbels. Von den bisher zwölf Grands Prix der Saison hat er nur acht bestreiten können und liegt aktuell auf dem elften WM-Rang. Beim Aragon-Grand-Prix an diesem Wochenende soll sein Comeback folgen.

Der Blick auf 2029
Interessant ist die Personalie auch mit Blick auf die Zeit nach dem neuen Vertrag. Marc Marquez und Pedro Acosta haben ihre Werksverträge bei Ducati ebenfalls über zwei Jahre bis 2028 abgeschlossen. Damit läuft Aldeguers Vereinbarung exakt parallel.
Sollte er die Erwartungen erfüllen, wäre er 2029 ein naheliegender Kandidat für einen Platz im Werksteam, und zwar im Alter von 24 Jahren. Genau daraus ergibt sich allerdings auch der Druck für die kommenden beiden Jahre. Mit einer aktuellen Maschine und voller Werksunterstützung wird an ihm ein anderer Maßstab angelegt als bisher.
Sein Teamkollege bei VR46 steht offiziell noch nicht fest. Als Favorit gilt der aktuelle Spitzenreiter der Superbike-WM, Nicolo Bulega. Franco Morbidelli wird im Gegenzug ein Wechsel in die Superbike-WM nachgesagt. Bestätigt ist beides bislang nicht. Damit ist das Ducati-Aufgebot für 2027 mit Marquez und Acosta im Werksteam, Aldeguer bei VR46 sowie Mir und Holgado bei Gresini bis auf einen Platz komplett. Aldeguer ist im Zuge der großen Neuordnung des Fahrerfelds für 2027 damit einer der ersten Fahrer, deren Zukunft endgültig geklärt ist.
Häufige Fragen
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Für welches Team fährt Fermin Aldeguer 2027?
Fermin Aldeguer fährt 2027 und 2028 für das Pertamina Enduro VR46 Racing Team von Valentino Rossi. Er wechselt von Gresini, bleibt aber bei Ducati unter Vertrag. Sein Vertrag mit Ducati Corse läuft bis zum Ende der Saison 2028.
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Bekommt Aldeguer bei VR46 eine Werksmaschine?
Ja. Aldeguer tritt ab 2027 als offizieller Ducati-Corse-Fahrer an und fährt eine Factory Desmosedici GP. In seinen ersten beiden MotoGP-Jahren stand ihm jeweils nur eine Maschine aus dem Vorjahr zur Verfügung.
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Warum verlässt Aldeguer das Team Gresini?
Die Entscheidung traf Ducati als Vertragspartner des Fahrers. Der Hersteller platzierte Aldeguer für 2027 bei VR46, das ab dieser Saison als von Ducati unterstütztes Werksteam antritt. Gresini setzt 2027 auf Joan Mir und Daniel Holgado.
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Wie erfolgreich war Aldeguer bisher in der MotoGP?
In seiner Rookie-Saison 2025 holte er drei Podestplätze in den Sonntagsrennen, darunter den Sieg in Indonesien, und wurde Gesamtachter sowie Rookie of the Year. 2026 bremsten ihn zwei Verletzungen aus, sein bestes Ergebnis ist ein zweiter Platz in Barcelona.
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Was ändert sich 2027 in der MotoGP?
Der Hubraum sinkt von 1000 auf 850 Kubikzentimeter, die Aerodynamik wird eingeschränkt und Ride-Height- sowie Holeshot-Systeme werden verboten. Zusätzlich wechselt die Serie von Michelin zu Pirelli und stellt vollständig auf nicht-fossile Kraftstoffe um.












