- Jorge Martin führt die WM mit 240 Punkten an, Marc Marquez liegt als Vierter 40 Punkte zurück
- Das Restprogramm beginnt am 28. August mit dem Aragon-GP und endet Ende November in Valencia
- Der Katar-GP steht wegen der politischen Lage im Nahen Osten infrage
Die Sommerpause ist vorbei, und die MotoGP-Saison 2026 geht in ihre entscheidende Phase. Zwölf Grands Prix sind gefahren, zehn stehen noch aus, und die Tabellenspitze ist so eng zusammengerückt wie selten. Gleichzeitig zeigt sich abseits des Titelkampfs ein Bild mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten: Während Aprilia den Ton angibt und Ducati mit immer größerem technischem Aufwand kontert, kämpft Yamaha mit einem völlig neuen Motorrad um Anschluss.

Wie steht die MotoGP-WM 2026 vor dem Aragon-GP?
Jorge Martin führt die Fahrerwertung mit 240 Punkten an, dahinter folgen Marco Bezzecchi mit 209 und Ai Ogura mit 203 Punkten. Marc Marquez liegt als Vierter bei 200 Punkten, Fabio Di Giannantonio bei 199 und Raul Fernandez bei 184.
Damit stehen auf den ersten sechs Plätzen vier Fahrer, die eine Aprilia RS-GP bewegen. In der Teamwertung liegt Aprilia Racing mit 449 Punkten vorn, vor dem Kundenteam Trackhouse mit 387 und dem Ducati Lenovo Team mit 343 Punkten. Für Ducati ist das eine ungewohnte Ausgangslage, nachdem Marquez den Titel in der Vorsaison gewonnen hatte.
Das Restprogramm startet mit dem Großen Preis von Aragon vom 28. bis 30. August und wird in nur 13 Wochen abgespult. Wer sich hier eine Schwächephase erlaubt, hat kaum Gelegenheit, sie später auszubügeln.
Warum gilt Aragon als Marquez-Strecke?
Das Motorland Aragon zählt zu den Kursen, auf denen Marc Marquez über Jahre hinweg besonders erfolgreich war. Seit dem Vorjahressieg steht er dort bei sieben Erfolgen in elf MotoGP-Starts.
Ein Grund dafür ist die Streckenführung: Aragon wird links herum gefahren, und Linkskurse liegen Marquez traditionell besonders gut. Schon zu seiner Honda-Zeit war er dort schwer zu schlagen, und beide Rennen, die er dort auf der Desmosedici bestritt, entschied er für sich. 2024 beendete er im Motorland zudem eine lange Durststrecke und feierte nach 1.043 Tagen wieder einen Grand-Prix-Sieg.
Für Aprilia dürfte es in Aragon deshalb eher darum gehen, den Schaden zu begrenzen. Immerhin gibt es Anhaltspunkte für Potenzial: Bezzecchi qualifizierte sich im Vorjahr nur auf Startplatz 20, zeigte im Rennen aber starkes Tempo und fuhr einen Tag später beim Aragon-Test die zweitbeste Zeit. Martin stand dort 2024 zweimal als Zweiter auf dem Podium. Ogura und Di Giannantonio haben in Aragon dagegen noch keinen Beweis erbracht, dass sie dort schnell sein können.

Wo kann Aprilia im Restprogramm punkten?
Die klarste Aprilia-Strecke im verbleibenden Kalender ist Mandalika in Indonesien. Bezzecchi fuhr dort im Vorjahr klar vorneweg, Raul Fernandez holte im Sprint sein erstes Podium für Trackhouse, und Martin gilt als ausgesprochener Mandalika-Spezialist.
Für Marquez ist es dagegen die schwierigste Strecke überhaupt. In vier Anläufen hat er dort noch kein Rennen ins Ziel gebracht und sich bei zwei Stürzen jeweils schwer verletzt. Der Abflug aus dem Vorjahr kostete ihn jene Schulterverletzung, die ihn nach eigener Aussage bis heute beschäftigt.
Auch Misano zählt zu den aussichtsreichen Terminen für die Italiener. Bezzecchi war dort im Vorjahr auf Augenhöhe mit Marquez und verpasste den Doppelerfolg aus Sprint und Grand Prix nur knapp. Inzwischen steht ihm eine weiterentwickelte RS-GP zur Verfügung, während Marquez körperlich nicht mehr ganz auf dem Niveau von 2025 unterwegs ist.
Deutlich schwerer wird es in Österreich und Japan. Am Red Bull Ring gab es seit 2016 zehn Ducati-Siege in zwölf Rennen, der Stop-and-Go-Charakter der Strecke passt zur Desmosedici. Immerhin holte Bezzecchi dort 2025 die Pole Position und führte bis zur Rennhälfte, ehe er mit 3,4 Sekunden Rückstand ins Ziel kam. In Spielberg dürfen die Aprilia-Piloten außerdem wieder jene Reifenkarkasse einsetzen, mit der sie zum Saisonauftakt in Buriram und Goiania stark waren. In Motegi und in Sepang war die RS-GP in der Vergangenheit dagegen selten konkurrenzfähig.
Phillip Island verspricht ein enges Rennen, zumal es der letzte MotoGP-Auftritt auf der Insel ist. Die Strecke wird links herum gefahren, was für Marquez spricht, gleichzeitig scheint der schnelle Kurs der RS-GP zu liegen. Im Vorjahr gewann dort mit Raul Fernandez ein Aprilia-Pilot, während Marquez verletzt fehlte.
Katar, Portimao und Valencia als offene Rechnungen
Der Katar-GP ist das größte Fragezeichen im Restkalender. Aufgrund der politischen Lage im Nahen Osten gilt eine Austragung in Losail derzeit als schwer vorstellbar. Die MotoGP hat allerdings eingeräumt, dass das Rennen nach dem Vorbild der Formel 1 an einem anderen Ort stattfinden könnte. Eine Ersatzstrecke zu finden, die weder Aprilia noch Ducati bevorteilt, dürfte allerdings kaum möglich sein.
Portimao steht erst seit 2020 im Kalender und hat sich bislang keiner Marke als Heimspiel erschlossen. Sieben Rennen brachten sieben verschiedene Polesitter, fünf verschiedene Grand-Prix-Sieger und vier siegreiche Konstrukteure hervor. Marquez fehlt dort noch ein Sieg, die Tendenz der letzten beiden Jahre ging eher in Richtung Aprilia.
Valencia bildet das Finale und ist die sechste Linksstrecke im Kalender. Auf dem Papier spricht das für Marquez, seine Bilanz relativiert das jedoch: Seit 2013 kommt er dort auf zwei Pole Positions und zwei Siege, 2020, 2021 und 2025 war er gar nicht am Start. In seiner Abwesenheit feierte Aprilia im Vorjahr einen Doppelsieg durch Bezzecchi und Raul Fernandez. Spätestens Ende November wird klar sein, ob es für Marquez zum zehnten WM-Titel reicht.

Was bedeutet der Titelkampf für Jorge Martin?
Für Martin ist die WM-Führung nach eigener Aussage nicht das Hauptziel, sondern eher ein Nebeneffekt eines langen Weges zurück. In einem Interview beschrieb er, dass er zu Saisonbeginn selbst nicht damit gerechnet hätte, die Tabelle anzuführen.
Der Hintergrund ist eine Saison 2025, in der er nur bei sieben Veranstaltungen antrat und lediglich vier Grands Prix beendete. Noch bei der Teampräsentation ein halbes Jahr vor dem Silverstone-Wochenende konnte er nach eigenen Angaben seine Lederkombi nicht anziehen. Umso deutlicher fällt seine Einordnung aus: „But for me, honestly, the real target is already to be on a MotoGP bike, to be a professional still, and to be alive is already a nice target.“ Übersetzt: „Aber für mich ist das eigentliche Ziel ehrlich gesagt schon, auf einem MotoGP-Motorrad zu sitzen, weiterhin Profi zu sein, und am Leben zu sein ist bereits ein schönes Ziel.“
Wie sehr sich seine Lage verändert hat, zeigt der Vergleich mit dem Titeljahr 2024. Damals stürzte er am Sachsenring aus Führung liegend und ging mit zwölf Punkten Rückstand auf Francesco Bagnaia in die Sommerpause. 2026 reichten ihm ein sechster Platz im Sprint und ein fünfter im Rennen, um die Führung zu behalten. In Silverstone baute er den Vorsprung dann von 14 auf 31 Punkte aus.
Die Pause nutzte Martin für den Radmarathon TransPyrenees, rund 1.000 Kilometer von Roses nach San Sebastian. Radfahren beschreibt er als Hobby und Trainingsmittel, nicht als zweite Karriere. Zum Saisonende verlässt er Aprilia in Richtung Yamaha, will sich damit aber vorerst nicht beschäftigen. Über die zurückliegenden Monate sagt er, aus schlechten Phasen mehr gelernt zu haben als aus dem Titelgewinn.
Wie arbeitet Ducati mit Daten und Simulationen?
Ducati setzt bei der Entwicklung auf umfangreiche Simulationen und ergänzt diese gezielt durch Künstliche Intelligenz, ohne sie als Ersatz für klassische physikalische Modelle zu verstehen. Das erklärte Rennsportchef Luigi „Gigi“ Dall’Igna in einem Interview.
Die Datenbasis ist gewaltig. Sie reicht von den Sensoren am Motorrad über Luftströme aus dem Windkanal und Drücke im Motor bis zu Reifentemperaturen an unterschiedlichen Punkten eines Rennens und in einzelnen Kurven. „Simulationen gehören inzwischen standardmäßig zum Entwicklungsprozess, und in den vergangenen zehn Jahren haben sich unsere Werkzeuge dafür stark weiterentwickelt“, sagte Dall’Igna. Er räumte zugleich ein, dass in manchen Bereichen noch einiges fehle, während in anderen sehr präzise gearbeitet werden könne.
Bei der Frage, wann KI und wann ein physikalisches Modell zum Einsatz kommt, differenziert der 60-Jährige klar. Manche Bereiche am Motorrad ließen sich mit KI-Werkzeugen besser verstehen, in anderen habe das physikalische Modell Vorteile. Die Zuordnung sei damit auch eine organisatorische Aufgabe.
Unterstützung kommt vom Technologieunternehmen Lenovo, das gleichzeitig Hauptsponsor des Werksteams ist. Die Zusammenarbeit dient laut Dall’Igna nicht nur der unmittelbaren Vorbereitung des Motorrads, sondern auch dessen Weiterentwicklung. Ein Feld ist die Aerodynamik mit unterschiedlichen Verkleidungen und Winglets.
Besonders aufwendig ist die Arbeit an den Reifen. An einem Rennwochenende sind an der Strecke und im Werk in Bologna mehr als 20 Ingenieure allein damit beschäftigt. Eine zentrale Rolle spielt der Reifendruck, der sich im Rennverlauf verändert. „Wir investieren viel Arbeit in die Nutzung der Reifen. Zum Beispiel darin, den richtigen Luftdruck für den Rennstart festzulegen, damit er am Ende des Rennens noch im erlaubten Rahmen liegt“, erklärte er. Das Ziel dahinter fasste Dall’Igna knapp zusammen: Es gehe darum, aus allen Möglichkeiten „das Maximum herauszuholen“.

Warum spricht Marc Marquez so offen über seinen Bruder?
Marc Marquez bezeichnet Alex Marquez in einem spanischen Podcast als „mein Bruder, mein bester Freund und mein bester Teamkollege“. Der Grund liegt auch in seiner Verletzungszeit, in der ihm der jüngere Bruder nach eigener Darstellung geholfen hat, ohne es zu merken.
Beide reisen, trainieren und fahren gemeinsam Rennen. Die Vorsaison, in der Marc Weltmeister und Alex Vizeweltmeister wurde, nennt der 33-Jährige „historisch“ und „fast unmöglich zu wiederholen“. Über seine Zwangspause sagt er: „Er hat mir geholfen, ohne es zu wissen.“ Weil Alex im Fahrerlager unterwegs war, blieb Marc am Sport dran. „Ich habe die Rennen verfolgt, als wäre ich selbst dort gewesen, weil Alex dabei war.“
Bemerkenswert ist, wie wenig Konkurrenzdenken zwischen beiden erkennbar ist. Marc räumt ein, dass ihn Siege seines Bruders teilweise mehr freuen als eigene. Den Katalonien-Grand-Prix 2025, bei dem Alex gewann und er selbst Zweiter wurde, habe er stärker gefeiert als den eigenen Sieg in Aragon. Auch den Wechsel zu Gresini und damit zu Ducati soll Alex ihm ausdrücklich empfohlen haben. Während des gemeinsamen Titelkampfs tauschten beide weiterhin Informationen über Reifenwahl und Rennstrategien aus.
Sichtlich stört ihn dagegen, dass Alex häufig nur als Bruder wahrgenommen wird, obwohl er 2014 in der Moto3 und 2019 in der Moto2 Weltmeister wurde. „Vielleicht habe ich beim Talent ein kleines bisschen mehr“, sagt Marc. „Aber bei Arbeitsmoral, Opferbereitschaft und Einsatz hat Alex vielleicht sogar mehr als ich.“ Im laufenden Titelkampf könnte Alex noch eine Rolle spielen: In Sepang gilt er als klarer Favorit, und Aprilia tat sich dort in der Vergangenheit schwer.
Wie schlecht läuft die Saison für Yamaha?
Yamaha steht nach zwölf Rennen bei 73 Punkten in der Konstrukteurswertung, das beste Einzelergebnis ist ein fünfter Platz von Fabio Quartararo beim Katalonien-GP. Der Umstieg auf ein V4-Triebwerk zur Saison 2026 hat den Hersteller bislang nicht nach vorn gebracht.
Quartararo liegt als 14. der Fahrerwertung bei 55 Punkten und wechselt zur kommenden Saison zu Honda. Seine Markenkollegen Jack Miller, Alex Rins und Toprak Razgatlioglu belegen die Plätze 19, 20 und 21. Miller und Rins verlieren damit ihre Plätze im MotoGP-Feld und gehen 2027 in die Superbike-WM.
Quartararo nahm die beiden ausdrücklich in Schutz. Er selbst habe schlicht die meiste Erfahrung mit der Yamaha, während das V4-Motorrad für alle völlig neu sei. Rins und Miller hätten in der MotoGP bereits Rennen gewonnen, Rins sogar mit verschiedenen Herstellern. Sein Fazit: „They are not rookies, and we know how much we struggle.“ Übersetzt: „Sie sind keine Neulinge, und wir wissen, wie sehr wir kämpfen.“
Für den Rest des Jahres rechnet Quartararo nicht mehr mit technischen Neuerungen. Yamaha konzentriere sich voll auf das 850er-Projekt für die Regeländerung 2027. Das sei nachvollziehbar, weil der Hersteller wisse, wie weit er mit dem aktuellen Motorrad von guten Ergebnissen entfernt sei. Bis Saisonende bleibe nur, mit der bestehenden Basis das Bestmögliche herauszuholen.

Häufige Fragen
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Wer führt die MotoGP 2026 nach zwölf Rennen an?
Jorge Martin führt die Fahrerwertung mit 240 Punkten an. Dahinter folgen Marco Bezzecchi mit 209 und Ai Ogura mit 203 Punkten. Marc Marquez liegt als Vierter bei 200 Punkten.
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Wie viele Rennen stehen in der MotoGP 2026 noch aus?
Nach der Sommerpause stehen noch zehn Grands Prix an. Sie werden innerhalb von 13 Wochen ausgetragen, beginnend mit dem Aragon-GP vom 28. bis 30. August.
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Findet der Katar-GP 2026 statt?
Das ist offen. Wegen der politischen Situation im Nahen Osten gilt eine Austragung in Losail als unwahrscheinlich, die MotoGP hat aber eine Verlegung an einen anderen Ort nicht ausgeschlossen.
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Warum ist Mandalika für Marc Marquez schwierig?
Marquez hat dort in vier Anläufen noch kein Rennen beendet. Bei zwei Stürzen verletzte er sich schwer, unter anderem an der Schulter, was ihn nach eigener Aussage bis heute beeinträchtigt.
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Warum verlassen Jack Miller und Alex Rins die MotoGP?
Beide finden für 2027 keinen Platz mehr im MotoGP-Feld und wechseln in die Superbike-WM. Nach zwölf Rennen der Saison 2026 liegen sie auf den Plätzen 19 und 20 der Fahrerwertung.












