- Submarke des chinesischen Konglomerats Fengxun
- 1.051-ccm-Reihenvierzylinder mit 150 PS (110 kW) und 105 Nm
- Sechsachsige IMU, Millimeterwellen-Radar und Kameras an Front und Heck
Es gibt Motorrad-Premieren, die auf den großen Zweirad-Messen wie der EICMA oder der Motor Bike Expo stattfinden. Und dann gibt es solche, die auf einer Elektronik-Messe vorgestellt werden. Die Guruma 1000 RR gehört zur zweiten Kategorie. Auf der AWE (Appliance & Electronics World Expo) im März 2026 in Shanghai präsentierte sich die bis dahin völlig unbekannte Marke Guruma erstmals der Öffentlichkeit, und zwar nicht mit einem Einsteigermodell, sondern gleich mit einem vollverkleideten Superbike der Liter-Klasse.

Guruma als neue Mobilitätsmarke von Fengxun
Hinter dem Namen Guruma steckt angeblich der chinesische Technologie- und Industriekonzern Fengxun. Guruma versteht sich offenbar als Mobilitäts-Submarke und zeigte auf der AWE neben dem Motorrad auch ein sogenanntes smartes Flugzeug. Eine klassische Motorradmarke mit gewachsener Tradition ist das also nicht. Vielmehr positioniert sich das Unternehmen an der Schnittstelle zwischen Elektronik und Mobilität, was auch die Wahl der Messe erklärt.
Motor und Technik mit bekannten Wurzeln
Der Antrieb der Guruma 1000 RR ist ein wassergekühlter Reihenvierzylinder mit 1.051 ccm Hubraum, der 150 PS (110 kW) leisten und ein maximales Drehmoment von 105 Nm (77,4 lb-ft) erreichen soll. Die Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 260 km/h an.
Wer die aktuellen Entwicklungen im chinesischen Motorradmarkt verfolgt, erkennt schnell Parallelen. Motor, Rahmen und Einarmschwinge ähneln stark der QJMotor SRK 1051 RR, die ihrerseits auf Technik von MV Agusta zurückgreift. QJMotor war bekanntlich Partner des italienischen Herstellers und übernahm im Zuge der Zusammenarbeit unter anderem den Reihenvierzylinder-Motor, der ursprünglich als 921-ccm-Aggregat mit Doppelüberkopfnockenwellen und 16 Ventilen entwickelt worden war. Für die 1051er-Variante wurde die Bohrung von 73 auf 78 mm vergrößert, der Hub blieb bei 55 mm. Die Guruma dürfte diese Technik in ähnlicher oder identischer Form nutzen, wobei sie mit 150 PS etwas mehr Leistung als die QJMotor SRK 1051 RR mit ihren 144 PS bei 10.600 U/min angibt.
Auch optisch bestehen Gemeinsamkeiten: Die vier zum Heck hochgezogenen Auspuffrohre, die aggressive Vollverkleidung und die Einarmschwinge erinnern an bekannte Vorbilder. Die Frontpartie mit LED-Beleuchtung scheint hingegen eine Eigenentwicklung von Guruma zu sein. Weitere erkennbare Ausstattungsmerkmale sind eine voll einstellbare Upside-Down-Telegabel sowie ein Lenkungsdämpfer von Marzocchi und ein großes Display.

Fahrassistenz auf Pkw-Niveau als eigentliches Kernthema
Was die Guruma 1000 RR von der Masse der chinesischen Superbikes abheben soll, ist nicht der Motor, sondern die Elektronik. Das Motorrad verfügt laut Hersteller über eine sechsachsige Inertial Measurement Unit (IMU), Millimeterwellen-Radar sowie Kameras an Front und Heck. Gemeinsam sollen diese Sensoren eine 360-Grad-Umgebungserfassung ermöglichen, die bis in den toten Winkel reicht.
Auf Basis dieser Daten soll das System Hindernisse erkennen, den Straßenzustand analysieren und den Fahrer in Echtzeit warnen, etwa bei zu schneller Annäherung an ein Hindernis oder bei rutschigem Untergrund. Guruma geht mit den Versprechen sogar noch weiter: Die KI soll angeblich in der Lage sein, vorausschauend Kurvenradien und Veränderungen im Grip des Asphalts zu berechnen. Derartige Funktionen kennt man bisher allenfalls aus dem Pkw-Bereich, und selbst dort befinden sich viele dieser Technologien noch in der Entwicklung.
Ein besonders leistungsfähiger Bordcomputer soll alle Daten verarbeiten und über OTA-Updates (Over-the-Air) kontinuierlich verbessert werden. Das klingt ambitioniert, muss sich in der Praxis aber erst noch beweisen. In welchem Umfang die Systeme tatsächlich in die Fahrdynamik eingreifen oder lediglich warnend tätig werden, geht aus den bisherigen Informationen nicht hervor.
Pressebilder werfen Fragen auf
Ein Detail fällt bei der Betrachtung des veröffentlichten Bildmaterials auf: Die Qualität der Pressebilder ist auffallend niedrig, und mehrere Aufnahmen wirken wie computergenerierte Renders oder stark KI-bearbeitete Konzeptbilder. Proportionen, Beleuchtung und Oberflächenfinish deuten nicht auf Fotos eines realen Serienfahrzeugs hin. Auf der Messe stand zwar ein physisches Modell, ob es sich dabei um einen fahrbereiten Prototypen oder ein reines Showbike handelt, ist unklar.

Auch eine Retro-Variante in der Pipeline
Neben der vollverkleideten Superbike-Version zeigte Guruma auf der AWE offenbar auch eine Retro-Variante mit rundlicher Verkleidung, die Ähnlichkeiten mit der MV Agusta Superveloce aufweist. Auch hier liegt die Vermutung nahe, dass die Basis von QJMotor stammt, das mit der SRK-Baureihe ähnliche Derivate im Programm hat.
Verfügbarkeit und Preis: Bislang nichts Konkretes
Weder einen Marktstart noch einen Preis hat Guruma bislang kommuniziert. Das Motorrad ist nach aktuellem Stand ausschließlich für den chinesischen Markt vorgesehen. Ob und wann eine Homologation für Europa oder andere Märkte angestrebt wird, ist nicht bekannt. Angesichts der Tatsache, dass weder ein Zeitplan noch eine Preisstruktur vorliegen und die Serienreife des Fahrzeugs fraglich erscheint, handelt es sich bei der Guruma 1000 RR aktuell eher um eine Absichtserklärung als um ein marktreifes Produkt.

Einordnung: Viel Versprechen, wenig Greifbares
Die Guruma 1000 RR ist ein interessantes Signal dafür, in welche Richtung sich Teile der chinesischen Motorradindustrie bewegen wollen. Statt nur auf günstige Preise und bekannte Technik zu setzen, versucht Guruma mit fortschrittlicher Sensorik und KI-gestützter Fahrassistenz einen eigenen Weg zu gehen. Ob die Technologie hält, was der Hersteller verspricht, ob das Motorrad tatsächlich in Serie gehen wird und ob Motorradfahrer überhaupt ein derart stark elektronisch unterstütztes Fahrerlebnis wollen, das sind Fragen, die sich erst in der Zukunft beantworten lassen.

Häufige Fragen
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Was ist die Guruma 1000 RR?
Die Guruma 1000 RR ist ein Superbike der neuen chinesischen Marke Guruma, einer Submarke des Konglomerats Fengxun. Sie wurde im März 2026 auf der Elektronik-Messe AWE in Shanghai vorgestellt und verfügt über einen 1.051-ccm-Reihenvierzylinder mit 150 PS (110 kW).
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Welche Assistenzsysteme hat die Guruma 1000 RR?
Das Motorrad soll über eine sechsachsige IMU, Millimeterwellen-Radar sowie Kameras an Front und Heck verfügen. Damit will Guruma eine 360-Grad-Umgebungserfassung, Totwinkel-Erkennung, Hinderniswarnung und KI-gestützte Fahrbahnanalyse mit OTA-Updates realisieren.
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Wann kommt die Guruma 1000 RR auf den Markt?
Einen konkreten Marktstart oder einen Preis hat Guruma bislang nicht genannt. Das Motorrad ist nach aktuellem Kenntnisstand zunächst nur für den chinesischen Markt vorgesehen. Ob eine Zulassung in Europa oder anderen Märkten geplant ist, ist nicht bekannt.
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Auf welcher Technik basiert die Guruma 1000 RR?
Motor, Rahmen und Einarmschwinge weisen starke Ähnlichkeiten mit der QJMotor SRK 1051 RR auf, die ihrerseits auf Technik des italienischen Herstellers MV Agusta zurückgreift. Der Reihenvierzylinder stammt ursprünglich aus der MV-Agusta-921-Plattform und wurde auf 1.051 ccm erweitert.

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