Michael Dunlop hat das erste Sportbike-Rennen in der Geschichte der Tourist Trophy gewonnen und dabei den Rundenrekord gleich zweimal verbessert. Hinter dem Nordiren fiel die Entscheidung um Platz zwei zwischen Mike Browne und Paul Jordan erst auf der Ziellinie.
- Michael Dunlop gewinnt mit 28,775 Sekunden Vorsprung und neuem Rundenrekord von 124,530 mph
- Mike Browne setzt sich im Duell um Platz zwei mit nur 0,663 Sekunden gegen Paul Jordan durch
- 36. TT-Sieg für Dunlop und bereits der zweite Erfolg an diesem Renntag
Mit der Carole Nash Sportbike TT begann am Freitagnachmittag eine neue Ära auf dem Mountain Course. Die kleinste Soloklasse der TT löst die bisherige Supertwin-Kategorie ab, im Feld der Premiere fuhren neue Sportbike-Maschinen und bisherige Supertwins gemeinsam. Das Rennen startete mit Verspätung um 16:00 Uhr und wurde über zwei Runden ohne Boxenstopp ausgetragen. Genau dieses Format sorgte dafür, dass jede Sekunde vom Start weg zählte.

Wie verlief die erste Sportbike TT der Geschichte?
Michael Dunlop dominierte das Rennen von der ersten Sektorzeit an und gewann auf der Paton by MD Racing mit 28,775 Sekunden Vorsprung vor Mike Browne und Paul Jordan. Bereits am Glen Helen der ersten Runde lag der Nordire 3,68 Sekunden vor Browne, an der Ballaugh Bridge waren es 7,97 Sekunden, in Ramsey bereits 11,3 Sekunden.
Dabei pulverisierte Dunlop die bisherigen Bestmarken: Den Sektor von Glen Helen zur Ballaugh Bridge fuhr er laut offiziellem Rennbericht fast drei Sekunden schneller als je ein Fahrer zuvor, auf dem Weg nach Ramsey legte er die nächste Sektor-Bestzeit nach, weitere zwei Sekunden unter seinem bisherigen Bestwert. Nach den ersten 24 Meilen lag er damit schon sechs Sekunden unter dem Schnitt seines eigenen Rundenrekords. Seine Auftaktrunde aus dem Stand von 123,637 mph (circa 199,0 km/h) bedeutete einen neuen Klassenrekord, schneller als seine Supertwin-Bestmarke von 123,056 mph aus dem Vorjahr, und brachte ihm 17,5 Sekunden Vorsprung ein. Weil das Zwei-Runden-Format keinen Boxenstopp vorsah, ging es ohne Unterbrechung in den zweiten Umlauf. Dort setzte Dunlop vom Grandstand bis Glen Helen gleich die nächste Sektor-Bestzeit, die seinen Vorsprung um weitere fünf Sekunden vergrößerte, ehe er mit einer Schlussrunde von 124,530 mph (circa 200,4 km/h) den Rundenrekord ein zweites Mal neu aufstellte.
Dahinter sortierte sich das Feld früh: Joe Yeardsley und Jamie Coward komplettierten am Glen Helen die ersten sechs, Michael Sweeney startete als Siebter stark in das Rennen. Michal Dokoupil arbeitete sich auf der ersten Runde bis Ballaugh von Position zehn auf sieben nach vorn.
Warum fiel die Entscheidung um Platz zwei erst auf der Ziellinie?
Mike Browne und Paul Jordan trennten im Ziel nur 0,663 Sekunden, nachdem die beiden das gesamte Rennen über die Positionen getauscht hatten. Am Glen Helen der ersten Runde lag Jordan auf der Jackson Racing Aprilia RS660 noch 1,3 Sekunden hinter Browne, am Bungalow war er bis auf 1,2 Sekunden dran. Beim Überqueren der Ziellinie hatte Jordan dann die Nase vorn: Seine 121,695 mph standen gegen 121,682 mph bei Browne, ein Vorsprung von gerade einmal 0,122 Sekunden. Am Glen Helen der zweiten Runde schrumpfte der Abstand auf 0,2 Sekunden, ehe Browne den Spieß umdrehte: An der Ballaugh Bridge lag der Ire wieder 1,1 Sekunden vorn und legte bis Ramsey weitere acht Zehntel nach.
Im Finish fuhren beide persönliche Bestwerte: Browne kam auf 123,273 mph (circa 198,4 km/h), Jordan auf 123,185 mph (circa 198,2 km/h). Beide durchbrachen damit in dieser Klasse erstmals die Marke von 123 mph und blieben unter dem alten Supertwin-Rundenrekord, was im Schatten von Dunlops Vorstellung fast unterging. Browne berichtete nach dem Rennen, dass ihn die Boxentafeln durchgehend über den knappen Abstand informierten und der Kampf um Platz zwei bis zum Schluss unerbittlich blieb. Seine Paton aus dem Melbray/Laycock-Team trat dabei mit einer besonderen Tribut-Lackierung in historischen Farben an, die nach seinen Worten dem Team viel bedeutet, weshalb ihm das Podium in diesen Farben besonders wichtig war. Jordan wiederum sprach davon, dass er nichts auf der Strecke gelassen habe und mit Platz drei sehr zufrieden sei. Für beide war es jeweils das dritte Podium bei der TT, bei Jordan nach den dritten Plätzen von 2022 und 2025.

Was sagte Michael Dunlop nach seinem 36. TT-Sieg?
Dunlop erklärte nach dem Rennen, dass die Paton einwandfrei funktionierte und er sich auf der letzten Runde nicht einmal am Limit fühlte. Er sprach davon, noch Reserven gehabt zu haben, und zeigte sich selbst überrascht, dass die Schlussrunde so schnell war. Sein Dank ging an das Paton-Team, namentlich an seine Mechaniker Andrea und Lorenzo sowie an Stefano, der das Budget des kleinen italienischen Herstellers verantwortet.
Für Dunlop war es der zweite Sieg an diesem Tag: Nur wenige Stunden zuvor hatte er das zweite Supersport-Rennen gewonnen und damit seinen 35. TT-Sieg eingefahren. Mit dem Erfolg in der Sportbike-Klasse steht der Rekordsieger nun bei 36 Siegen. Zudem deutete er an, dass sein Team für das abschließende Superbike-Rennen eine größere Änderung am Motorrad vorgenommen haben soll.
Hickman, Coward und Yeardsley: Die Verfolger hinter dem Podium
Peter Hickman brachte die Swan Racing Yamaha trotz eines kuriosen Problems als Vierter ins Ziel. Auf der ersten Runde löste sich offenbar die Dichtung seines Tankdeckels, sodass ihn bei jedem Bremsmanöver Benzin traf. Schon unterwegs war zu beobachten, wie er mehrfach an der Maschine hinunterblickte und Zeit verlor: Seine Auftaktrunde von 119,926 mph ließ ihn 16,3 Sekunden hinter Browne zurückfallen, nur noch 4,3 Sekunden vor Coward. „I stink of fuel right now“ („Ich stinke gerade nach Benzin“), sagte er nach dem Rennen. Hickman erklärte, er habe zunächst sichergestellt, dass der Tank nicht beschädigt war, und sei bewusst sanft gefahren, bis der Füllstand auf der zweiten Runde sank. Seine Schlussrunde von 121,952 mph (circa 196,3 km/h) war dennoch eine persönliche Bestleistung in dieser Klasse, an den Top drei wäre nach seiner eigenen Einschätzung aber auch ohne das Problem nichts zu machen gewesen.
Jamie Coward wurde auf der Milenco by Padgett’s Paton mit einer Schlussrunde von 120,902 mph Fünfter und zeigte sich nach einem Jahr Pause bei der TT zufrieden mit seiner Rückkehr in die Spitzengruppe. Er sprach offen darüber, dass nach der Auszeit zunächst Selbstzweifel da waren und das Vertrauen mit jeder Ausfahrt wachse. Dahinter sicherte sich der Lokalmatador Joe Yeardsley auf der Flitwick Yamaha mit Platz sechs und 119,587 mph sein bislang bestes TT-Ergebnis. Yeardsley erzählte, dass er das Team im Winter so lange bearbeitet habe, bis es ihm doch noch ein Motorrad aufbaute, und dass es für ihn vor allem darum gehe, sich Schritt für Schritt zu verbessern.

Wer stand bei der Sportbike TT 2026 in den Top Ten?
Den Sieg holte Michael Dunlop vor Mike Browne, Paul Jordan, Peter Hickman, Jamie Coward und Joe Yeardsley, dahinter komplettierten Dominic Herbertson, Barry Furber, Michal Dokoupil und Michael Sweeney die Top Ten. Furber auf der DC Motorcycles Yamaha schnappte sich Platz acht erst auf der zweiten Runde, als er Dokoupil überholte. Herbertson brachte als Siebter die KTS Macadam Triumph als bestes Motorrad nach neuem Sportbike-Reglement ins Ziel und sprach davon, gegen die etablierten Supertwins sinngemäß mit einem Messer zu einer Schießerei angetreten zu sein, was die Stärke der Triumph in den Kurven umso deutlicher mache.
Knapp an den Top Ten vorbei fuhr der Südafrikaner AJ Venter auf der TH Racing Kawasaki auf Platz elf. Shaun Anderson wurde auf der CFMoto 18. Der Newcomer Rhys Stephenson beendete sein erstes TT-Rennen auf der Rocket Racing Triumph als 24. und steigerte sich auf der Schlussrunde auf 114,073 mph (circa 183,6 km/h). Eine besondere Marke erreichte Mark Parrett: Mit Platz 35 absolvierte er als erst sechster Fahrer der Geschichte seinen 100. TT-Start, nach David Madsen-Mygdal, Ian Lougher, Jim Hodson, John McGuinness und Joey Dunlop. Weniger gut lief es für Michael Evans, der auf der ersten Runde am Braddan Dip stürzte. Nach ersten offiziellen Informationen war der Fahrer ansprechbar und wurde zur weiteren Untersuchung ins Noble’s Hospital gebracht.
Wie geht es bei der TT 2026 weiter?
Noch am selben Tag stand mit der Senior TT der Höhepunkt der Rennwoche auf dem Programm, womit Dunlop die Chance auf drei Siege an einem Tag hatte. Drei Solo-Rennen an einem Renntag gab es zuletzt 2019, die wetterbedingten Verschiebungen dieser Rennwoche machten das dichte Programm notwendig. Die Vorhersage für den Samstag galt als unsicher.
Die Sportbike-Premiere reiht sich in eine von Regenunterbrechungen geprägte TT 2026 ein, in der Dunlop bereits die Supersport-Rennen dominiert hatte. Für die Zukunft der Klasse zeichnet sich eine weitere Umstellung ab: Künftig soll das gesamte Feld auf Sportbike-Maschinen unterwegs sein, womit die bisherigen Supertwins wie die Paton aus der Klasse verschwinden würden. Dunlops Rekordfahrt könnte damit zugleich der Abschied der Supertwin-Generation gewesen sein.

Häufige Fragen
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Wer hat die Sportbike TT 2026 gewonnen?
Michael Dunlop hat die erste Carole Nash Sportbike TT am 5. Juni 2026 gewonnen. Auf der Paton by MD Racing siegte er mit 28,775 Sekunden Vorsprung vor Mike Browne und Paul Jordan und feierte seinen 36. TT-Sieg.
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Wie schnell war Michael Dunlops Rekordrunde?
Dunlops neuer Rundenrekord liegt bei 124,530 mph, das entspricht circa 200,4 km/h. Bereits seine Auftaktrunde aus dem Stand von 123,637 mph war schneller als der alte Supertwin-Rekord von 123,056 mph aus dem Jahr 2025.
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Wie knapp war die Entscheidung um Platz zwei?
Mike Browne schlug Paul Jordan im Ziel um 0,663 Sekunden. Nach der ersten Runde hatten die beiden nur 0,122 Sekunden getrennt, auf der Schlussrunde durchbrachen beide erstmals die Marke von 123 mph in dieser Klasse.
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Was ist die Sportbike-Klasse bei der TT?
Die Sportbike TT ist die neue kleinste Soloklasse der Tourist Trophy und löst die bisherige Supertwin-Kategorie ab. Bei der Premiere 2026 starteten neue Sportbike-Maschinen und bisherige Supertwins gemeinsam, das Rennen ging über zwei Runden ohne Boxenstopp.












